Rezensions-Blog 340: Tod im Lesesaal

Posted Februar 22nd, 2022 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

viele Zeitgenossen des Alltags pflegen in die Ferne zu schwei­fen, wenn sie Abenteuer und Aufregung suchen, zumeist in Ur­laubslocations exotischer Natur … gut, heutzutage in Corona-Zeiten fällt das schwer, aber davor und, so Gott will, auch da­nach, wird das sicher wieder Usus sein. Dabei ist es doch auch in diesem Fall so wie oft: das Gute oder in diesem Fall das Schreckliche liegt bisweilen überraschend nah.

So verhält es sich auch mit diesem heute vermutlich nahezu un­bekannten kleinen Bändchen, das auch nur durch einen un­wahrscheinlichen Zufall in meinen Besitz kam (siehe unten). Der Roman, der sich sehr an lokale Realitäten anlehnt, spielt im klei­nen, beschaulichen Wolfenbüttel, das im Zweiten Weltkrieg so stiefmütterlich behandelt und vom Bombenterror verschont blieb, dass gerade mal am Ortsrand ein paar verirrte Granaten einschlugen.

Auch die Herzog August Bibliothek, der Hauptschauplatz des Geschehens, erscheint eher bieder und schlicht, dem klassi­schen Topos entsprechend, dass Bibliotheken in ihrer Funktiona­lität unscheinbare Institutionen sind und meist nur dann in den Blick geraten, wenn sie katastrophisch entgleisen (man denke da nur an den Brand der Anna Amalia Bibliothek in Weimar vor vielen Jahren).1

Aber wie ich schon vor über sechzehn Jahren in der Rezension schrieb: „Der Tod kennt kein Tabu“, und so findet man denn sei­tens der Kriminalisten unvermittelt eine Leiche im Lesesaal, und erschossen worden ist das Opfer auch noch.

Und dann geht die Story los:

Tod im Lesesaal

von Rolf Buchholz

Eigenverlag

Braunschweig 1991

148 Seiten, TB

Mit Illustrationen von Ulli Kleinfeld

Der Tod kennt kein Tabu. Er schleicht sich überall ein, selbst in die ehrwürdigen Mauern der Herzog August Bibliothek (HAB) in Wolfenbüttel, und ehe man sich versieht, sitzt ein Toter im Lese­saal.

Die Kriminalkommissare Winckelmann und Keller, beide mit dem Leben auf Kriegsfuß stehend, beginnen am 23. April 1990 mit ihren Recherchen. Während Winckelmann von seiner Le­bensgefährtin verlassen wird und sich mit Darmproblemen her­umschlägt, sucht Keller sein Beziehungsglück in der HAB. Beide stellen bald fest, dass sie mit dem Mordfall ebenso zu kämpfen haben und letztlich einem kniffligen Rätsel auf der Spur sind:

Der Tote heißt O’Connor, Denis O’Connor. Er ist Brite, Archivar der Stadt Southampton und eigentlich Shakespeare-Forscher. Er wird in der Bibliothek erschossen, während er ein Manuskript von Johann Joachim Eschenburg2 studiert. Es gibt weder ein Ein­schussloch in den Fensterscheiben der Bibliothek noch ein er­kennbares Motiv, den 50jährigen Briten ausgerechnet an sei­nem Geburtstag zu ermorden.

Aber es ist einwandfrei Mord: ein abgebrochener Streichholz in der Sicherheitstür des Lesesaals beweist, dass der Täter sich in der Bibliothek sehr gut auskannte. Damit ist der Verdacht für Winckelmann naheliegend – der Mörder ist jemand aus der Bi­bliothek selbst oder jemand, der oft hier war. Und jemand, der O’Connor gut gekannt haben muss. So gut, dass er Grund für den Mord hatte.

Doch was genau ist das Motiv? Wer mag der Täter sein?

Die Bibliothekarin Grävemeyer, die am Morgen Aufsicht hat (und nichts mitbekommen haben will), ist verdächtig, da sie viel von O’Connors literarischen Fähigkeiten gehalten hat und sich ihm auch erotisch annähern wollte. Hat er sie zurückgewiesen und sie ihn deshalb getötet?

Was ist mit der zweiten Frau in O’Connors Leben, der Frau Ja­gner? Sie ist schwer erschüttert über seinen Tod, doch ist das vielleicht geschauspielert? Und nun scheint sie ihr Herz für den eigentlich eher unattraktiven Kommissar entdeckt zu haben.

Oder wie ist es mit dem EDV-Spezialisten Birnbaum, der vor­gibt, O’Connor nicht gekannt zu haben, aber später einräumen muss, dass er mit ihm einen Streit gehabt hat, in dessen Verlauf das ganze Haus via Lautstärke davon erfuhr?

Wie steht es mit dem Bibliotheksdirektor Howald? Oder mit dem undurchsichtigen Schröder, dessen Buchanforderung an­geblich die Grävemeyer aus dem Lesesaal fortrief, so dass der Mord möglich wurde? Und dann ist da noch die Frau an der In­formation, die mit Begeisterung Agatha Christie („Der Tote in der Bibliothek“!) liest und auf die Frage danach, ob sie den Mör­der schon kenne, deutlich verstört reagiert?

Und dann ist da diese Auskunft aus Southampton, die O’Con­nors Background aufhellt – seine Herkunft aus armen Verhältnis­sen, seine Probleme mit den staatlichen Organen, vielleicht sei­ne Nähe zu sozialistischen Idealen. Ist der Mord eine politisch motivierte Tat gewesen? Das raffinierte Werk eines Auftragskil­lers?

Je tiefer Winckelmann und sein Dressman Keller (der deshalb dennoch nicht viel mehr Erfolg bei Frauen hat) in die ihnen denkbar fremde Materie des 18. Jahrhunderts eindringen, um ein Motiv zu finden, desto verwirrender wird die Sachlage – auf einmal geht es um Multitalente, Verleger und wortgewaltige Briefkorrespondenten, es geht um Moses Mendelssohn und Les­sing und, ja, um Eschenburg und das Eschenburg-Projekt.

Verschollene Originalbriefe, gefälschte Abschriften, ein geheim­nisvolles Manuskript, das eine Verbindung mit Shakespeare her­stellt, legt plötzlich nahe, dass das Motiv vielleicht doch im rein wissenschaftlichen Sektor zu suchen ist statt im Feld der zwi­schenmenschlichen Beziehungen. Nur: wie beweist man einem eiskalten Mörder, dass er ein Verbrecher ist, wenn alle Beweis­stücke vernichtet worden sind …? Wie überführt man ihn? Die Lösung des Falles steht auf der Kippe.

Es ist schon mitunter erstaunlich, auf welche verblüffenden Din­ge man durch schieren Zufall stößt. So war es meine Chefin, Frau Professor Dr. Eva Engel-Holland3, die mir dieses Buch zu­gänglich machte, und der Grund war alles andere als nahelie­gend:

Der Verfasser Rolf Buchholz war vor vielen Jahren Mitarbeiter am Moses-Mendelssohn-Projekt und kannte von daher die Ört­lichkeiten in Wolfenbüttel wirklich bestens. Er schenkte diesen Romanerstling seiner damaligen Chefin 1991, und sie grub ihn aus, weil sie meine Neugierde für verschiedenste Arten von Ro­manen kannte. In Anbetracht der Kenntnis, die Buchholz über die Literatur des 18. Jahrhunderts an den Tag legt – auch der Name des Kriminalkommissars Winckelmann ist natürlich eine Anspielung auf den Winckelmann des 18. Jahrhunderts, ebenso mag Keller eine ähnliche Anspielung sein – ist es beeindru­ckend, wie geradlinig und doch lange Zeit undurchsichtig er sei­nen Stoff darbietet und verschiedenste Verdachtsmomente auf­baut.

Wären nicht zwischen einst und heute fast 15 Jahre vergangen und zahlreiche Personen nicht mehr in der HAB angestellt, so könnte man sich neugierig auf die Suche nach den „Vorbildern“ machen. Eine ist sofort evident, wenn man ein bisschen genau­er schaut: die „kleine, weißhaarige Frau mit der flüsternden Stimme“ ist eindeutig Frau Professor Dr. Engel selbst, auch wenn sie hier „Frau Löwe“ genannt wird. Der kenntnisreiche Le­ser schmunzelt.

Man mag am Ende ein wenig enttäuscht davon sein, dass der spannendste Handlungsstrang – der nämlich einer komplexen Intrige innerhalb der HAB – nicht umgesetzt wird, richtig ent­täuscht wird der Leser durch die Lösung aber nicht. Einzig är­gerlich sind die ausgesprochen vielen Schreibfehler im Manu­skript (ein Schnitt von drei Fehlern je Manuskriptseite ist nor­mal). Hier wäre Herrn Buchholz ein gründliches Lektorat hilf­reich gewesen. Die (möglicherweise fiktiven) Kommentare im „Off“, die von der „Sunday Times“, dem „Spectator“ und dem „Daily Mirror“ stammen, können darüber nicht hinwegtäuschen.

Alles in allem sonst jedoch ein faszinierendes Buch, dem man insbesondere in der Region mehr Leser wünschen würde. Heut­zutage ist es fraglos nur noch antiquarisch zu erhalten.

© 2005 by Uwe Lammers

Wie gesagt, das war eine vergnügliche Erfahrung, den Ort, an dem ich gerade selbst wissenschaftlicher Mitarbeiter war, als Schauplatz eines Romans zu entdecken, den ich eben las … das passiert wirklich nicht allzu häufig. Hat einiges Vergnügen berei­tet, soviel steht fest.

In der nächsten Woche reisen wir dagegen wieder in die Verei­nigten Staaten und kümmern uns weiter um Gideon Cross und seine Geliebte …

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

1 Vgl. dazu Uwe Jochum: Vernichten durch Verwalten. Der bibliothekarische Umgang mit Büchern, in: Mona Körte und Cornelia Ortlieb (Hg.): Verbergen. Überschreiben. Zerrei­ßen, Berlin 2007, S. 106-119.

2 Lehrer am Braunschweiger Collegium Carolinum (1743 – 1820), der Vorgängereinrich­tung der Herzoglichen Technischen Hochschule.

3 Anmerkung von 2021: Sie war damals schon sehr betagt und ist inzwischen seit eini­gen Jahren verstorben.

Liebe Freunde des OSM,

oje, es ist so lange her durch die eingetretene monatelange Pu­blikationspause des Blogs, dass ich jetzt (13. September 2021) erst mal überlegen muss, wie lange das her sein wird, bis ich diesen Artikel veröffentlichen kann. Ursprünglich sollte der Vor­gänger-Beitrag zu diesem hier, Blogartikel 436, am 11. Juli 2021 erscheinen. Da aber zum aktuellen Schreibzeitpunkt dieser Zei­len gerade mal der Blogartikel 423 erschienen ist, muss ich ein­fach anders rechnen.

Wenn ich den früheren Publikationstakt wieder aufnehmen und durchhalten kann – das ist durchaus nicht gesagt – , dann heißt das, dass 10 Wochen vor diesem Text der „Annalen“-Artikel XLII erschienen ist. Sagen wir also der Einfachheit halber, es sei jetzt vor 10 Wochen passiert.

Immer noch herrscht die Corona-Pandemie, auch wenn die Ver­hältnisse sich in Europa ein wenig entspannt haben. Bis diese Zeilen vor euren Augen auftauchen, könnte sich das schon wie­der sehr geändert haben. Ich versuche aber, wie bei den Rezen­sions-Blogs, hier einfach einen kleinen Anschein von Normalität zu vermitteln.

Wieder mal bin ich in einer beruflichen Neuorientierungssituati­on. Mein befristeter Arbeitsvertrag ist Ende August ausgelaufen, Nachfolgebeschäftigung noch nicht in Sicht. Im April 2017, mit dem ich meine Darstellung heute fortsetzen möchte, sah das noch anders aus. Damals befand ich mich mitten in einer Voll­zeit-Beschäftigung, die ich sowohl als sehr bereichernd als auch als außerordentlich fordernd erlebte. Vermutlich war ich einfach das normale Arbeiten nicht mehr so gewohnt … begreiflich in ei­ner Situation wie meiner: seit inzwischen mehr als 15 Jahren von einer befristeten Stelle zur nächsten hüpfend ohne Chance auf Kontinuität, immerzu unterbrochen durch Phasen der Ar­beitslosigkeit und Bedürftigkeit … schön und stabilisierend ist wirklich etwas anderes.

Nun, dennoch gab es in geringem Maße die Möglichkeit, weiter­hin kreativ tätig zu sein. Zwar gelang es mir im April 2017, 27 Werke abzuschließen, aber die Majorität darunter waren, erwar­tungsgemäß, Blogartikel und zahlreiche Rezensionen.

In den Bereich der „Annalen“ fiel allerdings am 3. April „Das winzige Mysterium“, eine kleine Geschichte, die mehr an eine Art von romantischem Märchen erinnert und inzwischen auch schon veröffentlicht ist … eine seltsame Geschichte über ein unglaublich energiereiches Artefakt mit ungeheurer Durch­schlagskraft – eine winzige Träne aus Goldkristall … mit einer eingeprägten Botschaft.

Außerdem kümmerte ich mich weiter um die Formatierung des OSM-Romans „Die Totenköpfe 1: Die Alte Armee“, indem ich Teil 11 für die BWA-Publikation fertig stellte. Aber sonst …? Fehlanzeige.

Im Mai sank die Geschichtenrate auf 19 Werke ab. Darunter 4 Blogartikel und 11 Rezensionen sowie ein Nachruf. Ein wirklich schlechter Monat für die „Annalen“. Sicherlich, wie auch schon im April kam ich an der Abschrift des Romans „DER CLOG­GATH-KONFLIKT“ voran, aber sonst gelang nur die eine oder andere kommentierte Episodenabschrift.

Der Monat Juni sah auf den ersten Blick besser aus: 22 fertige Werke. Der Detailblick ist wie meist ernüchternder: 7 Blogarti­kel. 9 Rezensionen. Da bleibt nicht viel Spielraum für die „Anna­len“, nicht wahr? Und recht habt ihr damit – Ich konnte diesbe­züglich die kommentierte Abschrift von „Kämpfer gegen den Tod“ fertigstellen, die zwischen September und Oktober 2021 in 4 Folgen im Fanzine „Baden-Württemberg Aktuell“ (BWA) er­schienen ist (ich muss immer daran denken, dass diese Zeilen Monate später erscheinen … auch wenn aktuell gerade mal der erste Teil des Romans abgedruckt wurde, das ist mitunter ziem­lich verwirrend).

Ebenfalls in diesem Monat, einen Tag später, um exakt zu sein, schloss ich eine weitere kommentierte Storyabschrift aus dem OSM ab: „Die magische Waffe“, die auf furchtbare Weise im magisch verwüsteten Raum von Irland in KONFLIKT 13 spielt, also der Serie „Oki Stanwer Horror“, die ich seit 2018 in E-Book-Form im Rahmen der Serie „DER CLOGGATH-KONFLIKT“ (CK) umarbeite. Und nein, diese Geschichte wird in absehbarer Zeit noch nicht publiziert werden … dafür müssen erst noch zwei oder drei CK-E-Books erscheinen, das ist noch eine ganze Weile hin.

Die Teile 12 und 13 der „Alten Armee“ wurden für BWA forma­tiert, und gegen Monatsende strebte ich dann eine weitere Ab­schrift einer alten „Annalen“-Geschichte an: „Der Herr der Schwarzen Berge“, die vor sehr langer Zeit schon mal im Fan­dom erschienen ist. Davon sollte es auch endlich ein Digitalisat geben. Aber zu dessen Fertigstellung kam ich in diesem Monat definitiv noch nicht.

Obwohl ich also in diesem zweiten Quartal 2017 auf insgesamt 144 fertig gestellte Geschichten und Rezensionen sowie Blogar­tikel, Fanzineredaktionen, Nachrufe usw. kam, überwogen doch bei weitem Rezensionen und Blogartikel sowie kommentierte OSM-Episodenabschriften. Wirklich vom Fleck, was die Abfas­sung neuer Geschichten anging, kam ich indes kaum. Meine Ar­beitsenergie ließ zunehmend nach.

In den nächsten beiden Monaten sollte das nicht besser werden. Das waren dann die letzten beiden Projektmonate, in denen ich zunehmend auf dem Zahnfleisch ging, und das merkte man auch an meinem kreativen Output deutlich. Das zeige ich euch beim nächsten Mal.

Bis bald, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 339: Blümchen, Sex und Peitsche

Posted Februar 16th, 2022 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

Komödien sind feinsinnige Gesellschaftsstücke, die in der Regel allgemeine Charakterzüge von Menschen ins Absurde überdre­hen und Protagonisten aufeinanderprallen lassen, die dadurch regelmäßig chaotische Verwirrungen produzieren … wenn man dies als die Grundcharakteristika klassischer Komödien ansehen kann, würde ich sagen, haben wir hiermit ein wirklich gelunge­nes Beispiel dergleichen vorliegen.

Als ich den Roman vor inzwischen über zwei Jahren las, ahnte ich nichts von den drei unzufriedenen Ehefrauen und dem alko­holischen Zwangs-Gelage im Pfarrhaus, das aus einer kleinen Lesegruppe eine abenteuerlustige Meute machen sollte, und ich konnte mir schon gar nicht vorstellen, dass das alles von E. L. James‘ Erotikbestseller „Fifty Shades of Grey“ initiiert werden sollte. Nun, ich sollte dazu lernen, und zwar sehr schnell, wäh­rend ich bei der Lektüre des vorliegenden Bandes aus dem Ge­kicher nicht mehr recht herauskam.

Das ist immer ein gutes Zeichen und selten dazu.

Ich meine, filmisch bin ich eher nicht so der Komödientyp, aber das hier … also, das hatte was, das ist unleugbar. Wer sich von dem martialisch klingenden, aber durch und durch ironisch ge­meinten Titel nicht allzu schnell ins Bockshorn jagen lässt, sollte sich dieses Lesevergnügen echt nicht entgehen lassen.

Worum genau geht es? Schaut einfach mal weiter:

Blümchen, Sex und Peitsche

von Iska Lavin

Bastei 16873

224 Seiten, TB (2013)

ISBN 978-3-404-17873-6

Das Buch wird kontrovers diskutiert. Die einen stürzen sich be­gierig auf die Abenteuer der jungfräulichen Anastasia Steele und ihres dominanten, sexuell erfahrenen und sadistischen Liebhabers Christian Grey. Andere finden das Buch sexistisch, es erniedrige Frauen, glorifiziere sexistische Gewalt und sei in seiner Ausformung einfach nur grotesk. Zumeist handelt es sich bei letzteren Einschätzungen allerdings um Aussagen von Men­schen, die das Werk höchstens in Auszügen, in Form von partei­ischen Rezensionen oder Ausschnitten der Verfilmung einschät­zen.

Kurz nach dem Erscheinen des Buches setzt aber interessanter­weise auch auf belletristischer Ebene eine Auseinandersetzung mit dem Werk ein, und das vielleicht vergnüglichste Resultat dieser Entwicklung stellt der vorliegende Roman dar. Denn in der Tat geht alles mit „Shades of Grey“-Band 1 los und eskaliert schließlich ins völlige Chaos, wo kein Auge trocken, keine Person ungeschoren und quasi kein Stein mehr auf dem anderen bleibt.

Und dabei fängt doch so harmlos an …

Elsa, Imogen und Jasmin sind drei Frauen in unterschiedlichem Lebensalter, die sich anfangs nicht mal persönlich kennen und unter normalen Umständen auch nie kennen gelernt hätten. Zu verschieden sind ihre Leben: Elsa (50) führt mit ihrem Mann Al­bert (Berti) eine Firma, die sich auf Erotikartikel spezialisiert hat. Sie hat mit ihrem Berti zwei inzwischen erwachsene Söhne groß gezogen und ist mit dem Leben im Kern total zufrieden. Okay, es nervt sie, dass Berti ständig mit seinem engsten Freund Hei­ner durch die Lande gurkt und Vögel beobachtet. Aber wenn er wieder daheim ist, ist der gemeinsame Sex immer noch große Klasse.

Dennoch beginnt sie sich schließlich zu langweilen und ent­scheidet sich dafür, wenn Berti schon ständig was für sich un­ternimmt, sich selbst auch mal was zu gönnen. Aber was soll das sein? Spontan fällt ihr ein, dass sie ja einen Aufruf in die Zeitung setzen könnte, um einen Frauen-Lesekreis zu bilden. Das ist ganz unverfänglich und sicherlich eine schöne Abwechs­lung für das ständige Managen der Firma.

Sie hat keine Ahnung, dass sie die Zündschnur an ein Pulverfass legt, das jede Menge Leben binnen kürzester Zeit entgleisen lassen wird, ihr eigenes ausdrücklich eingeschlossen. Auch der Leser kann sich das nicht vorstellen.

Imogen (39) ist eine vor langer Zeit aus Ostdeutschland in den Westen übersiedelte, inzwischen ziemlich gereizte Finanzamts­beamtin. Unglücklich verheiratet mit „ihrem Ralle“ hat sie sich in einem frustrierenden Leben eingerichtet und erträgt mühsam die ständigen herablassenden Ossi-Scherze ihres Bürokollegen Kjell, der offensichtlich mit einer tollen Frau verheiratet ist, ob­wohl er einfach nach überhaupt gar nichts aussieht. Das Leben kann schon echt total ungerecht sein. Hat das nicht mehr zu bieten? Als sie Elsas Anzeige liest, denkt sie, dass vielleicht ein wenig Abwechslung nicht schaden kann. Aber große Hoffnungen hat sie nicht. Sie meldet sich bei Elsa.

Damit beginnt auch ihr Leben zu entgleisen (was natürlich we­der Elsa noch sie ahnen).

Und dann ist da noch die Studentin Jasmin (26), die unglücklich in den Cafébesitzer Benedikt verschossen ist und bei ihren zag­haften Annäherungsversuchen so ziemlich alles falsch macht, was man nur falsch machen kann. Zum einen unterläuft ihr in einem stockenden Gespräch der Fehler, dass sie ihn als stillos bezeichnet, und dann rutscht ihr versehentlich auch noch her­aus, sie fände sein Café so schön plüschig, wie es Schwule ein­richteten … woraufhin er eingeschnappt ist und sie am Boden zerstört. Hat sie ihn echt gerade als stillos und schwul bezeich­net? Das wollte sie doch gar nicht sagen, sondern ihm eigent­lich eher ein Kompliment machen …

Gott, sie kann aber auch wirklich gar nicht so mit Männern um­gehen! Alles geht den Bach runter, und niemand wird sich je­mals für sie interessieren, schon gar nicht der Mann, den sie so gern näher kennen lernen würde und soeben tödlich beleidigt hat … in der Stimmung findet Jasmin dann Elsas Anzeige und entschließt sich dazu, eher aus einem Versehen heraus, an der Leserunde teilzunehmen. Natürlich wird sie angenommen, denn eine Leserunde sollte ja mindestens aus drei Personen beste­hen, sonst wäre es ja keine Runde. Und aus reinem Pflichtbe­wusstsein geht Jasmin hin, auch wenn sie mit Literatur nun so gar nichts am Hut hat. Und sowieso ganz andere Sorgen (siehe oben).

Vielleicht ist diese spontane Fehlentscheidung Schicksal. So sieht es nachher jedenfalls aus.

Am Anfang wirkt das völlig anders. Im Pfarrhaus, wo Elsa diesen Lesekreis organisiert, versucht die intellektuelle Elsa ihren bei­den grundverschiedenen Mitstreiterinnen zunächst das Buch „Jane Eyre“ schmackhaft zu machen. Es stößt nur auf bedingt Gegenliebe. Imogen favorisiert eher Thriller. „Aber ohne Mes­ser!“, besteht Jasmin, die meint, danach sonst nicht mehr schla­fen zu können.

Damit scheiden Thriller also auch aus.

Auch der zweite Buchtipp, der dann von Imogen kommt und den unprosaischen Titel „Trittbelastung an Seen und Weihern im östlichen Landkreis Ravensburg“ trägt (ernsthaft!), kann sich nicht in der Runde durchsetzen. Aus einer gewissen Frustration heraus wählt Elsa anschließend ein Buch, das man ihr zur Lektü­re empfohlen hat, das sie aber noch nicht lesen konnte: „Sha­des of Grey“.

Damit fängt das Verhängnis an.

Während Elsa, die sich in dem Sex-Business beruflich ja aus­kennt, von der Geschichte durchaus schnell fasziniert ist, sind sich ihre Mitstreiterinnen nicht ganz so sicher, und das steigert sich alsbald zu einem handfesten Zerwürfnis, das den Lesekreis nach dem zweiten Treffen sprengen würde … tja, wenn denn die Tür des Gemeindesaales wieder aufgehen würde. Tut sie aber nicht. Der schwerhörige Pfarrer hat sie offenbar ahnungslos ein­geschlossen. Die Handys sind auf dem Flur und unerreichbar, und der Gemeindesaal liegt im zweiten Stock und geht zum menschenleeren Hof hinaus.

Dumm gelaufen.

In der Küche gibt es aber wenigstens noch vom Gemeindefest kalt gestellten Sekt und Knabberzeug. So eingesperrt und ratlos beginnen die drei Frauen ein eher ungeplantes Gelage und wer­den, während sie sich immer mehr besaufen, zu besten Freun­dinnen, die einander die Herzen ausschütten.

Imogen klagt über ihren biestigen Kollegen Kjell und über ihr unbefriedigendes Dasein, über ihren verschollenen, treulosen Jugendfreund René, der ihr ewige Liebe geschworen habe und dann spurlos verschwunden sei. Nur „Ralle“ sei ein Lichtblick. Vielleicht habe sie es also ja eigentlich nicht völlig schlecht.

Jasmin, die eigentlich keinen Alkohol trinkt, aber heftig dem Sekt zuspricht, plappert über ihre Sehnsucht nach Benedikt.

Elsa wünscht sich, endlich mal Firma Firma sein lassen zu kön­nen, um beispielsweise auf dem Hamburger Kiez „mal richtig die Sau rauszulassen“. Und da sie mit Abstand die trinkfesteste von ihnen ist und von Natur aus gern Pläne macht, entschließt sie, einen Schlachtplan zu entwickeln, mit dessen Hilfe sie alle drei zu ihrem Glück kommen sollen.

So werden aus drei grundverschiedenen Frauen Verschworene.

Und dann geht alles schief, und zwar auf die aberwitzigste Wei­se, die man sich nur vorstellen kann. Darin spielen zentrale wei­tere Rollen: Imogens Arbeitskollege Kjell. Jasmins Schwarm Be­nedikt und dessen Großmutter. Bertis bester Freund Heiner und dessen Ehefrau Monika (stets Monique genannt) sowie deren Tochter Caroline. Und dann sind da auch noch der prügelnde Paartherapeut Tizian und Herr Sternchen (und weitere) …

Ja, Sternchen sieht man am Ende dann auch, und die Lachmus­keln schmerzen … denn je weiter sich die Geschichte entwi­ckelt, desto grotesker wird sie. Sicherlich wird, wie in jeder gu­ten Komödie, der Wahrscheinlichkeit Gewalt angetan, und wie in Theaterstücken tauchen die unpassenden Figuren zu den unglü­cklichsten Gelegenheiten auf dem Schauplatz auf … aber es macht einfach einen wahnsinnigen Spaß, das zu lesen. Zu ent­decken, wie durch die Lektüre eines skandalösen Bestsellers und eines ungeplanten Zwangs-Sekt-Gelages im Pfarrhaus die Leben aller beteiligten Personen gründlich entgleisen und jede Menge empfindliches Porzellan zerschlagen wird … das ist so abenteuerlich wie lesenswert.

Ich habe ja sonst nicht viel für Komödien übrig, weder im Film noch im Buch, aber das hier war eine sehr kurzweilige, muntere Abwechslung zu meinen sonstigen Lesestoffen. Entgegen dem etwas marktschreierischen Titel ist darin weniger Sex enthalten, als man glauben könnte, und noch weniger Sadomaso-Kram, dafür unglaublich viel Humor. Ich würde also vermuten, die Au­torin hat „Shades of Grey“ definitiv richtig gelesen und insbe­sondere den darin verborgenen Humor, der mir die Lektüre sehr angenehm machte (und von den meisten vorurteilsbehafteten, ahnungslosen Kritikern einfach übersehen wird), solide adap­tiert.

Ein wirkliches Lesevergnügen, sehr zu empfehlen.

© 2019 by Uwe Lammers

Abenteuer mal auf völlig andere Art und Weise – ich hoffe, ich konnte neugierig auf das Werk machen, es lohnt sich unbedingt als Training für die Lachmuskeln.

Auch im nächsten Band bleiben wir im Hier und Jetzt und an ei­nem Ort, an dem sich Dinge ereignen, die man dort eigentlich nicht erwartet, nämlich Mord in einer Bibliothek. Wann, wo und wie? Nun, das erfahrt ihr in der nächsten Woche.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Blogartikel 445: Close Up: Der OSM im Detail – Teil 30

Posted Februar 13th, 2022 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

es ist wirklich lange her für mich, dass ich den letzten Beitrag dieser Reihe schrieb … und noch viel länger für euch, dass ihr ihn lesen konntet. Das ist zum einen der seltsamen Corona-Zeit geschuldet, zum anderen natürlich der Tatsache meiner Blog-Publikationspause seit Mitte April 2021, was erst im September 2021 endete.

Wenn aber die übliche Taktfrequenz von zwei Blogartikeln pro Woche (sonntags der Wochen-Blog, mittwochs der Rezensions-Blog) wieder stabilisiert werden kann, wovon ich zurzeit ausge­he, dann solltet ihr ebenfalls rasch wieder hereinfinden. Zu­nächst also noch mal die Basics der aktuellen Close Up-Hand­lung des KONFLIKTS 15, die verworren genug ist:

Es sieht schlecht aus für das Sternenreich der Menschheit, das in zahlreiche Teilstaaten zersplittert ist. Auf der einen Seite überrollen Aktionen der Dämonen von TOTAM und ihrer Scher­gen die Menschenwelten, zum anderen haben die PSI-Intelligen­zen aus dem Spiralarm III mit ihren Weltraumsporen begonnen, ebenfalls fanatisch Menschen in pflanzliche Lebensformen um­zuwandeln oder ganz auszulöschen.

Zuletzt ist auf dem Planeten Beteigeuze IV der Versuch des Dä­mons Zomar konterkariert worden, ihn zu einer Basis für auto­nome Machtentfaltung zu werden. Aus dem Hyperraum sickerte die „Seelen-Armee“ ein und verwandelte Zomars Sieg in eine Niederlage. Auch der einschreitende Erste Dämon von TOTAM, Morosk, konnte in Anbetracht der Verhältnisse – Beteigeuze ver­wandelt sich in das Zentrum einer instabilen Raumzone – nichts mehr retten. Sowohl er als auch Pater Joseph Ghastor und das BUCH gingen in der Raumzone verloren, Zomar gelang knapp die Flucht.

Nun sitzen Klivies Kleines, Thor Gordenbeyl und die Seelen-Ar­mee hier fest, und ihr Untergang scheint nahe zu sein.

Oki Stanwer hat derweil auf der verwüsteten Zentralwelt den Dämon Mor und den WÄCHTER getroffen und ersteren schwä­chen und in die Flucht schlagen können. Doch der WÄCHTER hat Oki, der in der Maske des verstorbenen Milliardärs Eon Seg­gar mit seiner Raumyacht FRATERNITÉ unterwegs ist, um die Menschheit auf seine Seite zu ziehen, eine furchtbare Hiobsbot­schaft ausgerichtet.

Die PSI-Intelligenzen aus dem Spiralarm III, früher Verbündete des okischen Imperiums, haben einen Irrläufer manipuliert und auf Kollisionskurs mit der Erde gebracht. Um sie von dieser Wahnsinnstat abzubringen, muss er in den Spiralarm III fliegen – und kann daher Thor auf Beteigeuze IV nicht retten …

Episode 41: Die dritte Aufgabe

(1983, digitalisiert 2004)

Oki Stanwer ist mit seiner Besatzung von Oki-Robotern unter­wegs ins Reich der PSI-Intelligenzen, die zwischenzeitlich schon New Port Royal komplett übernommen haben. Damit hat das Menschenreich der Stardust-Flibustiers (SDF) aufgehört zu exis­tieren. Aber das ist erst der Anfang. Im Machtbereich der PSI-In­telligenzen, mehr als 65.000 Lichtjahre von der Erde entfernt, wird eine gigantische Sporen-Streitmacht gesammelt, die in die Millionen Einheiten geht. Sie sollen nach dem Erstschlag gegen die Erde alle terranisch besiedelten Welten attackieren.

Oki bleibt also nicht viel Zeit. Und es gibt noch mehr Probleme.

Die Okis erkennen nach seinem Bericht über die Ereignisse der verwüsteten und entvölkerten Zentralwelt der Kleinis, dass die Urheber ein robotisches Volk ist, die so genannten All-Hüter, die einstmals ebenfalls Verbündete des okischen Imperiums waren und offensichtlich der Kontrolle entlaufen sind. Den Bund mit ih­nen wieder herzustellen, ist die so genannte „vierte Aufgabe“, die „dritte Aufgabe“ besteht in der Reaktivierung des Alten Bundes mit den Zartans.

Die einzige Chance, das drohende Verhängnis aufzuhalten, ist laut dem Oki-Kommandanten Egar ein Ruf zu den Waffen. Auf dem Medoplaneten OKISTAN, auf dem Oki Stanwer schon ein­mal gewesen ist, befindet sich ein Supersender – mit seiner Hil­fe sollen große Flottenkontingente der Okis aktivierbar sein, die irgendwo im Halo um die Milchstraße im deaktivierten Zustand seit Jahrtausenden treiben … aber Oki kennt die Position von OKISTAN nicht, sie ist logischerweise auch nicht in den Spei­chern seines Schiffes, und ein Rückflug nach M3 ist aus strategi­schen und zeitlichen Gründen nicht machbar.

Die FRATERNITÉ erreicht das Sechs-Sonnen-System der PSI-In­telligenzen im Spiralarm III und kann unter einem Ortungsschutz eine 30 Roboter starke Truppe auf der Dschungelwelt absetzen, auf der die PSI-Intelligenzen residieren.

Der Irrläufer ist aber schon auf Todeskurs …

Episode 42: Im Spiralarm

(1983, digitalisiert 2004)

Fortsetzung des Oki Stanwer-Handlungsstranges: Oki ist mit sei­nem 30 Mann starken Trupp Okis auf der Dschungelwelt der PSI-Intelligenzen gelandet, während selbige noch nach dem getarn­ten Schiff FRATERNITÉ fahnden. Da sich im System inzwischen mehrere hundert Millionen kosmische Sporen aufhalten, die man als hochpotente biologische Kampfschiffe verstehen kann, befinden sich die Okis in akuter Lebensgefahr.

Eine andere Gefahr beschwört Oki Stanwer unabsichtlich her­auf: die PSI-Intelligenzen haben den Planeten mit einem engma­schigen Netz psionischer Energie umgeben, um das Leben ex­trem zu stimulieren – dummerweise aktiviert dies Oki Stanwers Parafähigkeiten, und der eintretende Effekt ist dem des furcht­baren „Traumnebels“ TOTAMS extrem ähnlich.

Als Oki Stanwer von seinen schrecklichen Erinnerungen, na­mentlich an seine Auseinandersetzungen mit den Dienern TO­TAMS, beeinflusst wird, materialisieren daraus Totenköpfe und schließlich auch ein Doppel des Dämons Morosk von TOTAM, der Oki Stanwer zum Zweikampf fordert … das Chaos beginnt auf der Welt der PSI-Intelligenzen zu wüten, und ein Oki nach dem nächsten wird ausgelöscht, neben zahllosen Lebensformen, die den Planeten real bevölkern.

Gegen die Traumgeschöpfe kann niemand etwas ausrichten, und Oki hat die Natur der Gefahr noch nicht erkannt und hält speziell die Totenköpfe und Morosk für absolut real … was ihn leicht das Leben kosten kann.

Episode 43: Auf Todeskurs

(1983, digitalisiert 2004)

Fortsetzung der Handlung im Spiralarm III: Oki Stanwer hat den PSI-Sturm entfesselt, der die vier PSI-Intelligenzen in einen Lähmzustand versetzte. Derweil gewinnen die Alptraumge­schöpfe aus Okis Erinnerung immer mehr Substanz und schal­ten alle 30 Okis aus seiner Begleitung final aus.

Erst im buchstäblich allerletzten Moment erkennt Oki durch ei­nen bizarren Zufall, wie er dem finalen Verhängnis entgehen kann … aber durch die angerichteten Schäden ringsum begreift er anschließend, wie knapp er selbst dem Tode entronnen ist.

Nun ist Eile angesagt – er konfrontiert die vier PSI-Intelligenzen, die Carni Moras, Carni Gelos, Carni Loolans und Carni Diris mit dem dringenden Wunsch, den Alten Bund zu erneuern. Auf­grund der angerichteten Verwüstungen und der so eher unab­sichtlich demonstrierten Machtfülle ist den PSI-Intelligenzen sei­ne Authentizität klar geworden.

Als er ultimativ fordert, der Irrläufer solle aufgehalten werden, muss er zu seinem Schrecken erfahren, dass der PSI-Sturm die Verbindung dorthin unterbrochen hat … aber er nimmt jählings die panischen Gedanken des Dämons Mor von TOTAM wahr, der nach Terra zurück geflohen ist … und diese Gedanken, die sich um einen in die Atmosphäre eindringenden Himmelskörper dre­hen, verstummen abrupt.

Der Irrläufer hat sein Ziel erreicht – Terra – und offensichtlich vernichtet!

Zwar kann der „Neue Bund“ mit den Zartans und den PSI-Intelli­genzen geschlossen werden, aber der Preis dafür, findet Oki Stanwer, ist auf grässliche Weise zu hoch. Er ist zu Recht verbit­tert. Der Untergang der Erde beraubt die Menschheit eines wichtigen Identifikationsfokus, den er für die Wiedervereinigung der Menschenreiche gebraucht hätte. Und diese Wiedervereini­gung ist elementar, um der Bedrohung durch TOTAM und seine Truppen ein starkes Bollwerk entgegenzusetzen.

Es ist offenkundig, dass das „Unternehmen Rückkehr“ in der Maske des Milliardärs Eon Seggar nun wichtiger denn je ist. Aber es gibt noch ein weiteres Problem: die aktivierten Parakräf­te des Okikaisers müssen geschult werden, damit sie keine Ge­fahr mehr darstellen und weitere PSI-Stürme ausgeschlossen werden können.

Doch die einzige Person, die diese Schulung durchführen könn­te, ist ein Helfer von der Zentralwelt, und die ist bekanntlich entvölkert worden. Woher also einen lebenden Kleini nehmen? Oder muss er stattdessen vielleicht eine Zeitmaschine suchen …?

Episode 44: Funkspruch für Oki Stanwer

(1983, digitalisiert 2002)1

Oki Stanwer verwünscht sich, dass das Unternehmen im Spiral­arm III solch ein Desaster geworden ist. Ja, er hat die PSI-Intelli­genzen als Verbündete gewonnen, aber 30 Okis und die Erde dabei verloren … nun will er schnellstmöglich in die von Men­schen besiedelten Regionen der Milchstraße zurückkehren, um wenigstens noch Thor auf Beteigeuze zu retten.

Doch auch das ist ihm nicht vergönnt: denn auf einer okischen Geheimfunkfrequenz erreicht ihn ein Funkspruch, der der Hand­lung eine völlig neue Richtung gibt.

Der Funkspruch kommt vom Planeten Garos, auf dem Oki einst, aus der Galaxis Zoran kommend, gestrandet war. Dort, wo er mit Thor in die Gefangenschaft TOTAMS geriet … er hat schon lange nicht mehr an diese Welt gedacht. Doch nun ruft ihn zu seiner großen Freude und Überraschung ein alter Bekannter: der hünenhafte Riesenroboter X-1110, der RÄCHER, der damals im Sumpf versank (vgl. dazu den Anfang des KONFLIKTS 15).

Seine Worte sind elektrisierend: Ein Dämon von TOTAM will auf Garos eine Armee von Superkriegern erschaffen, und dieses Ziel scheint zu gelingen. Er soll also schnellstens nach Garos eilen, um das zu verhindern.

Was Oki noch nicht ahnt, ist dies: Der Roboter X-1110 ist das einzige Bindeglied, das ihn zu seiner einstigen Hauptbastion führen kann – zum Okiplaneten, dessen Kommandointelligenz BURTSON, angeblich ein Helfer des Lichts ist (vgl. dazu Bd. 40).2

Während der RÄCHER auf dem Planeten von Dienern des Dä­mons Gormus beim Funken unterbrochen und attackiert wird, von Skeletten mit Flammenpeitschen, taucht im System der Sonne Panat‘Son, um die Garos kreist, noch ein weiterer Teil­nehmer mit seinen Schiffen auf: Der Verräter-Dämon Zomar, der gerade noch von Beteigeuze IV entkommen ist und nun das Ziel hat, Gormus zu berauben …

Episode 45: Rückkehr nach Garos

(1983, digitalisiert 2002)

Zweiter Teil der Garos-Trilogie: Oki Stanwers Schiff erreicht das Panat‘Son-System, aus dem der Oki-Roboter RÄCHER einen Hil­feruf geschickt hat. Hier trifft er, während der RÄCHER mit Gor­mus‘ Schattenreitern und ihren Flammenpeitschen zu kämpfen hat, mit den fünf Schlachtschiffen des Dämons Zomar zusam­men … und wird jählings überrascht, als dieser ihn identifiziert und anfunkt.

Zur allgemeinen Verwirrung schlägt Zomar Oki Stanwer einen Pakt vor – er will sich von TOTAM lösen und führt gewisserma­ßen seinen Privatkrieg gegen die Macht des Bösen. Ohne dass Oki das ahnt, ist dies nun leichter als zuvor, weil der Erste Dä­mon Morosk und das BUCH nach dem Debakel über Beteigeuze IV verschollen sind.

Noch schlimmer: Oki Stanwer schlägt ein und verbündet sich mit Zomar! Dessen Schiffe landen auf dem Planeten und begin­nen damit, Gormus‘ Dienerwesen, Schattenkrieger und Zombies aus der entvölkerten Menschensiedlung Gordon Hill, niederzu­metzeln und TOTAM-Kristallvorräte zu stehlen.

Oki trifft unterdessen in den Ruinen von Gordon Hill den arg lä­dierten RÄCHER wieder, der gleichwohl noch funktionsfähig ist. Der vierarmige Riesenroboter, der – wie Oki nun unschwer er­kennt – eindeutig dem Matrixkoordinator nachempfunden wur­de, fordert ihn auf, seine Parafähigkeiten einzusetzen, um Gor­mus und seine magischen Waffensysteme auszuschalten. Den besorgten Einwand, Oki könne diese Kräfte nicht kontrollieren, ignoriert der sture Roboter.

Und dann brechen Zomars Totenköpfe jäh ihre Aktivitäten ab und flüchten mit ihrer Beute aus dem System. Grund dafür ist das endgültige Erwachen des Dämons Gormus und einer magi­schen Superwaffe, der so genannten „Fünffach-Kraft“, der sie nichts entgegenzusetzen haben.

Nun droht ein direkter Kampf zwischen ihnen und Oki Stanwer …

Ihr merkt, es geht sehr dramatisch weiter in der Handlung. Wird Oki Stanwer die drohende Auseinandersetzung für sich ent­scheiden können? Was geschieht mit Klivies Kleines, der Seelen-Armee und Thor Gordenbeyl? Wie geht es mit dem „Unterneh­men Rückkehr“ weiter?

Mehr dazu erfahrt ihr im der nächsten Folge dieser Artikelreihe.

Bis bald, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

1 Und wer sich da jetzt wundert und sehr genau aufgepasst hat … nein, das ist kein Schreibfehler. Die Episoden 44-46 habe ich tatsächlich vorzeitig digitalisiert. Der Grund ist darin zu sehen, dass ich diese Episodentexte brauchte, um den damals in Ar­beit befindlichen 12. Roman zum KONFLIKT 15, also „Rückkehr nach Garos“ inhaltlich zu unterfüttern. Leider habe ich daran seit 1998 nicht mehr weitergearbeitet, und ehe ich das tun kann, müssen erst mal die vorhandenen 11 Romanskripte digitalisiert wer­den, was gut 1.300 Seiten entspricht … wie ihr spürt, nicht eben etwas, was ich kur­zerhand übers Knie brechen könnte.

2 Bedauerlicherweise habe ich damals diese Handlungsfährte nicht weiter verfolgt. Das wäre ein atemberaubendes Setting geworden. Stattdessen weise ich an dieser Stelle mal darauf hin, dass ich im KONFLIKT 22 „Oki Stanwer – Der Schattenfürst“, die 35 Mil­liarden Handlungsjahre später spielt, den Okiplaneten und BURTSON wieder ins Spiel brachte und eine direkte Brücke zum obigen KONFLIKT 15 schlug. Beizeiten erzähle ich davon gern mehr, aber hier und heute würden die zum vollkommenen Verständnis dessen erforderlichen Angaben zu weit vom aktuellen Handlungsstrom wegführen.

Rezensions-Blog 338: Medizin für Melancholie

Posted Februar 9th, 2022 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

es gibt Autoren, deren Werke ich immer wieder gern lese, und manchmal muss man sie dann leider portionieren, entweder, weil sie grundsätzlich nur wenig geschrieben haben und man sie dann wie edle Kostbarkeiten rationieren sollte, um das Ver­gnügen nicht gar zu schnell zu beenden … oder aber sie weilen nicht mehr unter uns, und damit ist dann ihr Textkorpus final be­grenzt. Manches Mal ist auch beides der Fall.

Als ich vor über zehn Jahren diese Rezension verfasste, weilte Ray Bradbury noch unter den Lebenden, sodass Hoffnung auf „Nachschub“ bestand. Heute müssen wir uns von dieser Erwar­tung verabschieden, allenfalls können aus seinem Nachlass noch Geschichten zutage treten, wie das beispielsweise viele Jahre lang im Fall J. R. R. Tolkien passierte.

Doch verlassen wir diesen eher melancholisch stimmenden Ge­danken und kommen zum vorliegenden Buch, das vergnügli­cherweise auch die Melancholie, also die Schwermütigkeit, im Titel trägt. Ich fand es damals schwierig, eine Auswahl der Ge­schichten zu treffen, zu denen es zweckmäßig war, etwas zu sa­gen. Am Ende entschied ich mich für sieben von 22 – was nicht bedeutet, dass die anderen schlecht oder nicht erwähnenswert wären, aber ich wollte die Rezension nicht über Gebühr aufblä­hen, dies zum einen, und zum anderen soll es ja auch für je­manden, der das Buch nicht kennt, noch ein paar schöne Über­raschungen geben.

Natürlich sind die Geschichten durch die Bank schon sehr alt und, wie etwa schon am Beispiel der „Mars-Chroniken“ gezeigt, astrophysikalisch in vielfacher Hinsicht angestaubt. Ihrem stilistischen Reiz tut das aber nur wenig Abbruch. Wenn man sich auf das literarische Abenteuer Ray Bradbury einlässt, haben diese Kurzgeschichten nach wie vor ihren Reiz, von den Thematiken manchmal ganz zu schweigen.

Drum zögere ich nicht, wiederholt zu konstatieren, dass Bradbu­ry und seine Werke eine Entdeckung wert sind, ungeachtet ihres Alters.

Nicht überzeugt? Dann schaut mal weiter:

Medizin für Melancholie

(OT: A Medicine for Melancholy)

von Ray Bradbury

Heyne 3267

München 1980 (4. Auflage)

192 Seiten, TB (antiquarisch)

Übersetzt von Margarete Bormann

Manche Werke werden nicht alt, sie reifen vielmehr wie gut ge­kelterter und sorgsam gelagerter Wein, der Jahrhunderte über­dauern kann, und sie tun dies aufgrund ihrer inneren Qualitäten, die sie zeitlos machen. Und es gibt Autoren, die sich allein durch ihre Resistenz gegenüber dem Zeitgeist behaupten, den Widerstand gegen den Druck des Mainstreams, der fast alle Au­toren nivelliert und die Zeitlosigkeit ihres Werks aufweicht und zersetzt wie ein resistenter Mikroorganismus. Solche Autoren und Werke zu entdecken, ist für jeden Rezensenten mit einem Minimum an Stilgefühl eine köstliche Offenbarung.

Ray Bradbury ist ein solcher Autor.

Medizin für Melancholie“ ist ein derartiges Werk, das ich – in gewissem Sinne wenigstens – zeitlos nennen möchte, ein ver­gessenes Kleinod, dem auch dreißig Jahre vergangener Zeit seit der Übersetzung nichts anzuhaben vermochten. Und schon da­mals datierten die ältesten Geschichten dieser Anthologie zu­rück ins Jahr 1948 (!), so dass sie bis heute mehr als ein Men­schenalter auf dem Buckel haben. Braucht es noch mehr Bewei­se für ihre Zeitlosigkeit? Wohlan, dann folgt mir in das Abenteu­er dieses Buches, das 22 hinreißende, höchst unterschiedliche Geschichten beinhaltet. Schauen wir uns ein paar genauer an.

Zur warmen Jahreszeit“ beleuchtet einen Nachmittag der Tou­risten George und Alice Smith, die in Biarritz die Zeit am Strand verbringen. George ist nicht ganz bei der Sache – er ist kunst­vernarrt und muss immerzu an Picasso denken, an seine Gemäl­de, die (damals) wenigstens 5000 Dollar kosteten. Er sehnt sich so sehr danach, und dann, als der Strand sich schon leert, macht er auf einmal eine unglaubliche Entdeckung von bittersü­ßer Faszination, die ihn Demut lehrt …

Der Drache“ versetzt uns ins Jahr 900 auf ein verlassenes, kal­tes Moor. Zwei Ritter, von denen der eine zutiefst fatalistisch ist und sich keinerlei Chancen ausrechnet, warten darauf, eine Hel­dentat zu vollbringen – einen mörderischen Drachen zu erlegen, der das Land verwüstet und bislang noch jeden Recken ins Jen­seits beförderte. Und dann taucht das Ungeheuer auf und der Kampf beginnt … ein Kampf, der buchstäblich die Jahrhunderte umspannt …!

Die Stadt, in der niemand ausstieg“, ist eine Stadt, die irgend­wo im amerikanischen Mittelwesten liegen könnte, eine Ortschaft, wie man sie immer wieder einmal sieht: ein Ort, dessen Namen man sogleich vergisst, wo der Zug zwar hält, aber nie­mals jemand aussteigt. Ist es nicht unwichtig, was in solchen Orten vor sich geht? Nehmen wir „Rampart Junction“. Der Ich-Erzähler ist eigentlich auf dem Weg nach Los Angeles, aber er hat Zeit. Und er gibt – scheinbar – dem ziellosen Impuls nach, in diesem Ort auszusteigen, in dem er niemanden kennt. Und, seltsam genug, es gibt gleichwohl jemanden, der auf ihn wartet. Und ihn fortan mit einem finsteren Ziel verfolgt …

Der Duft der Sarsaparilla“ ist der Geruch der Vergangenheit. Mr. William Finch ist sich dessen ganz sicher, und er ist auch überzeugt von dem Gedanken, dass Dachkammern Zeitmaschi­nen sind. Sie müssen es schon allein deswegen sein, weil sich in ihnen allerlei alter Krempel sammelt, das Strandgut eines lan­gen Lebens, und nun, wo sich sein altes Leben allmählich dem Ende nähert, da steht er drei Tage lang morgens und nachmit­tags unbeweglich in der zugigen, dunklen Dachkammer und wartet darauf, dass sich die Tür in seine Vergangenheit wieder öffnet, in die Zeit vor vierzig Jahren. Nur seine Frau Cora will nichts davon wissen …

Sie waren dunkelhäutig und goldäugig“, so wird es wenigstens von den alten Marsianern erzählt, den Bewohnern jener alten Gebirgsstädte auf dem uralten Planeten Mars, wo nur noch die verlassenen Kanäle und die leeren Paläste von ihrem Glanz und ihrer Vergangenheit erzählen. So jedenfalls empfinden es die Kolonisten von der Erde. So denkt sich das auch Harry Bittering, immer erfüllt von der Sehnsucht nach der Erde.

Doch auf der Erde beginnt ein Krieg, und die Raumschifflinien zum Mars brechen in sich zusammen. Da beschließt Harry, sein eigenes Raumschiff zu bauen, um zurückzukehren, denn un­heimliche Dinge ereignen sich auf dem Mars: die Früchte ihrer Ernten haben die falschen Farben, die falschen Geschmäcker, dann verändert sich die Farbe der Augen der Kolonisten … und das ist alles nur der Anfang …

Die Mäuse“ ist nicht etwa eine Fabel, wie man des Titels wegen denken könnte, sondern sie handelt von sehr eigenartigen Men­schen – einem älteren mexikanischen Arbeiterehepaar, das seit drei Jahren zur Miete in einem Haus wohnt und nach und nach den Argwohn der Vermieter erregt. Die Wohnung ist immerzu dunkel. Die Leute haben kein Radio, keinen Fernseher, kein Tele­fon, sie haben keine Zeitung und Zeitschrift abonniert. Zum Gruß lächeln sie nur und laufen davon, manchmal rufen sie auch den Vermietern zu: „Sie sind verrückt! Verrückt!“ Abson­derliche Menschen … aber was genau verbergen sie in den vier Wänden ihres Heims für seltsame Geheimnisse …?

Das Erdbeerfenster“ ist eine weitere Geschichte, die auf dem Mars spielt, diesmal aber ganz anders als die letzte. Wieder sie­deln Menschen dort, aber nun geht es um etwas anderes. Sechs Monate lang ist die kleine Familie nun auf dem Mars, aber die Ehefrau Carrie kann und kann sich nicht eingewöhnen. Da fasst der Ehemann eines Tages einen extremen Entschluss, um alles gründlich zu verändern …

22 wundersame, bisweilen wirklich bestechende, manchmal be­unruhigende Erzählungen präsentiert uns Ray Bradbury in die­sem Buch, das einen Schaffenszeitraum von 12 Jahren abdeckt. Wie auch in der Anthologie „Geh nicht zu Fuß durch stille Stra­ßen“1 erweist sich Bradbury als ein Meister seines Faches im Be­reich der Kurzgeschichte, wobei ergänzend gesagt werden soll­te, dass er auch in den längeren Erzählungen durchweg zu bril­lieren versteht. Nicht zuletzt sind „Der wunderbare Eiskrem-An­zug“ und „Sie waren dunkelhäutig und goldäugig“ mit 25 und 16 Seiten die längsten Geschichten, und sie zählen zum Besten, was die Anthologie zu bieten hat.

Man sollte natürlich, namentlich im Bereich der mit Raumfahrt und dem Mars verknüpften Geschichten berücksichtigen, dass Bradbury nicht von der naturwissenschaftlichen Seite her­kommt. Sein Mars beispielsweise ist der klassisch verklärte Mars der „Mars-Chroniken“, und die Existenz künstlich geschaf­fener Marskanäle (Schiaparelli lässt grüßen) und das Vorhan­densein einer uralten, ersterbenden oder schon abgestorbenen (humanoiden) Marskultur ist dort gängiger Topos, wie beispiels­weise früher auch in Erzählungen von Edgar Rice Burroughs. Das heutige Bild, das uns „Mars Express“, „Spirit“ oder „Oppor­tunity“ von der wahren Marsoberfläche zeichnen, muss man also vergessen können, um in Bradburys Marsgeschichten ein­zutauchen.

Doch bleibe ich dabei, es lohnt sich allein schon der stilistischen Brillanz wegen, diese alten Geschichten und Bradbury als Schriftsteller neu zu entdecken. Da der 1920 geborene Bradbu­ry noch immer am Leben und als Schriftsteller aktiv ist, hält sein Schaffensdrang unaufhaltsam an.2 Im Gegensatz zu vielen an­deren Autoren, deren Werk banal oder im Laufe der Jahre schal wird, ist Bradbury stets für eine Überraschung gut, und manche seiner Werke prägen sich dem Leser wirklich über viele Jahre tief ein.3 Das ist in meinen Augen ein höchst wirksames Quali­tätskriterium.

Sucht nach Bradbury, Leute! Er lohnt sich!

© 2010 by Uwe Lammers

Tja, es macht einfach Spaß, mal wieder einen solchen Klassiker der Science Fiction-Literatur zur Abwechslung zum zeitgenössi­schen Lesefutter hier einzubringen. Es gibt noch mehr davon, beizeiten.

In der kommenden Woche wandeln wir auf amüsant-bizarre Weise auf den Pfaden eines Erotik-Bestsellers der Gegenwart, und daraus entwickelt sich eine abenteuerliche Geschichte, die das Leben mehrere Menschen gründlich durchschüttelt. Wer Nä­heres erfahren möchte, sollte in sieben Tagen wieder hier her­einschauen. Ich glaube, das wird ganz witzig.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

1 Vgl. dazu Ray Bradbury: „Geh nicht zu Fuß durch stille Straßen“, Heyne 3292 (1980), auch diese Anthologie enthält 22 Kurzgeschichten von höchst faszinierender Brillanz.

2 Nachtrag aus dem Jahr 2021: Das ist, wie oben erwähnt, leider überholt.

3 So werde ich beispielsweise aus der in Fußnote 1 erwähnten Anthologie die unglaubli­chen Geschichten „Das Nebelhorn“, „Die Früchte ganz unten in der Schale“, „Ferner Don­ner“ und „Die Wiese“ wohl kaum jemals vergessen, auch wenn ich sie seit 20 Jahren nicht mehr gelesen habe …

Blogartikel 444: OSM-Band 2050 – Göttliche Erkenntnisse

Posted Februar 6th, 2022 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

der Anfang war ein Alptraum, ohne Zweifel. Wir schrieben das Jahr 2018, ich oszillierte arbeitslos durch die Weltgeschichte, die Zukunft war unsicher und unklar … und auf abenteuerliche Wei­se teilte ich dieses Schicksal mit meinem Hauptprotagonisten Oki Stanwer in der Serie „Oki Stanwer – Der Siegeljäger“ (DSj), dem KONFLIKT 28 des Oki Stanwer Mythos (OSM). Auf eine ver­schlungene, rätselvolle Weise war er auf der Erde im Labor des russischen Forschers Boris Gryschkow auf der verwüsteten Krim-Halbinsel wieder zu neuem Leben erwacht.

Sein Weg auf der Erde des Jahres 1999 führte ihn zu dem grie­chischen Millionär Mikis Theodakis nach Athen und seiner Orga­nisation der „Parabasis Athen“, und von hier aus in den Jemen zum Mondtempel der Königin von Saba. Hier erhielt er ein ge­heimnisvolles Orakel, einen Schädel aus Glas, aus dem eine warme Frauenstimme zu ihm sprach … und ihn zur Desertion veranlasste.

Im Gefolge dieser Fahnenflucht gelangte Oki Stanwer schluss­endlich in eine andere Dimension, die ihm sehr vertraut war: in den so genannten „Vorhof“ des Dämonenplaneten TOTAM und auf eine Welt namens AKKON II, wo er mit einem monströsen Wesen kämpfte, dem BODDINUM, das seit Jahrhunderten verei­telte, dass irgendwer auf dieser Welt sterben konnte. Durch die Vertreibung des BODDINUMS kehrte der Tod nach AKKON II zu­rück und hielt buchstäblich reiche Ernte.

Und dann landeten jene Wesen, die das BODDINUM immer fern­gehalten hatte: die RETTER. Furchteinflößende Kreaturen in klo­bigen Rüstungen, die Oki früher unter dem Namen Totenköpfe gekannt hatte und die jetzt wie archaische, untote Kreuzritter wirkten.

Ihr Ziel: TOTAM wiederzubeleben, indem sie verstreute HEIMAT­STÜCKE des Dämonenplaneten einsammelten. Und sie hatten eine Prophezeiung für Oki Stanwer – die FLAMME, der Interims­regent TOTAMS, hatte schon vor Jahrhunderten gewusst, dass er eine Audienz mit der FLAMME auf TOTAM haben würde.

Im Band 56 der Serie erreichten Oki Stanwer und seine beiden Begleiter, deren Namen ich hier verschweigen möchte, den un­heimlichen, nachgerade skelettierten Planeten TOTAM, einen absolut tödlichen Ort, und allein das Orakel aus Glas ermöglich­te ihnen auf Zeit einen Abstieg in die grauenvollen Tiefen, wo Oki die FLAMME treffen sollte.

So waren sie am Anfang von Band 57 mit dem Titel „Göttliche Erkenntnisse“ bei der Audienz mit der FLAMME angelangt … nachdem sie zuvor TOTAMS Galerie abgeschritten waren. Aber dass Band 57 der DSj-Serie schließlich der Band 2050 des OSM werden sollte und am 26. August 2021 auf Seite 85 beendet werden würde … nein, das konnte ich vor drei Jahren, als ich mit dem Schreiben an diesem Schlussband einer Trilogie begann, nicht wirklich ahnen.

Und was hält dieser sensationelle Band nicht alles für Überra­schungen parat!

Wir erfahren die Namen der Sieben Lichtmächte.

Wir erhalten Aufschluss über das ursprüngliche Aussehen der Baumeister und jenes Volkes, aus dem sie entstanden sind.

Wir erfahren, wozu die Baumeister die gigantischen ZYNEEGHA­RE erschufen.

Wir bekommen erklärt, woher die weiße Matrix stammt.

Wir hören, was es mit den Propheten von Zhanyor auf sich hat, die in der Galaxis Arc geheimnisvolle Friedensapostel sind bzw. waren.

Woher die Dämonen von TOTAM stammen und was sie ur­sprünglich waren, kommt zutage.

Der Urkeim des KONFLIKTS wird offengelegt.

Ebenso erfahren wir, woraus der gnadenlose Hass der Dämonen und Dämonenwaffen sich speist.

Und dann ist da noch die schreckliche Wahrheit über den Be­ginn des KONFLIKTS 28, die so ungeheuerlich ist, dass Okis Ge­fährte darüber fast den Verstand verliert.

Das sind die mehrheitlich grässlichen Überraschungen.

Oki Stanwer erfährt aber auf dieser langen Reise durch die Ver­gangenheit ebenfalls auf wunderschöne Weise, wie an einem Punkt seiner zielstrebig verschütteten Erinnerung ein Augen­blick alptraumhafter Panik und brennenden Hasses, ja des of­fensichtlichen Todes in Wahrheit zur Geburt einer wunderbaren, uralten und rätselhaften Wesenheit führt, die eine direkte Bezie­hung zu Oki hat.

Ach, glaubt es nur … ich war hin und weg, als ich dies alles vor meinem inneren Auge abrollen sah … gelegentlich stockend und unscharf, und dann musste ich Tage, Wochen oder Monate pau­sieren, nachlesen, nachschleifen, umformulieren … ehe es dann stoßweise über zehn, fünfzehn Textseiten am Tag jäh voran­schritt.

Das Schreiben von so komplexen, umfangreichen und vor allen Dingen viele Universen überbrückenden Texten, die in vielerlei Weise den (zumeist) noch nicht zugänglichen Hintergrundtexten des OSM gleichkommen, ist nichts, was ich einfach so mal eben übers Knie brechen kann oder möchte. Solche Geschichten brauchen Zeit.

Dass ich in der Zwischenzeit das Digitalisat des KONFLIKTS 12 „Oki Stanwer – Bezwinger des Chaos“ fertigstellen konnte (siehe Blogartikel 437) und mit dem Digitalisat der kurzlebigen, nur 11 Episoden umfassenden Proto-OSM-9-Serie begann, also der Serie „Der Kaiser der Okis“, das hatte ich so nicht wirklich ge­plant, das ergab sich einfach so.

Schön ist nun aber, dass nach Erreichen der Bandnummer 2050 der Schreibhorizont wieder auf angenehme Weise offen ist für die weiteren Geschichten. Und da gibt es zahllose Baustellen, die meine Aufmerksamkeit dringend erheischen. Es existieren einige Novellen, die weitgehend fertig sind und an denen ich zu arbeiten trachten werde. Ich nenne einfach mal ein paar Pro­jektbaustellen jenseits der Seriendigitalisate, die ich mir in nächster Zeit verstärkt anschauen möchte:

Da ist natürlich die Baustelle meiner E-Books, die schon viel zu lange vor sich hindümpeln. Hier hat sich zwischenzeitlich das Problem ergeben, dass es aktuell für mich keine Möglichkeit gibt, die Texte ins EPUB-Format zu konvertieren … da muss ich erst neue Leute mit ins Boot holen, da ich das selbst nicht kann.

Dann möchte ich dringend die Novelle „Das Geheimnis von Church Island“ vollenden, die bis auf den grässlichen Schluss prinzipiell fertig ist.

Weiterhin gibt es das ebenfalls fast vollständige Novellenformat der Geschichte „Quisiins letzter Fall“.

Die Vorgeschichte um die Liebenden Torkeron und Rilaan im Rahmen der Novelle „Rilaans Geschichte“ ist bereits weit vorangeschritten und sicherlich in absehbarer Zeit auch zu voll­enden.

Ich liebäugele mit dem Fragment „Mutproben“ von 2012, weil sich das im Rahmen des KONFLIKTS 28 abspielt und an einem Ort zudem, der demnächst von Oki Stanwer nach der Audienz auf TOTAM besucht werden wird.

Ob ich bis OSM 2100 mit dem nächsten Romanprojekt zu KON­FLIKT 3, also dem Roman „Sterneninsel der Wunder“ deut­lich vorankomme, kann ich schlecht sagen … tendenziell nehme ich das nicht an, da Band 2100 vermutlich spätestens in einem Jahr fertig sein wird.

Ein Plan ist auf alle Fälle, bis dahin mit dem Digitalisat der Pro­to-OSM-9-Serie fertig zu sein. Da ich textlich schon Band 4 ab­geschlossen habe, dürfte das kaum ein größeres Problem dar­stellen.

Von den Episoden her gibt es weiterhin zahlreiche „Lücken“ zu schließen, also in Serien noch offene Folgen zu schreiben, vor und nach denen bereits Episoden existieren. Das betrifft sowohl den KONFLIKT 2 „Oki Stanwer und das Terrorimperium“ (hier die Episoden 46, 47, 49, 50 und 51) als auch besonders KONFLIKT 4 „Oki Stanwer – Der Insel-Regent“ (hier die Episoden 26, 27, 31, 32, 36 und 38, ernsthaft!). Eine ähnliche Lücke gibt es in KON­FLIKT 19 „Oki Stanwer – Der Missionar“, wo die Serie bei Episo­de 54 hängt, aber die Episoden 62 und 63 seltsamerweise schon lange verfasst sind.

Aktuell schreibe ich am KONFLIKT 21 „Oki Stanwer – Fürst von Leucienne“, wo nur Band 44 eine solche Lückenfunktion auf­weist. In KONFLIKT 22 „Oki Stanwer – Der Schattenfürst“ bezieht sich das auf die Episoden 51 und 53, und in KONFLIKT 28 „Oki Stanwer – Der Siegeljäger“. Dort stockte die Handlung mit Band 49, während der Band 50 verfasst wurde. Die Episoden 51-54 fehlen auch noch, die Trilogie 55-57 ist ja jetzt abgeschlossen worden. Die Episoden 62 und 63 sind seit Jahren als „n.n.“ be­zeichnet, also tragen sie noch keinen Titel.

Ihr seht daran, dass allein die noch in Arbeit befindlichen Serien eine Menge Aufgaben für mich bereithalten. Aber eben auch un­glaublich interessante Geschichten, die zu erzählen sind. Viel­fach muss ich mich allerdings einfach in die Serien wieder einle­sen und schauen, dass ich in den Handlungsstrom hineinfinde.

Worauf ich bis Band 2100 sehr hoffe, ist ein weitgehendes Ab­schließen des KONFLIKTS 4. Das schreckliche Inferno in der IN­SEL, das ich da beschreiben muss, lastet schwer auf meiner Seele. Aber der OSM-Band 2050 hat einmal mehr bekräftigt, dass ich mich diesem Drama stellen muss. Es ist unausweich­lich.

Ich halte euch auf dem Laufenden, wie die Arbeiten vorange­hen, Freunde! Drückt mir die Daumen!

Bis bald, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 337: Crossfire 3 – Erfüllung

Posted Februar 1st, 2022 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

emotionale Turbulenzen und verzwickte Familienverhältnisse, gepaart mit sexuell konnotierten Geheimnissen und Miss­brauchsgeschichten sind ganz offensichtlich der Stoff, aus dem sich sehr viele erotische Liebesromane speisen, wenn sie eine gewisse Mehrbändigkeit und einige tausend Seiten Gesamtum­fang erreichen sollen. Irgendwie liegt das nahe, denn die reinen sexuellen Begegnungen mögen zwar ausgiebig und varianten­reich geschildert werden, doch wünschen sich zweifellos viele Leserinnen und Leser auch einen biografischen Kontext jenseits des rein Körperlichen.

In der abenteuerlichen Beziehungsgeschichte zwischen Gideon Cross und Eva Tramell, die hier in die dritte Runde geht, kann die Autorin genau diese Form von Lesestoff und Inspirationsfut­ter liefern. Wo viele derartige romantische Romane von weniger begabten Autorinnen leicht in ein Tunnelblickschema verfallen, gelingt es ihr, durch die Vielzahl der Protagonisten und die Kom­plexität ihrer gegenseitigen Abhängigkeiten und wechselnden Beziehungsparameter, eine auf vielen hundert Seiten packende Geschichte zu entfalten. Manches Mal kam ich mir da, zugege­ben, vor wie auf stürmischer See, und die Situation konnte von Kapitel zu Kapitel drastisch die Richtung wechseln.

Langweilig wird es in diesem Roman nicht, das kann ich versi­chern. Und wer jetzt neugierig geworden ist, der lese bitte ein­fach mal weiter:

Crossfire 3 – Erfüllung

(OT: Entwined with you)

Von Sylvia Day

Heyne 54560

August 2013

480 Seiten, TB, 9.99 Euro

Aus dem Amerikanischen von Nicole Hölsken und Jens Plassmann

ISBN 978-3-453-54560-1

Die Katastrophe ist perfekt … wenn man es von der einen Seite aus betrachtet. Von der anderen Seite her ist es als finale Pro­blemlösung zu betrachten. Aber wir befinden uns hier nicht in einem billigen Setting a la Hollywood, in dem die Lösung eines Problems automatisch zum ewigen Honeymoon führt, ganz im Gegenteil. Die Lösung des Problems namens Nathan Barker führt im Falle der heißen Liaison zwischen der Werbeangestell­ten Eva Tramell und dem superreichen Besitzer von Cross In­dustries, Gideon Cross, vielmehr zu einer chaotischen Verkom­plizierung der Verhältnisse.

Das ist zu schnell für den Anfang einer Rezension? Okay, dann noch mal etwas langsamer und von vorne. Folgendes ist bislang passiert: Die 24jährige Eva Tramell ist aus San Diego nach New York gezogen, um hier in der Werbebranche Karriere zu machen, was ihr auch gut gelingt. Sie kann nichts dafür, dass die Werbe­agentur im Cross Building angesiedelt ist und sie bereits am ersten Arbeitstag dem Besitzer der Firma auffällt, eben Gideon Cross, den sie schon beim ersten Kontakt insgeheim zutreffend als „Sexgott“ bezeichnet.

Die magnetische Anziehungskraft zwischen beiden führt schnell dazu, dass sie eine glühend heiße, animalische Liebesbeziehung führen. Sie sind regelrecht besessen voneinander, und Gideon gesteht ihr rasch, dass er es nicht erträgt, zwei Tage ohne sie zu sein … nun, keine zwei Tage, ohne IN IHR gewesen zu sein, um es präziser auszudrücken. Sie vögeln wirklich ständig heißblütig, und das ist durchaus ein gegenseitiges, suchtartiges Verhalten.

Was Eva zu dem Zeitpunkt nicht klar ist, Gideon allerdings auch nicht, das ist die Tatsache, dass sie beide zutiefst verletzte Per­sonen sind, deren Familienverhältnisse … vorsichtig gesprochen … kompliziert sind. Gideons leiblicher Vater hat sich nach Fehl­spekulationen das Leben genommen, so dass er in der Familie Vidal aufgewachsen ist, in die seine Mutter anschließend einge­heiratet hat. Mit all seinen Familienangehörigen versteht sich Gideon überhaupt nicht, eine gewisse Ausnahme ist seine jün­gere Schwester Ireland, die ihn unverhohlen anhimmelt (womit er nicht klarkommt).

Eva Tramell ist ebenfalls in seltsamen Familienverhältnissen auf­gewachsen. Gezeugt von Victor Reyes, der nie mit ihrer Mutter verheiratet war und Polizist in San Diego ist, ist sie in der Fami­lie des zweiten und dritten Ehemanns ihrer Mutter aufgewach­sen – und vom Stiefbruder des zweiten Ehemanns, eben Nathan Barker, entjungfert und jahrelang sexuell missbraucht worden. Darüber wissen ihre Mutter und ihr dritter Stiefvater, Richard Stanton, Bescheid, aber nicht ihr leiblicher Vater. Dass auch Gi­deon Cross in der Kindheit sexuell missbraucht wurde, kommt erst auf Umwegen ans Tageslicht.

Außerdem birgt Evas Vergangenheit noch weitere Geheimnisse – so ein Verhältnis mit dem Musiker Brett Kline, das mehrere Monate dauerte. In Gideons Vergangenheit lauern zahlreiche Ex-Geliebte, darunter die Ex-Verlobte Corinne Giroux, die nichts unversucht lässt, um ihn zurückzugewinnen. Sie macht sich speziell in diesem Roman Evas heiße Eifersucht und ihre Unsi­cherheit zunutze und erzeugt jede Menge Probleme.

Dennoch, weder das noch die amourösen Aventüren von Evas Mitbewohner Cary Taylor, sind das größte Problem. Das ist viel­mehr das neueste Geheimnis, das Gideon und Eva miteinander teilen – denn im zweiten Band des Zyklus war unvermittelt der erpresserische Nathan Barker wieder in Evas Leben getreten und hatte unverhohlen versucht, sie und speziell Gideon zu er­pressen. Am Ende des Romans ist er dann auf einmal tot – er­mordet. Und die Polizei ermittelt sehr intensiv.

Natürlich hätten sowohl Gideon als auch Eva hinreichend Grün­de, Barker umzubringen, ebenfalls Evas Mutter (die aber zu labil dafür ist, um diesbezüglich irgendetwas zu unternehmen). Alibis werden geprüft … und es ist schließlich Eva, die die Wahrheit entdeckt: Gideon hat die „Gefahr“ ein für allemal ausgeschaltet. Er hat ihren Kindheitspeiniger kurzerhand ermordet.

Formell ist er also ein Verbrecher, selbst wenn der Mord aus ed­len Motiven geschah – um Evas Kindheitstrauma zu tilgen und zu verhindern, dass der Widerling Barker sie erneut bedrohen oder sogar umbringen konnte. So gesehen ist es eigentlich Not­wehr gewesen, wenn auch strikt ungesetzlich. Aber da Eva die Missbrauchsgeschichte generell dauerhaft begraben will, kann natürlich niemand so argumentieren. Folgerichtig müssen sie aus dem Mord ein Geheimnis machen, und das geht bekanntlich nie gut.

Die Konsequenz besteht nun darin, nach außen die Fassade auf­rechtzuerhalten, dass sie beide getrennte Wege gehen – was in realiter natürlich nicht der Fall ist. Denn natürlich gilt es, die skeptischen Polizisten auf Abwege zu leiten. Wenn Gideon und Eva ihre Beziehung beendet haben, scheint für den Besitzer von Cross Industries kein Grund mehr zu bestehen, verdächtig zu sein.

Aber inzwischen ist Eva Tramell eine öffentliche Person – nur so hat sie Nathan Barker ja wieder finden können. Und die ver­meintliche Trennung der Liebenden führt zu weiteren Turbulen­zen: Corinne rechnet sich neue Chancen auf, ihren Platz an Na­thans Seite einzunehmen. Eine ebenfalls zutiefst eifersüchtige Journalistin (die Gideons Bett ebenfalls mal geteilt hat und auf ziemlich hässliche Weise abserviert wurde) schießt sich auf Eva ein … und auch Brett Kline macht energische Anstalten, ein Wiederaufleben der Liebesbeziehung in die Wege zu leiten. Dar­an hat Eva natürlich kein Interesse, da sie den Mann ihres Le­bens längst gefunden hat, auch wenn sie ihn nun nur noch im Geheimen treffen kann. Aber wie soll man das dem liebeskran­ken Brett vermitteln, der die Wahrheit ja nicht erfahren darf …?

Und schließlich sorgt die Öffnung der Akte Nathan Barker auch dafür, dass Evas leiblicher Vater Victor Reyes von ihrem Miss­brauch erfährt und er umgehend nach New York reist – wo er auf seine Ex-Ehefrau trifft. Und das ist alles erst der Anfang äu­ßerst chaotischer Begebenheiten, die schließlich ein paar ener­gische Entscheidungen notwendig machen …

Im dritten und vermeintlich abschließenden Teil der „Trilogie“ (die ja bekanntlich fünf Bände bekommen hat), tobt noch mal das muntere Gefühlschaos durch die Seiten. Zwar hat man als Leser gelegentlich das Gefühl, dass die Autorin jetzt etwas un­angemessen viel Raum auf Nebenpersonen und Nebenhandlun­gen verwendet, aber ich kann nicht behaupten, dass das lang­weilig geworden wäre. Es ist vielmehr durchaus erfrischend, und man bekommt jenseits des sexuellen Liebeswahns der beiden Hauptpersonen noch deutlich mehr mit, was ringsherum noch so an Leben vor sich geht.

Da ist beispielsweise die Empfangssekretärin der Werbeagentur, Megumi, die so ihre Schwierigkeiten mit Beziehungen hat. Ire­land Vidal (so heißt sie wahrscheinlich wirklich, ich glaube, ich habe sie zwischendurch mal Ireland Cross genannt) erhält lang­sam Format. Cary Taylor und seine verwirrende bisexuelle Dop­pelbeziehung zu Trey (männlich) und Tatiana (weiblich) bleibt uneinheitlich. Corinne Giroux gerinnt allmählich zur immer tragischeren Figur, insbesondere, als dann auch noch ihr formel­ler Ehemann aus Frankreich anreist und mit Gideon zusammen­kracht. Auch das Arrangement der konspirativen Treffen, die Gi­deon Cross und Eva inszenieren müssen, um sich sehen und lie­ben zu können, ist nicht ohne Reiz.

Nein, es wird definitiv nicht langweilig in diesem Roman, das kann man nicht behaupten. Und es tauchen neue Rätsel und Komplikationen auf. Dies allerdings, wie eine Leserin in einem Kommentar auf „lovelybooks“ kundtat, allein mit den Worten „wieder versucht jemand, Eva und Gideon auseinander zu brin­gen“, zu charakterisieren und unverhohlen Enttäuschung zu ventilieren, scheint mir zu kurz zu greifen. Es geschieht hier schon deutlich mehr, und man dringt als Leser/in tiefer in das geheimnisvolle Wesen von Gideon Cross ein.

Da gibt es durchaus noch mehr zu entdecken, und ich bin mal sehr gespannt, wie die Geschichte im vierten Band weiter ver­läuft – denn nun wollen Cary Taylor und Eva nach San Diego, zum einen, um Evas Vater zu besuchen und ihren gemeinsamen ehemaligen Therapeuten. San Diego ist aber auch der Ort, wo Eva unweigerlich wieder auf Brett stoßen wird, der sich ja nach wie vor sehnsüchtig erhofft, sie wieder in sein Bett ziehen zu können … Probleme sind eindeutig programmiert.

Also, Freunde, es bleibt spannend. Und man merkt schon am schieren Umfang dieses Romans und der Tatsache, dass die Tri­logie „ausgeufert“ ist, dass die Autorin einen Heidenspaß daran hatte, die biografischen Verästlungen weiter zu verfolgen, was meist ein gutes Zeichen ist. Herausgekommen ist ein Roman, den man mühelos in vier Tagen verschlingen kann und den ich als wirklich gutes Lesefutter einstufe. Voraussetzung ist natür­lich, dass man Eva und Gideon mag. Aber wer das nicht tut, hat eh nach dem ersten Band aufgegeben. Alle anderen können weiter gespannt bleiben …

© 2018 by Uwe Lammers

Ja, anfangs dachte ich, dies sei der Schlussband einer Trilogie, nicht zuletzt des Titels wegen. Aber weit gefehlt. Zwei weitere Romane folgen noch.

In der kommenden Woche geht es zurück zu einem leider nicht mehr unter uns weilenden Großen der amerikanischen Science Fiction-Literatur und seinen faszinierenden Einfällen aus den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts. Bleibt neugierig, Freunde!

Bis bald, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde des OSM,

und schon wieder ist ein Monat verstrichen … im Zeitalter der Corona-Pandemie, und so muss man das vermutlich nennen, scheinen die Tage und Wochen nur so dahinzurasen, dass ich es selbst kaum fassen kann. Nach wie vor ist mein Blog aus Zeit­gründen suspendiert und wird „nachgereicht“, aber für den Mo­ment ist es so, dass ich die Beiträge, zumal solche wie diese, die schon seit Jahren so etwas wie traditionelle Zeitmaß-Mel­dungen darstellen, natürlich schreiben kann. Nur veröffentlicht werden sie halt (noch) nicht.

Vielleicht ist das ganz passend und nützlich, denn es gibt mir auch mental ein wenig Raum zum „Durchatmen“. Ein sehr lieber Autorenfreund, den ich seit langem kenne und sehr schätze, sagte mir einmal – in anderem Zusammenhang – etwas von ei­ner „Tretmühle“, in die er geraten sei, als er in regelmäßigem und engem Zeittakt Werke fertigzustellen hatte. Nach einer ganzen Reihe von Jahren war er ganz froh, aus ebendieser „Tret­mühle“ herausgekommen zu sein.

Ich will mich nun beim besten Willen nicht mit ihm vergleichen, auch betrachte ich die Blogartikel nicht als eine Art von lästiger Pflichtübung (das hättet ihr zwischenzeitlich längst bemerkt). Bei mir ist es immer noch so, dass ich sie von Herzen gern schreibe, seit ich sie anno 2013 als Form der literarischen Äuße­rung entdeckte. Aber es gibt schon gewisse Ermattungserschei­nungen, die nicht zu leugnen sind … und diesbezüglich ist die­ser Druck der zweimal in der Woche notwendigen Veröffentli­chung, der zurzeit von mir genommen ist, doch etwas, was auf mein sonstiges Schreiben deutlichen Einfluss genommen hat.

Hätte ich ohne diese Ausnahmesituation vermutlich so schnell gar nicht gemerkt.

Nun, was weiter voranschritt, wenn auch in eher gemächliche­rem Tempo, das war natürlich das Schreiben bzw. Digitalisieren von Werken. Auch im wettertechnisch wechselhaften und april­kühlen Mai 2021 kam da einiges zusammen, nämlich summa summarum 20 Werke. Bezogen nur auf die fertigen. Gearbeitet habe ich noch an deutlich mehr, wie ihr entdecken werdet, wenn ihr weiterlest.

Ich sage mal wie üblich „Vorhang auf“:

12Neu 109: Brückenschlag in den Irrsinn

12Neu 110: Das Zhonc-Projekt

Blogartikel 438: Work in Progress, Part 101

Blogartikel 436: Aus den Annalen der Ewigkeit – alt und neu XLII

12Neu 111: Unternehmen Ewigkeit

(Glossar der Serie „Oki Stanwer – Bezwinger des Chaos“)

12Neu 112: Oki Stanwers Dolchstoß

(NK 59: Ziel: Splitterhort)

(12Neu 113: Die Planetenzünder)

(12Neu 114: Kriegsschauplatz Koopen)

(12Neu 115: Blutgericht in Koopen)

(Lexikon der Serie „Oki Stanwer – Der Siegeljäger“)

Anmerkung: Ihr mögt das vielleicht noch nicht so kennen, aber mir geht es häufig folgendermaßen – wenn ich in den zahllosen Ordnern stöbere, in denen angefangene Serien und Projekte schlummern, stoße ich regelmäßig auf „Baustellen“. Und man­che davon sind so voluminös, dass ich über Jahre zögere, sie wirklich einer Reform zu unterziehen und sie an die Gegenwart anzugleichen. Besonders oft ist das der Fall mit OSM-Lexika und OSM-Glossaren für Serien.

Bei dieser hier, KONFLIKT 28, nervte es mich schon geraume Zeit, und in diesem Monat kam irgendwann der Moment, dass ich von einem Rappel befallen wurde und mir das digitale Glos­sar auf der einen Seite nahm, das ausgedruckte Lexikon (das nicht viel mehr als eine Liste der Begriffe mit Erstnennung und Erklärung ist – das sieht dann beispielhaft so aus:

Herodianischer Tempel (15;33)

Das ist natürlich aktuell ein fiktiver Eintrag, weil dieser Begriff noch nicht abschließend erklärt worden ist. Aber so müsst ihr euch das in etwa vorstellen, wenn ein Begriff vollwertig erfasst ist. Dagegen gibt es eine Majorität von anderen Einträgen, die so ausschauen:

Taijjaloor 20

Das bedeutet: Der Begriff wurde in diesem Band zwar erstmals genannt, aber er ist noch nicht erklärt, erst dann werden das Semikolon und die Klammer gesetzt. Wenn man bedenkt, dass ich 23 Seiten Begriffe hatte, und die meisten auf der rechten Seite zu finden waren, dann war das schon einigermaßen er­nüchternd für eine Serie, die schon vor geraumer Zeit Band 50 erreicht hatte.

Ich dachte also: Ich muss diese Verzeichnisse angleichen, unbe­dingt. Und dabei stellte sich heraus, dass das Glossar der Serie schon sehr viel weiter war – will heißen, da waren schon nahezu alle Episoden, die ich geschrieben hatte, auch glossiert. Und es gab zahllose Begriffe und Episoden- und Romantitel, die noch nicht im Lexikon genannt worden waren … also arbeitete ich die ein, tagelang, jeden Tag ein paar Buchstabengruppen.

Als die Arbeit fertig war, ergab es sich zum einen, dass das Le­xikon nunmehr 46 (!) hatte. Zum anderen, und das erwies sich als weitaus wirkungsmächtiger, war mein Elan geweckt, weitere Lexikonseiten zu den Episoden zu verfassen … und um diese Begriffe akkurat zu erläutern, musste ich die Episoden natürlich durchgehen … und las mich prompt fest.

KONFLIKT 28 ist ein hochkomplexes, sehr problematisches Garn der OSM-Spätzeit, aber so was von verschärft mit wilden Szena­rien, HeldInnen in Not, Odysseen auf riesigen Totenkopf-Seglern durch einen Raum voller Quasi-Vakuum … toll.

Und ehe ich mich versah, passierte dann das wohl einfach Un­umgängliche: ich schrieb weiter. Dazu gleich mehr.

(12Neu 116: Sturm an der Peripherie)

(Glossar der Serie „Oki Stanwer – Der Siegeljäger“)

Anmerkung: Nach dem Perfektionieren des DSj-Lexikons und der Weiterarbeit an den ausformulierten Lexikonseiten ergab es sich unweigerlich, dass auch das Glossar nun natürlich mit den Begriffserklärungen weiter ausgedehnt wurde. Das legte nun ebenfalls an Umfang zu. Das Glossar hat inzwischen auch schon 142 Seiten Umfang. Und das wird noch deutlich weiter wachsen bis Jahresende, davon bin ich fest überzeugt

(Die Kolonie Saigon II – Erotic Empire-Roman)

(DSj 49: Zu den Sternen)

Anmerkung: Das ist so eine nervige Baustelle, die mich seit Jah­ren beschäftigt. In der Episode treffen – wie im Finalband des HANKSTEYN-Zyklus in KONFLIKT 24 – viele Fraktionen kampfbe­reit aufeinander. Das verkompliziert die Lage, und ich muss viel strategisch nachdenken … und das in einer wunderbaren Lage, nämlich auf der Kykladen-Insel Santorin.

Zu dem Zweck habe ich mir eigens antiquarisch ein Werk über Santorin besorgt (und gleich weggeschmökert). Das reicht noch nicht, da kommt noch mehr nach. Der Appetit, an Baustellen in KONFLIKT 28 weiterzuschreiben, wuchs jedenfalls hiernach ins Unermessliche. Und darauf musste ich dann nicht mehr lange warten …

(12Neu 117: Die Rache der Baumeister)

(12Neu 118: Der Koordinator und der Helfer)

(12Neu 119: Der Rettungsanker)

DSj 56: Die Mauern der Offenbarung

Anmerkung: Das war nun wirklich der Hammer und ein direktes Resultat aus den obigen Vorarbeiten am DSj-Lexikon und DSj-Glossar. Wenn man bedenkt, dass ich an dieser Episode seit dem 20. November 2006 (kein Witz!) arbeite, war es wirklich höchste Zeit, damit zu Rande zu kommen … aber dieser Band war etwas sehr Spezielles. Die erste Hälfte war zwar schon soli­de ausgearbeitet, aber die zweite sollte Oki Stanwer und seinen Gefährten, den Jesuiten Pater Joseph Ghastor, ins Innere von TOTAMS Leiche führen und zu den titelgebenden „Mauern der Offenbarung“.

Die zu schreiben, das erwies sich als echte Herausforderung. Vorteil: Hinter mir lagen schon zwei freie Tage, und ich schaltete an diesem verlängerten Wochenende am Schluss des Monats Mai, vollkommen auf Durchzug und entspannte bei schöner Mu­sik … und der Band schrieb sich – mit Dutzenden von Fußnoten, die quasi das gesamte OSM-Kontinuum der zurückliegenden 140 Milliarden Handlungsjahre umspannte, wie von selbst. Es war ein einziger Rausch. Und da ich den Endpunkt auf einmal ganz genau wusste, ließ sich auch der Stoff wunderbar portio­nieren.

Ein grandioses Erlebnis, sage ich euch. Kaum zu vermitteln. Und es blieb ja dabei nicht …

(DSj 57: Göttliche Erkenntnisse)

Anmerkung: Am 27. Mai hatte dieser Abschlussband der Trilogie um TOTAMS Leiche und die FLAMME, die Oki Stanwer dort trifft, erst 5 Textseiten. Als das Wochenende schloss, also am 30. Mai, hatte dieser Band 36 Seiten Umfang (und davon waren allein am Sonntag 23 Seiten entstanden. Frischer, neuer Reintext … ein unbeschreibliches Vergnügen, wirklich. Ich habe aber noch nicht mal die Hälfte von dem erzählt, was ich darin bringen will … die Folge kommt sicherlich auf 60-70 Seiten, vielleicht wird sie noch umfangreicher. Sehr wichtige, innovative und enthül­lende Episoden – wie beispielsweise der OSM-Band 2000 „Tödli­che Entscheidung“ aus dem KONFLIKT 24.

(Auf Sklavenjagd – OSM-Novelle)

Anmerkung: Auch das ist ein reizvolles Fragment, das sich mit verzweifelten Lebewesen in Todesnot und sinistren Schattenwe­sen befasst, die sie aus der Not retten … allerdings nicht ohne einen Preis, der auf den ersten Blick angemessen scheint. Auf den zweiten offenbart sich eine perfide Falle, die mit dem ge­heimnisvollen, verborgenen GRALSREICH in KONFLIKT 22 zu tun hat. Letzten Endes zeigt sich, dass der Gedanke an blindwütige Rache wirklich blind für die Konsequenzen des eigenen Han­delns macht. Aber wohin das alles führt, ist noch unklar.

Gleichwohl: Daran muss ich sehr bald weiterschreiben, das spü­re ich deutlich. Auch hieran arbeite ich schon seit August 2010 mit sehr gedrosselter Leistung. Umgangssprachlich könnte man sagen: Jetzt wird‘s aber endlich mal Zeit, daste auf den Punkt kommen tust, Uwe!

Lach. Ich gebe mir Mühe.

(DSj 58: MASKEN und Siegelterror)

Anmerkung: Der KONFLIKT 28, man merkt es, ließ mich nicht in Ruhe. An dieser Episode, die ein Zweiteiler werden wird, feilte ich nur ein winziges bisschen herum. Und jetzt, wo der Ab­schluss der vorgelagerten Trilogie fast in greifbare Nähe gerückt ist, kann ich mich mit der Todeswelt des Jahres 2000 und dem türkischen Helfer des Lichts Salid Khessem befassen, der in ei­ner sehr unglücklichen Lage mit einem verletzten, bizarren Ali­en zurückgelassen wurde … wann das war? Oh, in Band 38 der Serie. Da sprechen wir vom Jahre 2005, kein Witz.

Ich sage ja, in dieser Serie schweben viele Protagonisten schon seit Jahren in heiklen, potenziell tödlichen Situationen und kom­men nicht vom Fleck, weil ich mich nicht weiter mit ihnen be­fasse. Das wird alsbald aufhören, davon könnt ihr ausgehen.

(Licht und Schatten auf Dawson – OSM-Roman)

Das wäre denn der Endstand für heute. Natürlich, wer mitge­zählt hat, kommt nur auf sieben vollendete Werke. Aber ich sag­te verschiedentlich schon, dass beispielsweise Rezensionen oder Rezensions-Blogs bzw. auch Fanzineredaktionen oder Non-OSM-Werke, die ich schreibe oder digitalisiere, hier eher nicht aufscheinen. Auf sie entfiel der Rest der Beiträge, die ich vollen­den konnte.

Aber alles in allem bin ich mit dem Erreichten doch sehr zufrie­den. Ich hoffe, obgleich es nun wärmer wird, was meinen Schreibelan deutlich bremst, dass der Monat Juni ähnlich erfolg­reich verläuft. In einem Monat seid ihr dann schlauer, Freunde.

Bis bald, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 336: Der Fremdling im Glas

Posted Januar 25th, 2022 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

die folgende Rezension, die ich vor inzwischen 17 Jahren schrieb, mag vom Tenor her den einen oder anderen, der mei­nen Blogartikeln schon längere Zeit gefolgt ist, möglicherweise irritieren oder sonst wie verwirren. Ist es doch evident, dass ich mich als Dualist verstehe, also als jemand, der Körper und Seele als Kompositum denkt und der der Auffassung ist, dass das Le­ben, was wir aktuell leben, nicht das einzige ist, das wir im Lau­fe einer Gesamtgeschichte durchlaufen. Seelenwanderung, Re­inkarnation, Geister … das sind durchaus Dinge, mit denen ich mich ernsthaft beschäftigen kann und über die ich mich mit Si­cherheit nicht lustig machen würde.

Gleichwohl ist natürlich nichts davon ernsthaft wissenschaftlich nachgewiesen. Der Tod ist üblicherweise die Grenze der regulä­ren Wissenschaft, und danach beginnt – wie man so landläufig sagt – das Reich des Glaubens und der Religionen. Wer also als bodenständiger Mensch materialistisch verwurzelt ist, eine skeptische Grundhaltung gegenüber derlei Phänomenen, wie ich sie oben erwähnte, an den Tag legt, kann leicht mit einer solchen Denkhaltung in Konflikt geraten.

Und dennoch rezensierte ich damals sehr wohlwollend, ja nahe­zu heiter ein Buch über bekennende Skeptiker und ihre biswei­len bärbeißige Kritik an allem, was man mit harten Fakten nicht oder kaum belegen kann, wo häufig das Wunschdenken regiert und der Grenzbereich von Esoterik, betrügerischer Geschäfte­macherei und Naivität mit den empirischen Fakten kollidiert.

Ich finde auch heute noch nicht, dass das ein Widerspruch ist. Im Gegenteil, es ist viel eher Ausweis einer gewissen toleranten Grundhaltung und allgemeinen Aufgeschlossenheit. Solchen Dingen wie hermetischer Religiosität, die leicht in ein rigides Zwangskorsett und Denkverbote umkippen kann, stehe ich eher misstrauisch gegenüber, dasselbe gilt für Sektierertum jedwe­der Couleur. Auf der anderen Seite finde ich Wissenschaft im­mer schon faszinierend, zumal dann, wenn mehrere Faktoren zusammentreffen:

Erstens, wenn die betreffenden Forscher selbst zugeben, dass das Feld des Wissens prinzipiell offen ist und man immerzu in Alternativen denken muss (z.B. bei kontrafaktischer Geschichte oder bei Geschichten, die (noch) nicht gründlich gelegt sind, dazu würde ich etwa solche Felder wie die Kryptozoologie rech­nen).

Zweitens, wenn sie Dogmatismus vermeiden und vergleichswei­se entspannt informieren wollen.

Drittens, wenn sie ihre Quellen offenlegen und damit demons­trieren, dass ihnen nicht an einer Form von Ideologisierung aus der Gegenrichtung gelegen ist.

Wenn dann noch ein ironischer, nicht bissig-trockener Schreib­stil hinzutritt, der das Lesen skeptizistischer Texte zu einem aus­gesprochenen Lesevergnügen macht – umso besser.

Und ich meine sagen zu können, dass all das auf das folgende Buch zutrifft. Weswegen meine Rezension nach den einleiten­den Worten nun nicht mehr wirklich überraschen dürfte.

Vorhang auf für:

Der Fremdling im Glas

und weitere Anlässe zur Skepsis,

entdeckt im „Skeptical Inquirer“

Gero von Randow (Hg.)

rororo science 9665

192 Seiten, TB

Februar 1996, damals 14.90 DM

Da lag das Ding nun also. Die Gesundheitsbehörde im St. Louis County (Missouri) beäugten es von allen Seiten, schüttelten die Köpfe. So etwas hatten sie noch nie gesehen.

Polizisten hatten es in einem Straßengraben entdeckt. Ein zwanzig Liter fassendes Glas, darin eine gallertartige Masse. Ei­nen Monat lang waren bereits Gerichtsmediziner mit der Frage beschäftigt gewesen, ob es sich bei dem seltsam geformten Bio-Etwas um menschliche Überreste handeln könnte. Befund: negativ.

Die Wabbelmasse bestand aus zwei Teilen: der eine, etwa sie­ben Pfund schwer, muskelähnlich, mit Höhlungen und Kanäl­chen, außerdem Einsprengseln, dunkel wie Lebergewebe. Der andere Teil länglich, von regelmäßigen Furchen durchzogen, ei­ner Zunge oder einem Tentakel ähnelnd. Bald trug das Wabbel­ding den Spitznamen „Alien“. Der Fremdling im Glas wurde her­umgereicht, wanderte von Labor zu Labor …“

Ja, Dinge gibt es, die gibt es eigentlich gar nicht, und der im Ti­telbericht von Gero von Randow zitierte (und gelöste) Fall ist nur eine solche Geschichte, in der uns Täuschungen, Trickser, Zufälle und falsche Überzeugungen auf Abwege bringen kön­nen.

Gero von Randow, regelmäßiger Wissenschaftsjournalist in der Wochenzeitung DIE ZEIT, Mitglied der Skeptiker-Bewegung und erklärter Gegner der Parawissenschaften hat in diesem Band den Versuch unternommen, einige interessante Artikel aus dem in den Vereinigten Staaten erscheinenden Zentralorgan der Skeptiker, eben dem Skeptical Inquirer zu bringen. Und wie schreibt er doch so schön über seine Lektüre dieser Zeitschrift?

Wenn ich sie in der U-Bahn lese, gucken die Leute komisch, denn den Skeptical Inquirer umgeben Geister, UFOs, Tod und Teufel.“

Na, klingt doch für eingefleischte Phantasten spannend, nicht wahr? Ich selbst war auf Randow schon 1996 aufmerksam ge­worden, als der Rowohlt-Verlag Jubiläum feierte und eine Reihe kleiner „Best-of“-Hefte herausgab, darunter auch „Der hun­dertste Affe“, worin es bereits Beiträge aus dem Skeptical Inqui­rer zu genießen galt (sehr lesenswert!).

Doch, wirklich zu genießen. Denn wiewohl gelegentlich unange­nehm bohrend, sind doch die Beiträge fast durch die Bank ein Lesevergnügen. Hier wird oftmals nicht mit Ironie und scharfen Spitzen gespart (Sid Deutsch schreibt etwa in seinem Artikel über Elektrosmog abschließend: „Eine Erhöhung der Benzin­steuer würde vermutlich eine viel wirksamere Krebsvorsorge bedeuten“ – als eine Senkung der Grenzwerte für elektrische Felder).

Eingefleischte Phantasten haben aber möglicherweise mit der Grundprämisse der „neuen Skeptiker“ (Paul Kurtz) ein Problem. Phantasten glauben nun mal gerne an seltsame Dinge wie UFOs. Sie hegen gewisse Sympathien für Menschen, die der fes­ten Auffassung sind, bei Roswell seien in den 40er Jahren von der US Air Force Alienleichen „beiseite geschafft“ worden. Oder sei es auch nur, dass sie an Dinge wie „Nessie“, Tischerücken, Geister oder Reinkarnation glauben.

Solcherart sind die Felder, denen die Skeptiker, salopp ausge­drückt, den Kampf angesagt haben. Alles, sagen sie, was sich wissenschaftlich nicht beweisen lässt, ist vom Ruch der Volks­verdummung, vom Ruch der skrupellosen Manipulation argloser Menschen umweht und gehört kritisch hinterfragt und bloßge­stellt. Ich denke, David Copperfield hätte genauso wie Uri Geller echte Probleme in diesem Umfeld.

Wer nun Gero von Randow und seinen internationalen Gefähr­ten im Kampf gegen Unglauben, Betrügerei und Sinnestäu­schungen nur attestieren möchte, sie seien „Spielverderber“, dem wird in diesem Band das Lachen sehr schnell vergehen.

Warum?

Weil die sogenannten „Parawissenschaften“ verheerende Folgen zeitigen können. Sind solche fast anekdotisch-schrulligen Ge­schichten wie „Nessies schönstes Portrait“ oder „Warum die Ge­zeitenkräfte die Ozeane, aber nicht uns Menschen bewegen“ noch als amüsant einzustufen, läuft es dem Leser schon eisig den Rücken herunter, wenn er den Beitrag über „Autisten am Computer“ liest, worin es um experimentell nachgewiesene Ma­nipulationen bei der pädagogischen Behandlung von behinder­ten Kindern und das Vorgaukeln von (höchstwahrscheinlich) nicht existenten Heilungschancen gegenüber den betroffenen Eltern geht. Und noch heftiger wird es, wenn das Thema „Fal­sche Erinnerungen“ aufs Tapet kommt.

Falsche Erinnerungen“ klingt trügerisch harmlos. Aber es geht um ein Massenphänomen in den USA, das Familien zerstört und Lebensläufe zerfetzt, das Menschen lebenslänglich hinter Gitter bringt, und dies alles (mehr oder weniger) wegen was? Wegen der Profilierungssucht und der Geldgier verblendeter Therapeu­ten, die man fast auf die gleiche Stufe wie sektiererische Gurus stellen kann.

Denn dies sind Menschen, die ihren Patienten suggerieren, sie seien in frühester Kindheit von ihren Eltern oder anderen Famili­enangehörigen sexuell missbraucht worden, selbst wenn dies oft nachgewiesen falsch ist. Das ist eine kriminelle Geschichte, und alleine aus diesem Grunde muss man Wissenschaftsauto­ren wie Martin Gardner höchst dankbar sein, dieses sehr sensi­ble Thema international offenzulegen und kritische Maßstäbe für diese sehr heikle und wichtige Problematik zu fordern. Der Schaden, den die genannten Therapeuten mit ihren Ratgebern, Auftritten in Fernsehshows usw. anrichten können und bereits anrichten, ist enorm und oft irreparabel.

Die meisten Menschen, die sich mit dem Paranormalen abge­ben, sind jedoch eher harmlose, liebenswerte Menschen, die einfach nicht genug nachdenken über das, was ihnen wider­fährt, die ihre Einstellungen zu Phänomenen der Umwelt nicht kritisch genug reflektieren und leichtgläubig sind. Auch für sol­che Menschen ist das Buch hilfreich. Man kann eine Menge dar­aus lernen und auf manchmal wirklich sehr erstaunliche Dinge stoßen.

Nicht zuletzt sollte, wer gerne Näheres über Leute erfahren möchte, die mal von UFOs entführt worden sind oder die den Air Force Bericht über den Roswell-Zwischenfall und dessen wissen­schaftliche Überprüfung lesen möchten, sich an diesen Band halten. Er wird ihn, wie ich denke, mit Gewinn lesen.

(Und keine Sorge: die Skeptiker verpassen niemandem eine Ge­hirnwäsche! Es laufen auch keine monströsen mathematischen Formeln über den Weg. Man muss nur selbst intensiv mitden­ken. Und das hat bekanntlich noch nie geschadet.)

© 2004 by Uwe Lammers

Ja, das Buch hat mir sehr gefallen, das ist offenkundig. Vielleicht findet ihr das noch antiquarisch, es ist wirklich ein Lesevergnü­gen.

In der kommenden Woche führe ich euch zurück in den nordamerikanischen Kosmos von „Crossfire“, wo die Verhältnis­se allmählich richtig verzwickt werden.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Blogartikel 442: Legendäre Schauplätze 24: Xoor‘con-System

Posted Januar 23rd, 2022 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

wenn ihr meine E-Books der Serie „Oki Stanwer und das Terrorimperium“ bis zur Gegenwart verfolgt habt, wird euch bei der Nennung dieses Namens wohl ein Schauer über den Rücken laufen. Wenigstens für euch ist das Xoor‘con-System ein Ort der Schrecken, und ich kann euch versichern, das war alles erst der Anfang. Wäre nicht in den Jahren 2019 und 2020 mein E-Book-Programm ins Stocken geraten, dann würdet ihr mit den Bänden 32-34 der TI-Serie ins Xoor‘con-System zurückgekehrt sein, und das war eigentlich der Plan, warum ich unter dem Buchstaben X diesen Ort als „legendären Schauplatz“ aussuchte. So müsst ihr leider diesbezüglich noch ein bisschen „zappeln“.

Das heißt aber nicht, dass es über dieses System nichts zu er­zählen gibt. Wie bei dem legendären Schauplatz, den ich unter dem Buchstaben Y beim nächsten Mal vorstellen werde, handelt es sich beim Xoor‘con-System um einen Ort, der (zumindest nach bisheriger Planung) nur für ein Universum Relevanz besitzt … was aber meistens hinreichend ist, vorausgesetzt, er wird gut beschrieben.

Das erste Mal hörte man im OSM vom Xoor‘con-System durch einen desaströsen Zufall – als nämlich der tassaiische Flüchtling Gwensh mit seiner Raumkapsel auf der von Yantihni erforschten Wüstenwelt Hushhin strandete und kurz nach seinem alptraum­haften Bericht verstarb.1

Dieser Bericht war Anlass dafür, die RHONSHAAR-Expedition dorthin zu entsenden, da es ja eines der zentralen Ziele der hu­manoiden Yantihni war, mit fremden Sternenzivilisationen Kon­takt aufzunehmen. Und die Tassaier schienen in ernsten Schwie­rigkeiten zu stecken.

Sie machten sich allerdings keine Vorstellung davon, dass Gwenshs phantastische Behauptungen davon, ein Metallmond fresse geradewegs die systemischen Monde des Xoor‘con-Sys­tems auf, buchstäblich der Wahrheit entsprachen. Als die RHONSHAAR nahe dem tassaiischen Heimatsystem war, wurde ein Spähschiff losgeschickt unter dem draufgängerischen Pilo­ten Yuuricor … und zum allseitigen Entsetzen wurde alles bestä­tigt, was Gwensh berichtet hatte. Schlimmer noch: das Vernich­tungsinstrument, der mondgroße „Sternenhammer“ befand sich immer noch im Sonnensystem!2

Yuuricor traf die verhängnisvolle Entscheidung, das fremde Rie­senraumschiff zu betreten und ging dabei mitsamt seinen Ge­fährten verloren. Als die RHONSHAAR im Xoor‘con-System ein­traf, waren sowohl der „Sternenhammer“ als auch das Erkun­dungsschiff sowie dessen Besatzung spurlos verschwunden, mutmaßlich tot.3

Das System selbst war vollständig verwüstet. Mehrere der von Gwensh noch erwähnten Monde waren verschwunden, offenbar von ungeheuerlichen Kräften geradewegs zerschreddert. Und die tassaiische Heimatwelt Gwai‘insh erwies sich als eine gräss­liche Trümmerwüste, die nur noch die dürftigen Reste der einst­maligen technischen Hochkultur aufwies. Die Atmosphäre war gründlich vergiftet und nicht mehr zu atmen, endemisches Le­ben existierte nicht mehr. Ein beispielloser Genozid, der die yantihnischen Forscher traumatisierte, war hier begangen wor­den.4

Während die Yantihni noch aus dem hinterlassenen Chaos schlau zu werden suchten, insbesondere aus den Tausenden von seltsamen Mechanismen, die in die Kruste des Planeten Gwai‘insh geschossen worden waren – die Parallele des Vorge­hens, die sich in der Schuttwelt Vhentars Grab“ spiegelte, die die Schwesterexpedition der GHANTUURON annähernd zeit­gleich Aberhunderte von Lichtjahren entfernt entdeckt hatte5, blieb den Forschern notwendigerweise verborgen – , während­dessen also ereignete sich im Xoor‘con-System der nächste Akt des Dramas: die „Planetenplünderer“ kehrten zurück. Genauer: Ihre Maschinen kehrten wieder, um das Zerstörungswerk end­gültig zu vollenden.6 Und so scheiterte auch die Mission der RHONSHAAR selbst … die Forscher gerieten in die – vermutlich – wohlwollende Gefangenschaft der insektoiden Cestai, und über ihr weiteres Schicksal wird noch an anderer Stelle zu berichten sein.

Im yantihnischen Reich bahnte sich derweil eine neue Koalition zwischen den arglosen Forschern und den reptiloiden Allis an, die unter dem Banner Oki Stanwers gegen das Terrorimperium der Troohns kämpften, dem in der Galaxis Twennar unter ande­rem auch das Xoor‘con-System zum Opfer gefallen war.

Wie dramatisch sich die Dinge entwickelt hatten, stellte der Ver­künder der Allis am Ende des Jahres 440 dar: Die Allis hatten Sonden ins Xoor‘con-System geschickt und enthüllten, dass von den Planeten, die die RHONSHAAR noch besucht hatte, inzwi­schen nach der zweiten Besuchswelle troohnscher Maschinen nichts mehr übrig war, sondern lediglich ein gigantischer Trüm­merteppich, der gnadenlos industriell ausgebeutet wurde, um ein monströses Gebilde zu errichten: ein so genanntes TRAN­CRAN.7

TRANCRANS, stellte der Verkünder klar, seien Stützpunkte des Terrorimperiums, mit deren Hilfe ganze Spiralarme von Galaxien unterworfen werden würden. Dutzende oder sogar Hunderte von mondgroßen MINEUREN (damit hatten die „Metallmonde“ oder „Sternenhammer“ der Tassaier endlich einen Namen, was ihnen nichts vom apokalyptischen Schrecken nahm) würden nach Fertigstellung des TRANCRAN hier andocken und ihre Fracht entladen, die dann heimgeschickt würde ins Terrorimperi­um der Troohns.

Und um die Größe der Gefahr zu erkunden und nach Möglichkeit auch eine Chance zu haben, diese Bedrohung irgendwie zu neu­tralisieren, sollte eine gemischte yantihnisch-allische Erkun­dungsmission ins Xoor‘con-System aufbrechen.

Von einer brachialen Kampfmission, die das noch nicht fertige TRANCRAN zerstören könnte, rieten die Echsenkrieger allerdings kategorisch ab … sehr zum anfänglichen Unverständnis der Yan­tihni. Bis sie vom Kampfethos der Troohns erfuhren: Diese Krie­gerrasse suchte Herausforderungen, gegnerische Kampfkon­frontation. Und die jähe Zerstörung eines TRANCRAN würde un­vermeidlich signalisieren: Hier ist ein Gegner, der den Kampf lohnt!

Der Aufmarsch von starken Kampfkontingenten der Troohns und das Ausradieren der yantihnischen Zivilisation seien die unaus­weichliche Folge.

Also erst einmal eine Mission „unter dem Radar“, um mögliche Schwachpunkte zu erkunden.

An diesem Punkt steht die TI-Serie aktuell, aber ich hoffe sehr zuversichtlich darauf, in diesem Jahr 2022 den nächsten Band fertigstellen und publizieren zu können, damit ihr erfahrt, wie die gemischte Mission ins Xoor‘con-System beginnt und was sie herausfindet … da muss ich euch noch um ein wenig Geduld bitten.

Soviel ist zum heutigen Stand der Dinge zum Xoor‘con-System zu sagen. Aber wie angedeutet: Noch ist diesbezüglich nicht al­ler Tage Abend. Bleibt also gespannt, Freunde!

Bis bald dann wieder, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Vgl. dazu das E-Book TI 5: „Wenn der Sternenhammer fällt…“, 2013.

2 Vgl. dazu die TI-E-Books 8: „Am Rand der Bebenzone“ und 9: „Ins Innere der Maschi­ne“, beide 2014 veröffentlicht.

3 Vgl. dazu TI-E-Book 10: „Das Maschinenvolk“, 2014. Wie ihr Leser wisst, entspricht diese Vermutung nicht ganz der Realität.

4 Vgl. dazu TI-E-Book 27: „Späherin der Cestai“, 2016.

5 Vgl. dazu die TI-E-Books 2: „Das ausgeplünderte System“, 3: „Vhentars Schicksal“, 6: „Die Schuttwelt erwacht“ und 7: „Rätselhafte Retter“, alle 2013.

6 Vgl. dazu das TI-E-Book 28: „Die Sternenbaustelle“, 2016.

7 Vgl. dazu das TI-E-Book 31: „Zeitenwandel“, 2019.