Rezensions-Blog 147: Tödliche Beute

Posted Januar 17th, 2018 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

es ist doch immer wieder überraschend, im recht umfangreichen Oeuvre des Thrillerautors Clive Cussler neue Aspekte vorzufinden. Ich kenne Stimmen, die der Ansicht sind, wenn man fünf oder sechs Cussler-Romane gelesen habe, würde man eigentlich alles kennen, worüber er schreibt – nun, dem kann ich nicht beipflichten. Der vorliegende Roman weicht auf interessante Weise von den traditionellen Pfaden ab und ist jenseits seiner packenden Actionhandlung von einem kritischen und für die Zukunft der Menschheit zentralen Gedanken durchdrungen.

Als ich das erst mal entdeckt hatte, war ich davon vor fünf Lesejahren höchst angetan, und ich glaube, das merkt man dann auch an dem Duktus meiner da­maligen Rezension. Folgt mir also in das vierte Abenteuer von Kurt Austin und Joe Zavala von der NUMA und in das heiß umkämpfte Fanggebiet der Färöer im hohen Norden des Atlantiks…

Tödliche Beute

(OT: White Death)

Von Clive Cussler & Paul Kemprecos

Blanvalet 36068, 2004

448 Seiten, TB

ISBN 3-442-36068-4

Aus dem Amerikanischen von Thomas Haufschild

Die ganze Geschichte beginnt im Jahre 1515 westlich der Britischen Inseln. Eine Karavelle aus Spanien ist auf dem Weg in die Neue Welt. Der Kommandant ist ein baskischer Edelmann, der daheim eine Menge Einfluss besitzt und zudem der Hüter wertvoller Reliquien ist. Doch Diego Aguirrez, so der Name dieses wa­ckeren, aufrechten Streiters, wird von einem unerbittlichen Feind verfolgt, ei­nem Häscher der Heiligen Inquisition, mit dem er sich mitten auf dem Meer ein erbarmungsloses Gefecht liefert, ehe ihm die Flucht gelingt. Er wird nie wieder gesehen…

420 Jahre später sind wieder kühne Abenteurer auf dem Weg gen Norden, dies­mal deutsche Luftschiffer an Bord eines experimentellen Zeppelins mit Namen „Nietzsche“, das 1935 den Pol erreichen und so die Überlegenheit deutscher Technik belegen soll. Aber die „Nietzsche“ verschwindet auf Nimmerwieder­sehen in der Arktis und bald daraus auch aus dem Gedächtnis der Menschheit…

Etwa im Jahre 2003 oder 2004 beginnt dann die eigentliche Handlung: Vor den Färöer-Inseln1 im Nordatlantik findet das so genannte „grindarap“ statt, ein tra­ditionelles Ritual der dortigen Fischer, bei dem zahlreiche Zwergwale in eine Küstenbucht getrieben und dort blutig abgeschlachtet werden.2 Aber eine Um­weltschutzorganisation, die „Sentinels of the Sea“ (SOS) unter ihrem energi­schen wie leichtfertigen Anführer Marcus Ryan, ist wild entschlossen, dieses „Massaker“ zu verhindern – zu dumm nur, dass die dänische Marine voraus­schauend den Kreuzer „Leif Eriksson“ vor Ort dirigiert hat, um Exzesse seitens der Umweltschützer zu vermeiden.

Unter normalen Umständen würde so etwas eine Eskalation der Ereignisse ver­hindern. Doch die Umstände sind alles andere als normal, und das bekommen sie alle zu spüren – ehe der Tag des „grindarap“ vorbei ist, liegen Marcus Ryans Schiff „Sea Sentinel“ und der von ihm gerammte (!) Kreuzer der Dänen auf dem Meeresgrund, und zahlreiche Seeleute sind noch im Rumpf des versunkenen Kreuzers eingeschlossen. Hilfe ist weit und breit nicht in Sicht…

Zeitgleich erproben Kurt Austin und Joe Zavala von der NUMA, die Helden die­ser Romanserie, an einem versunkenen russischen U-Boot rund zweitausend Seemeilen entfernt den Prototyp eines neuartigen Bergungs-U-Boots namens „Sea Lamprey“. Und nur dank dieser Koinzidenz der Ereignisse ist es letztlich möglich, die auf dem Meeresgrund Eingeschlossenen doch noch zu retten.

Die SOS will daraufhin, namentlich deren schöne Rechtsanwältin Therri Weld, dass Kurt Austin sich der Sache der SOS verschreibt… aber Austin ist solcher Ak­tionismus nicht geheuer, und nur Therris wegen macht er noch einen Tauch­gang zu dem untergegangenen Aktivistenschiff. Hier entdeckt er allerdings, dass die Steuerruder manipuliert wurden, so dass das Schiff – was durchaus zu den Worten Ryans vor Gericht passt – gewissermaßen ferngesteuert werden konn­te. Die Geschichte stinkt also gegen den Wind, nur weiß er nicht, weshalb.

Er wird bald – und eigentlich eher unabsichtlich – schlauer in dieser Beziehung, weil er noch ein Weilchen auf den Färöern bleibt. Dabei entdeckt er unter ande­rem eine Fischzuchtanlage einer Firma namens „Oceanus“, die offenkundig von Inuit scharf bewacht wird. Als er sich auf das Firmengelände einschleicht, um Klarheit zu bekommen, wird er beinahe ermordet und kurz darauf fast mitsamt seinem Boot in die Luft gesprengt. Dass er sich nebenbei den tödlichen Hass ei­nes fanatischen Inuit zuzieht, was noch für üble Konsequenzen sorgt, sei nur am Rande erwähnt.

Rettung in letzter Not ist die Besatzung einer spanischen Yacht, die ihn auf­fischt. Hier macht Austin, ziemlich übel derangiert, die Bekanntschaft mit Bal­thazar Aguirrez, einem baskischen Industriellen, der den Ahnenforscher und Ar­chäologen mimt… fragt sich nur, warum sein Schiff dann über Flugabwehrrake­ten und ähnlich martialische Bewaffnung verfügt.

Der NUMA-Mann Austin ist jedenfalls allmählich neugierig geworden auf die Firma „Oceanus“, und während er noch weiter von den SOS-Leuten, insbeson­dere von Therri Weld, umworben wird, zieht die Gefahr weitere Kreise. Kurts gelangweilte Kollegen Gamay Morgan-Trout und ihr Mann Paul Trout in den Staaten beschließen nämlich, von Austin auf die Firma „Oceanus“ angesetzt, in Kanada eine Fischfabrik zu besuchen, die zu dem komplexen Konsortium hinter „Oceanus“ gehört. Dabei stoßen sie auf ein paar sehr beunruhigende Dinge, beispielsweise auf ein Fischerdorf, in dem kein Fisch mehr gefangen wird, auf einen monströsen „Frankenfisch“, der wie ein polarer Piranha offensichtlich al­les frisst, was sich im Meer bewegt, und wenig später gibt es reihenweise Tote.

Ja, es ist offensichtlich, dass „Oceanus“ etwas zu verbergen hat. Und zimperlich im Umgang mit unliebsamen Neugierigen sind diese Leute auch nicht.

Doch wie nun der baskische Pfad, das deutsche Luftschiff, der unheimliche Inuit-Stamm der Kiolya und ihr monströser Anführer, der sich gern nur nach ei­nem Inuit-Dämon „Toonook“ nennen lässt, sowie die Fischzuchten zueinander passen, das ist ein verheerendes Puzzle, dessen innere Logik sich selbst Kurt Austin fast zu spät erschließt. Hoch in den Wolken über Kanada ereignet sich dann der finale Kampf…

Man kann das vermutlich nicht anders sagen: die Kurt Austin-Romane sind, ab­gesehen vom Erstling3, grundlegend anders gestrickt als die Romane um Dirk Pitt und seinen Kollegen Al Giordino. Zwar sind Joe Zavala und Kurt Austin durchaus ähnlich, aber es wird von Roman zu Roman deutlicher, dass Austin mehr zu Grübelei, Skepsis und Zurückhaltung neigt. Dieses Werk bringt das bes­tens zutage, und es tut der Spannung nur bedingt Abbruch.

Zum zweiten aber zeigt die Wahl der Themen, dass Kemprecos schwierige und durchaus auch kontroverse Sujets nicht scheut. Im Vergleich zu den eher bunten Abenteuergeschichten Dirk Pitts geht es in Austins Abenteuern um glo­bale Wasserversorgung4 oder um das nicht unproblematische Methanhydrat und damit die Zukunft der weltweiten Energieressourcen.5 Diesmal geht es um Gentechnik, genauer gesagt: um Seafood und die Schwierigkeiten, die daraus erwachsen können. Und es geht um aktivistische Umweltorganisationen a la Greenpeace – wobei vermutlich für die „Sentinels of the Sea“ die Organisation „Sea Shepherd“ von Paul Watson Vorbild stand.6

Zwar kommt der Roman diesmal definitiv nicht an den Vorgängerroman heran, was mit Sicherheit daran liegt, dass die wesentlichen Personen einfach nicht hinreichend charakterisiert werden und speziell der Luftschiff-Strang eher halb­herzig verfolgt wurde, zum zweiten wird doch etwas sehr stark bei der Darstel­lung der so genannten „Frankenfische“ übertrieben (wo regelrechte Verteufe­lung der Gentechnik betrieben wird), aber man kann schon konstatieren, dass Kemprecos auch dieses Mal ein interessantes Thema aufgreift, dessen Brisanz man nicht unterschätzen sollte, und das alleine macht den Roman schon lesbar.

Die Frage nämlich, wie angesichts erkennbarer Überfischung der Weltmeere, absolut kläglicher Schutzbemühungen der noch übrig gebliebenen Bestände7 und immer größer werdender Menschenmassen dafür gesorgt werden kann, die Milliarden hungriger Mäuler zu stopfen, ist eine der großen Zukunftsfragen der Menschheit. Während viele Konzerne weltweit darauf setzen, etwa Mais, Weizen oder Reis zu „optimieren“, d. h. im Wesentlichen gentechnisch aufzurüsten, damit er höhere Erträge erbringt oder gegen Schädlinge und widrige Wachstumsbedingungen besser gewappnet ist, setzen andere Firmen gezielt auf Aquakulturen, d. h. auf die künstliche Züchtung von großen Fischbeständen, beispielsweise – wie in diesem Roman – von Lachsen. Dasselbe gilt für Shrimps, deren Zuchten etwa in Südostasien oftmals mit dramatischer Rodung von Man­grovenwäldern einhergehen, wodurch Naturräume zerstört, Buchten verseucht, Tierarten ausgerottet und natürliche Tsunami-Schutzwälle (die Mangroven!) vernichtet werden.

Wie im Roman prinzipiell korrekt beschrieben, sind solche künstlichen Zuchten natürlich anfälliger gegen Umweltstress und Krankheiten – die Parallele zur in­dustriellen Massentierhaltung an Land bzw. zu agrarischen Monokulturen ist unübersehbar und eine Realität – , so dass die Tiere zu Geschwulstbildung, neu­rotischem Verhalten und ungewohnter Aggressivität neigen. Vieles davon wird mit Antibiotika bekämpft, die auch jenseits der Aquazuchten für Probleme sor­gen. Es kommt zur unbeabsichtigten Freisetzung von Zuchttieren, die Krankhei­ten in natürliche Bestände hineintragen und so weiter und so fort…

Die im Buch darum angesprochenen Probleme sind also nichts, was sich die Verfasser völlig aus den Fingern gesaugt haben, und den Finger in die Wunde zu legen, ist absolut essentiell. Meiner bescheidenen Ansicht nach besteht das Hauptproblem zwar im zügellosen Wachstum der menschlichen Spezies, das dringend gedrosselt werden sollte, und genetisch „optimierte“ Tier- und Pflan­zenarten stellen lediglich eine Art von Kurieren an Symptomen dar, aber solche kritischen Worte kann man in dem vorliegenden Roman natürlich nicht finden. Allerdings fand ich es schon recht beunruhigend, wie sehr die Spezies Mensch den gefräßigen und unersättlichen „Frankenfischen“ ähnelt, die das Meer leerplündern und schließlich an ihrer eigenen Gefräßigkeit zugrunde gehen… wer mag, kann darin eine unterschwellige Mahnung an unsere eigene Rasse sehen.

Jenseits des Unterhaltungswerts hat der Roman also auch noch eine ernstzu­nehmende, kritische Botschaft, was ja Dirk Pitt-Romane in der Regel nicht an­streben. Ich halte die Lektüre darum für durchaus lohnend. Ich hatte das Buch in drei Tagen verschlungen, und das spricht vermutlich für sich… schade ist nur, dass die Bücher offensichtlich immer kürzer werden. Ein paar mehr Seiten hät­ten diesem Roman nicht geschadet.

© 2012 by Uwe Lammers

Wie ihr sehen könnt, habe ich einleitend wohl nicht zu viel angedeutet, eher zu wenig. Das ist tatsächlich ein höchst lesenswerter Roman, der nur im unschein­baren Gewand daherkommt.

Nächste Woche machen wir uns, ihr habt das sicherlich schon erwartet, wieder auf in die schulische Ausbildung des jungen Harry Potter. Und wiewohl Schule für die meisten von euch vermutlich dröge und eher abschreckend war, ist das bei Harry nicht der Fall – doch nicht, wenn es um die Zaubererschule Hogwarts geht. Die jedoch befindet sich derzeit im Belagerungszustand…

Mehr dazu in einer Woche.

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Im Buch durchgängig als „Faröer“ verkehrt geschrieben.

2 Es gibt übrigens analoge „Spektakel“ im mediterranen Raum im Rahmen der Thunfischjagd, darum ist die Sitte des „grindarap“ durchaus nicht unrealistisch.

3 Vgl. Clive Cussler & Paul Kemprecos: „Das Todeswrack“, 2000. Vgl. dazu auch den Rezensions-Blog 127 vom 30. August 2017.

4 Vgl. dazu Clive Cussler & Paul Kemprecos: „Brennendes Wasser“, 2002. Vgl. dazu auch den Rezensions-Blog 131 vom 27. September 2017.

5 Vgl. dazu Clive Cussler & Paul Kemprecos: „Flammendes Eis“, 2003. Vgl. dazu auch den Rezensions-Blog 139 vom 22. November 2017.

6 Vgl. dazu den Artikel über die Sea Shepherds im GEO 10/2011.

7 Was wesentlich auf das internationale Seerecht zurückzuführen ist und auf die menschliche Psyche: Ho­heitsgewässer reichen nicht sehr weit und sind ohnehin schwer zu kontrollieren, internationale Fischfang­konsortien, viele davon in Ostasien angesiedelt, operieren weltweit in den Gewässern, für deren Schutz sich niemand verantwortlich sieht – und was niemandem „gehört“, das wird von Menschen nun einmal leider gnadenlos ausgeplündert, die Regenwälder zeigen dasselbe Bild; es ist leider unwahrscheinlich, anzuneh­men, dass das internationale Seerecht oder das Völkerrecht Abhilfe schaffen, ehe es zu spät ist.

Liebe Freunde des OSM,

es ist schon ein wenig unglaublich, wenn man den Teil 50 irgendeiner Subarti­kelserie dieses Blogs zu schreiben hat… für mich wenigstens fühlt sich das irgendwie, wie soll ich sagen?, nun… strange an. Als ich am 17. März 2013, also vor beinahe 5 Jahren, als zweiten Blogartikel überhaupt diese Rubrik begann, nahm ich recht schlicht an, sie würde relativ bald die Realgegenwart erreichen… aber wie ihr ja wisst, hat sich das verselbständigt.

Natürlich hätte ich das wissen können – aber es ist eben eine Sache, ob ich Ar­chipelromane oder opulente OSM-Episoden verfasse oder Blogartikel schreibe. Dachte ich damals noch. Blogartikel, so meine damalige Überzeugung, sind im­mer kurz und knapp, die Aufmerksamkeit der Leser hier ist (so nahm ich irrig an) begrenzt, fasse dich also kurz, ufere nicht aus. Ich nahm mir vor, nie über 4-5 Seiten Text hinauszugehen.

Auch das ist, wie ihr längst wisst, Vergangenheit. Manche Themen brauchen einfach mehr Raum. Zu anderen Gelegenheiten ist mir, wenn ich Blogartikel ver­fasse, zum Erzählen zumute, und dann wird es ebenfalls etwas länger (aber, wie ich hoffe, niemals „schwafelig“ oder schwammig. Geschwätz widerstrebt mir grundsätzlich).

Also, 50 Beiträge zum Thema „Was ist eigentlich der OSM?“ haben wir jetzt er­reicht, und es ist anzunehmen, dass ebenso viele im Laufe der nächsten Jahre wohl noch folgen werden. Aber dann, wie anfangs angekündigt, sicherlich in größerem Abstand, sobald ich die Realgegenwart erreicht habe – einfach des­halb, weil ich in jedem dieser Beiträge ja mehrere Monate Lebenszeit straffe und zusammenfasse.

Lasst mich schauen, wo ich im vergangenen Beitrag, Blogartikel 248 vom 3. De­zember 2017, stehen geblieben war… ah ja, das legendäre Jahr 2013 brach an und brachte den Start meines E-Book-Programms.

Wie erwähnt, begannen die Vorarbeiten in enger Zusammenarbeit mit der E-Book-Lektorin Corinna Rindlisbacher von www.ebokks.de und meinen Freun­den vom Förderverein Phantastika Raum & Zeit e.V. in Braunschweig bereits anno 2012, aber richtig Fahrt aufnehmen konnte das alles natürlich erst im Frühjahr 2013.

Im OSM steckte ich zu dieser Zeit, während ich parallel nach Arbeit suchte und mich mit meinen wenigen Finanzen mühsam über Wasser hielt, in der kom­mentierten Abschrift des KONFLIKTS 18 „Kampf gegen TOTAMS Dämonen und Schergen“, ich formatierte den begonnenen Roman „Abenteuer im Archipel“ neu und fuhr mit der Abschrift von Episoden aus KONFLIKT 22 „Oki Stanwer – Der Schattenfürst“ sowie der notwendigen Neuformatierung von Episoden der Abschrift von KONFLIKT 15 „Oki Stanwer“ fort.

Nur Nacharbeiten und Abschriften? Oh nein, ich konnte in diesem Monat auch endlich einen neuen Meilenstein in KONFLIKT 28 „Oki Stanwer – Der Siegeljä­ger“ vermelden: Ich hatte es geschafft, den voluminösen Jubiläumsband 50 zu beenden, der den prägnanten Titel „MATRIXPEST“ trägt.

Ihr erinnert euch – das ist die Episode, als der Furcht einflößende RAND die Erde des Jahres 1999 erreicht und nahezu alles, was Rang und Namen in der OSM-Geschichte hat, geradewegs vom Antlitz der Welt wegfräst: Totenköpfe, Dämonen von TOTAM, Dämonenwaffen, Menschheit… Moment, Menschheit? MENSCHHEIT? Aber dann ist doch alles vorbei, oder…?

Nein, eben gerade nicht. Dann beginnen die absoluten Mysterien.

Aber für Klivies Kleines, den Helfer des Lichts und engsten Freund Oki Stanwers, der als MASKE die verwüstete Erde nach dem RAND besucht, fängt der Alp­traum in diesem Moment erst an… ich sage euch, ein grässlicher Opener für das neue Jahr, dies schon im Januar.

Aber bitte, das war erst der 11. Januar! Der ganze restliche Monat lag noch vor mir. Und der hatte es ebenfalls in sich – nicht umsonst sind für den Januar sa­genhafte 35 neue, fertige Werke verzeichnet!

Glaubt ihr nicht? Ist aber eine Tatsache.

Ich schrieb entgegen der vermutlich verständlichen Ansicht nur einen einzigen ersten Blogartikel, aber dafür zwei E-Book-Texte, nämlich „Das ausgeplünderte System“ und „Im Zug“. Ich verfasste für FAN die Historikerzeit #10 und bereitete die Publikation des OSM-Romans „Verderben auf Tuwihry“ in sieben Teilen für das Fanzine Baden-Württemberg Aktuell (BWA) vor.

Und ich tobte durch die OSM-Ebenen. Durch KONFLIKT 22, durch KONFLIKT 28, ich arbeitete weiter an KONFLIKT 9 „Oki Stanwer – Der Kaiser der Okis“, wo ich gerade den Alli-Zyklus um das Kaiserreich von Trandin begonnen hatte. Es folgte ein Besuch in KONFLIKT 24 „Oki Stanwer – Der Neutralkrieger“, außerdem eine Stippvisite im Archipel in dem inzwischen schon recht voluminösen Roman „Die neue Strafe“. Und dann war da noch die Weiterarbeit in KONFLIKT 19 „Oki Stan­wer – Der Missionar“ im Rahmen des Romanfragments „Eine scharf geschliffe­ne Waffe“.

Ich war bass erstaunt, als ich das Ende des Monats Januar erreichte, das könnt ihr mir aber glauben! Wow, dachte ich, hier glüht die Kreativität – offensichtlich tut mir die Herausforderung durch das neue E-Book-Programm echt gut! Klasse!

Mann, ich hatte ja noch gar keine Ahnung!

Einen Monat später – der Februar schloss ebenfalls mit sensationellen 28 fertig gestellten Werken ab! – konnte ich wirklich nur ungläubig staunen, wie arbeit­sam und rege ich war. Das hing natürlich mit zahlreichen Faktoren zusammen: Im Februar intensivierte ich beispielsweise die Abschrift der OSM-Episoden aus KONFLIKT 22. Es entstanden fünf neue Blogartikel, zahlreiche Neuformatierun­gen von Geschichten, insbesondere solchen, aus denen dann E-Books werden sollten, wurden im Februar 2013 realisiert. Das erste E-Book „Hinterlassen­schaften“ ging am 12. Februar an die Öffentlichkeit und wurde von mehr als tausend Lesern downgeloaded… wundert es, dass ich voller Begeisterung war? Eher nicht.

Der Artikel „Der Weg zum E-Book“ entstand, in dem ich über die Entstehung meines E-Book-Programms reflektierte. Die Neuformatierung der TI-Serie er­reichte den aktuellen Schreibhorizont (Episode 53). Und das nächste E-Book, „Vhentars Schicksal“, wurde fertig.

Der Schreibflow hielt an: die Endabrechnung für den Monat März zeigt weitere 31 fertig gestellte Werke, darunter 4 weitere Blogartikel, den Artikel „Der Oki Stanwer Mythos (OSM) im E-Book-Format“, den ich für FAN schrieb – genauer: für meinen FAN-Beitrag, dem ich diesmal den Titel „E-Book-Times #1“ gegeben hatte.

Ansonsten: eine Wildnis von Abschriften, Neuformatierungen und kommentier­ten Abschriften von Episoden aus KONFLIKT 18, KONFLIKT 22 sowie KONFLIKT 15. Hinzu kamen Neuformatierungen historischer Artikel und die Weiterarbeit an KONFLIKT 2 „Oki Stanwer und das Terrorimperium“ (TI). Besonders an letzte­rem war eine befruchtende Wirkung seitens meines E-Book-Programms zu spü­ren, denn die TI-Schreibarbeit stockte schon eine Reihe von Jahren.

Und das E-Book-Programm brachte mich, wie ich ironisch sagen möchte, auch auf leichtfertige „dumme“ Ideen. Ich fuhr zu dieser Zeit ja zweigleisig: Begin­nend mit Einzelgeschichten wie „Hinterlassenschaften“ hatte ich dann ergän­zend mit der Veröffentlichung der TI-Serie begonnen. Aber ihr wisst das längst – es gab ja so viel mehr OSM-Universen! Warum also nicht eine weitere E-Book-Reihe beginnen, um diese anderen Universen ebenfalls vorzustellen?

Gesagt, getan. Im März begann ich also mit der Planung der Parallelreihe „Aus den Annalen der Ewigkeit“, indem ich mir die Novelle „In der Hölle“ vornahm und mit dem Ausbau selbiger zu einem ersten Roman der Reihe begann.

Ihr merkt: die Kreativität glühte geradezu in diesen ersten drei Monaten des neuen Jahres, und das war ein phantastisches Gefühl. Schon nach 3 Monaten auf 94 fertige Werke zurückblicken zu können (zum Vergleich: 2012 waren es im gleichen Zeitraum gerade mal 59 Werke gewesen), das befeuerte mich na­türlich in enormer Weise.

Ja, dachte ich, daran kann man sich gewöhnen: an monatlich eine E-Book-Veröffentlichung, an vier bis fünf Blogartikel im Monat. Das Blogartikelschreiben macht richtig Spaß… und das ist die reine Wahrheit, das ist bis heute der Fall, seit Schaffung des Rezensions-Blogs vielleicht noch mehr denn je. Denn in der Tat ist das Blogartikelschreiben keine wirkliche Belastung, wenn man sich ein­mal vergegenwärtigt, wofür ich das tue und wie sehr es mich konstant im Schreibtraining hält – selbst wenn ich wenig Zeit dafür habe, ist für solche Schreibübungen, die euch wie mir zugute kommen, immer noch ein kleines Zeitfenster vorhanden. Das ist ein bisschen wie mit Rezensionen… aber in den Blogartikeln, fand ich damals und finde es noch heute, ist irgendwie mehr For­mulierungsfreiraum vorhanden.

Schnell legte sich also im Frühjahr 2013 meine Nervosität, was die Blogartikel und das Schreiben für die breite Öffentlichkeit anging. Natürlich war ich noch unbeholfen und tapsig, hatte Mühe, meine überschießenden Gedanken zu ka­nalisieren und daran zu denken, dass ihr, meine Leser, ja vom OSM noch keine rechte Vorstellung haben konntet… heutzutage, mit Jahren der Blogerfahrung und wissend, dass die meisten von euch doch schon recht gut in die Frühzeit des OSM eingelesen seid, ist das anders, da gehen wir sehr viel entspannter miteinander um als zu Beginn.

Das erste Quartal 2013 war also aus meiner Sicht ein voller Erfolg, und ich war sehr gespannt, wie es weitergehen würde. Davon berichte ich euch in der nächsten Folge dieser Blogartikelreihe.

Über das kommende Blogartikelthema decke ich noch den Mantel des Geheim­nisses – das hat seine Gründe, Freunde, denn da geht es wirklich um ein Geheimnis für das aktuelle Jahr 2018. Wer den Mantel gern lüften möchte, der schaue kommende Woche herein. Aber psst… nicht weitererzählen!

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 146: Schatten über Baker Street

Posted Januar 10th, 2018 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

Sherlock Holmes und das Übernatürliche… das ist beinahe schon ein schreien­der Widerspruch, der nicht zusammengeht. Das könnte man so glauben, aber das geht etwas an der historischen Realität vorbei. Well, nun könnte ein kennt­nisreicher Leser einwenden, ich solle nicht den Fehler begehen, Sherlock Hol­mes für eine authentische Person der Zeitgeschichte halten, und in diesem Punkt würde ich sogleich beipflichten. Doch darum geht es mir nicht.

Sherlock Holmes als ein durch und durch beinharter Rationalist war dem Über­natürlichen aus gutem Grund abhold. In der viktorianischen Ära war gerade im Bereich des Spiritismus Lug und Trug an der Tagesordnung, und ob es so etwas wie echte Medien gab, durchaus fragwürdig. Gleichwohl, und darauf hebe ich an dieser Stelle ab, verfiel der Schöpfer des legendären Meisterdetektivs, Ar­thur Conan Doyle, dem spiritistischen „Fieber“, wie ich es nennen möchte. Wie­wohl er sich eine gewisse Skepsis bewahrte, glaubte er doch felsenfest etwa an die Existenz von Feen und Elfen und war überzeugt davon, dass einige Fotos von ihnen, die er besaß, tatsächlich übernatürliche Wesen abbildeten.1

Und dies, wohl verstanden, vom Schöpfer des durch und durch rationalen Sher­lock Holmes. Es ist also nicht restlos abwegig, wenn auch, zugegeben, äußerst abenteuerlich, was in diesem Sammelband von Kurzgeschichten passiert – dass nämlich der beratende Detektiv aus der Baker Street 221B mit übernatürlichen Wesen konfrontiert wird.

So wird auf interessante und verblüffende Weise der Holmes-Kosmos noch aus­geweitet auf parallele Wirklichkeiten, bevölkert von surrealen und üblicherwei­se monströsen Fabelwesen, die insbesondere dem Kosmos des großen Altmeis­ters der weird fiction, Howard Phillips Lovecraft, entsprungen sind.

Neugierig geworden? Dann lest weiter:

Schatten über Baker Street

(OT: Shadows over Baker Street)

von Michael Reaves & John Pelan (Hrsg.)

Bastei 15387, Oktober 2005

544 Seiten, TB, 8.00 Euro

Diverse Übersetzer

Als im Jahre 1887 der erste Roman um einen geheimnisvollen, durchaus etwas schrulligen Detektiv in der Baker Street 221B erschien und der zu diesem Zeit­punkt noch relativ unbekannte Schriftsteller Arthur Conan Doyle den Grund­stein zu einem Mythos legte, konnten weder er noch die Leser oder Verleger ahnen, dass nach fast 120 Jahren der Mythos Bestand haben würde. Arthur Co­nan Doyle wurde später geadelt und durfte sich „Sir“ nennen, und Sherlock Hol­mes und sein Kompagnon und ärztlicher Freund, Dr. John Watson, gingen in die Literaturgeschichte ein.

Der originale Kanon besteht aus 56 Geschichten und 4 Romanen, doch die Zahl jener Werke, die Epigonen verfasst haben, geht in die Hunderte. In diesem Buch sind nun achtzehn neue Geschichten niedergeschrieben, und nicht alle halten sich an die gängige Chronologie, ja, manche spielen nicht einmal in dieser Welt!

Das vielleicht Biedere an Doyles Geschichten war ja, dass selbst in solch obsku­ren Werken wie „Im Zeichen der Vier“, „Der Hund der Baskervilles“ und ande­ren alle geheimnisumwitterten, scheinbar übernatürlichen Ingredienzen auf einen realistischen Kern zurückgeführt werden konnten. Das geschah gewisser­maßen in der Nachfolge von Horace Walpoles „Castle Otranto“, das im 19. Jahr­hundert den Ruf der „gothic novel“ mit begründete.

Aber was, wenn Logik und verbrecherische Logik nicht alles wären? Was, wenn es das Übernatürliche wirklich gäbe, eine düstere, Wahnsinn verbreitende Strö­mung unter der Oberfläche des Wachseins?

In diesem Band nun trifft der Londoner Meisterdetektiv unvermittelt auf die Schrecknisse der Welten des Horror-Großmeisters Howard Phillips Lovecraft, mal subtil, mal derbe und direkt. Ein paar davon sollen hervorgehoben werden, um den Appetit des Lesers zu wecken:

Neil Gaiman sorgt in seiner Einleitungsgeschichte „Eine Studie in Smaragdgrün“ gleich für einen ziemlichen Schocker. Der Titel orientiert sich an dem ersten Holmes-Roman „Eine Studie in Scharlachrot“.2 Auch sonst vollzieht er sich in vielerlei Hinsicht ähnlich. Der Leser wird sich erstmals klar darüber, dass etwas grundfalsch ist, als Holmes folgende Worte spricht: „Mein lieber Lestrade. So viel Verstand sollten Sie mir doch bitte zutrauen. Die Leiche ist offensichtlich nicht die eines Menschen – die Farbe seines Blutes, die Zahl seiner Gliedmaßen, die Augen, die Stelle, an der sich sein Gesicht befindet… all das deutet auf kö­nigliches Geblüt.“

Hallo?, denkt sich der überrumpelte Leser. Was ist DAS denn? Und was, bitte schön, suchen Dr. Jekyll und Jack the Ripper im viktorianischen England des Jah­res 1888 und in dieser Geschichte? Was morden sie für bizarre Wesen? Wer ge­nau liest, wird sogar die – furchterregende – Identität des Rippers herausfinden können. Oh, hier hat Gaiman eine wirklich bösartige Geschichte geschrieben, angesiedelt in einem morbiden Paralleluniversum…

Elizabeth Bear verfolgt in „Tiger! Tiger!“, die 1882 spielt, die Rolle einer Neben­person des Holmes-Kultes: Irene Adler, die deutsche Abenteurerin, befindet sich in Indien auf Tigerjagd, als sie hier mit einem ganz besonderen Wild kon­frontiert wird, das ganz gewiss nicht von dieser Welt ist und für Menschen nicht viel übrig hat…3

Steven-Elliot Altman rekonstruiert einen „Fall von königlichem Blut“ und führt Holmes zusammen mit dem Schriftsteller H. G. Wells in die Niederlande, um einen offensichtlichen Geist zu stellen. Na ja, ganz ein Geist ist es nicht, aber auch nichts viel Angenehmeres. Der unbestreitbare Reiz der Geschichte er­wächst hier aus dem skeptischen Verstand von H. G. Wells, der alles Metaphysi­sche mit natürlichen Ursachen erklären möchte.

Die weinenden Masken“ werden in James Lowders gleichnamiger Geschichte beinahe dem Arzt und Soldaten John Watson in Afghanistan zum Verhängnis. Die blutrünstigen Abenteuer, die Watson im Alter niederschreibt und die ihn nervlich ziemlich zerrütten, wehen dem Leser den heißen, fieberigen Pest­hauch eines unterirdischen Kultes im Hindukusch ins Gesicht – atmosphärisch beklemmend in Szene gesetzt, bis man sich in Werke von Henry Rider Haggard versetzt glaubt.

Kann man drei Jahre lang mehr oder weniger nur von Luft und Liebe leben? „Das fastende Mädchen“ in Poppy Z. Brites und David Fergusons Geschichte schafft dies. Der Grund dafür liegt tief in der Lovecraftschen Mythologie verbor­gen. Wer neugierig ist, mag dafür „The Shadow Out of Time“ lesen. Auch wenn DIESE Geschichte hier nicht in der australischen Wüste spielt, so ist doch der Grund dort zu finden – Millionen Jahre weit in der Vergangenheit…

Das Rätsel des Gehenkten“ wird Sherlock Holmes von Paul Finch aufgegeben: ein Verbrecher, der einen Massenmord auf dem Gewissen hat, hat ihn be­gangen, und er ist geständig. Doch bevor er seinen letzten Gang antritt, über­reicht er Holmes ein Blatt mit verwirrenden Linien, über das der Detektiv, dem auch eine Frist von wenigen Tagen gesetzt worden ist, fast verzweifelt. Erst, als er eine Schiffsfracht verfolgt, die aus dem amerikanischen Innsmouth nach London gekommen ist, wird ihm klar, was geschieht – und es ist schon fast zu spät…

Tim Lebbon schockiert auch gerne. Als John Watson abends bei einem Spazier­gang einen Schlächter bei einem Mord beobachtet, ist er völlig perplex: der Mörder ist niemand Geringeres als sein Freund Sherlock Holmes! Doch ist das wirklich der Fall? Oder gibt es hier Dinge, die subtiler sind, als es auf den ersten Blick scheint? Erst spät begreift Watson: „Das Grauen hat viele Gesichter“

Wenn ein ganzes Dorf seit vielen Tagen schlaflos ist, was nicht einmal mit Opia­ten bekämpft werden kann, dann muss es dafür erkennbar einen guten Grund geben. Als Sherlock Holmes in der Geschichte „Ein Fall von Schlaflosigkeit“ die­ser rätselhaften Begebenheit nachgeht, lässt Autor John P. Vourlis die Fährte zu­rückreichen bis nach Ägypten. Doch längst hat der Fluch die Insel erreicht und streckt seine Krallen nach Dr. Watson aus…

Dies sind nur ein paar Fälle, mit denen es der geneigte Leser hier zu tun hat. Und er begegnet Untoten, den Großen Alten, kryptischen Kulten, Schwarzer Magie, Shoggothen, Unsterblichen, die die Körper tauschen und vielem ande­ren mehr. Auch treffen sie recht unvermittelt auf Personen, die sie hier viel­leicht nicht unbedingt erwarten: Königin Victoria, H. G. Wells, Jack the Ripper, Carnacki the Ghostfinder.4 Meist gut in Szene gesetzt sind die historischen De­tails und die präzise, manchmal fast unheimlich wirkende logische Deduktion, der sich Holmes bedient, um seine Klienten zu verunsichern und die Verbrecher zu entsetzen.

Dann freilich muss man auch konstatieren, dass es sich viele der Autoren zu leicht machen, indem sie die Skepsis Holmes´ einfach aushebeln und ihm ein kryptisches Geheimwissen andichten. Das ist dann doch gar zu einfach. Hat Hol­mes nicht einmal selbst gesagt, er würde seine Erinnerung nur mit dem belas­ten, was er als absolut nötig empfinde? Dazu gehört für den eingefleischten Ra­tionalisten und Logiker sicherlich nicht die Akzeptanz des Übernatürlichen.

Trotz allem hat der Holmes-Freund und der vom Cthulhu-Mythos und der viktorianischen Zeit Faszinierte ein anregendes, spannendes Lesefutter, das sich binnen weniger Tage „inhalieren“ lässt und meiner Meinung nach den Preis sehr wert ist. Allein schon Gaimans Geschichte würde das lohnen…

© 2005 by Uwe Lammers

Tja, da wird einem der Mund schon etwas wässrig gemacht… ich sagte ja ver­schiedentlich bereits, dass das Alter von Büchern oder die Tatsache, dass sie nicht mehr im Verzeichnis Lieferbarer Bücher zu finden sind, kein Qualitätskrite­rium für die Werke an sich darstellt. Das hier ist wieder so ein Fall.

In der nächsten Woche verfolgen wir einen weiteren abenteuerlichen Fall der NUMA-Crew um Kurt Austin und Joe Zavala. Nicht verpassen!

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Der Autor Félix J. Palma begeht meiner Ansicht nach im dritten Band seiner „Landkarten“-Trilogie den Feh­ler, diese Neigung bei Doyle zu gering zu schätzen und ihn deutlich skeptischer sein zu lassen, als es in Wahr­heit der Fall war… aber well done, der Roman „Die Landkarte des Chaos“ (für den Rezensions-Blog in Vorbe­reitung) spielt natürlich auch in einer Parallelwelt von unzähligen, und der hier geschilderte Arthur Conan Doyle ist mit dem unsrigen wahrscheinlich nur bedingt deckungsgleich.

2 Diesem Buch hier wird übrigens ein legendäres Zitat vorangestellt, das angeblich in „Studie in Scharlachrot“ vorkommen soll. Das ist falsch. Ich habe letztgenanntes Buch erst wenige Tage zuvor gelesen. Wahrschein­lich stammt das Zitat eher aus „Der Hund der Baskervilles“.

3 Wer sich übrigens händeringend fragt, woher er Irene Adler kennen sollte, der lese nach in Arthur Conan Doyles Geschichte „Ein Skandal in Böhmen“, im Juli 1891 im Strand Magazine erschienen. Irene Adler ist die einzige Frau, die sich jemals mit Holmes messen konnte.

4 Eine Figur, die den Geschichten des Briten William Hope Hodgson entsprungen ist und die leider kaum je­mand kennt. Ich habe mich sehr gefreut, Carnacki mal wiedertreffen zu können.

Wochen-Blog 253: Legendäre Schauplätze 6: Feuerrad

Posted Januar 7th, 2018 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

ja, es ist schon eine ganze Weile her, dass ich euch zum letzten Mal an einen der legendären OSM-Schauplätze herangeführt habe. Damals bereiste ich mit euch diverse Variationen des Planeten Erde. Heute entführe ich euch in die tie­fen Weiten des Kosmos und bringe mal wieder ein paar alte Zitate aus nie publi­zierten OSM-Episoden, um euch den heutigen Schauplatz ein wenig näher zu bringen.

Besuchen wir eine uralte, geschichtsträchtige Sterneninsel in den Tiefen des Kosmos – in gewisser Weise der Grünen Galaxis Bytharg ähnlich. Die Rede ist von der Galaxis Feuerrad.

Die erste Stippvisite dort wurde durch eine verwirrende, rätselhafte Andeutung eines sterbenden Synox möglich, im KONFLIKT 20, das heißt, ich schrieb dar­über in der noch nicht öffentlichen OSM-Serie „Oki und Cbalon – Das Ewigkeits­team“ (1984-1998). Die Hintergründe hier offen zu legen, wäre zu kompliziert für den zur Verfügung stehenden Raum, das muss ich irgendwann nachholen. Nur soviel ist von relevanter Bedeutung: Oki Stanwer, Klivies Kleines und eine Gruppe potenziell unsterblicher Technos in den Diensten der Baumeister reiste mit dem Wunsch nach Feuerrad, um die MACHT zu bekämpfen, jene unheimli­che Entität, die den Planeten TOTAM in der Sterneninsel Zooltahn okkupiert hatte, um ein Multigalaxien-Terrorreich zu erschaffen, in das auch die Baumeis­ter-Galaxis Arc eingemeindet worden war.

Folgendes ist der erste Blick nach Feuerrad:

Encassan1 projizierte eine Sternenkarte mit Richtungsvektoren in die Zentrale, und Kleines tat dasselbe mit einem verkleinerten Abbild der Außenwelt.

Die von uns 7,5 Millionen Lichtjahre entfernte Galaxis Feuerrad, die ihren Na­men von der starken Häufung roter Riesensterne hatte, die fast achtzig Prozent der Galaxis ausmachten, so dass sie blutrot schillerte, funkelte hell und zugleich unheimlich. Sie hatte sechs Spiralarme und ein deutlich ausgeprägtes Zentrum, das durch ausgedehnte Dunkelwolken fast schwarz erschien, so dass sich in Feuerrad ein schwarzes Herz hinter rötlichen Schleiern zu verbergen schien. Sie maß von einer Spitze des Spiralarms zur gegenüberliegenden insgesamt 88.000 Lichtjahre und hatte eine „Dicke“ von immerhin 34.900 Lichtjahren im Zentrum…2

Wenig später tasten sich Oki und seine Gefährten durch ein Reich der Verwüs­tung, durch das geheime Sternenreich des Kristallvolkes der Synox3, oder was davon noch übrig ist, nachdem der wahnsinnige Baumeister HORUS zuge­schlagen hat. Das Ambiente ist insgesamt generell recht alptraumhaft, wie ein kurzer Blick beleuchten mag:

Blutigrotes Leuchten umflorte uns, als wir mit Überlichtgeschwindigkeit von dem Schwarzen Loch wegsteuerten, das uns losließ, weil wir die Baumeisterco­des und Baumeisterrouten kannten, die uns den Weg durch die Schwerkraftfalle bahnten. Alle anderen Intelligenzen wären in diesem Sog zugrunde gegangen.

Die Galaxis Feuerrad war eine alte Sterneninsel, in der es von Dunkelwolken, Schwarzen Löchern, Neutronensternen und Braunen Zwergen nur so wimmelte.

Und es wimmelte ebenso von roten Überriesen und gewaltigen leuchtenden Gaswolken, die aufgrund seltener Gas- und Staubkonstellationen die Strahlung der Sonnen im Bereich des roten Lichts auffingen und verbreiteten. Deshalb hat­ten wir das Gefühl, durch einen Rotfilter in diese Galaxis hinauszusehen…4

Außerdem aber birgt Feuerrad in diesem Universum die mysteriösen Dunkel­welten, die untereinander durch Transmitterkanäle vernetzt sind und vom aquatischen Raumfahrervolk der Assaler bewacht werden…

Ah, da klingelt bei euch etwas? Ja, ich kann mir das gut vorstellen. Ihr habt einen Assaler schon mal kennen gelernt, einen Gesellen namens Shush. Aber zugegeben, er hatte da schon deutlich an Form verloren, so als knochiger „Wan­derarbeiter“ auf dem Planeten Hamilton in einem späteren Kosmos.5

Nachdem in Feuerrad das Chaos ausgebrochen war, an dem ganz wesentlich Oki Stanwer selbst, der Dämon Weldron von TOTAM und die verheerenden Dä­monenzepter beteiligt waren, als das universenweite Dämonensterben einsetz­te, da verließ ich Feuerrad wieder und stieß zu alten und neuen Ufern vor – ich kehrte notwendig nach Zooltahn und Arc zurück und stieß in eine Schreckensga­laxis namens Dyllawaar vor, von der ich beizeiten berichten werde.

Aber Feuerrad ließ mich dennoch nicht los.

Ich dachte: Verdammt, was ist das doch für eine faszinierende Sterneninsel. Und sie hat so viele weitere Geheimnisse… es muss doch möglich sein, davon zumindest einen Zipfel zu lüften.

Und das gelang mir auch, nämlich 1999. Längst war die oben erwähnte Serie, der KONFLIKT 20, abgeschlossen, da blühte in mir der Gedanke auf, nicht nur ein rätselhaftes Volk näher zu betrachten, nämlich die Xin, sondern auch eine höchst unkonventionelle Perspektive einzunehmen.

Auch die Xin habt ihr bereits kennen gelernt.6 Aber das waren entartete Xin, die nicht wirklich so waren, wie sie ursprünglich in der Galaxis Feuerrad entstanden waren und gelebt hatten. Es gingen schreckliche Geschichten über die Xin in verschiedensten Universen um, entartete Xin-Kollektive wirkten in KONFLIKT 24 „Oki Stanwer – Der Neutralkrieger“ (begonnen 1994). Aber wie sah das ur­sprünglich aus?

Auf einmal fand ich mich in einer Kinderkrippe der Xin auf dem Generations­schiff Airexx-330 wieder, im Geist eines ganz besonderen Xin, der schließlich den Namen Shorex’uss erhielt.

Er war ein Feuerspürer.

Ein besonders begabter Xin, der imstande war, etwas zu fühlen, das er „Feuer­schmerzen“ nannte. Er spürte schon zu einem Zeitpunkt, wo er nicht sehen und bewusst denken konnte, Gefahren für das Schiff und sein Zentralkollektiv auf, warnte nonverbal vor verseuchten Systemen und einer mörderischen, systemvernichtenden Gefahr, den Feuerquallen, die ganze Zivilisationen in Schutt und Asche legten.7

Man mag denken, dass auf diese Weise nur eine Art mikrogeschichtliche Per­spektive möglich wurde, aber das ist falsch. Shorex ist ein außerordentlich intel­ligenter, sehr schnell denkender und lernender Xin, der alsbald intensiv Fragen zu stellen beginnt. Wo die meisten seiner Artgenossen sich mit ihren Wissens­grenzen bescheiden, ist seine Wissbegierde uferlos – und dank seiner privile­gierten Stellung erhält er Zugang zu faszinierenden Informationen. Dass das einen schrecklichen Preis hat, erfährt er erst deutlich später.

So erfährt er von dem Ingenieursvolk der Maszinn, einer Spezies in schwer ge­panzerten Raumschiffen, die lebendigen Metallkegeln ähneln. Er hört von den zierlichen grünhäutigen Humanoiden, den Thaas, die begnadete Ökoingenieure sind, die in parapsionisch begabten Weltraumbäumen durch den Kosmos drif­ten und verwüstete Welten neu besiedeln.

Dann gibt es die Nariija, rätselhafte Wesen, deren genaue Gestalt ich noch nicht kenne – sie schaffen gigantische Informationssäulen, zugleich restriktive Wissensportale wie Umschlagplätze von Informationen wie Waren. Er lernt ebenfalls auf indirekte Weise das Händlervolk der oktopoiden Assaler kennen. Und dann sind da die gigantischen, drachengestaltigen Bhaktiden, deren bis zu elf Meter lange Gestalt eine bizarre Mischung aus Schnecke und Drache ist. Sie bewohnen gigantische, transportable Städte, mit denen sie teils oberirdisch, teils unterirdisch unterwegs sind und Planetenkrusten ausbeuten.

Shorex und mit ihm der Leser merkt schnell, dass all diese Völker auf komplexe Weise miteinander interagieren. Einige davon haben sich unter dem Label „Fhonn-6“ zusammengeschlossen. Die Assaler bilden indes eine in viele Volks­zweige zerfaserte, bisweilen erbittert verfeindete Gemeinschaft, ebenfalls von Händlern, Farmern, Raumfahrern, Raumpiraten, Schmugglern und schlimme­rem. Ein großer Teil der Assaler glaubt außerdem an bizarre Sternenmythen wie von den Schöpfungsgöttern Gerkan und Mitkor, die angeblich Sternenleichen dazu gebracht haben, in einer Art umgekehrter Evolution wieder zu brennen und Leben zu spenden.

Irgendwo in den Tiefen der Galaxis existieren auch die Völker der Alten Wissen­schaftler und der Mönche von Feuerrad. Und dann sind da noch die aggressiven Insektenkrieger aus dem Volk der Tay’cuur, die vor Zehntausenden von Jahren Feuerrad überfielen und eine Schreckensherrschaft errichteten, ehe sie auf grässliche (und heute unbekannte) Weise endete. Die wenigen verstreuten Tay’cuur durchreisen verbittert die Galaxis und streben nach alter Größe.8

Dass in Feuerrad noch ganz andere Dinge von Bedeutung sind, erfährt der Feu­erspürer Shorex dann in dem vierten und fünften Feuerspürer-Roman, die noch unveröffentlicht sind. Hier gerät er in die Sklaverei der Tay’cuur und wird genö­tigt, einen Weg ins legendäre Cuur’yool zu finden, das „Feuerherz“ der Galaxis, wo einst die Zentralwelten der Tay’cuur-Invasoren existierten.9

Dies alles geschieht in einem Paralleluniversum, das ein Schatten des KON­FLIKTS 24 ist, den ich in der Serie „Oki Stanwer – Der Neutralkrieger“ beschrei­be. Auch hier verschlägt es Raumfahrer in die Galaxis Feuerrad, und allein daran erkennt ihr schon, dass dies ein legendärer Ort ist, der mich nach wie vor im­mer noch umtreibt.

Es gibt so viele Rätsel in dieser Galaxis, und viele hängen mit den SIEBEN SIE­GELN VON TOTAM zusammen. Da waren die geheimnisumwitterten Dunkelwel­ten in KONFLIKT 20, die ich oben kursorisch erwähnte. Hier in KONFLIKT 24 en­det ein Pfad der so genannten „Transversalisten“ in dieser Sterneninsel. Der ge­staltwandelnde Tassiner Calderer – seines Zeichens ein noch nicht aktivierter Helfer des Lichts – und seine drei Gefährtinnen geraten in den Bann eines rätselhaften Wesens namens BESLOK, das ihnen aufträgt, in Feuerrad so ge­nannte SPLITTER einzusammeln und zusammenzufügen. Sie scheinen – das ist noch nicht restlos geklärt – Teile eines zerborstenen SIEGELS zu sein.

Wer sich nun vorstellt, dass es vielleicht einfach sein sollte, solche SPLITTER einzusammeln, der sollte sich mal beizeiten die Shorex-Romane anschauen. In einem davon wird eine Informationssäule der Nariija kurzerhand von einem SPLITTER zerstört… immerhin eine kilometerhohe Raumstationssäule. Andere SPLITTER, die ganz offensichtlich höchst mobil sind, sind imstande, ganze Plane­ten zu sterilisieren.

Nein, Feuerrad ist in jedem Universum, in dem Kurs auf diese Sterneninsel ge­nommen wird, ein Hort des Chaos, des Schreckens und der Leiden. Technikde­generation, Bruderkriege, Sklaverei, Unterjochung und schlichter, Panik erzeu­gender und alles auslöschender kosmischer Schrecken regiert hier.

Gleichwohl… in KONFLIKT 24, der schon geraume Zeit pausiert10, bin ich nach wie vor in der Galaxis Feuerrad aktiv – und es ist sehr stark anzunehmen, dass hier noch eine ganze Reihe weiterer Romane, Novellen und Episoden spielen werden, auch jenseits des Shorex-Handlungsstranges.

Feuerrad ist einfach unbeschreiblich faszinierend und übt auf mich eine ähnlich starke Anziehungskraft aus wie etwa Bytharg. Über beide Galaxien gibt es noch sehr viel zu berichten. Was, beispielsweise, sind die Pläne der Mönche von Feu­errad? Was verbirgt sich hinter dem Steinkult der Coyne-Assaler? Ist tatsächlich etwas an dem Mythos von Gerkan und Mitkor (die im übrigen OSM als Dämo­nen von TOTAM bekannt sind, was vermutlich außer mir kaum jemand weiß)? Woher kommen die Feuerquallen? Kann es gelingen, die SPLITTER zu kontrollie­ren? Und was ist das tatsächliche Geheimnis der Dunkelwelten, die auch in KONFLIKT 24 existieren? Ganz zu schweigen von all den Rätseln der Vergangen­heit – wie war das tatsächlich mit der finalen Schlacht gegen die Tay’cuur? Was war die Rolle der Xin? Was die Rolle der Weißen Xin?

Und so weiter und so fort… es gibt wirklich noch viel, sehr viel über Feuerrad zu sagen und womöglich noch mehr dort zu erforschen. Stoff für ganze Romanzy­klen, steht zu fürchten. Doch für den Moment sind wir ans Ende unserer heuti­gen Reise gelangt. Ich danke euch für die Geduld und hoffe, der Einblick in einen noch unbekannten Teil des vielfältigen OSM-Kosmos war für euch erhel­lend.

In der nächsten Woche werden wir wieder bodenständiger mit dem phantas­tischen 50. Teil der Artikelreihe „Was ist eigentlich der OSM?“ Nicht versäumen, Freunde!

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Encassan ist einer der erwähnten Technos.

2 Zitat aus Bd. 73: „Mission in Feuerrad“, Januar 1995 (OSM 1008).

3 Die Synox sind ein Volk, das erstmalig in KONFLIKT 14 „Oki Stanwer – Feldherr der Cranyaa“ (1983-1988) in Erscheinung tritt; strukturchronologisch früher gelagert ist die Existenz der Synox-Spezies in KONFLIKT 12 „Oki Stanwer – Bezwinger des Chaos“ (1987-1993), wo sie freilich erst beschrieben wurden, als der KON­FLIKT 14 schon abgeschlossen war. So kann’s im OSM kommen…

Zitat aus Bd. 74: „Die Schattenkrieger“, Januar 1995 (OSM 1009).

5 Vgl. dazu das E-Book „Aus den Annalen der Ewigkeit 6: Mein Freund, der Totenkopf“, Teil 1 und 2 (2017).

6 Vgl. dazu auch das E-Book „Aus den Annalen der Ewigkeit 6: Mein Freund, der Totenkopf“, Teil 1 und 2 (2017).

7 Vgl. dazu beizeiten den Roman „Der Feuerspürer“, 1999. Veröffentlicht in BWA 250 (Juli 2004), der für die Annalen in der Warteschleife ist. Er ist auch – wie die beiden Folgeromane, von denen gleich die Rede sein wird – auf der Webseite des Science Fiction-Clubs Baden-Württemberg zu finden, die gegenwärtig aber noch mit Zugangsproblemen kämpft und rekonfiguriert wird.

Mehr zu den Völkern von Feuerrad und auch zu den Tay’cuur erfährt man in dem zweiten Feuerspürer-Roman „Der Feuersucher“, 2001. Veröffentlicht wurde er in BWA 270 (März 2006) bis BWA 275 (August 2006). Vgl. außerdem dazu den dritten Feuerspürer-Roman „Der Feuersklave“, 2002, veröffentlicht in BWA 306 (März 2009) bis BWA 310 (Juli 2009).

9 Vgl. dazu beizeiten die Romane „Die Feuerjäger“, 2002, und „Feuerherz“, 2003 (unveröffentlicht). Der Zyklus selbst geht noch weiter, ist bislang aber noch in Arbeit.

10 Der bislang letzte Band dieser Serie, den ich fertigstellen konnte, war Bd. 56: „Der Flammentempel“ (Januar 2015, OSM 1737).

Rezensions-Blog 145: Jagd nach dem Golde

Posted Januar 3rd, 2018 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

immer wieder in den vergangenen rund zwanzig Realjahren habe ich das Ver­gnügen gehabt, in historischen, großzügig bebilderten Jugendbüchern faszinie­rende, kurzweilige und gelegentlich sehr amüsante Lektüre zu haben. Beispiele dafür habe ich in meinem Rezensions-Blog schon seit langem immer wieder mal eingestreut. Sei es, dass es mich in die griechische Antike verschlug1, dass ich eine Stippvisite im Reich der Azteken einlegte2 oder die alten Ägypter aufsuch­te3.

Und nun wird der Spieß ein wenig umgedreht – ich besuche mit dem vorliegen­den Buch, das ich euch heute ans Herz legen möchte, nicht eine bestimmte Epoche, sondern vollführe, orientiert an einem magischen Metall, dem Gold, eine tour de force durch Raum und Zeit. Lasst euch versichern: das lohnt sich. Wer es nicht glauben mag, der lese bitte weiter und lasse sich verführen…

Jagd nach dem Gold

(OT: Gold – a treasure hunt through time)

von Meredith Hooper (Text) und Stephen Biesty (Illustrationen)

Gerstenberg-Verlag, Hildesheim 2002, 52 Seiten, geb.

ISBN 3-8067-4966-3

Aus dem Englischen von Cornelia Panzacchi

Wie oft haben wir uns das gewünscht – ein einziges Mal nur den Weg eines Ge­genstandes durch die Jahrhunderte oder gar Jahrtausende verfolgen zu können, zumal eines solchen Objektes, das ständig sein Äußeres wandelt und wie ein In­sekt in immer neuen Verpuppungen und Häutungen erscheint? Üblicherweise ist das nicht möglich, sei es, weil Menschenleben einfach zu kurz dafür sind, sei es, weil die Überlieferungslage dürftig ist oder Dinge einfach nicht mehr wiederzuerkennen sind und man ihre Pfade nur noch über wackelige Mutmaßungen erschließen kann.

Diesmal können wir es. Wenn wir dieses Buch lesen.

Das Universum, vor rund fünf Milliarden Jahren – in den Tiefen des Raumes ex­plodiert ein Stern und schleudert die schweren Elemente seines Herzens in den kosmischen Raum hinaus. Sie vermischen sich mit den Stoffen einer Staubwol­ke, die zum Geburtsort eines neuen Sonnensystems wird – unseres eigenen. Das molekulare Zeichen jenes Elements, dessen Weg wir verfolgen, ist „Au“, der Kürzel für Aurum – Gold.

Sternengold, eine mystische Substanz, die schon seit alters her von Königen als göttlicher Stoff in Dienst genommen wird. Das Gold, dessen Pfad wir folgen, wird etwa im 15. Jahrhundert vor Christus in der nubischen Wüste von pharao­nischen Arbeitern gewonnen und bald darauf zum Bestandteil einer Totenmas­ke.

Der Herrscher stirbt etwa um 1438 vor Christus, und nun dringen bald danach Grabräuber in die Gruft ein und rauben die Goldmaske, den Ausgangspunkt der dramatischen Jagd durch die Jahrhunderte. Denn die Maske erleidet das typi­sche Schicksal so vieler Schätze: sie wird eingeschmolzen und zu einem kostba­ren Lotoskelch geformt, der – Ironie des Schicksals! – in einem ägyptischen Tempel jahrhundertelang seine Dienste versieht.

Von dort aus geht der Kelch aus Gold in die Hände der Römer über, sieht Rom, dann wandert er im Jahre 86 nach Christus nach Dakien (heute Rumänien), der Kelch wird erbeutet und landet während weiterer Kriegszügen unter Karl dem Großen schließlich in einem Wald, als er bei einem Transport unter Laub gerät. Hier wird er vergessen, und das dämmrige Tuch der Geschichte deckt ihn zu wie die Erde. Ein Wald wächst über seinem Versteck.

Erst im Jahre 1465 kommt der größte Teil des Kelches auf einem Acker nahe dem Rhein wieder zum Vorschein. Da er alt, zerbeult und unvollständig ist (der Fuß ist abgebrochen und ruht weiterhin in der Erde), wird er zu einem Schmuckkästchen und einem Ring umgeschmolzen. Ein Teil des Goldes wird zu Blattgold und ziert um 1480 ein Stundenbuch.

Weitere Stationen des transformierten und sich immer weiter verändernden Goldes sind England unter Königin Elisabeth I., eine Geldfälscherwerkstatt in London, ein Korsarenschiff im Jahre 1586, Oxford, das vorrevolutionäre Paris, Australien und schließlich New York.

In welcher Gestalt das Gold dort ankommt? Nein, das soll nicht verraten wer­den, nur soviel: die Zeit ist die Gegenwart, das frühe 21. Jahrhundert.

In leicht verständlichen Texten, sehr sachverständig illustrierten, großformati­gen Seiten und einer sehr detailverliebten Darstellung der Epochen wird der ju­gendliche Leser dieses Kinder- und Jugendbuches an zahlreiche verschiedene Zeitalter der Menschheitsgeschichte herangeführt. Während er dem sich stän­dig wandelnden glimmenden Metall folgt, das mal roher Klumpen, mal Toten­maske, Kelch, Ring, Uhr, Westenknopf usw. ist, begreift der Leser, dass Ge­schichte ein komplexes Kontinuum ist und zahllose kleine Fäden hier zu­sammengeflochten sind. Von dieser Seite her muss das Buch als didaktisch aus­gesprochen gelungen bezeichnet werden. Niedlich ist zudem die Zusammen­schau zum Schluss, bei der noch einmal gezeigt wird, wo die einzelnen Stücke des weit verstreuten Goldes sich in der Handlungsgegenwart befinden. Man­ches davon ist, wie es im realen Leben auch wäre, sogar noch zu entdecken…

Noch interessanter sind zwei Anhänge des Werkes. In dem einen wird auf weni­gen Seiten der ganze Gang der Handlung noch einmal, illustriert, resümiert und ausdrücklich darauf verwiesen: „Diese Geschichte beruht zum großen Teil auf geschichtlichen Ereignissen und spielt an historischen Orten. Einige Personen sind erfunden, andere haben gelebt. Doch alles könnte sich genau so zugetra­gen haben.“

Die historische Akkuratesse zeugt von enormem Sachverstand und Liebe zur ge­schichtlichen Treue. Während viele historische Kinder- und Jugendbücher eher auf plakativer, banaler Darstellungsweise beruhen oder sich in Anekdoten und simplem Imitieren von Geschichte verlieren, ist hier Präzision höchster An­spruch. Sehr gelungen sind auch die Feststellungen zu den einzelnen Schritten der „historischen Metamorphose“ des Goldes. Zwei Beispiele dafür. Zum römi­schen Heerführer Cornelius Fuscus, der Besitzer des Kelches wird, heißt es etwa: „Cornelius Fuscus führte 86 n. Chr. Eine Armee von ungefähr 15.000 Sol­daten über die Donau nach Dakien (im heutigen Rumänien) und fiel in der Schlacht.“ Genau wie im Buch.

Zum Ring, der aus einem Teil des Goldes gegossen wird, wird erklärt: „Ringe, die so ähnlich aussehen wie die von Rosamunde, werden in Museen wie dem Victoria & Albert Museum in London ausgestellt…“ Auch hier: historische Detail­treue nach existenten Vorbildern ist die Intention. Da kann man nur den Hut ziehen.

Für Leser, die vielleicht etwas jünger sind als intendiert, wird sogar noch ein kurzes Glossar angefügt. Ich gestehe zwar, dass ich mir, als ich im Alter der Ziel­gruppe war – ca. 9 Jahre – Worte wie „einbalsamieren“ oder „entweihen“ nicht mehr erklären lassen musste, aber bekanntlich war ich ja auch als Leser recht frühreif und konnte lesen, bevor ich in die Schule kam (wobei ich mich mehr­heitlich an Dinosaurierbüchern und Werke über das alte Ägypten hielt, und zwar nicht nur an Kinderbücher – es sei denn, man möchte C. W. Cerams Klassi­ker „Götter, Gräber und Gelehrte“ dazu zählen, was doch schwerfällt).

Sieht man also einmal von dem etwas reißerischen Titel der deutschen Ausgabe ab, so hat man hier ein didaktisch und grafisch hervorragend gemachtes Werk vor sich, das man jedem geschichtsinteressierten Kind und dessen Eltern wärmstens empfehlen kann.

© 2007 by Uwe Lammers

Ich sagte ja, das ist eine interessante Lektüre – da habe ich wohl nicht zu viel versprochen. Auch in der kommenden Woche bleiben wir in der Vergangen­heit… allerdings offenkundig nicht in der Vergangenheit unserer Welt, auch wenn wir die 221b Baker Street besuchen werden. Sherlock Holmes ermittelt diesmal in unheimlichen Zeiten und gegen mysteriöse Kreaturen. Näheres er­fahrt ihr am kommenden Mittwoch an dieser Stelle.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Vgl. dazu „Die griechische Zeitung“ im Rezensions-Blog 12 vom 17. Juni 2015.

2 Vgl. dazu „Die aztekische Zeitung“ im Rezensions-Blog 62 vom 1. Juni 2016.

3 Vgl. dazu „Die ägyptische Zeitung“ im Rezensions-Blog 112 vom 17. Mai 2017.

Liebe Freunde des OSM,

tja, es ist eine wohl bekannte Tatsache, dass viele Arbeitnehmer, die nach län­gerer Zeit der intensiven Arbeit im Moment ihres wohl verdienten Urlaubs – oder eben auch, wenn ein befristeter Arbeitsvertrag ausgelaufen ist und man aus dem strikt formalisierten täglichen Arbeitsablauf ausscheidet, dann erst einmal eine Phase der Erschöpfung und Krankheit durchmachen. Ich dachte bis­lang, ich sei dagegen doch einigermaßen abgehärtet… nun, Fehlanzeige, Freun­de.

Als ich am 31. August aus meinem befristeten Drittmittelvertrag ausschied und mich nun erneut auf dem Arbeitsmarkt umzusehen hatte, knüppelte mich wirk­lich schlagartig eine mordsmäßige Erkältung nieder. Üblicherweise hält das ma­ximal eine Woche bis zehn Tage und geht von kratzendem Rachen, Schluckbe­schwerden, triefender Nase und Niesanfällen schließlich hin zu bronchialer Ver­schleimung. Der Schleim wird ausgehustet, damit ist die „Turboerkältung“, wie ich so etwas zu nennen pflege, schon vorbei.

Diesmal hat das so nicht geklappt, und das hatte dann Auswirkungen auf den gesamten Monat, den ich irgendwie übel im Tran verbrachte. Tatsächlich haben sich die Heiserkeit und die Verschleimung erst in der letzten Septemberwoche verflüchtigt. Offenkundig bin ich doch keine Vierzig mehr, und mein Immunsys­tem ist auch nicht mehr ganz das, was es mal war.

Da ich viel Zeit daheim verbrachte, habe ich dann allerdings, besonders ab Mo­natsmitte, verstärkt Energie in Lektüre und das Schreiben investiert. Das hat sich dann auch tatsächlich gelohnt, selbst wenn mehrheitlich kurze Stücke ent­standen sind, etwa zahlreiche Blogartikel (11 an der Zahl!). Am gestrigen Mo­natsende staunte ich über 32 fertig gestellte Werke – das kommt doch sehr an die schönen Schreibzeiten anno 2011/2012 heran.

Schauen wir uns das mal im Detail genauer an, was ich so fertigstellen und be­arbeiten konnte:

Blogartikel 247: Work in Progress, Part 57

Die Totenköpfe 1: Die Alte Armee, Teil 16

Die Totenköpfe 1: Die Alte Armee, Teil 17

Anmerkung: Hierbei handelt es sich natürlich um die nächsten Abschnitte des langen OSM-Romans, der zurzeit im Fanzine „Baden-Württemberg Aktuell“ (BWA) des Science Fiction Clubs Baden-Württemberg (SFCBW) publiziert wird. Mutmaßlich hält das noch bis Ende 2018 an, ehe die etappenweise Publikation abgeschlossen ist. Bin mal sehr gespannt darauf, ob und was für Feedback dar­auf kommen wird… und ihr kennt mich, ich bin ein ziemlich geduldiger Mensch und Autor.

Blogartikel 239: Legendäre Schauplätze 5 – Erde

Anmerkung: Ja, es klingt kurios, dass die Erde ein „legendärer Schauplatz“ sein soll, ich weiß. Wenn dieser Artikel hier, Blogartikel 252, herauskommt, kennt ihr den Grund, warum ich die Erde so rubriziert habe, schon gut, denn dieser Bei­trag erscheint just noch heute, unmittelbar im Anschluss an die Abfassung die­ser Zeilen. Um weitere „legendäre Schauplätze“ kümmere ich mich in den kom­menden Wochen. Aber es ist jetzt schon evident, dass diese Reihe 26 Teile um­fassen wird, halt für jeden Buchstaben einen (und ggf. gibt es beizeiten eine zweite Runde, das ist aber aktuell noch nicht spruchreif). Und da zwischen je­dem dieser Beiträge etliche Wochen liegen, könnt ihr euch sicherlich auf Beiträ­ge aus dieser Rubrik bis 2019 freuen.

Blogartikel 245: Rivalen um die Aufmerksamkeit (1): Streaming

Blogartikel 246: Rivalen um die Aufmerksamkeit (2): Bücher

Anmerkung: Diese beiden Artikel, ihr werdet es bemerkt haben, waren zwin­gend erforderlich. Ich hoffe, sie haben meine aktuelle Situation und vor allen Dingen die der zurückliegenden zwei Jahre hinreichend beleuchtet. Für mich war das Niederschreiben dieser Zeilen jedenfalls äußerst erhellend. Üblicherwei­se diskutiere ich derlei Themen mit meinen engsten Brieffreundinnen und Brief­freunden, aber hier hinke ich kommunikativ noch arg hinterher, und es ergab sich so noch keine Diskussionsmöglichkeit. Außerdem fand ich, dass ihr die sinn­volleren Adressaten seid, da unter diesen Ablenkungen ja massiv mein E-Book-Output gelitten hat.

18Neu 93: ZEITSCHUB

(18Neu 94: In der Folgewelt)

Anmerkung: Nachdem mit Band 93 der grässliche „Zeitschatten-Zyklus“ im KONFLIKT 18 „Kampf gegen TOTAMS Dämonen und Schergen“ beendet ist, wo­bei fast die gesamte Menschheit ausgelöscht wurde, befinden sich Oki Stanwer und seine beiden engsten Freunde 25 Jahre später in einer Ruinenwelt wieder, in der komplizierte, verwirrende Regeln, noch verworrenere Bündnisse und chaotische Rätsel der Vergangenheit vorherrschend sind. Und sie haben eine Deadline voraus: in sechs Monaten müssen sie die Geheimnisse der SIEBEN SIE­GEL VON TOTAM gelöst haben, anderenfalls ist die Erde dem Untergang geweiht…

(18Neu 96: Operation Horrorgrab)

(18Neu 95: Königreich Normandie)

Blogartikel 248: „Was ist eigentlich der OSM?“, Teil 49

IR 30: Der letzte Flug der STERN VON ALLKOOM

Anmerkung: Das hier hat mich dann sehr gefreut. Durch die Erkrankung lange Zeit daran gehindert, diese Episode zu vollenden, habe ich es schließlich doch geschafft – Band 1825 des OSM. Somit wurde die Bahn frei gemacht für die nächsten 25 Episoden (und tatsächlich bin ich auch schon mit Band 1828 fertig und arbeite an 1829 und 1830). Aber das war noch lange nicht alles… ich kom­me darauf weiter unten noch zu sprechen.

(IR 31: Die Sturmfestung)

Anmerkung: Dies ist also der zweite Teil des Zyklus um die STERN VON ALL­KOOM, YALVASHINGAR und das Schreckensreich der Zwergengöttin… beizeiten erfahrt ihr mehr davon, aktuell stehe ich hier noch am Anfang.

Blogartikel 244: Aus den Annalen der Ewigkeit – alt und neu (XIX)

(IR 25: ZYNEEGHAR-Krieg)

18Neu 92: Das Agonie-Syndrom

(Wandlungen – Archipel-Story)

Anmerkung: Ja, zwischendrin rutschte kurz eine Archipel-Story mit hinein, an der ich weiterarbeitete. Dann jedoch riss ich mich zusammen und sagte mir: Es gibt jetzt wirklich wichtigere Dinge, als hieran weiterzuschreiben. Kümmere dich besser um die vernachlässigten Blogartikel und ähnliches…

Blogartikel 255: Ein Plan für 2018

Anmerkung: Ja, ja… Ähnliches. Das war dann das hier, ihr werdet davon in drei Wochen lesen und hoffentlich nicht über die Maßen brüskiert sein. Mitunter gibt es leidenschaftliche Gedankenblitze, die unbedingten Vorrang erheischen. Das hier war der eine davon, dessen Realisierungshorizont schon sehr nahe ist. Mehr den Vorhang heben möchte ich heute nicht. Details, wie gesagt, in drei Wochen.

(Rilaans Geschichte – OSM-Novelle)

Anmerkung: Und das hier war dann eine verdammt schöne Überraschung und der zweite leidenschaftliche Gedankenblitz, der mich völlig wegriss. Er kam, so­viel sei verraten, nicht vollkommen überraschend. Ich habe eine sehr liebe, lang­jährige Brieffreundin, die sich seit mehreren Jahren durch einen Handlungs­strang des OSM-KONFLIKTS 4 „Oki Stanwer – Der Insel-Regent“ (IR) knabbert. Ich bin ihr für die profunden Kommentare sehr dankbar, und selbst wenn sie mitunter bärbeißig ausfallen. So vergisst sie etwa regelmäßig, dass es sich bei den Episoden, die sie liest, nicht um vollständig ausgefeilte und ausgearbeitete Werke handelt (weswegen ich an vielen Stellen Diskussionen paraphrasiere, wo natürlich direkte Rede besser wäre – aber das kommt erst deutlich später bei der Ausarbeitung).

Aber, und das ist jetzt ein sehr wichtiges Aber, das, was sie kommentiert und was sie vor allen Dingen dann auch an analytischen Bemerkungen einbringt, be­wegt meine kreative Seele. Es bringt neue Standpunkte, neue Blickwinkel ein, ihre Fragen fordern mich auf, Schreibentscheidungen zu überdenken, zu erklä­ren und teilweise zu revidieren (ja, kommt auch vor).

Und so war ich gerade am Lesen ihrer jüngsten Kommentare zum IR-Band 35 „Projekt Vergangenheit“, also der äußersten Schreibgrenze der IR-Serie zum ge­genwärtigen Zeitpunkt, worin die Techno-Protagonisten Torkeron – ein Wahr­träumer vom Planeten Tushwannet – und seine Lebensgefährtin Rilaan eine zentrale Rolle spielen, als ich mir dachte: dazu könnte man doch mehr machen.

Das war nur so ein unterschwelliger Gedanke. Wie üblich brauchte er Zeit, um richtig einzuschlagen, aber als er es dann gut zwei Stunden darauf tat, war es ein bisschen wie ein Erdbeben: Ich saß gerade in der Mensa, ich war gerade mit dem Seelachsfilet fertig, als ich wie versteinert sitzenblieb und von meiner Nach-Essen-Lektüre schlagartig aufblickte.

Ich konnte mich nicht mehr konzentrieren.

Ich dachte: Verdammt noch mal, ich muss mir jetzt dringend Notizen machen! MEGADRINGEND! Mein Kopf hatte sich quasi von einem Moment zum nächsten in einen wilden Malstrom der kreativen Gedankenblitze verwandelt. Auf einmal sah ich deutlich die Umrisse eines Prequels für den ersten Band der IR-Serie, noch ohne jeden Titel. Ich sah Torkerons Lebensgefährtin Rilaan, begriff, dass sie überhaupt nicht vom Planeten Tushwannet stammte, sondern von Talascan­tor (wo ihre Großeltern leben, bei denen sie aufgewachsen ist).

Ich fragte mich fieberhaft, wie ich diese Gedanken wieder aus dem Kopf bekom­men konnte, die mich stürmisch heimsuchten. Warum ging Rilaan im Alter von neunzehn Jahren von Talascantor durch den Baumeister-Transmitter nach Tushwannet? Lag irgendwie sehr nahe: eine enttäuschte Liebe, ein betrügeri­scher Mistkerl, der sie betrogen hatte. Aber was war mit Rilaans Eltern? Gute Frage, ich hatte sie meiner Erinnerung zufolge nie erwähnt. Musste ich rausbe­kommen.

Dann zappte ich gedanklich nach Tushwannet, wo sie, wie ich wusste, als Reise­kauffrau in einer Küsten-Kleinstadt namens Vushkay arbeitete. Und hier lernte sie Torkeron kennen, einen rätselhaften jungen Mann, schüchtern und voller Geheimnisse. Ach Mann, ich sage euch, ich sah Bild um Bild um Bild, und je mehr ich mit Bleistift auf die Rückseite einer gerade angefertigten Kopie (!) no­tierte und sie damit gründlich zweckentfremdete, desto leidenschaftlicher und wilder wurden die Bildblenden. Sie begannen Seitensprosse auszutreiben, die Fragen begannen sich gewissermaßen von selbst zu beantworten…

Gott, ich muss heim, ich MUSS schreiben!“, murmelte ich schließlich, räumte mein Tablett weg und eilte in Rekordzeit heim. Es war wirklich phantastisch, ich nahm mir nicht mal die Zeit, noch eine Kanne Tee zuzubereiten, sondern legte gleich los mit dem Schreiben. Erst nach Abflauen der ersten Schreibwelle machte ich mir dann tatsächlich einen Tee, aber da waren schon sechs Seiten Text entstanden.

Und zwei neue INSEL-Welten waren aufgetaucht, Rilaans Großmutter hatte einen Namen, ihr untreuer Liebhaber ebenso. Ich war Zeuge, wie Rilaan sich gleich beim ersten Besuch im idyllischen Vushkay in diesen zauberhaften Ort verliebt. Und im Verlauf des Nachmittags lernte ich ihr kleines Apartment ken­nen, die Gasse vor der Reisevermittlung Ilaanoy und ihre Arbeitskollegin Shaal­ya… und dann war er da und saß direkt vor Rilaans Arbeitsplatz – der verträumt wirkende junge Techno namens Torkeron, der sich nach Reisedaten für eine Reise erkundigte, die noch gar nicht gebucht war und die er selbst auch nicht buchen wollte…

Tja, und der Tag endete dann damit, dass ich wohlig aufseufzend auf Seite 20 meine Finger ruhen ließ und dachte: Verdammt, das war mir ein echtes Her­zensanliegen, das jetzt in einem Rutsch niederzuschreiben! Das ist mir schon eine ganze Weile nicht mehr passiert!

Natürlich ist die Geschichte noch nicht mal näherungsweise fertig, das stimmt. Ich habe sie explizit als Novelle etikettiert, weil ich spüre, dass sie wenigstens sechzig Seiten Umfang bekommen wird. Eher wohl noch mehr. Vielleicht wird es auch ein Roman, den ich euch beizeiten dann in der E-Book-Reihe „Aus den An­nalen der Ewigkeit“ vorstellen kann.

Es ist jedenfalls überdeutlich für mich, dass diese Geschichte dringenden Vor­rang besitzt und parallel zu der Handlung des Finalzyklus der IR-Serie fertig ge­schrieben werden wird. Und ich werde es genießen… selbst wenn ich zugeben muss, dass sich etwas Wehmut in meine Seele schleicht. Denn tief in meinem Herzen bin ich ganz wie der Doktor in „Doctor Who“: Ich hasse es, wenn Dinge enden. Und es ist nun einmal leider so, dass die IR-Serie mit Torkerons und Ri­laans Liebesbeziehung begonnen hat… und mit ihnen wird sie dann auch im Fi­nalzyklus der Serie enden. Insofern ist die obige Story partiell eine Vorwegnah­me dessen, was unabweislich kommen wird.

Nein, ich habe, was den Finalzyklus des KONFLIKTS 4 angeht, noch keine präzi­sen Bilderströme gesehen. Aber ich bin ziemlich sicher, dass sich das ändern wird, wenn ich die obige Geschichte weiter ausarbeite. Das ist nahezu ein Na­turgesetz, möchte ich behaupten, aber gleichwohl kaum beeinflussbar und un­berechenbar.

So ist meine Kreativität, Freunde… überschäumend, unberechenbar. Toll. Und es freut mich, dass ich euch daran teilhaben lassen kann. Gewiss dauert es noch geraume Zeit, diese Geschichte lesen zu können, aber dass ihr sie zu lesen be­kommt, das ist definitiv ein sicheres Ereignis.

Soviel für heute unerwartet wortreich zum Kreativmonat September 2017. In der kommenden Woche entführe ich euch bereits an den nächsten „legendären Schauplatz“ des Oki Stanwer Mythos, nämlich in eine ferne Galaxis, rot glühend wie im Weltraum nachglühende Kohlen… eine mysteriöse Sterneninsel voller Rätsel und Gefahren, die man „Feuerrad“ nennt.

Diese Reise solltet ihr nicht versäumen!

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Silvesterblog 2017

Posted Dezember 31st, 2017 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

also, sagen wir es mal vorweg gerade heraus: das Jahr 2017 war für mein E-Book-Programm nicht wirklich das, was man ein gutes oder zumindest genü­gendes Jahr nennen kann. Wesentlichen Anteil daran hatte meine starke zeitli­che Inanspruchnahme von beruflicher Seite her. Das soll hier nicht als Alibi ver­wendet werden, aber Faktum ist, dass ich nur wenig Zeit fand, an meinen E-Books voranzukommen.

So geschah es halt, dass ich euch anno 2017 nur mit drei E-Books erfreuen konnte: mit dem Band 29 der TI-Serie, „Die Nomaden von Twennar“, sowie mit dem Band 6 der „Annalen der Ewigkeit“, „Mein Freund, der Totenkopf“, der in zwei Teilen im Juli und August 2017 erschien. Die Vorarbeiten für TI 30 „Das Kriegernest“ sind ebenso wie zu Band 1 der Serie „Oki Stanwer – Bezwinger des Chaos“ (BdC), „Im Feuerglanz der Grünen Galaxis“, weit gediehen, dasselbe gilt für die nächste Kurzgeschichtensammlung „Die Kristalltränen und andere phantastische Geschichten“. Alle diese Werke werde ich 2018 publizieren, das ist mein fester Vorsatz. Außerdem möchte ich dazu gern noch Band 31 der TI-Serie „Zeitenwandel“ realisieren, in dem ich wieder zum Herz des yantihni­schen Imperiums zurückblende und die weiteren Erschütterungen dieser Zivili­sation beschreibe.

Erschütterungen? Well, ja, natürlich. Stellt euch vor, wie das bei uns wäre, wenn auf einmal etliche hundert Raumschiffe einer fremden Spezies sich in unserem Sonnensystem häuslich niederlassen würden und sich anschickten, unsere Kultur grundlegend umzukrempeln. Die Yantihni sind zwar sehr viel friedfertiger als unsereins, aber ohne Reibungen geht das nicht ab, vertraut mir.

Ich hoffe jedenfalls, dass ihr mir zahlreich in diese Geschichten folgt – wiewohl ich natürlich jeden verstehen kann, der nach dem zermürbenden Jahr 2017 ge­frustet das Handtuch geworfen hat, was das Lesen des OSM angeht… ich ver­sichere euch, das würde viel zu früh passieren. Ihr werdet es bald erleben.

Ein Publikationstakt von einem E-Book pro Monat wäre meines Erachtens aktu­ell unrealistisch, aber mit etwas Hochdruck sollten fünf zu schaffen sein. Darin inbegriffen wären dann neben den oben erwähnten TI-Band 32 „Krisenherd Xoor’con“ und TI 33 „Sturz ins Stahlherz“, die mit Band 34 einen neuen Viertei­ler der Serie abbilden und euch näher an ein TRANCRAN des Terrorimperiums führen werden. Wer das also miterleben will, sollte am Ball bleiben.

Auch anderweitig ist das Jahr 2017 nicht wirklich optimal verlaufen. Während das planmäßige Ende meiner Arbeit an der TU Braunschweig zu erwarten war, konnte ich doch nicht erahnen, dass ein paar meiner mehr oder minder engen Freunde jählings aus dem Leben schieden. Bei einem von ihnen, der mich im Frühjahr verließ, war das krankheitsbedingt und altersbedingt abzusehen. Ein anderer Autorenkollege hatte aber gerade das 50. Lebensjahr überschritten, als es ihn erwischte. Das machte mich doch einigermaßen fassungslos.

Und in der Vorweihnachtszeit hat es dann einen meiner drei engsten Freunde getroffen, der – mutmaßlich durch einen Autounfall – im Alter von 54 Jahren von uns ging. Ich erfuhr es erst aus der Todesanzeige, die mir verspätet zugäng­lich wurde… und das am 22. Dezember. Da stand ich anschließend echt neben mir, das könnt ihr aber glauben.

Dann nur einen Tag später von einem dramatischen Autounfall eines weiteren sehr guten Freundes zu lesen, gab mir dann fast den Rest. Ich hatte verdammte Schwierigkeiten, angesichts solcher Ereignisse auch nur die verpflichtende Weihnachtsmailpost fertig zu machen und auf den Weg zu schicken… dankens­werterweise habe ich eine Menge freundlichen Zuspruch und Trostworte erhal­ten. Vielen Dank für alle an dieser Stelle, die mich damit wieder aufgerichtet ha­ben! Es tut gut, solche Freunde zu haben, wahrhaftig!

Lasst mich wieder zum Kern dieses Blogbeitrags zurückkehren.

Ungeachtet all der oben geschilderten Ereignisse gelang es mir, konstant mei­nen Wochen-Blog und den Rezensions-Blog aufrechtzuerhalten und ihn zwei­mal in der Woche zu publizieren. Auf diese Weise hat der Wochen-Blog die Aus­gabe 251 erreicht (heute Nachmittag werde ich noch einen letzten aus dieser Rubrik für dieses Jahr veröffentlichen). Der Rezensions-Blog blickt auf Nr. 144 zurück, hier befinde ich mich – publizistisch – mitten im Harry Potter-Romanzy­klus. Vor ein paar Tagen habe ich damit schon abgeschlossen (Blogartikel 164), auch wenn dieser Beitrag zu Harry Potter 7 erst am 16. Mai 2018 erscheinen wird. Die Vorplanungen reichen bereits bis Artikel 176, und ich hätte mühelos weiterplanen können… es gibt noch Hunderte weiterer empfehlenswerter Bü­cher für euch, da werde ich euch noch so manche Überraschung bereiten kön­nen.

Ebenfalls fortgesetzt habe ich die Veröffentlichung des OSM-Romans „Die To­tenköpfe 1: Die Alte Armee“, da ist im Clubfanzine „Baden-Württemberg Aktu­ell“ (BWA) des Science Fiction-Clubs Baden-Württemberg (SFCBW) in der aktu­ellen Ausgabe 412 (Januar 2018) Teil 13 erschienen. Teil 18 des Romans ist der­zeit bereits formatiert, wo sich das Ende der Geschichte schon andeutet. An­fang 2018 werden hier wieder die Vorstandswahlen anstehen, und aktuell sehe ich keinen Grund, hier nicht für ein weiteres Jahr als Chefredakteur zu amtie­ren. Indes brauchen wir natürlich immer engagierte Leser und Mitphantasten. Wer also neugierig geworden sein sollte auf unseren kleinen kreativen Dynamo, der monatlich ein Fanzine mit bis zu 80 Seiten auf die Beine stellt, der sollte sich bei unserer Kassenwartin Claudia Höfs (sfcbwkasse@online.de) einfach mal schlau machen.

Wie hat sich die Besucherfrequenz meiner Webseite in den zurückliegenden zwölf Monaten verändert? Nun, wie ich schon im Maiblog 2017 andeutete, hat sich die Besucherzahl weiter gesteigert. Heute mit Stichtag 28. Dezember 2017 liegt sie bei sagenhaften 150.009 Klicks! Selbst wenn man davon ausgeht, dass die fünfstelligen Spitzenziffern im Frühjahr utopisch sind und nicht reale Besu­cher abbilden, muss ich doch sagen, dass meine Homepage mit einem Schnitt von gut 2000 Klicks pro Monat recht ordentlich besucht ist. Ich hoffe, dass das so bleibt und freue mich stets über neue Besucher, die meine Seite weiter emp­fehlen.

Damit meine Homepage weiterhin so solide betrieben werden und ihr mit regelmäßigem Lesestoff versorgt werden könnt, habe ich auch dieses Jahr wie­der sehr meinen Freunden vom Förderverein Phantastika Raum & Zeit e.V. zu danken (dazu gleich noch etwas mehr), die dies möglich machten. Im Bereich der E-Book-Konvertierung gilt mein Dank meinen treuen Weggefährten von Thrillkult-Media, deren Webseite unbedingt einen Besuch wert ist – nicht zu­letzt den Sherlock Holmes-Fans unter meinen Lesern, da sich dort mit Martin Bareschs Holmes-Epigonenwerken ein paar hochkarätige Leckerbissen finden. Erst jüngst kam mit „Sherlock Holmes und der Fall Lügensammler“ eine brand­neue Collection auf den Markt, die höchst lesenswert ist und die ich beizeiten auch für meinen Blog rezensieren werde… doch wie ihr oben gesehen habt, kann es etwas dauern, ehe sich diese Rezension auf meiner Seite materialisiert.

Nicht aussparen möchte ich mit meinem Dank natürlich an dieser Stelle meinen Grafiker Lars Vollbrecht, der mich jüngst wieder bei Titelbildstaffeln von kom­menden E-Books tatkräftig unterstützt hat. Das Bild, das ihr neuerdings auf der Webseite von Thrillkult-Media vorfindet, ist Teil dieser nächsten Titelbild­staffeln, und weitere werden anno 2018 noch hinzukommen. Der Suchprozess für das Cover von TI-Band 35 „Schatten-Shonta“ dauert allerdings noch an…

Was das sein soll? „Schatten-Shonta“? Also bitte, das kann ich euch hier und jetzt noch nicht verraten. Spoiler! Aber vielleicht schaffe ich es bei einer regen Kreativphase, auch dieses E-Book anno 2018 fertig zu schreiben und zu veröf­fentlichen. Aktuell schaut es noch nicht so aus, aber man weiß ja nie.

Der Fokus meiner Aktivitäten liegt – neben der Jobsuche – zunächst auf den oben erwähnten E-Books, also dem, was ich mal das „Mindestprogramm“ nen­nen möchte. Dann folgt, was ich im Blogartikel 250 vor ein paar Wochen erläu­tert habe, die Fertigstellungsarbeit am KONFLIKT 4 „Oki Stanwer – Der Insel-Regent“. Zum dritten, dazu sage ich etwas im Blogartikel 255 in knapp drei Wo­chen, gibt es ein faszinierendes Publikationsprojekt, an dem ich schon einige Monate feile, das kostet noch einiges an Energie.

Und jenseits dieses Kreativprogramms gibt es etwas Organisatorisches, um das ich mich kümmere, und damit kehre ich nach Braunschweig zum Förderverein Phantastika Raum & Zeit e.V. zurück: Der Förderverein, in dem ich seit Jahren Mitglied bin, organisiert in der Regel alle zwei Jahre einen Convention im Ju­gendzentrum Mühle in Braunschweig. 2016 wäre es wieder soweit gewesen… leider wurde die Mühle organisatorisch verplant, und wir fanden keine passen­de alternative Location. So musste der Con zwei Jahre pausieren.

Die nächste Veranstaltung findet jetzt verbindlich vom 13.-15. April 2018 statt. Und es gibt ein paar interessante Highlights zu benennen, die den Besuch der Veranstaltung für euch lohnend machen. Ich führe mal kurz auf:

  • Der Besuch ist kostenlos.

  • Es wird reichlich Autorenlesungen geben, dazu auch eine von mir selbst.

  • Es gibt diverse Vorträge, einer soll sich unter anderem auch um mein E-Book-Programm und die „things to come“ drehen.

  • Es soll Ausstellungen, eine Filmveranstaltung und diverse weitere span­nende Dinge geben. Als Gäste begrüßen wir etwa den Perry Rhodan-NEO-Autor Rüdiger Schäfer und den vormaligen TERRANAUTEN-Autor Andreas Brandhorst.

Im Vorfeld des Cons, am Abend des 13. April 2018, haben wir außerdem eine Kooperationsveranstaltung mit dem Verein KreativRegion e.V. in Braunschweig am gleichen Ort organisiert. Dort wird es unter dem Label „11hoch11 trifft Buchmarkt“ eine Reihe von Impulsvorträgen geben, auch hier ist der Eintritt frei.

Wie ihr euch denken könnt, sind auch solche Aktivitäten nicht wirklich aus dem Nichts zu schaffen, sondern mit einer Menge Arbeit und Zeitaufwand ver­bunden. Das ist also notwendig ein limitierender Faktor für mein E-Book-Pro­gramm. Dennoch bin ich guter Dinge, dass das eine tolle, inspirierende Veran­staltung werden wird und es sich um einen phantastischen Event im Wortsinne handeln dürfte, wenn er auch nur halb so toll ausfällt, wie ich das vor meinem inneren Auge sehe.

Und ich glaube, damit werde ich für dieses Mal und dieses Jahr (fast) die Tore meiner Webseite schließen und euch in den Silvesterabend entlassen… aber nicht vergessen, heute Abend kommt dann noch mein letzter Blogartikel für dieses Jahr, in dem meine kreative Aktivität im September 2017 Revue passie­ren lasse.

Ich würde mich freuen, wenn ihr dann wieder zahlreich hier hereinschaut. Aber für den Fall, dass ihr dann zu beschäftigt seid, wünsche ich euch jetzt schon mal einen guten Rutsch ins Jahr 2018 – möge es, nicht nur von den Kino-Blockbus­tern her – ein tolles und phantastisches Jahr werden!

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde des OSM,

ja, im Jahre 2005 war für mich der Harry Potter-Hype noch recht neu, und ich stieß ja auch eher durch einen Zufall auf den Schuber mit den ersten vier Ausgaben. In gewisser Weise besaß ich darum einen Lesevorsprung vor jenen, die sukzessive seit dem Erscheinen des ersten Bandes an das Phänomen herange­führt worden waren. Ich muss sagen – das war äußerst nützlich. Und ihr er­kennt unten in meiner sehr wohlwollenden Rezension, dass ich zu diesem Zeit­punkt dem Phänomen Harry Potter noch sehr aufgeschlossen gegenüberstand… ein paar einschränkende Kommentare gab es indes schon. Der geringe Seiten­umfang ist eine Sache. 352 Seiten, dazu noch sehr großzügig mit Text bedruckt, ist einfach wirklich zu wenig. Da war ich textlich doch schon ganz andere Kaliber gewohnt.

Ein anderer, der sich hier langsam, sehr langsam abzeichnete, war Rowlings Schwierigkeit, tödliche Konflikte in einem Kinder- und Jugendbuch auszutragen. Ihr werdet erleben, dass ich das zunehmend für eine ernste Schwierigkeit hielt. In diesem zweiten Roman, dessen Storyline ebenfalls noch vergleichsweise sim­pel daherkommt, ist das noch nicht so deutlich zu spüren, weswegen ich ihn für Heranwachsende absolut empfehlen kann.

Aber für die unter euch, die noch nicht informiert sind… was genau geschah wohl in Harrys zweitem Schuljahr an der Zaubererschule von Hogwarts? Wer neugierig ist, lese weiter:

Harry Potter und die Kammer des Schreckens

(Harry Potter and the Chamber of Secrets)

von Joanne K. Rowling

Carlsen-Verlag, 1999

352 Seiten, TB

Übersetzt von Klaus Fritz

Harry Potter ist kein gewöhnlicher Junge, soviel war ja schon nach dem ersten Buch klar: als Waisenkind bei seinem Onkel und seiner Tante, Vernon und Petunia Dursley im Ligusterweg 4 aufgewachsen, ist Harry inzwischen knapp zwölf Jahre alt, und es geht ihm dort nach wie vor recht bescheiden. Onkel Ver­non ignoriert ihn tunlichst, seine Tante Petunia triezt ihn weiterhin, und der leibliche Sohn der Dursleys, der feiste Dudley, hat nach wie vor wenig Respekt vor Harry.

Dabei sollte er den haben.

Denn Harry geht inzwischen auf die Zaubererschule Hogwarts, und nichts sehnt er sich mehr herbei als den Beginn der Schulzeit (sehr zum Widerspruch sonsti­ger Schüler). Denn dann ist er zusammen mit seinen besten Freunden, Ron Weasley und Hermine Granger, dem riesenhaften Wildhüter von Hogwarts, Hagrid, und er kann dort das tun, was ihm in der „Muggelwelt“, also in unserer Menschenwelt, strikt untersagt ist: Zaubern. Und natürlich Quidditch spielen, einen abenteuerlichen Wettkampf der vier Schulhäuser gegeneinander, der auf fliegenden Besen gespielt wird.

Nichts davon ist in der Muggelwelt bekannt.

Als Harrys zwölfter Geburtstag schließlich anbricht, den die Dursleys meist schmählich geringschätzen, wendet sich sein Glück. Es scheint so, als habe ihn die ganze Welt vergessen. All die Wochen daheim kam kein Brief, kein Anruf, nichts… All seine Freunde scheinen ihn, ungeachtet ihrer Versprechen am Ende des letzten Schuljahres, völlig vergessen zu haben. Harry ist schon ganz geknickt – bis er auf einmal die Bekanntschaft mit Dobby, einem hinterhältigen Hausel­fen schließt. Denn der hat seine ganze Post abgefangen, und nun bemüht er sich nach allen Kräften, Harry von Hogwarts fernzuhalten, angeblich zu seinem eigenen Besten, denn „schlimme Dinge“ geschähen dort.

Auf spektakuläre Weise gelangt es der junge Zauberer mit Hilfe seiner Freunde dennoch dorthin, und wahrhaftig, …schreckliche Dinge geschehen in Hogwarts. Eine Hauskatze versteinert, bedrohliche Schriften stehen an den Schlossmau­ern, eine wispernde, zischende Stimme, die eigentümlicherweise nur Harry al­leine hören kann, erklärt, die „Kammer des Schreckens“ sei geöffnet worden und der „Erbe von Slytherin“ (eines der vier Häuser von Hogwarts) schicke sich an, die Schule von allem unreinen Blut reinzuwaschen.

Unreines Blut, darunter versteht dieses unheimliche, für alle unfassbare Wesen Menschen oder Mischlinge, die sich anschicken, die Zauberei zu erlernen – wie Harrys beste Freundin Hermine, die ein vollwertiger „Muggel“ ist. Als die ersten Schüler von dem unheimlichen Versteinerungsfluch getroffen werden, schließ­lich sogar ein Geist versteinert und zudem die Schließung der Schule droht, wird Harry und seinen Freunden klar, dass sie etwas tun müssen. Vergessen sind ver­patzte Quidditch-Turniere, vergessen die ständigen Sticheleien des gehässigen Mitschülers Draco Malfoy aus dem Hause Slytherin. Und wen interessiert noch, warum sich die kleine Ginny Weasley und ihr großer Bruder Percy, der Vertrau­ensschüler, so seltsam benehmen? Das scheint unwichtig zu sein, wenn man Hagrid als Verbrecher ins Zauberergefängnis von Askaban abführt und Angst und Schrecken in Hogwarts umgehen.

Wenn sie die Schule und die Zauberwelt retten wollen, müssen Harry und seine engsten Freunde – denn die meisten anderen halten ausgerechnet IHN für den „Erben von Slytherin“! – beherzt handeln und die unentdeckte „Kammer des Schreckens“ finden, bevor der größte Alptraum wahr wird… der Alptraum näm­lich, dass der Mörder von Harry Potters Eltern, der finstere Lord Voldemort, die Macht in Hogwarts von neuem ergreift…

Der zweite Harry-Potter-Roman spinnt geschickt die Handlungslinien des wie ein Prolog scheinenden ersten Buches „Harry Potter und der Stein der Weisen“ fort. Der Titel wurde für die deutsche Übersetzung deutlich ein wenig dramati­siert, denn von „Schrecken“ ist im Original nichts zu finden. Einerlei. Es gibt ein aufregendes, wunderbares Wiedersehen mit den liebgewonnenen Charakteren des ersten Romans, und diesmal sogar ein paar Ausweitungen: so lernt man als Leser staunend das Heim der Familie Weasley kennen (köstlich: der Vater, der im Zaubereiministerium arbeitet und einerseits für das Konfiszieren magisch behandelter „Muggelgüter“ verantwortlich ist, selbst aber in seiner Garage bei­spielsweise „magisch erweiterte“ Automobile der Muggel aufbewahrt, sehr zum Unwillen seiner Frau), die seltsamen Lebensformen im „Verbotenen Wald“ und eine Reihe neuer Zauberer und Fächer, die in Harrys zweitem Schuljahr an­stehen.

Man macht auch schnell die ziemlich unangenehme Begegnung mit dem Schön­ling Gilderoy Lockhart, auf den alle Frauen stehen, inklusive bald darauf auch Hermine Granger – er bleibt sehr lange ein penetranter Gast des Buches, denn er tritt die Stelle des verstorbenen Professor Quirrell an, der die Verteidigungs-künste gegen Schwarze Magie vertrat. Harry muss sich mit aufdringlichen Fans herumschlagen (worin man wohl unschwer auch Rowlings eigene Probleme mit dem Berühmtsein wiedererkennen mag), und eine Reihe weiterer Schichten von Harrys und Hogwarts´ rätselhafter Vergangenheit werden freigelegt. Nicht zuletzt bekommt man einige Einblicke in das Leben des Schulleiters Dumbledore und des Finsterlings Lord Voldemort. Geschickt aufgebaute Verdachtsmomente verschleiern sehr lange, wer hinter allem steckt und wie genau die Intrigen diesmal beschaffen sind.

Der zweite Harry Potter-Roman ist deshalb erkennbar geschickter, durchdachter und raffinierter gestrickt als der erste, und der Leser gewinnt den Eindruck, dass Rowling stufenweise, der Intelligenz ihrer Leser angepasst, schreibt. Auch wer­den nach und nach die Personen und ihre Charaktere entwickelt und reifen. Das ist ein schöner Anblick, der dem Zuschauen einer sich im Zeitraffer öffnenden Blüte ähnelt. Natürlich ist die „Blüte“ in diesem Band noch nicht ganz offen, aber man kann doch schon faszinierende Dinge sehen.

An einer Stelle, ziemlich zum Schluss des Buches, verplappert sich die Autorin dann auch durch den Mund von Hermine Granger beinahe, aber eben nur bei­nahe. Leserinnen werden das wohl sogleich seufzend begreifen, männliche Le­ser vielleicht darüber hinwegschauen oder die Tiefe des Kommentars gering­schätzen. Auch hier hat sich die Blüte noch nicht zur Gänze geöffnet…

Alles in allem bedauert man auch hier, dass das Buch so rasch ausgelesen ist (der Rezensent brauchte wieder einmal nur zweieinhalb Tage. Seufz. Diese Bü­cher sind einfach zu KURZ!).

Auch wenn sonst der Harry Potter-Rummel selbst an mir weitgehend abprallt, muss konstatiert werden, dass der Suchtfaktor des Buches, zumal für Kinder und Jugendliche, nicht unterschätzt werden sollte. Nicht umsonst hat sich das Buch Millionen Male verkauft. Und nicht alles, was sich so oft verkauft, ist per se schlecht. Diesmal ist vielleicht ein bisschen zu viel Sport-Huldigung drin, mit der ich wenig anfangen konnte, aber sonst…

Auf weitere Abenteuer darf man sehr neugierig sein.

© 2005 by Uwe Lammers

Soviel für heute aus dem Reich der Zauberei. In ein paar Wochen werden wir hierhin wieder aufbrechen.

Nächstes Mal gibt es wieder völlige Wechselkost, diesmal ganz und gar diessei­tige und recht abenteuerliche Lesekost, möchte ich sagen… nennen wir es ein didaktisches Leseexperiment, und das ist jetzt nichts, was abschrecken müsste. Wer gern das Lesen auch mit hübschen Bildern verbindet, ist hier durchaus am Platze (wir sind ja nicht bei Alice im Wunderland, die sich fragt, „wozu sind Bü­cher ohne Bilder gut?“ Diese Perspektive ist doch ein wenig eng). Auf der Web­seite gibt es die Bilder zwar nicht zu bestaunen, aber den einen oder anderen mag die Lektüre meiner Rezension zu einer Internet-Suchaktion verleiten.

Mehr in sieben Tagen an dieser Stelle.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Wochen-Blog 251: Aus den Annalen der Ewigkeit – alt und neu (XX)

Posted Dezember 24th, 2017 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

vor sieben Wochen waren wir, was die „Annalen“ angeht – und ich subsumiere darunter ja inzwischen auch diverse andere angefangene OSM-Projekte – , im Ende April 2009 angelangt. Im Mai 2009 steckte ich historisch tief in einer Re­cherche zu einem Gebäudekomplex nahe Goslar, dem Haus Hessenkopf, die ich für das Landeskirchliche Archiv realisierte. Parallel dazu war ich natürlich auch weiterhin in meinen kreativen Welten unterwegs.

Mehrheitlich war das allerdings, zugestanden, Kreativzeit, die ich für den Archi­pel aufbrachte. Der Oki Stanwer Mythos wurde im Mai 2009 wirklich sehr stief­mütterlich behandelt. Das lag nicht zuletzt daran, dass ich in mehreren großen Romanprojekten des Archipels „feststeckte“ und mich diesbezüglich verzettelte. So blieb es bei vereinzelten Abschriften alter OSM-Episoden und vagen Weiterschreib-Versuchen bei modernen Episoden.

Dieselbe Intensität galt dann im Juni auch zahllosen Archipel-Glossaren, ich wagte mich aber auch an „Der Zathuray-KONFLIKT“ und an „Die Optimierungs­fabrik“, ansonsten blieb die OSM-Arbeit doch sehr bescheiden.

Sah das im Juli 2009 besser aus? Nun, da ich endlich die Hessenkopf-Publikation fertigstellen konnte, fiel ein wesentlicher Faktor, der Zeit anderweitig band, fort. Dafür stürzte ich mich auf die Neufassung des Archipel-Gesamtglossars (Version 3, schon 319 Seiten lang), auch wurden zwei neue Archipel-Geschich­ten realisiert, nämlich „Meister Vansiintas Magie“ (eine Auskopplung aus dem zweiten Rhonda-Roman) und „Neelis Tränen“ (eine Auskopplung aus dem Ro­man „Eine Adelige auf der Flucht“). OSM? Annalen? Weitgehend Fehlanzeige. Seufz.

Auch der August stand ganz im Banne des Archipels, mehrheitlich bezogen auf Glossare. Erst im September kam ich ein wenig voran. Ein wenig in KONFLIKT 4 „Oki Stanwer – Der Insel-Regent“, in bescheidenem Maße in KONFLIKT 2 „Oki Stanwer und das Terrorimperium“, außerdem ein bisschen bei KONFLIKT 21 „Oki Stanwer – Fürst von Leucienne“.

Und dann? Entstand mit „In Karcavennyos Reich“ schon wieder eine Archipel-Geschichte. Und damit war dann ab dem 19. September der OSM erneut abge­meldet, und der Archipel Hauptkreativströmung.

Es war echt ein Archipel-Jahr, ihr merkt es.

Der Oktober ging ganz so weiter, einzig eine kurze Stippvisite in KONFLIKT 24 „Oki Stanwer – Der Neutralkrieger“ zeigte, dass es den Oki Stanwer Mythos auch noch gab.

Es kann nicht überraschen, dass ich, je weiter ich in dem unglaublich langen Ar­chipel-Roman „Rhondas Reifejahre“ vorankam – inzwischen umfasste er be­reits sechs volle Leitz-Ordner, mithin ungelogene 2.440 Seiten – , immer mehr von kurzen, aufblühenden Archipelideen heimgesucht wurde. Im November entstanden in kurzer Folge „Die Glut der Leidenschaft“ und „Ein göttlicher Auf­trag“. Letzteres war gewissermaßen eine Parallelgeschichte zum aktuellen Handlungsstrom des Rhonda-Romans, in dem die legendären Heiligtümer von Cooriday wieder entdeckt worden waren, was jede Menge politische Turbulen­zen zur Folge hatte.

Außerdem keimten weitere Geschichten auf, die ich anfangs noch als „Stories“ klassifizierte – „Antaganashs Abenteuer“ einerseits (inzwischen vollendet), „Die neue Strafe“ andererseits (die heute mehrere hundert Seiten lang ist und zweifelsohne einen Roman darstellt).

Und der Dezember 2009 blieb ebenfalls völlig im Archipel-Fahrwasser. Die An­nalen waren nach wie vor abgemeldet.

Kommen wir zum Jahr 2010, das im Januar mit gerade mal 8 fertig gestellten Werken abschloss. Nicht eben glorreich? Wahrlich nicht. Wesentlicher Grund war einmal die Entwicklung zahlreicher bzw. Weiterarbeit an vielen anderen Ar­chipel-Fragmenten. Dann kam die Fertigstellung der vierten Fassung des Archi­pel-Gesamtglossars hinzu (nun schon 406 Seiten). In puncto Glossare schwenk­te ich nun – quasi mangels Masse, da ich alle Archipel-Werke schon erfasst hat­te – auf OSM-Glossare um. Ich sagte ja bereits einmal, dass ich das, was ich im Archipel so erfolgreich umsetzte, langfristig auch für mein kreatives Hauptwerk anwenden wollte.

Ansonsten – Annalen-Werke? Fehlanzeige. Der Februar blieb ähnlich Archipel-zentriert. Das hatte den Hauptgrund, dass ich stürmisch auf das Ende von „Rhondas Reifejahre“ hinarbeitete und alles andere nur mit minderer Energie betrieb. Man merkte es: nur 6 fertige Werke für Februar.

Am 6. März beendete ich die Arbeiten am 8. Rhonda-Ordner (nun 3.250 Seiten). Ein bisschen kam ich an „Mein Freund, der Totenkopf“ voran, aber das war auch schon alles, was aus den Annalen erwähnenswert wäre.

Bereits einen Monat später, am 8. April, war der 9. Rhonda-Ordner (nun 3.615 Seiten!) beendet, was beredtes Zeugnis meines stürmischen Schreibtempos in diesem Werk ablegte. Ich hätte vermutlich Tag und Nacht daran schreiben kön­nen, aber das ließ mein Berufsleben definitiv nicht zu. Meine Beschäftigung im Landeskirchlichen Archiv in Wolfenbüttel sollte erst am 30. April enden.

Also blühte im April mit „Der Geheimbericht“ eine weitere Archipel-Geschichte aus dem Rhonda-Umfeld auf, die geradezu unweigerlich die Vorarbeiten an ei­ner weiteren nach sich zog, die direkt darauf aufbaute: „Zwei Welten“ (bis ich sie allerdings vollendete, sollten – heute unfasslich – noch mehr als zwei Jahre vergehen). Und dann, sehr brüsk und überrumpelnd, war am 12. April Schluss mit dem langen Rhonda-II-Roman, auf Seite 3.702.

Ich war total happy. Dass ich in dem Monat nur erbärmliche 7 fertige Werke schaffte – wen kümmerte das? Ich hatte das längste Romanprojekt meines Le­bens beendet! Das war es allein, was zählte.

Im Monat Mai kümmerte ich mich dann um die Aktualisierung des Gesamt­glossars, was in Anbetracht des nun einzuarbeitenden Riesenromans eine Men­ge Zeit in Anspruch nahm. Zu diesem Zeitpunkt war mir schon klar, dass „Antaganashs Abenteuer“ keine Story, sondern ein ausgewachsener Roman sein würde. Er stand nun als nächstes auf der „Abschussliste“ der fertig zu stel­lenden Archipel-Werke.

Dass er in Rekordzeit fertig werden würde, konnte ich nicht ahnen – schon am 10. Juni schrieb ich die letzten Zeilen auf Seite 531 dieses turbulenten, erotischen und vergnüglichen Romans aus der Frühzeit von Asmaar-Len. Da ich zu diesem Zeitpunkt voll im Archipel-Flow war, kann es kaum verblüffen, dass ich auch gleich noch eine neue Archipel-Novelle hinterhersetzte: „Wie die Be­ziehungsgeister ihren Glauben verloren“.

Im Anschluss begann sich meine Archipel-„Manie“, wie ich das ironisch formu­lieren möchte, allmählich abzuschwächen, und das war auch verdammt gut so. Ich wollte schließlich den OSM nicht völlig „verlernen“.

Zwar tauchten auch weiterhin Archipel-Ideen auf, etwa „Begegnung mit dem Schicksal“, „Kapitän Taisanors Geschichte“, „Raubgut“ oder „Rückzug in das Liebeskloster“, aber so allmählich gewann der Oki Stanwer Mythos wieder an Boden. Ich vermute, es handelte sich dabei um einen völlig natürlichen Um­schwenkprozess – wie wenn man von einer Speise zu viel genascht hat und sie dann in der nächsten Zeit nicht mehr sehen mag… dann wendet man sich ande­ren Dingen zu, in meinem Fall eben meinem kreativen Hauptwerk. Dass das gleichwohl nicht von heute auf morgen ging, versteht sich auch von selbst. Aber mit der vermeintlichen „Story“ „Jaleenas zweites Leben“, die ihr heute als E-Book kennt, kam allmählich eine Trendwende in Gang.

Zwar war ich im Juli 2009 dann im nächsten Archipel-Langprojekt gelandet, nämlich in dem seit dem Jahr 2000 bereits in Arbeit befindlichen Fragmentroman „Eine Adelige auf der Flucht“, bei der ich jetzt immerhin schon Seite 672 erreicht hatte, aber nebenher kümmerte ich mich um das OSM-BUCH „DER CLOGGATH-KONFLIKT“, schrieb die Annalen-Story „Der Matrixschatten“ ab und betrieb stürmisch die kommentierte Abschrift des KONFLIKTS 17 des OSM, also der Serie „Drohung aus dem All“. Auch trieb ich mich im KONFLIKT 2 des OSM herum sowie im KONFLIKT 19 „Oki Stanwer – Der Missionar“, den ich lange ver­nachlässigt hatte. Ich nahm sogar die 2002 begonnenen Arbeiten an der Crossover-Story „Sherlock Holmes und der Tunguska-Fall“ wieder auf… leider bis heute ein Fragment. Sniff.

Richtig mit dem OSM loslegen konnte ich allerdings erst nach dem 16. August 2010. Denn mit diesem Tag beendete ich das dritte lange Archipel-Romanpro­jekt des Jahres 2010 und war echt stolz wie Oskar, das könnt ihr mir glauben. Auch dieser Roman umfasste nun sagenhafte 1.242 Seiten, was ich früher für undenkbar gehalten hätte.

Meine Romane. Wow! Superklasse, kann ich euch sagen!

Nun – August 2010 – forcierte ich die Abschriften von KONFLIKT 17 und arbeite­te an einer Vielzahl von Annalen-Werken weiter. Einen Überblick gefällig? Voilà: „Die Intervention“, „Quisiins letzter Fall“, „Auf Sklavenjagd“, „Mein Freund, der Totenkopf“, „Der Heiler“, „Shonkashs Neugierde“, „Sherlock Holmes und der Tunguska-Fall“, „Alltag in Shush’noyyn“, „Todesmission auf Tsaigur“ sowie „Parasiten aus dem Kosmos“.

Nein, natürlich konnte ich von alledem nichts fertig stellen… aber versteht ihr, darauf kommt es nicht wirklich an. Von zentraler Bedeutung war etwas ande­res: Ich hatte mich in drei sagenhaft langen Archipel-Projekten ausgetobt und zudem eine ganze Handvoll weiterer Archipel-Geschichten abgeschlossen. Und nun wurde es Zeit für eine gründliche Wetteränderung.

Der OSM gab mir das nächste Reiseziel direkt vor: den Abschluss der kommen­tierten Abschrift des KONFLIKTS 17. Und dazu komme ich dann im nächsten Teil dieser Artikelreihe. In der kommenden Woche berichte ich im Rahmen der Rei­he „Work in Progress“ über meine Arbeitsfortschritte im September 2017.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 143: Die Troja-Mission

Posted Dezember 20th, 2017 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

ihr wisst seit Jahren, dass ich Clive Cussler als Autor von Actionromanen nun wirklich sehr schätze und seine Bücher üblicherweise mit Genuss lese. Das tue ich, auch wenn ich der erste bin, der eingesteht, dass sie zumeist nicht realis­tisch, ziemlich theatralisch, manchmal arg gekünstelt zusammengeschustert und bisweilen recht (oft unfreiwillig) komisch sind. Dirk Pitt und Al Giordino sind einfach so eine Art von alten Vertrauten, denen man gern mal wieder bei ihren Abenteuern über die Schulter guckt.

Aber es gibt Grenzen. Auch für mich.

Ich sagte das jüngst schon, als ich mich gezwungen sah, dem Cussler-Roman „Akte Atlantis“ ein ausnehmend schlechtes Zeugnis auszustellen. Der vorliegen­de Band ist bedauerlicherweise ein ähnlicher Tiefpunkt seiner Publizität, ein – in meinen Augen – ziemlich hastig heruntergekurbelter und zusammengeschus­terter „Pflichtroman“. Das spürt man sehr rasch. Interessant ist im Nachhinein eigentlich nur eine Sache: Die These, den Trojanischen Krieg aus dem Mittel­meer zu verlagern. Denn da ist weder Cussler allein auf weiter Flur noch sein diesmaliger Gewährsmann Iman Wilkes – ich weiß inzwischen von dem italieni­schen Historiker Felice Vinci, der mit „Homer an der Ostsee“ die Ilias Homers in den Ostseeraum verlagert. Beizeiten muss ich das Buch mal genauer lesen (konnte es bislang nur als ausgeliehenes Büchereibuch anlesen, ehe ich es wie­der abgeben musste).

Ansonsten aber ist das vorliegende Buch… ach, ich lasse da besser mal die Re­zension von 2011 sprechen:

Die Troja-Mission

(OT: Trojan Odyssey)

von Clive Cussler

Blanvalet Hardcover

516 Seiten, 2004

ISBN 3-7645-0189-8

Übersetzt von Oswald Olms

Mit diesem Buch legt Bestseller-Autor Clive Cussler also sein nächstes Helden­stück um seinen in die Jahre gekommenen marinen James Bond Dirk Pitt vor und lässt es vom Leser prüfen. Und schon der verdächtig schmale Umfang des Buches signalisiert – leider – , dass Cussler allmählich die Ideen ausgehen, inno­vative und interessante Romane zu schreiben. Diese skeptische Anfangs­einschätzung hat sich bei der Lektüre leider bestätigt, auch wenn ich natürlich zugeben muss, dass er sich ein wenig gefangen hat, was solche katastrophalen Querschläger wie eines seiner jüngsten Bücher („Akte Atlantis“1) angeht. Aller­dings erreicht es durchweg nicht die Höhe des Vorgängerromans „Im Zeichen der Wikinger“.2 Dafür fällt der Autor diesmal und vielleicht unwiderruflich unter die Romantiker, was eine ganz eigenartige Folge von Konsequenzen nach sich zieht…

Wie üblich ist dem Roman ein historischer Prolog vorangestellt, diesmal um 1190 v. Christus spielend, bei „einer Bergfeste am Meer“. Eine weite Ebene, eine hohe Festung, abziehende Invasoren zu Schiff, ein seltsames Gebilde, das zurückgelassen wird und das von den beglückten Stadtbewohnern für ein Zei­chen des Sieges benutzt wird.

Der Titel macht es schon klar, wo wir sind: Trojanischer Krieg. Und so kann auch der Ablauf des Prologs nur gering verblüffen – Troja wird durch die List mit dem Trojanischen Pferd erobert (und die Deutung des Trojanischen Pferdes fand ich äußerst stichhaltig, muss ich gestehen), danach bricht der Held Odysseus auf, um nach Ithaka zurückzukehren. Doch schließt sich daran die in Homers „Odys­see“ geschilderte Irrfahrt an, bei der der Held all seine Schiffe und Mannen ver­liert und erst Jahre später zurückkehrt. Vieles im Prolog ist direkt an die Rede des Odysseus am Hofe von König Alkinoos im Lande der Phäaken angelehnt, der ihm schließlich die Rückkehr ermöglicht.

Ein direkter Zusammenhang mit der Romanhandlung wird noch nicht sichtbar, und da der Leser nun natürlich auf das Mittelmeer geeicht ist – Troja steht be­kanntlich in der Türkei, schon vergessen? – , wird er ein wenig verdutzt, als er sich im ersten Teil der Romanhandlung dann am 15. August 2006 bei Key West in Florida wieder findet. Da man aber derlei Sprünge in Cusslers Romanen gewohnt ist, nimmt man es erst mal hin.

Hier ist das Sturmwarnungszentrum der NUMA (National Underwater and Marine Agency) gelegen, und hier wird auch die Gefahr des ersten Romanteils erkennbar. Eine Gefahr, die besonders ein gewaltiges, marines Hotel des geheimnisvollen Unternehmers Specter bedroht, das derzeit vor der Küste der Dominikanischen Republik verankert ist, das „Ocean Wanderer“. Es handelt sich dabei um ein ringförmig gebautes, schwimmendes Luxushotel, das von Schlep­pern um den Globus geschleppt und dann an vorher geschaffenen Ankerplätzen an den exotischsten Orten der Welt auf dem Meeresgrund vertäut werden kann. Deshalb besitzt das Hotel auch keinen eigenen Antrieb. Im Grunde ge­nommen ist das unproblematisch… bis Lizzie kommt.

Lizzie ist ein tropischer Hurrikan, der von der NUMA auf seinem unaufhaltsa­men Marsch über den Atlantik frühzeitig entdeckt wird und erstaunlich zielstre­big seinen Weg in die Karibik antritt, wobei er sich zu einem Sturm der Stärke 5 entwickelt mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 300 Stundenkilometern. Die Prognosen sagen aus, dass er das „Ocean Wanderer“ direkt treffen wird. Dort wird die davon ausgehende Gefahr sträflich unterschätzt, und während der gewissenlose Specter kurz vor Eintreffen des Sturms per Flugzeug flüchtet und die mehr als 2000 Gäste und das Personal im Stich lässt, scheint am dro­henden Tod der Besatzung nichts mehr zu ändern zu sein, als eine der Trossen nach der nächsten reißt.

Aber wir sind hier in einem Roman von Clive Cussler, und das merkt man schnell.

Ebenfalls vor der Küste der Dominikanischen Republik sind zur gleichen Zeit An­gestellte der NUMA auf der Fährte einer rätselhaften Meeresverschmutzung, des „braunen Schlicks“, der die Meeresflora und Meeresfauna der Korallenriffe absterben lässt. Dafür wurde auf einer Korallenbank der Navidad Bank abge­setzt, und die Besatzung besteht aus dem jungen Dirk Pitt und seiner Schwester Summer, die erst jüngst in das Leben ihres völlig überrumpelten Vaters Dirk Pitt senior getreten waren.

Der Leser mag sich daran kurz erinnern: am Ende des vorigen Romans „Im Zei­chen der Wikinger“ gibt es den völligen Überraschungsmoment, den ich als Le­ser arg kitschig fand – plötzlich tauchen Pitts Zwillingskinder auf, von deren Exis­tenz er nie etwas wusste, weil seine Geliebte Summer Moran von ihm vor über 20 Jahren tot geglaubt wurde.3 Summer Moran überlebte damals, schwer verletzt und schwanger, und sie verschwieg ihren Kindern stets, wer ihr Vater war und eröffnete es ihnen erst kurz vor ihrem Tod. Summer Pitt und Dirk Pitt junior traten daraufhin in die NUMA ein und erleben in diesem vorliegenden Roman ihr erstes Abenteuer.4

Während eines Tauchgangs findet Summer nämlich auf der Navidad Bank ein untergegangenes Gebäude und ein Artefakt aus Bronze, das, zur NUMA-Zentra­le in Washington gesandt, die Experten vor Rätsel stellt: es handelt sich um eine Bronzeamphore keltischen Ursprungs, die seit etwa 2800 Jahren auf dem Meeresgrund liegen muss. Das Kupfer darin stammt aus Hallstatt in Österreich.5

Der Sturm macht weitere Überlegungen hinfällig. Das Mutterschiff „Sea Sprite“ muss das Unterwasserhabitat im Stich lassen und sich stattdessen bald darauf an die Rettung des „Ocean Wanderer“ machen. Der Kapitän P. T. Barnum6 hat keine Ahnung, dass durch die Wucht des Sturms, der mehr als 30 Meter hohe Wogen erzeugt, das Habitat losgerissen und in eine Schlucht gestürzt wird, wo­durch die Pitt-Kinder in Lebensgefahr geraten.

Durch eine abenteuerliche Heldentat gelingt es der Besatzung der „Sea Sprite“, in Zusammenarbeit mit den per Hubschrauber im Auge des Hurrikans auf dem „Ocean Wanderer“ abgesetzten Paars Dirk Pitt senior und Al Giordino (sie tre­ten unvermeidlich immer zusammen auf), die Kollision des Hotels und dessen drohende Versenkung abzuwenden. Und buchstäblich um Haaresbreite können sie auch die Pitt-Kinder vor dem Tod retten.

Das alles füllt die ersten, durchweg spannend geschriebenen 165 Seiten des Bu­ches, und von da an – finde ich – geht es einfach nur noch bergab.

Während die Pitt-Kinder weitere Tauchgänge an der Navidad Bank durchführen, werden Dirk Pitt senior und Al Giordino auf den „braunen Schlick“ angesetzt, der vor der Küste Nicaraguas seinen Ursprung zu haben scheint. Und sehr zu ih­rem Unbehagen müssen sie entdecken, dass sie hier von weiblichen Angestell­ten von Specters Konzern „Odyssey“ überwacht werden. Dabei bleibt es nicht, sondern die Leute haben auch sehr handfeste Methoden, ihre Abneigung kund­zutun: etwa, indem sie Pitts Boot verminen und ihn fast in die Luft sprengen.

Als nächstes stoßen sie auf eine lebende Legende, und da hatte ich grinsend das Gefühl, dass Cussler irgendwie seine Personendatenbank durcheinander ge­raten wäre. Warum? Nun, schaut es euch genau an: Angeblich soll von 1665-1680 ein Bukanier namens Leigh Hunt in der Karibik sein Unwesen getrieben haben, und den Legenden nach, die Cussler hier wiederkäut, soll das Schiff im­mer noch als Geisterschiff mit schwarzen Segeln (!) sein Unwesen treiben. Wer weiterhin bedenkt, dass der Roman 2003 geschrieben wurde, als der erste Teil von „Fluch der Karibik“ in die Kinos kam, der braucht sich vermutlich nicht zu wundern, wo Cussler hier geklaut hat. Ich habe so sehr gekichert… aber das ist nur ein Teil des Vergnügens.

Der zweite, und darauf spielte ich oben an, stellt sich nämlich ein, wenn man sich an den letzten Cussler-Roman erinnert7, in dem im zweiten Prolog anno 1894 ein „Captain Leigh Hunt“ in der Karibik unterwegs war. Normalerweise hat Cussler eher keine Probleme, seinen Protagonisten intelligente Namen zu ge­ben, aber diese Namensidentität und Ortsidentität in zwei aufeinander folgen­den Romanen fand ich dann doch schon bedenklich.8

Noch amüsanter wird es, als Pitt und seine Kameraden es TATSÄCHLICH mit ei­nem Piratensegler zu tun bekommen, der sie dazu auffordert, beizudrehen und sich entern zu lassen… was habe ich gekichert. Was sich daraus dann entwi­ckelt, ist allerdings alles andere als witzig, und es hat mit Maschinengewehren und Raketenwerfern zu tun.

Dennoch schaffen es Pitt und seine Kameraden bis zur nicaraguanischen Küste, wo sie direkt in Landnähe erst entdecken müssen, dass ein Fischerdorf sich of­fensichtlich in einen Containerhafen verwandelt hat, in dem chinesische Frachter vor Anker liegen, und dann treffen sie auf eine Art von Unterwasser-Schlammvulkan. Nach allen Informationen, die im Roman schon ausgebreitet worden sind, ist zu diesem Zeitpunkt für den Leser auf Seite 246 die Intention des Odyssey-Konzerns schon relativ klar. Cussler lässt seinen sonst nicht unintel­ligenten Dirk Pitt noch Hunderte von Seiten in ziemlich naiver Ahnungslosigkeit dahinstolpern. Das ist dann auf Dauer doch sehr ermüdend.

Nachdem sie sich eines Angriffs einer Odyssey-Yacht so erwehrt haben, dass die Yacht versenkt wird, machen sie eine Gefangene, die sich Rita Anderson nennt und ein wildes Piratengarn zum Besten gibt, was ihr natürlich nicht geglaubt wird (es ist so falsch wie ihr Name). Gut so, aber leider nicht gut genug – denn wenig später ist die Gefangene geflohen und hat sogar noch jemanden dabei umgebracht. Spätestens jetzt ist Pitt ihr rachedurstig auf den Fährten und ver­folgt die Odyssey-Spur quer durch Nicaragua weiter.

Er verfolgt außerdem den Gedanken, dass Odyssey-Gründer Specter seinen al­ten Plan, einen Eisenbahntunnel durch den Untergrund von Nicaragua zu boh­ren, nicht aufgegeben hat, obwohl man an der Oberfläche nichts sehen kann. Er hat Recht damit und findet sich bald mit Al Giordino in einem unterirdischen Tunnelsystem erstaunlicher Ausmaße wieder. Eine der Röhren führt direkt am Fuß eines Vulkans entlang.

Derweil werden die Funde der Navidad Bank ausgewertet, und Erstaunliches kommt zutage (freundlich assistiert von dem Sachbuch „Where Troy Once Stood“ von Iman Wilkens, der, wie man in der Danksagung entdecken kann, Cussler die Idee für den ganzen Roman eingegeben hat9): es handelt sich in der Tat um keltische Artefakte, die man dort entdeckt hat, und ein Wandrelief gibt nichts Geringeres wieder als die Sage vom Trojanischen Krieg. Wilkens´ Buch verlegt offensichtlich anhand geografischer Details die trojanische Saga nämlich von Anatolien nach Südengland, und es ginge in der Geschichte auch nicht um die entführte Helena, sondern vielmehr um das Zinnmonopol der antiken Bri­ten, was die auf dem europäischen Festland siedelnden Keltenstämme geeint habe, um sie den vernichtenden Feldzug gegen Südengland unternehmen zu lassen. Und der Kelte (!) Homer habe später diese Geschichte niedergeschrie­ben. Die Odyssee des Odysseus habe nicht im Mittelmeer stattgefunden, son­dern vielmehr in der Karibik und entlang der Atlantikküste.

Diese zumindest abenteuerlich zu nennende Schlussfolgerungen führen dann zu einer Insel namens Branwyn Island in der Karibik, wo die von den Lästrygo­nen versenkten Schiffe des Odysseus mitsamt ihren Schätzen seit Tausenden von Jahren auf dem Meeresgrund liegen müssen. Wer macht sich dorthin auf, eine im Privatbesitz des Odyssey-Konzerns befindliche Insel zu besuchen und di­rekt vor der Küste zu tauchen? Na, nicht unsere kampferprobten Recken Dirk senior und Al Giordino, sondern unsere ahnungslosen Grünschnäbel von Dirk Pitt junior und seiner hübschen Schwester Summer! Was prompt zur Folge hat, dass sie gekidnappt werden und in akute Lebensgefahr geraten.

Derweil wird auch (endlich!!!!) klar, was Specter mit seinen Baumaßnahmen in Mittelamerika geplant hat, nämlich eine großmaßstäbliche Veränderung des Weltklimas, und es bleiben nur noch acht Tage, um das zu verhindern. Und dann fünf, vier, drei…

Man kann den Roman in vier Tagen lesen, wie ich es gemacht habe, und ja, ich bleibe dabei, er ist lesbar und durchaus unterhaltsam. Aber dabei bleibt es dann auch, mehr ist er nicht. Er liest sich an sehr vielen Stellen wirklich so, als habe Cussler wirklich keinen Bock gehabt, realistisch zu schreiben oder sich ein bisschen in den Stoff zu vertiefen.

Woran merkt man das? An vielen Dingen. Nehmen wir beispielsweise das „Ocean Wanderer“. Es werden hier etwa Wasserrutschen im Innern für Notfälle erwähnt. Es gibt einiges an Details, die hier auftauchen, aber sobald der Sturm das Hotel erfasst, werden alle Details plötzlich unwichtig, die zweitausend Pas­sagiere zu einer einzigen amorphen Masse kreischender und panischer Perso­nen zusammengeschoben, und während der Leser die ganze Zeit fest daran glaubt, dass der Sturm irgendwie künstlich erzeugt worden ist oder mit Vorsatz in die Karibik gesteuert wurde, ist nach dem ersten Teil des Romans weder vom Hotel noch von den Konsequenzen der Katastrophe irgendeine Rede. Folge: man vergisst den ganzen ersten Teil rasch wieder, er spielt einfach keine Rolle. Kulisse und lieblos in Szene gestellte Statisten, von einer langfristig durchgehenden Storyline keine Spur. Sehr schade.

Der keltisch vage und ziemlich banal überkrustete Odyssey-Konzern ist an Sche­matismus wirklich kaum zu überbieten, zumal sich Cussler keine Mühe macht, hier irgendwie in die Details zu gehen oder Personen Tiefe zu verleihen. Auch das Geheimnis des rätselhaften Specter war mir schon sehr bald klar, der Epilog bot in der Hinsicht so überhaupt keine Überraschung mehr, da habe ich nur noch gegähnt. Zur Oberflächlichkeit der Betrachtungsweise dieses Konzerns ge­hört es übrigens auch, dass das in Brasilien angesiedelte Unternehmen ebenso wenig genauer betrachtet wird wie die Herkunft von Specter, der „mit südame­rikanischem Akzent“ spricht. Die Verbindung zu den Chinesen bleibt ebenfalls vollkommen diffus.

Da der Gegner – hier Odyssey – fast durch die Bank weiblich ist und Cussler den Gentleman in sich nicht ablegen kann, kommt es bei Kämpfen, von denen es ei­nige gibt, zu geradezu abstrusen, nahezu peinlichen Folgen, bei denen man als Leser ungläubig die Augen verdreht und sich denkt, das kann man jetzt nicht gelesen haben. Ähnlich halbherzig fällt dann auch die Lösung der ganzen Ge­schichte aus und kann so überhaupt nicht zufrieden stellen. Die hochdrama­tische Gefahr für das Weltklima, die immerhin mehrere hundert Seiten des Ro­mans beherrscht und völlig unausweichlich scheint, wird dann, ohne Witz, in ZWEI ABSÄTZEN ausgeschaltet! Da dachte ich echt, ich bin im falschen Film. Das war wirklich lächerlich.

Auch brauche ich nicht zu betonen, dass der amerikanische wie deutsche Titel etwas in die Irre führt. Der amerikanische ganz besonders, denn „Trojan Odys­sey“ kann man mit „trojanische Odyssee“ übersetzen. Nur werden die Trojaner bekanntlich bei Homer und auch hier alle niedergemetzelt. Wer hier auf Odys­see geht, ist Odysseus, und der ist – nach dieser Deutung – eben Kelte. Was sich im Übrigen nicht sonderlich realistisch anhört. Gerade die schriftlose keltische Kultur soll einen Dichter wie Homer hervorgebracht haben? Und dann wird die­se Saga nicht in Zentraleuropa, sondern in Griechenland überliefert? Äh? Und dann all die griechischen Namen… also, das muss natürlich alles Zufall sein…

Manche der Schlussfolgerungen, mit denen die Spezialisten der NUMA und die hinzugezogenen Historiker die These von der Verlagerung der Troja-Sage nach Südengland plausibel zu machen versuchen, überzeugen mich übrigens auch nicht. Etwa die Behauptung, im Mittelmeerraum gäbe es mehrheitlich Nadel­wälder, Homer schriebe aber von Laubbäumen – zu seiner Zeit waren Korkei­chenwälder im Mittelmeerraum weit verbreitet, sie wurden erst später abge­holzt. Das Klima sei feuchter und nebliger gewesen – ja, aber große Laubwälder verändern das lokale Klima entsprechend, außerdem dürfte die Region des Mit­telmeeres vor dreitausend Jahren generell kühler und regenreicher gewesen sein… all solche Details stören in Cusslers „glatter“ Argumentation.

Auch dass wirklich IMMER das passende technische Gerät, helfende Hände, Mi­litär oder passende Gelegenheiten zur Hand sind, die den gealterten Helden die reibungslose Durchführung ihrer bisweilen doch recht abenteuerlichen Taten ermöglichen, ermüdet den Leser – es läuft viel zu glatt, und da, wo Protagonis­ten in ernstliche Gefahr geraten, WEISS man schon, dass die Helden auf jeden Fall kurz vor dem tödlichem Finale gerettet werden. Das tötet die Spannung so wirkungsvoll ab wie antiseptische Lösung bakterielle Verunreinigungen.10

Sogar die Handlungslogik wird manchmal konsequent ausgeschaltet, am nach­drücklichsten in dem Moment, wo Al und Dirk Pitt senior das erste Mal auftau­chen und per Helikopter auf dem „Ocean Wanderer“ landen. Wie hat der Heli­kopter die mehrere tausend Meter hohe Sturmfront durchquert? Überflogen vielleicht? Hallo? „Ach, schaut doch nicht so genau hin, das interessiert doch niemanden!“, mag Cussler bei so nervigen Nachfragen an Stellen, wo die Hand­lungslogik wirklich gar nicht mehr funktioniert, sagen. Da kräuseln sich mir die Nackenhaare, ehrlich. So was sollte ein Autor wirklich nicht machen, er schreibt doch nicht für Vollidioten! Und so etwas passiert nicht nur einmal, sondern häufiger. Wenn auch, zugegeben, nicht so drastisch.

Und, durch zahllose Dialoge zwischen Al, Dirk Pitt senior und seiner Langzeit-Geliebten, der Abgeordneten Loren Smith vorgewarnt, konnte Cussler natürlich am Ende auch den sentimentalen Schmalz nicht mehr abstellen, der schon „Im Zeichen der Wikinger“ so süßlich verkitschte. Ich sage nicht, was er hier getan hat, aber soviel: das wäre ein guter Schlusspunkt für die gesamte Serie gewe­sen. Leider wissen wir, dass er weitergeschrieben hat. Demnächst werdet ihr er­fahren, was das für Konsequenzen zeitigt. Der nächste Roman „Geheimcode Makaze“, erstmals mit seinem Sohn Dirk (!) geschrieben, steht schon im Regal bereit. Aber was diesen Roman hier angeht, noch ein letztes Wort: das ist ein bisschen romantische Schlummerlektüre für Senioren. Realismus wird klein ge­schrieben, Romantik groß, und so allmählich entwickelt sich Cussler echt zum Friede-Freude-Eierkuchen-Freund.

Lest die alten Romane, Jungs und Mädels, die lohnen sich wirklich, die sind spannend. Der hier eher nicht. Der ist zum Gähnen.

© 2011 by Uwe Lammers

Oje, höre ich euch seufzen? Ein Buch, das man ganz bestimmt nicht lesen sollte? Nun, gar so weit würde ich nicht gehen… aber es hat definitiv keine Prio­rität auf der Leseskala, darin stimme ich euch zu.

Im kommenden Monat könnt ihr euch entspannter zurücklehnen, da geht es zu­rück zur Zaubererschule Hogwarts und zu Harry Potters zweitem Abenteuer.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Vgl. Clive Cussler: „Akte Atlantis“. Siehe dazu auch den Rezensions-Blog 123 vom 2. August 2017.

2 Vgl. Clive Cussler: „Im Zeichen der Wikinger“. Siehe dazu auch den Rezensions-Blog 135 vom 25. Oktober 2017.

3 Vgl. dazu Clive Cussler: „Im Todesnebel“. Siehe auch den Rezensions-Blog 66 vom 29. Juni 2016.

4 Bei dem sie freilich, wie ich hier seufzend anmerken muss, eine höchst unrühmliche Figur machen. Ihr wer­det es lesen, wenn ihr den Roman anschaut. Ich sage dazu weiter nichts.

5 Dank der modernen Isotopenbestimmung ist es möglich, solche geografischen Zuordnungen zu machen, das geht auch bei Edelsteinen.

6 Warum ich bei ihm immer an Zirkusse denken musste, kann ich mir echt nicht erklären…

7 Vgl. Clive Cussler: „Im Zeichen der Wikinger“.

8 Nun, hier bin ich heute etwas schlauer und weiß, dass Cussler seinen alten Spezi Leigh Hunt regelmäßig an unterschiedlicher Position in seinen Romanen unterbrachte – das ist eine ähnliche Form von Cameo-Auftritt, wie sie Stan Lee in den Marvel-Verfilmungen etabliert hat. Inzwischen ist Hunt verstorben, und die Cameos haben aufgehört.

9 Analog zu dem Verfahren im Roman „Akte Atlantis“, der daraufhin ja völlig logisch entgleiste. Hier ist die Ge­dankenführung ähnlich verbohrt, aber glücklicherweise nicht ganz so aberwitzig. Aber indem er sich ganz an der Argumentation von Wilkens´ Buch entlang hangelt, schmirgelt Cussler seinen Handlungsstrom bedau­ernswert glatt und macht ihn damit naiv und durchsichtig.

10 Man schaue sich mal, um einen wesentlich lebendigeren Vergleich einer spannenden Handlung zu haben, Arthur C. Clarkes und Mike McQuays Roman „Stärke 10“ an. Er stammt von 1996, und Clarke war damals schon deutlich älter als Cussler! Vgl. im Detail dazu die entsprechende Rezension im Rezensions-Blog 57 vom 27. April 2016.