Liebe Freunde des OSM,
herzlich willkommen im Reisebüro meiner freundlichen Wenigkeit, des einzigen Veranstalters im Universum, der euch privilegiert in die Weiten des Oki Stanwer Mythos mitnehmen kann. Heute bereisen wir mal einen Ort, an dem ich mich im Jahre 1983 aufhielt und den ich im Zuge der Digitalisierungsarbeiten älterer Schriftwerke jüngst wieder aufsuchte.
Ich meine, wenn ich nicht schon über reichlich graue Haare verfügen würde, wären mir spätestens dann welche gewachsen, und nicht zu wenige. Das lag an der Vorstellung – oder besser wohl Nicht-Vorstellung der damaligen Location. Ich entsinne mich wirklich nur noch sehr vage frühkindlicher obskurer Vorstellungen von der Welt, wo so weit voneinander entfernt gelegene Regionen wie Amerika und England irgendwie auf Katzensprungweite aneinandergerückt waren (heute nehme ich an, dass das irgendetwas mit der ebenso bizarren Verwendung von geografischen Bezügen in den mir damals vertrauten Lurchi-Abenteuern zu tun hatte). Aber von derlei seltsamen Gedanken war ich eigentlich 1983 schon gut geheilt.
Das verhinderte nicht, dass ich durch überschießende und mehrheitlich rein action-zentrierte Gedankenführung einen hanebüchenen Schwachsinn in der OSM-Episode zusammenfaselte, von der ich heute sprechen möchte, dass daran rein gar nichts Realistisches mehr blieb. Da es noch eine ganze Weile in der Zukunft liegt, bis ich euch die nämliche Episode aus dem KONFLIKT 13 „Oki Stanwer Horror“ im Rahmen der E-Book-Reihe „DER CLOGGATH-KONFLIKT“ zugänglich machen werde, und da ich fernerhin der Auffassung bin, dass nahezu nichts von dem, was ich damals schrieb, in der Ausarbeitung erhalten bleiben wird, ist die Gefahr, dass ich hier handlungsrelevantes Spoilern betreibe, glücklicherweise gering.
Also bitte anschnallen, es geht auf ins Jahr 2123 nach England … oder in die Region der Welt, wie ich mir damals England vorstellte.
Grundvoraussetzung: Das Stanwer-Team besteht etwa in derselben Besetzung wie am Ende des E-Books „DER CLOGGATH-KONFLIKT 1: Vorbeben“ (2018) auch. Wir haben Oki Stanwer selbst, seine Helfer des Lichts Klivies Kleines und Thor Gordenbeyl, außerdem die beiden so genannten Stanwer-Agenten Leonard Telkow und Richard Winer.
Oki Stanwer befindet sich daheim in der Bond-Street im Herzen von London. Kleines gibt in einem Park (!) einem Journalisten ein Interview über die Tätigkeit des Teams. Und Winer und Telkow sind mit einem Fahrzeug auf dem Weg in die Londoner Innenstadt. Das ist die Ausgangslage, als eine Attacke dämonischer Kräfte beginnt. Schauen wir uns das mal im Zitat an:
Um halb elf klingelte es an der Tür.
Humpelnd ging ich hin.
Es war der Paketbote.
Ich lächelte, denn ich hatte mich schon immer über Geschenke gefreut.
„An Mr. Oki Stanwer“, sagte der Paketbote.
„Das bin ich. Wie viel macht das?“
Er schaute auf seine Rechnung und sagte: „11,54 Pfund.“
Ich zückte meine Brieftasche, als sich mein Kreuz erhitzte. Das geschah immer, wenn eine bösartige Magie in der Nähe war.
Wo war sie diesmal?
Ich schloss meine Augen, und in meinem Hirn entstand ein Pfeil, der nach vorne wies.
Auf das Postauto.
„Ist Ihnen nicht wohl, Mr. Stanwer?“, fragte mich der Postangestellte.
„Nein, nein, es ist alles in Ordnung. Ich glaube nur, dass da eben jemand in Ihren Wagen gestiegen ist.“
Erstaunt drehte er sich um und ging zum Wagen. Ich rannte hinter ihm her, nachdem ich meine Pistole geholt hatte.
Und ich hatte mich nicht getäuscht. Im Wagen hatte sich etwas bewegt. Als wir ihn erreichten, wurde die Tür gewaltig von innen aufgestoßen, und wir sahen ein Wesen, das der Hölle entsprungen zu sein schien …
Soweit Oki Stanwer. Seinem Freund und Kollegen Kleines geht es leider nicht viel besser, denn während des Interviews wird auch er Ziel einer Attacke, und die sieht dann so aus:
Der Reporter Terry Benson saß Klivies Kleines gegenüber.
Atemlos hörte er Kleines´ Schilderung zu. Kleines erzählte von ihrem Kampf gegen die Mächte von TOTAM. Verständlicherweise verriet er nicht zu viel, denn sonst hätten die Dämonen von TOTAM vielleicht einen Grund gehabt, den aufmerksamen Reporter zu töten. Und Skrupel hatten die Dämonen von TOTAM noch nie gehabt.
Als er seine Schilderung beendet hatte, sagte der Reporter: „Das ist kaum zu glauben.“
„Deshalb“, so sagte Kleines, „sterben auch täglich so viele Menschen durch dämonische Angriffe.“
Kleines hatte sich mit dem Reporter in einem Café in der Nähe von Okis Haus getroffen.
Als Kleines gerade weiter erläutern wollte, entstand ein Flimmern in einem Pavillon in der Nähe. Dann flog er mit einem schmetternden Knall in die Luft …
Wo auch immer dieser Park liegen mag, nahe der Bond-Street offensichtlich nicht. Aber das ist ja nur die Fingerübung zum Warmwerden in Sachen Verrücktheit. Das ist noch gar nichts, verglichen mit den Handlungsvolten, die eintreten, wenn die Geschichte erst mal eskaliert. Schauen wir mal zum nächsten Mitarbeiter – zum hünenhaften Thor Gordenbeyl. Was macht der denn gerade?
Er sitzt (im Zentrum von London!) an einem Teich und angelt! Was er sonst nie tut. Ob das überhaupt möglich ist, kümmert mich gar nicht, ich füge das einfach ein. Warum? Weil sein Gegner doch so geschickt positioniert ist, und zwar so:
Während er sich auf seine Gedanken konzentrierte, schlich sich das Grauen an.
Lautlos wühlte sich das ETWAS aus dem schlammigen Grund. Sein Ziel war TÖTEN.
Und an diesem See gab es momentan nur ein Opfer.
Das ETWAS konnte nicht mehr warten.
Es schlug zu.
Sein Opfer war Thor.
Das Etwas ist eine bizarre Form von Riesenkrake, die am Grund des Sees lauert. Aber das ist gar nicht das Problem. Nicht einmal die Tatsache, dass das Monster anstelle von Thor versehentlich einen arglosen anderen Angler umbringt, ist von Belang, sondern das, was Thor im Anschluss macht:
Da Thor keine Waffen da hatte und wusste, dass das das Werk von TOTAM war, konnte er nicht helfend eingreifen.
Gleich darauf war das Wasser im See wieder normal.
Nichts wies auf das Monster in der Tiefe hin.
Thor rannte zur Straße und raste mit seinem Wagen los zur Kirche, nahe Okis Wohnsitz.
Dort wollte er seine Waffen holen, um gegen den Dämon zu kämpfen.
Aber er wusste, dass für den Angler jede Hilfe zu spät kommen würde.
Thor begibt sich also zu dieser Kirche, und dann drehte die absurde Handlung vollständig auf:
Um Zeit zu sparen, sprang Thor über den Rand des Wagens, ohne die Tür zu öffnen, und ließ den Motor laufen.
Dann rannte Thor zum Eingang.
Einer der Priester erkannte Thor.
„Ah, Bruder Thor, sei gegrüßt. Was willst du hier?“
Keuchend sagte Thor: „Ich brauche zehn Stangen geweihtes Dynamit. Ich muss einen Dämonenkraken erledigen.“
Der Priester kannte Thors Beruf und handelte dementsprechend.
Bereits drei Minuten später war er zurück. Er hatte sogar einen Unterwasserzünder mitgebracht und eine Silberkugelpistole mit Ersatzmagazin.
Schnell dankte Thor, schnappte sich die Sachen, sprang in den Wagen. Dann raste er zum See zurück.
Und hier hat sich die Lage derweil schon wieder grotesk verändert, was neue Menschengruppen in Gefahr bringt. Das schaut dann nach meiner kurzatmigen Handlungslogik so aus:
Thor erreichte den See und sah entsetzt, dass gerade eine Horde Kinder im See baden wollte.
„Nicht(!)“, schrie er, „da ist ein Riesenkrake drin.“
Die Kinder lachten.
Thor verzweifelte, während die Kinder weiterplanschten.
Und dann geschah das, worauf Thor gewartet, was er geahnt hatte.
Ein gewaltiger Fangarm erhob sich aus dem Wasser und umschlang eins der Kinder.
Er wollte es mit in den See zerren und wahrscheinlich auffressen.
Jetzt ging es um Sekundenbruchteile.
Also, ich kürze mal ab: Thor erledigt das Monster und rettet die Kinder. Aber leider hat es zwischenzeitlich auch Richard Winer und Leonard Telkow auf ihrem Heimweg in die Londoner City erwischt – ihr Fahrzeug wird fremdkontrolliert, sehr zu ihrem Nachteil:
„He, Rich.“
„Ja?“
„Da vorn leuchtet etwas.“
Richard Winer schaute hin. Tatsächlich.
Etwa drei Kilometer vor ihnen leuchtete die Fahrbahn grellrot auf.
WIE LAVA!
„Bremse(!)“, rief Telkow. „Das ist Lava.“
Er versuchte es. Aber es ging nicht. Aussteigen war auch nicht drin. Die Dämonen hatten ein unbekanntes Kraftfeld um den Wagen gelegt.
Immer näher kamen sie der vermeintlichen Lava.
Gleichzeitig wurde es immer heißer.
Und noch immer fiel die Dämonensperre nicht.
Aha, dachte ich mir beim Digitalisieren. Lava auf einer Straße nahe London. Das fällt auch so überhaupt nicht auf. Vermutlich sind die beiden Gefährten auch auf weiter Flur völlig alleine unterwegs (ein bisschen so wie zu Hochzeiten der Corona-Krise, wo die Straßen in Braunschweig auch wie leergefegt waren … aber mal ehrlich: auf dem Weg in die Londoner Innenstadt? Klingt nicht realistisch).
Aber schauen wir doch weiter, es wird ja noch abenteuerlicher:
Die Glut sprengte die Frontscheibe.
Gellend schrie Leonard Telkow auf.
Die glühenden Splitter hatten ihn überschüttet.
Und noch immer kam der Vulkan auf der Fahrbahn näher. Sie schwebten über der Straße und jagten auf ihr Ziel zu.
Es waren nur noch zweihundert Meter.
Mit verzweifelter Kraft riss er das Steuer herum(,) und das, was er nie erwartet hatte, geschah.
Der Wagen reagierte.
Aber falsch.
Richard Winer schrie gellend auf.
Im selben Moment segelten sie über den Felsrand hinweg.
Der Boden war noch zweihundert Meter entfernt.
Wie eine Rakete rasten sie dem Talgrund entgegen.
Aaalso … ich möchte den abenteuerlichen Ausflug damit beenden. Aber ihr merkt schon daran, wie viel Blödsinn ich damals auf wenigen Seiten in nur einer OSM-Episode unterbringen konnte. Ich zähle nur mal auf:
Fehlende Personendarstellung. Illegale Waffenlager in Kirchen, in denen Sprengstoffe für das Stanwer-Team gehortet werden und „natürlich“ und „sofort“ bereitstehen, wenn Not am Manne ist. Unmotivierte pyrotechnische Special-Effects. Geisterteiche, die im Herzen von London liegen und binnen Minutenfrist schnellstens von Angelteichen für jedermann zu Badeteichen für Kindergruppen umfunktioniert werden können. Menschenleere Straßen, deren Fahrbahnen sich motivationslos zu „Lava“ verflüssigen und aus denen „Vulkane“ (nahe London!) einfach so ausbrechen können (was interessanterweise niemand bemerkt!). Und schließlich haben wir da noch diese interessante Phantomschlucht bei London, die glatte 200 Meter tief sein soll und direkt neben der Fahrbahn liegt, schätzungsweise in einem Londoner Vorort. Natürlich kennt die auch niemand …
Den größeren Blödsinn, der sich in der Episode sonst noch so abspielt und sie vollends zur Satire macht, erspare ich euch lieber, Freunde. Ihr könnt mir glauben, ich habe mich so bei der Abschrift geschämt, dafür gibt es keine Worte mehr.
Freut euch darauf, dass ihr nichts davon im „CLOGGATH-KONFLIKT“ finden werdet. Dieses Kapitel der Serie sieht dann in der Realisierung völlig anders aus.
In der kommenden Woche steuere ich mit der Artikelreihe „Aus den Annalen der Ewigkeit“ wieder in ruhigere Fahrwasser, versprochen!
Bis dann, mit
Oki Stanwers Gruß,
euer Uwe.