Rezensions-Blog 399: Ekstase & Erlösung

Posted April 12th, 2023 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

wenn eine Autorin, die auf Hunderte von Seiten starke Romane und mehrteilige Zyklen geradezu abonniert ist, auf einmal einen recht schmalen Band vorlegt, der auch noch dazu in zwei einzel­ne, wenn auch inhaltlich eng zusammenhängende Novellen un­terteilt ist, dann sollte man Verdacht schöpfen.

Was soll das werden, mag man sich fragen? Ich fühlte mich bei der Lektüre ein wenig strukturell erinnert an „Der Dieb der Zeit“ von Peter F. Hamilton, der so bizarr viele, extrem kurze Unterkapitel besaß.1 Wer bei ihm gewohnt war, Kapitel von 60-100 Seiten zu lesen und sich auf einmal nach nicht mal 5-10 Seiten schon im nächsten fand, musste einigermaßen gegen die Desorientierung ankämpfen.

Deshalb kam mir das vorliegende Buch recht ähnlich verwirrend vor. Allerdings kann man Hamiltons Entschuldigungsgrund hier nicht geltend machen – er bereitete damit historisch den Boden für seinen Commonwealth-Zyklus … Sylvia Day belässt es – so­weit ich das sehen kann – allerdings bei dem einen Novellen-Zweiteiler in einem Buchdeckel. Deshalb gehe ich wohl nicht fehl in der Annahme, dass mein Fazit der Rezension an sich den konkreten Punkt trifft.

Heißt das grundsätzlich, dies ist ein „schlechtes“ Buch, wie im­mer man das definieren mag? Das hängt wahrscheinlich von der Stimmungslage und der Erwartung der LeserInnen ab. Es handelt sich, Fastfood nicht unähnlich, um ein sehr schnelles, temporeiches Lesevergnügen. Aber wie ich damals schon kon­statierte: Nette Reiselektüre, Tiefgang sollte nicht erwartet wer­den.

Sucht noch jemand aufreizende Lektüre für den nächsten Ur­laub? Dann werft hier mal einen Blick hin:

Ekstase & Erlösung

(OT: Afterburn & Aftershock)

Von Sylvia Day

Mira 35063

Oktober 2014

304 Seiten, TB, 7.99 Euro

Aus dem Amerikanischen von Eva Malsch

ISBN 978-3-9649-069-9

Die junge Gianna Rossi, Spross einer erfolgreichen Gastrono­menfamilie, die in New York ihr Familienrestaurant unterhält und gerade eine weitere Filiale eröffnet hat, ist entschlossen, einen etwas anderen Berufsweg einzuschlagen. So wird sie Teil von Savor, Inc., einer Firma unter Leitung der charismatischen asia­tischen Aufsteigerin Lei Yeung, die rasch auch persönlich zu ih­rer Freundin wird. Sie sind sich in zwei Dingen sehr ähnlich – zum einen wollen sie beide Karriere machen, wobei Lei es be­reits geschafft und Gianna es noch vor sich hat. Zum anderen wissen sie beide bestens, wie es ist, von Männern verraten wor­den zu sein, denen sie einst vertraut haben.

In Leis Fall war das ihr einstiger Partner und vormaliger Lebens­gefährte Ian Pembry, der ihr fast das wirtschaftliche Rückgrat gebrochen hat und inzwischen härtester Rivale ist. Und Giannas seelische Verletzung liegt erst zwei Jahre zurück – sie war da­mals in Las Vegas auf einem Junggesellenabschied, als sie den Mann ihres Lebens unvermittelt traf – Jackson Rutledge, kurz Jax genannt, Spross einer erfolgreichen politischen Oberschichtfa­milie. Ein Mann, der in jeder Hinsicht aus einer anderen Welt zu stammen schien – und jemand, mit dem sie den wildesten und stürmischsten Sex überhaupt hatte, wochenlang, und der ihr schier den Verstand wegblies.

Und sie dann ohne Erklärung von einem Tag auf den anderen verließ.

Die emotional tief verwundete Gianna kehrte nach New York in den Schoß ihrer Familie zurück und ließ sich von ihren drei Brü­dern und den Eltern wieder bemuttern und aufbauen, leckte wü­tend ihre Wunden. Der Karrierevorstoß bei Lei ist nun ihr Weg, allen zu zeigen, dass sie den emotionalen Tiefschlag überwun­den hat.

Doch die Vergangenheit ruht nicht. Weder bei Lei noch bei Gian­na.

Als die beiden damit beginnen, eine Reihe von Starköchen anzu­werben, um eine neue Hotelkette mit Gastronomie damit zum Glänzen zu bringen, tauchen die Gespenster der Vergangenheit wieder auf – Lei will mit dieser Handlung ganz unverblümt ge­gen Ian Pembry und seine Kochshows antreten und ihm Talente abwerben. Und indem Gianna als ihre Speerspitze fungiert, ge­rät auch sie unvermeidlich ins Schussfeld.

Um die Dinge noch schlimmer zu machen, erscheint unvermit­telt auch noch Jackson Rutledge auf der Bühne. Und er ist noch unverschämt attraktiver und heißer als zuvor … und er macht keinen Hehl daraus, dass er Gianna wieder in seinem Bett ha­ben will.

Dummerweise tut er sich ausgerechnet mit Ian Pembry zusam­men und stört so Leis und Giannas Kreise nachhaltig. Und dann ist da auch noch sein intriganter, politisch gut vernetzter Vater Parker Rutledge, und ein dunkles Familiengeheimnis der Rutledge-Familie, die sozial so überhaupt nicht zu den italo-amerikani­schen Aufsteigern aus einfachen Verhältnissen passen möchte.

Das Gemeinste ist aber dies: Gianna ist immer noch in Jax ver­liebt. Und hin- und hergerissen zwischen sehnsüchtiger Leiden­schaft für ihn und brennendem Zorn, weil er offenkundig ver­sucht, ihre Karriere aus egoistischen Gründen zu torpedieren.

Sehr schnell fliegen die Fetzen – nicht nur im Bett, aber dort na­türlich auch …

Das vorliegende Buch ist ein etwas eigenwilliges Werk für Sylvia Day, fand ich. Das liegt nicht nur daran, dass es in zwei Novel­len aufgespalten ist, die nur durch eine zeitliche Kluft von nicht mal 24 Stunden voneinander getrennt sind. Es liest sich sonst außerdem sehr geschwind binnen kürzester Zeit und fühlt sich zugleich so an, als wäre es eine Novelle von Diana Gabaldon – eine Art „Fingerübung“, zeitlich geschrieben zwischen sehr viel umfangreicheren, komplexeren Romanen (etwa ihrer „Crossfi­re“-Serie).

Man wird in die Handlung hineingeworfen wie in ein Wildwasser und muss gleich den Verstand einschalten, um das Gewimmel von Namen und Anspielungen recht sortieren zu können. In ge­wisser Weise fand ich, dass sie ein wenig zu spät in die eigentli­che Handlung hineingesprungen war. Es wäre deutlich intelli­genter gewesen, einen Las Vegas-Vorlauf in das Buch zu inte­grieren. Die doch nur sehr kursorisch aus dem Rückblick ange­deutete Zeit mit Jackson dort hätte dem Buch etwas mehr Bo­denhaftung gegeben. So blieb alles, wiewohl leidenschaftlich und detailreich, irgendwie schematisch.

Wir haben den arroganten Familienverband, der sich ganz der Politik verschrieben hat. Wir haben die warmherzige italienische Familie mit ihren leckeren Restaurant-Kochkünsten. Wir haben die asiatische Ellenbogenfrau … und einen Konflikt, der am Ende auf eine Weise entschärft wird, die ich ein wenig naiv fand. Soviel heiße Luft um letzten Endes so wenig …? Nun, ein bisschen enttäuscht war ich dann schon, gestehe ich. Ich bin von Sylvia Day eigentlich handfestere Kost gewöhnt. Auch des­halb habe ich von einer „Fingerübung“ gesprochen. Sie hat die vorliegende Geschichte spürbar schnell heruntergeschrieben.

Nicht uninteressant, gefällig zu lesen, ja … aber eben nur dies: geschwinde Unterhaltung. Wer abschalten und ein paar leiden­schaftliche Liebesszenen miterleben möchte, ist hier durchaus richtig. Tiefgang sollte man nicht erwarten. Kann man jedenfalls unbedingt lesen.

© 2019 by Uwe Lammers

Tja, wie ihr merkt, die Begeisterung hielt sich ein wenig in Gren­zen … aber das muss ja nicht ein allgemeingültiges Urteil sein. Ich fand auch eine Menge Romane schon äußerst bescheiden bis enttäuschend, die andere Leser über den grünen Klee lob­ten. So verschieden sind die Geschmäcker, damit kann ich gut leben.

In der kommenden Woche wird wieder mal mit aktuellen Rezen­sionen pausiert, denn da bringe ich zum vollen Hunderter einen Überblick nach Genres und Schwerpunkten verteilten Überblick über die 400 Wochen, die ich hier schon im Rezensions-Blog Bü­cher vorstelle.

Auch da, denke ich, lohnt sich durchaus ein Blick.

Bis dann, meine Freunde, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

1 Vgl. dazu den Rezensions-Blog 284 vom 2. September 2020.

Blogartikel 505: Close Up: Der OSM im Detail – Teil 42

Posted April 9th, 2023 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

zur Einstimmung eine kleine Erinnerung: Man schreibt in der Galaxis Milchstraße das Jahr 3896, als Oki Stanwer als schiffbrü­chiger „Mann aus dem Nichts“ auftaucht und wie ein Wanderpo­kal von den Raumfahrern der Sternenreichsunion (SRU) an Schergen des Dämons Mersan von TOTAM und schließlich an Raumpiraten weitergereicht wird. Als ihm auch von hier aus die Flucht zum Freihandelsplaneten ELDORADO gelingt, hören die Überraschungen nicht auf.

Angeblich, so versichert ihm Henry Bent, der Agent des ge­heimnisvollen Soffrol, sei er ein heldenhaftes Wesen, dazu be­stimmt, den Kampf gegen das Böse aufzunehmen. Oki Stanwer zweifelt immer noch … aber die Zeichen mehren sich, dass dar­an doch irgendetwas Wahres sein muss – der Piratenchef Thor Gordenbeyl bekennt sich als Helfer des Lichts zu ihm und hat ihn angeblich in einem vorigen Leben schon einmal gekannt und an seiner Seite gekämpft. Und ein rätselhafter Fremder na­mens Ekkon macht Anstalten, Oki Stanwer zu retten, wird aber von Henry verscheucht, nachdem eine neuerliche Attacke der SRU-Bediensteten abgewendet werden konnte …

Episode 11: Treffen mit Soffrol

(1987, digitalisiert 2022)

Freihandelsplanet ELDORADO: Während die SRU das Altair-Sys­tem erobert und ihrer Machtsphäre eingliedert, haben Oki Stan­wer, Thor Gordenbeyl und Henry Bent eine Audienz mit dem Re­genten von ELDORADO, Talach VI. Zu Okis nicht geringer Ver­blüffung erweist sich dieser, der mit bürgerlichem Namen Harg Segor heißt, als nächster Helfer des Lichts. Und er erklärt sich sofort bereit, Oki und seinen Gefährten auf unbegrenzte Zeit Asyl auf ELDORADO zu gewähren.

Nun kommt durch ausgiebige Diskussionen auch mehr Struktur in die Hintergründe der galaktischen Politik. Harg Segor erklärt, dass der Antagonismus Terra – artanisches Reich dadurch be­gründet wurde, dass die Artaner Terra einige Jahrhunderte lang besetzten und unterjochten. In dieser Zeit nabelten sich die ter­ranischen Kolonialwelten von ihrer Heimat ab und wurden auto­nom – langfristig so sehr, dass sie schließlich der Urheimat der Menschheit dabei helfen konnten, das artanische Joch wieder abzuschütteln … aber seither hat sich der rassistische Dünkel tief in die Seele der Solsystem-Bewohner eingefressen.

Die restlichen Kolonien sind mehr oder minder autonom, aber die SRU ist derzeit dabei, aggressiv ihr Terrain zu vergrößern, um ihren Traum eines großterranischen Reiches wieder Realität werden zu lassen … und danach soll das artanische Reich mit Krieg überzogen werden. Und die artanischen Hardliner schei­nen ebenfalls sehr aggressiv auftrumpfen zu wollen, sodass ein galaktischer Krieg wohl nur noch eine Frage der Zeit ist.

Von den anderen kleinen Kolonien ist eher nicht zu erwarten, dass sie ein adäquates Gegengewicht zur SRU bilden. Die Äuße­ren Welten, weit draußen am Rand der Galaxis, sind fast schon eine Legende, nur das Volk der Zyw-Grynoth hat dorthin noch Verbindung. Ebenso fern ist die Zentrumsrepublik Otanien, die, wie der Name sagt, dicht am Galaxiszentrum existiert. Hier gibt es Gerüchte, dass diese Terraabkömmlinge mit den Artanern en­ger zusammenarbeiten. Und dann gibt es noch einige Freihan­delswelten gleich ELDORADO … und nun weiß Oki Stanwer, dass es noch eine weitere Macht gibt, die im Hintergrund droht.

Als Soffrol über Henry Bent darum bittet, dass sie sich in der Altstadt von Exos-City treffen sollen, lässt sich Oki Stanwer dar­auf ein und findet zusammen mit Henry Bent den monströsen, vier Meter großen und sechsarmigen Soffrol in einem Dachzim­mer einer Herberge ebendort, die von der aufreizenden jungen Zynolerin Miriam geführt wird.

Soffrol hat einen schwarzen Kristallquader bei sich, den er den „Begleiter“ nennt … aber ehe der Alien allzu viel erläutern kann, wird die Unterkunft gestürmt – von durchtrainierten Menschen in Kampfanzügen, die schimmernde Kristalle in ihrer Stirn tra­gen: Otanier …! Und sie wollen sie alle festnehmen!

Episode 12: Ein Dämon von TOTAM

(1987, digitalisiert 2022)

Fortsetzung des Handlungsstroms von Band 11: Oki Stanwer, Henry Bent und Soffrol treffen unerwartet in der Herberge der Zynolerin Miriam mit einem otanischen Überfallkommando zu­sammen. Die Otanier sind der Überzeugung, dass der „Beglei­ter“ von dem otanischen Planeten Hellside gestohlen wurde.

Soffrol aktiviert seinen Schutzschirm, nachdem er Oki in seine Arme gerissen hat, und er sprengt ein Loch ins Dach der Her­berge. So kann er den Otaniern entkommen … aber nicht dem „Begleiter“, der sich nun als indoktrinierte Dämonenwaffe er­weist, die sie beide attackiert. Laut Soffrol war dieser Kristall­quader, der auf den Namen ROOKAX hört1, einst ein Parteigän­ger einer Macht, die „Galaxienbezwinger“ genannt wird.

Und zu Okis und Soffrols Unglück heften sich auch dessen Par­teigänger nun auf ihre Fersen und verbünden sich mit Rookax! Die beiden Gefährten, die Henry Bent bei den Otaniern zurück­lassen mussten, bekommen nur eine kurze Atempause, in der Soffrol die Dinge weiter entwirren kann.

Unter anderem spricht er von Rookax, der in der Tat auf dem Planeten Hellside zurückgelassen wurde … vom Galaxienbe­zwinger, und in noch nicht aktiviertem Zustand. TOTAM, dessen Parteigänger Soffrol ist, erläutert weiter, dass der ursprüngliche Plan des Galaxienbezwingers darin bestand, dass Rookax die Zentrumsrepublik komplett unterjochen sollte.

Indem Soffrol den Kristallquader stahl und TOTAMS Indoktrinierungsschleife implementierte, vereitelte er diesen Plan … aber der Angriff der Otanier hat die Sperre deaktiviert und Rookax von neuem zu einem mörderischen Parteigänger des Galaxienbezwingers gemacht.

Und dann ist die Gesprächspause auch schon vorbei, und ein Dämon von TOTAM, der dem Galaxienbezwinger dient, Rookax und zwei fliegende Totenschädel, die gut als Elitekampfsoldaten durchgehen könnten, überwältigen Soffrol und Oki und ver­schleppen den Herrn des Lichts an ein unbekanntes Ziel. Sein Tod scheint nur noch eine Frage von Stunden zu sein …

Episode 13: Transmitter zur Todeswelt

(1987, digitalisiert 2022)

Fortsetzung von Band 12: Oki Stanwer ist vom Dämon Pardan von TOTAM und Rookax an ein unbekanntes Ziel entführt wor­den, jede Spur verliert sich im Nichts … da taucht zur allgemei­nen Überraschung im Palast Harg Segors eine adrette junge Frau auf – die rothaarige Zynolerin Miriam aus der Altstadt von Exos-City. Sie erklärt, sehr zur Überraschung von Thor Gorden­beyl und Harg Segor, dass Oki Stanwer telepathisch mit ihr Kon­takt aufgenommen hat und sie zu seinem aktuellen Aufenthaltsort lotsen könne.

Trotz anfänglicher Skepsis wird diesem Hinweis nachgegangen, und so finden sie einen verborgenen Transmitter zu einem bi­zarren Ort, der Todeswelt, die sich als ein finsteres, tödliches La­byrinth erweist, in dem sich nur Miriam auf seltsame Weise ori­entieren kann, indem sie Oki Stanwers mentaler Stimme folgt.

So kann wider Erwarten Oki gerettet werden, wobei der Trans­mitter vernichtet wird. Kurzfristig, ist ihnen allen klar, kann so die feindliche Macht, der Galaxienbezwinger, auf Abstand gehal­ten werden. Aber es wird zunehmend deutlich, dass Oki Stan­wer auch weiterhin ein Ziel von Attacken sein wird. Und die Ve­hemenz der Angriffe scheint sich stetig zu steigern …

Episode 14: Angriff der Lontreks

(1987, digitalisiert 2022)

Blende an den Rand der Galaxis: Harg Segor berichtete, wie zu­vor schon Henry Bent, dass es ein rätselhaftes Volk gibt, das „Lontreks“ genannt wird und das in den letzten Jahren zuneh­mend verantwortlich zeichnet für das Verschwinden von Passa­gier- und Frachtraumschiffen terranischer Kolonialwelten.

Als nun der Raumfrachter ZHONNOR, der unter der Flagge der SRU fliegt, von geheimnisvollen sichelförmigen Raumjägern at­tackiert wird, kommt schnell zu Tage, dass es sich dabei um nie­mand Geringeren handelt als die geheimnisvollen Lontreks. Aber jede Gegenwehr erweist sich als nutzlos, kurz nach der Ka­perung werden alle Besatzungsmitglieder betäubt.

Als sie wieder zu sich kommen, finden sie sich in Gesellschaft zahlreicher anderer Raumschiffsbesatzungen in einem High­tech-Gefängnis wieder … und auf der gegenüber liegenden Gangseite befinden sich Artaner in Haft, die sichtlich dasselbe Schicksal erlitten haben.

Ihre Gefangenenwächter sind tonnenförmige Roboter mit Kup­pelköpfen und zwei Greifarmen, die jeden Ausbruchsversuch strikt unterbinden. Die Artaner scheinen über diese Roboter mehr zu wissen, einer von ihnen faselt unvorsichtig von einem „Stern der Toten“, mit dem die Artaner schon irgendwie in Kon­takt kamen … was offenkundig sehr unschön ausging.

Am Ende der Episode werden einige Repräsentanten beider Gruppen aus den Zellen zu einer Unterredung herausbefohlen. Auf der Wanderung, eskortiert von den Tonnenrobotern, müssen sie entdecken, dass sie sich inmitten eines gigantischen unterir­dischen Werftkomplexes aufhalten, der vollständig stillgelegt er­scheint. Und hier befinden sich zahllose gigantische Kugelraum­schiffe. Es stellt sich die Frage, ob sie wohl entführt wurden, um hier als Sklavenarbeiter eine Raumflotte der Aliens instand zu setzen, offensichtlich eine Flotte der Lontreks – aber die Angele­genheit erweist sich als deutlich komplizierter.

Episode 15: KLIVIES KLEINES

(1987, digitalisiert 2022)

Fortsetzung von Band 14: Die gemischte terranisch-artanische Gefangenengruppe trifft in den Tiefen der durchaus nicht so in­aktiven Werftwelt, wie es den ersten Anschein hatte, den Be­fehlshaber der Lontreks – es handelt sich zu ihrem nicht gerin­gen Unglauben um einen Menschen, jedenfalls dem ersten An­schein nach.

Aber der hagere, charismatische Humanoide, der sich mit Klivi­es Kleines vorstellt, erklärt, dass er durchaus kein Mensch ist. Was er ist, sagt er dagegen nicht … nur, dass sie alle hier jen­seits ihrer Entführung einem höheren Ziel dienen sollen, um ihr aller Überleben zu gewährleisten.

Er erklärt, dass das Reich der „Lontreks“, wie sie sie nennen – in Wahrheit haben es die Entführten mit den so genannten „All-Hütern“ zu tun – , sich in einer Krise unklarer Ursache befindet und sich derzeit restrukturiert. Kleines führt dies auf den Angriff einer Macht zurück, die er TOTAM nennt. Ein ganzer Sektor des All-Hüter-Reiches soll dieser Attacke zum Opfer gefallen sein – ein Bereich der Milchstraße, der als „schwarzer Sektor“ bekannt ist. Hierhin sind alle Nachrichtenverbindungen abgerissen.

Klivies Kleines charakterisiert diese Konfrontation mit TOTAM als einen Konflikt geradezu epischen Ausmaßes. TOTAM wolle nichts Geringeres als die völlige Unterwerfung oder Auslö­schung aller Völker der Galaxis, es sei also durchaus in ihrer In­teresse, den Kampf gegen TOTAM aufzunehmen.

Dass dabei Kleines‘ Informationen dem widersprechen, was Soffrol und Henry Bent auf ELDORADO Oki Stanwer bezüglich TOTAM erzählt haben, ist eine Sache. Schlimmer ist jedoch, dass Kleines den Verbündeten in spe nicht offenbart, dass er sich selbst in einer existenziellen Zwickmühle befindet. Er ist die Schaltstelle zwischen den All-Hütern – den Tonnenrobotern – und ihrer Zentralinstanz Z-NULL. Und Z-NULL ist der festen Überzeugung, der Schöpfer alles biologischen Lebens zu sein und folglich auch Herr über Leben und Tod. Nur Kleines weiß, wie es sich tatsächlich verhält, aber dies auszusprechen, wäre sein persönlicher Untergang.

Also plant er einen Ausweg mit Hilfe seiner gefangenen artani­schen und terranischen Gefährten – einen Aufbruch in den „schwarzen Sektor“, in dem Z-NULL und er TOTAM vermuten … möglicherweise eine Reise ohne Wiederkehr …

Ihr merkt, durch das Einfügen einer weiteren Handlungsebene um den euch schon aus anderen Zusammenhängen (KONFLIKT 14 „Oki Stanwer – Feldherr der Cranyaa“ und KONFLIKT 15 „Oki Stanwer“) vertrauten Kleines weitet sich das thematische Ta­bleau der Serie. Ihr könnt natürlich an dieser Stelle eine rhetori­sche Frage stellen: Ist Klivies Kleines hier ebenfalls ein Helfer des Lichts?

Die Frage kann ich problemlos beantworten: Natürlich ist er das. Aber wie ihr vermutlich aus den früheren Close Up-Episoden frü­herer Universen wisst, bedeutet das nicht automatisch, dass seine Ziele mit denen Oki Stanwers oder der Baumeister kon­gruent sein müssen. Wie sich das hier weiter entwickelt, davon wird alsbald die Rede sein.

Für heute endet die Revue der Close Up-Episoden aus KONFLIKT 16. Ich denke, für heute habe ich euch genug verwirrt.

Bis bald, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

1 Wer diesen Namen zu kennen glaubt, hat recht, wenn er den Close Up-Artikel von An­beginn gefolgt ist. Schaut euch dazu noch mal die frühesten Close Up-Beiträge zum KONFLIKT 14 „Oki Stanwer – Feldherr der Cranyaa“ an.

Rezensions-Blog 398: Leben am Nil

Posted April 5th, 2023 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

wie in der letzten Woche versprochen, machen wir dieses Mal eine ordentlich weit zurück reichende Zeitreise. Wohin? Nach Ägypten, das Land am Nil. Es ist, leider, muss man konstatieren, ein sehr, SEHR kurzweiliges Vergnügen … aber wer sich auf die Details fokussiert, die hier prachtvoll in Szene gesetzt sind und mit Witz und Intelligenz dargestellt werden, der kommt fraglos voll auf seine Kosten.

Denn wie ich das anno 2020 tat, als ich dieses Buch im Hand­umdrehen verschlang – dafür eignet es sich wirklich bestens, und das ist durchaus altersunabhängig – , so verläuft man sich schnell in den unzähligen kleinen Einzelheiten. Man sollte zum einen natürlich auf den magischen Pelikan achten, der die Jahr­tausende als Zeit-Scout durchfliegt und jede Menge Ärger verur­sacht.

Aber auf der anderen Seite sollte man sich auch fasziniert in das Alltagsleben auf diesen farbenprächtigen, großformatigen Seiten vertiefen und Sinn für die vielen kleinen Einzelheiten ha­ben, die das Alltagsleben der damaligen Zeitepochen akribisch und bisweilen schon fast garstig indiskret in Szene setzen.

Werfen wir mal einen Blick hinein:

Leben am Nil

Die Geschichte des längsten Flusses der Welt

(OT: Story of the Nile)

von Anne Millard, illustriert von Steve Noon

Dorling-Kindersley, München 2003

36 Seiten, gebunden

Großformat, Querformat

Übersetzt von Cornelia Panzacchi

ISBN 3-8310-0509-5

Ohne Magie geht es nicht – und das ist denn auch der Grund, warum ich diese Rezension schreibe. Sie ist gewissermaßen un­vermeidbar. Ich möchte euch eine faszinierende Zufallsentde­ckung vorstellen, die mir gestern in die Hände fiel, als ich den 5. Braunschweiger Antiquariatsmarkt besuchte. Eine gute Freundin reichte mir dazu kürzlich eine Einladungskarte. Auf dem Event im Braunschweigischen Landesmuseum traf ich ein paar Antiquare, die ich seit Jahren kenne und plauderte ange­nehm, und dann fiel mein Blick auf dieses farbenprächtige, un­gewöhnlich im Format daliegende Buch. Als Querformat, deut­lich doppelt A4-groß (die genauen Maße sind 27 x 35 cm) ent­zückte es mich auf den ersten Blick, und ich wusste, ohne es aufschlagen zu müssen: Das ist meins, das nehme ich jetzt mit!

Warum dies? Nun, auf dem Cover sieht man eine feierliche Sze­ne aus dem alten Ägypten abgebildet – eine Barke nähert sich dem Taltempel des Cheops, und als jahrzehntelanger Fan des al­ten Ägypten packte mich sofort das alte, niemals erlöschende Pharaonen-Fieber. Das ist ein bisschen wie mit dem Archiv-Virus. Hat man sich den einmal eingefangen, bleibt das eine lebens­lange Leidenschaft.

Der Kauf war also unvermeidlich.

Das großformatige Album überbrückt in seinen 14 großformati­gen, doppelseitigen Bildtafeln die atemberaubende Zeitspanne von nicht weniger als 4.470 Jahren Zivilisation am Nil, vom Jahre 2500 vor Christus bis zum Jahre 1970 nach Christus. Aber, und das macht den Charme und das Magische an der Geschichte aus, das ist nicht einfach nur so eine zusammenhanglose Anein­anderreihung von Bildern, sondern es gibt ein verbindendes Ele­ment, gewissermaßen einen Zeit-Scout, der uns durch die Jahr­tausende begleitet. Es handelt sich um einen offenbar verzau­berten Pelikan, der sich durch die Zeit bewegt und irgendwo auf jedem dieser neckischen, farbenprächtigen Bilder in Erschei­nung tritt.

Wie auf klassischen Wimmelbildern verlockt die Fülle an Details, die zahllose Beschriftungen aufweisen, unweigerlich den Be­trachter dazu, die kleinsten Einzelheiten ausfindig zu machen. Originell ist auch, dass der sonst frei gelassene Rand von um­laufenden Schriftzügen eingenommen wird, üblicherweise Erläu­terungen zu Bildelementen, aber auch Fragen an das kindliche Publikum. So heißt es etwa zu dem Bild „Die Quellen des Nils“, das auf 1862 nach Christus datiert ist und den Nilforscher John Speke bei den Ripon-Fällen zeigt: „Einer der Fischer ist wütend auf den Pelikan. Weißt du, warum?“

Solche amüsanten kleinen Gimmicks finden sich auf jedem der farbenprächtigen, detailreichen Bilder. Ob da ein römischer Le­gionär hastig vor einem zuschnappenden Krokodil in sein Boot springt, ein Forschungsreisender in einen Dungfladen tritt, durchgehende Pferde fast einen Teppichhändler niederreiten, Touristen Hüte wegfliegen, Männer von Getreidebarken ins Was­ser fallen oder betrunkene Männer an der Tempelwand in The­ben beim Opet-Fest anno 1180 vor Christus von einer zornigen Frau ausgeschimpft werden …

Es gibt sagenhaft viel zu entdecken auf diesen phantasievoll entwickelten Darstellungen. Manche davon erinnern mit ihrem Massenaufmarsch von detailverliebt gezeichneten Komparsen an klassische Historienfilme aus Hollywood, und nicht wenige erzählen eigenständige kleine Geschichten in den Bildelemen­ten. Es macht deshalb einfach Spaß, ausgiebig in den Bildern selbst nach kleinsten Einzelheiten zu forschen – stete Neugierde ist natürlich vorauszusetzen.

Zweifellos richtet sich das Buch mehrheitlich an kindliches Pu­blikum, das gerade erst die Leidenschaft für die Historie entde­cken soll. Aber ich bin selbst das beste Beispiel dafür, dass man sich dieses opulente grafische Werk auch als erwachsener Fan des alten Ägypten guten Gewissens ins Regal stellen kann.

Wer also meine Leidenschaft teilt oder sonst einfach neugierig auf das Buch geworden sein sollte, dem sei ans Herz gelegt, es zu suchen. Ich vermute freilich, dass es nur noch antiquarisch zu entdecken sein wird – und wahrscheinlich wird der Neugieri­ge mehr als 8 Euro in die Hand nehmen müssen, die es mich gekostet hat.

Aber das ist es zweifellos wert.

© 2020 by Uwe Lammers

Da spricht der wahre Fan aus den Zeilen? Well, das kann und will ich gar nicht abstreiten. Es ist ein schönes Buch, das ich seither in Ehren halte wie so viele ähnliche dieser Art. Und es ist durchaus denkbar, dass es davon noch mehr zu entdecken gibt. Ich halte jedenfalls die Augen offen.

Soviel für heute. In der kommenden Woche reisen wir wieder mal in das Setting der erotischen Romane, diesmal aber nicht als Teil eines langen Zyklus. Versprochen.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde des OSM,

und schon wieder sind etliche Wochen vergangen, seit ich diese Rubrik des Blogs mit einem neuen Beitrag erweitert habe. Beim letzten Mal war ich bis Ende März 2019 gekommen, heute schauen wir uns das zweite Quartal dieses Jahres näher an.

Auf den ersten Blick zeigte der Monat April 2019 die phänome­nale Menge an 50 fertig gestellten Werken, aber kritisch ist zu fragen: Was davon ist für diese Rubrik der Annalen der Ewigkeit des Oki Stanwer Mythos relevant zu erwähnen? Der Detailblick fällt doch eher ernüchternd aus.

Ja, ich arbeitete in dem Monat weiter am E-Book „BdC 2 – Ge­strandet in Bytharg“ (das aktuell leider immer noch nicht fer­tig gestellt ist, wir sprechen hier im Schreibmoment von Mitte September 2022. Im März 2023, wenn dieser Beitrag dann er­scheint, ist das hoffentlich überholt).

Ebenfalls schrieb ich weiter an der Story „Die Kondenswe­sen“, die ein Handlungsloch in KONFLIKT 14 „Oki Stanwer – Feldherr der Cranyaa“ beizeiten füllen soll, und an der in KON­FLIKT 7 „Oki Stanwer – Held der Hohlwelt“ (HdH) angesiedelten Geschichte „Bewusstwerdung“. Und am Ende des Monats feilte ich etwas an der Romanfassung der Geschichte „Aktion TOTAMS Ende“ … aber das ergab alles leider nichts Fertiges.

War der Monat Mai 2019 ergiebiger? Schauen wir es uns im De­tail an: Mit gerade mal 29 Werken kam es hier doch zu einem ziemlich drastischen Rückgang des kreativen Outputs. Was, wie ihr wisst, nicht zwingend bedeuten muss, dass ich weniger schrieb … nur die Schwerpunkte waren anders gelagert.

Insgesamt schrieb ich an vielen OSM-Episoden weiter, das ist wahr, aber die erste Geschichte, die für die Annalen relevant ist, war dann „Ein Alptraum namens Koloron“, die im Hand­lungsstrom des KONFLIKTS 19 „Oki Stanwer – Der Missionar“ auf dem Planeten Dawson angesiedelt ist.

Ihr kennt diese Welt womöglich schon aus dem E-Book „Ian und der Stein der Götter“ sowie den Geschichten „Der Platz der Steine“ und „Das Versteinerungs-Spiel“, aber auf dieser Welt passiert noch sehr viel mehr. Da gerade diese Novelle aber stark mit der hochkomplexen Handlung des 19. OSM-KONFLIKTS verwoben ist, kam ich da nicht recht vom Fleck.

Sie blieb also konsequent eine Baustelle bis heute.

Dann grub ich ein älteres Fragment mit dem Titel „Der Ewig­keitssender“ aus, bei dem ich allerdings bis heute nicht sagen kann, wann und wo genau es spielt … möglicherweise in einem surrealen Paralleluniversum. Auch hier machte ich nur eine Stippvisite.

Was ich fertigstellen konnte, war die Abschrift der Story „Das Mysterium“, die gleich darauf um eine gründlich kommentier­te Version „Das Mysterium II“ ergänzt wurde … und ich muss euch enttäuschen, wenn ihr hofft, dass dieses Werk alsbald zu lesen sein wird … warum? Weil der Handlungsstrom dieser Ge­schichte so konfus und unplausibel ist, dass ich sie sehr gründ­lich überarbeiten und an den Kontext des modernen OSM an­passen muss, ehe ich sie zugänglich mache. Die Kommentie­rungsversion ist nicht umsonst etliche Seiten Kommentierung länger … ein Zeichen, wie viel da noch im Argen liegt. Das möchte ich euch in diesem Zustand wirklich nicht zumuten.

Gab es sonst noch etwas zum Thema „Annalen“? In diesem Mo­nat leider mal wieder nicht.

Werfen wir abschließend noch einen Blick in den Monat Juni 2019. Hier wuchs mit 42 beendeten Werken die Aktivitätsskala wieder deutlich an, und es entwickelte sich ab dem 6. Juni eine neue Baustelle. Ich kann auch relativ genau sagen, wie es dazu kam. Das hatte mit „Das Mysterium“ aus dem Vormonat zu tun.

Dort ging es thematisch um die Frühzeit des Ordens der Ritter vom Goldkristall (einen dieser Ritter namens Ekkon haben die Leser des Fanzines Baden-Württemberg Aktuell (BWA) schon kennen gelernt). Da kam nämlich die Frage auf, wann der Orden erstmals aktiv wurde. Und das war in KONFLIKT 3 des OSM, der nun in das Zentrum meiner Wahrnehmung rückte.

Nun wusste ich seit Jahren, dass KONFLIKT 3 ein sehr kurzer, dramatischer Kampf im OSM gewesen ist, ferner, dass er in der Galaxis Arc spielte und hier unter anderem viel mit Troohn-Ma­trixfehlern, Troohn-MINEUREN und dem ZYNEEGHAR 11, dem nachmaligen Okiplaneten, zu tun hatte. In KONFLIKT 9 „Oki Stanwer – Der Kaiser der Okis“ hatte ich eine Menge dazu in Rü­ckblenden geschrieben. Die eigentlichen Ereignisse dieses KON­FLIKTS waren mir aber bis auf ein paar finale Handlungslinien immer noch unbekannt.

Grundsätzlich fühlte ich eigentlich gut genug munitioniert, nun mit KONFLIKT 3 des OSM anzufangen. Ich konzipierte ihn – wie weiland schon KONFLIKT 1 „Der Zathuray-Konflikt“ – als Ein­zelroman von unklarer Länge. Der Titel lautet: „Sterneninsel der Wunder“. Und damit fing ich am 6. Juni 2019 an.

Ich fing an … ihr ahnt das Problem schon aufgrund dieser For­mulierung, und ihr vermutet richtig: Der innere Bilderstrom ver­siegte leider relativ bald, und so lag nun ein weiteres Roman­fragment vor mir. Toll gemacht, Uwe, dachte ich mir. Das war jetzt nicht Sinn und Zweck der Aktion.

Nun, es herrschte ja bekanntlich keinerlei Mangel an weiteren Fragmenten/Baustellen … und so rutschte ich von einem Roman quasi recht zügig in den nächsten ab, nämlich wieder mal in das E-Book „BdC 2 – Gestrandet in Bytharg“. Da das immer noch eine Baustelle ist, wisst ihr auch, wie in diesem Fall das Ende vom Lied lautete.

Seufz.

Als es daran nicht vorwärts ging, schwenkte ich zu einem ande­ren E-Book-Projekt um, nämlich zum E-Book TI 31: „Zeiten­wandel“. Hier ging die Arbeit besser voran, zeitigte aber in die­sem Monat noch keine finalen Resultate.

Tja, und damit verließen sie mich dann schon wieder.

Ich kam wirklich sehr weit mit den kommentierten OSM-Ab­schriften, mit zahlreichen Blogartikeln, Horrorwelt-Abschriften, Fanzine-Redaktionen, Rezensionen und zahlreichen anderen Dingen, aber speziell jetzt auf die Annalen-Werke bezogen, kann ich nur konstatieren: Das Quartal war klar sehr unterdurch­schnittlich. Da kann ich nur auf das dritte Quartal 2019 verwei­sen, um das es im nächsten Teil dieser Artikelserie gehen wird. Vielleicht wird es da ja besser. Lasst euch mal überraschen.

In der kommenden Woche findet ihr an dieser Stelle den nächs­ten Teil der „Close Up“-Artikelreihe, die sich mit der weiteren Entwicklung des KONFLIKTS 16 des OSM, also der Serie „Oki Stanwer – Der Mann aus dem Nichts“, befasst. Und ich verspre­che: Da bleibt es hübsch spannend für den weitgehend erinne­rungslosen Oki Stanwer.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 397: The Club (7/E) – Passion

Posted März 29th, 2023 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

tja, und das ist – zumindest für den Moment – das Ende der Fah­nenstange, will heißen, wenn wir mal von dem hier quasi gar keine Rolle mehr spielenden titelgebenden „Club“ absehen und uns auf die intensiven Beziehungskapriolen zwischen Katherine Ulla Morgan und Joshua Faraday konzentrieren. Wem das im Kern genug ist und darüber hinaus ausblendet, dass die Ergeb­nisse dieses Buches schon seit Band 4 des Zyklus bekannt sind (das ist, zugegeben, gewöhnungsbedürftig, das hatte ich so bis­lang auch noch nicht), der wird sich hier bestens unterhalten finden.

Als ich diese Rezension schrieb, war mir allerdings noch nicht klar, dass Lauren Rowe das hiermit aufgebaute Universum per­sonell noch nicht verlassen wollte. Im Gegenteil. Die ganzen letzten drei „The Club“-Bände bereiten im Grunde genommen die Vertiefung der Handlung in Richtung auf die Morgan-Familie vor. Davon hatte ich anno 2018 noch keine Ahnung … aber das änderte sich bald, als ich dann die ersten Bände des Fünfteilers „True Lovers“ in die Finger bekam und sehr bekannte Personen wieder fand.

Wer also Blut geleckt oder Feuer gefangen hat und dringend wissen möchte, wie es hiernach weitergeht, der kann mit die­sem Band einen ersten Eindruck der Morgan-Familie gewinnen.

Also schauen wir doch noch mal kurz genauer hin, worum es im Schlussband des Zyklus geht:

The Club 7: Passion

(OT: The Consummation)

Von Lauren Rowe

Piper (ohne Verlagsnummer), 2016

448 Seiten, TB, 12.99 Euro

Aus dem Amerikanischen von Christina Kagerer

ISBN 978-3-492-06066-0

Es wird krisenhaft zwischen dem Millionär Joshua Faraday und seiner temperamentvollen und sturen Geliebten Katherine Ulla Morgan, kurz Kat oder „kleine Terroristin“ genannt. Die Charak­tere sind aber auch zu unterschiedlich. Kat stammt aus einer recht biederen kleinbürgerlichen Familie, wo sie sich gegen vier Brüder durchsetzen musste und ein „teuflisches“ Temperament und einen unglaublichen Sturkopf geerbt hat. Josh hingegen hat früh seine Mutter durch einen Mord verloren, sein tyrannischer Vater hat sich umgebracht, und sein Zwillingsbruder Jonas schwankte zeitlebens immer zwischen Depression, Selbstaufga­be und finster grübelndem Tiefsinn. Weswegen sich Josh immer für ihn verantwortlich fühlte und nach außen stets den frohen, vergnügten Mann markierte.

Als sich Joshs Bruder in die fesche Latina Sarah Cruz verguckt und Josh selbst deren Freundin Kat begegnet, da regen sich in dem Playboy Josh Faraday ganz seltsame Gefühle, vor allen Din­gen aber eines – er muss diese unglaubliche Hammerfrau in sein Bett kriegen, koste es, was es wolle.

Nun, wie die Leser des Zyklus wissen, macht es ihm Kat nicht eben leicht. Sie ist ein solcher Sturkopf, dass sie sich selbst ka­tegorisch im Weg steht, zudem oftmals jedes Wort auf die Gold­waage legt und, wie das Frauen nun einmal sehr häufig tun, ohne es eigentlich zu wollen, in den Sätzen des männlichen Ge­genüber oder in ihren Taten Dinge sehen oder fürchten, die in Wahrheit gar nicht da sind.

Tief in ihr wünscht sich Kat freilich nichts lieber, als dass Josh ganz ihr gehören möge. Aber er lebt in Los Angeles und sie in Seattle. Darüber hinaus ist die Liste seiner Eroberungen – alle blond und atemberaubend schön, quasi prototypisch (weswe­gen Jonas schon ganz zu Beginn Sarah gegenüber sagt, dass die blonde, langbeinige Kat absolut Joshs Beuteschema entspreche) – geradezu astronomisch lang. Und er kann wirklich jede Frau haben, die er möchte, ob es nun Topmodels oder Schauspiele­rinnen sind, ganz gleich. Und sie laufen ihm auch dann noch hinterher, als er versucht, aus „der Sache“ mit Kat mehr zu ma­chen.

Aber was heißt eigentlich „mehr“? Heirat und Kinder? Das steht bei Josh, der privat nicht weit vorausplant, nicht auf der Agenda. Da wirkt das Trauma seiner elterlichen Katastrophe massiv bis in die Gegenwart nach, auch wenn das Jahrzehnte zurückliegt. Schließlich ringt sich auch Kat dazu durch, dass das Wichtigste doch sei, mit Josh zusammen zu sein und gemeinsam ihre wil­desten erotischen Phantasien auszuleben.

Das ist der Plan. Aber tief in Kats Herzen ist dem Mädchen klar, dass es das nicht wirklich sein kann. Das ist nicht das Höchste der Gefühle, nicht für sie. Sie ist definitiv eine Romantikerin, und als sie sich am Ende von Band 6 des Zyklus so richtig mit Josh verkracht, als er ihr nicht von seiner Wohnungs-Rückkehr nach Seattle erzählt, sondern sie es aus dem Mund eines Drit­ten erfährt, da ist erst mal Eiszeit angesagt.

Genau genommen nur wenige Stunden.

Denn dann muss sich Kat daheim übel übergeben – und ein Schwangerschaftstest zeigt ihr unmissverständlich, dass ihre Planungen jählings Makulatur sind. Sie trägt einen kleinen Fara­day unter dem Herzen … und dabei hat sie doch vorher noch so volltönend behauptet, sie habe niemals im Leben vor, Josh auf diese Weise vor vollendete Tatsachen zu stellen.

Als er davon erfährt, fällt Josh verständlicherweise aus allen Wolken.

Und dann fühlt er sich verpflichtet, gerade er, der vorher von Heirat nichts wissen wollte, Kat „auf alle Fälle“ zu heiraten.

Also macht er ihr einen Antrag.

Und Kat lehnt ab.

Nun, zugegeben, die Umstände sind alles andere als optimal. Aber Josh versteht echt die Welt nicht mehr … auf eine für ihn bislang völlig unbegreifliche Weise bricht für ihn jetzt die Bezie­hungshölle aus, eine chaotische emotionale Achterbahn, befeu­ert von unkontrollierbaren Schwangerschaftshormonen, Tränen­kaskaden, Missverständnissen und wilden Wortgefechten.

Es ist echt die Hölle, für beide Seiten. So beginnt also die letzte Schlacht um Katherine Morgans Herz, und es wird eine Heraus­forderung, wie sie Joshua Faraday noch nie zu bestehen hatte …

Ob man das Finale der „Club“-Reihe „herzzerreißend“ nennen kann (Klappentext), das vermag ich nicht kundig zu beurteilen, dafür bin ich vermutlich nicht feminin genug. Leserinnen wer­den das höchstwahrscheinlich so sehen – zumindest diejenigen Leserinnen, die sich für zahlreiche romantische Komödien be­geistern, die Kat und ihre Freundin Sarah unzählige Male ange­schaut haben, die für Josh aber totales Neuland sind. „Body­guard“? „The Woman in Red“? „Pretty Woman“? „Arielle, die Meerjungfrau“? „Stolz und Vorurteil“? Alles fremde Welten für Josh, der auf dem Sektor mächtigen Nachholbedarf hat.

Was allerdings total köstlich in dem Buch ist, das muss ich zuge­ben, das ist das intensive Kennenlernen der Familie Morgan. Gott, all die chaotischen Brüder, die superlustige Mutter, ganz zu schweigen von diesen grotesken Spitznamen, die sie sich alle geben … Kat wird zur „Kumquat“, einer ihrer Brüder zu „Captain Morgan“ oder „Bacardi“ … und dann diese ständigen schnippi­schen Wortgefechte und Anspielungen. Ich habe mich fast tot­gelacht – und das ist immer ein gutes Zeichen für einen Roman.

Nun wissen Leser und Leserinnen, die den Zyklus bis hierher ge­lesen haben, schon vor Lektüre des ersten Satzes von Band 7 (genau genommen sogar schon vor Lektüre des ersten Satzes von Band 5!), dass die beiden sich „natürlich“ kriegen werden. Und selbstverständlich wissen sie auch, dass Jonas und Sarah sich kriegen werden, deren Hochzeit in diesem Band ausgiebig dargestellt wird. Ich muss aber gestehen, mir waren es dann an manchen Stellen doch eine Reihe Umdrehungen der Romantik­schraube zuviel.

Wieder einmal muss man diesem Roman attestieren, dass er jenseits der recht transparenten emotionalen Verstrickung recht wenig dramatisches Potenzial besitzt und, wie schon Band 5 und 6, im Kern ein Sequel zu den ersten drei Bänden des Zyklus darstellt. Wie üblich ist er als Unterband des „Club“-Zyklus völ­lig falsch benannt worden. Und zum Schluss hin hat sogar das Lektorat deutliche Ausfallerscheinungen, weil eine ganze Menge Buchstaben in den Worten zu fehlen beginnen. Da haben die Lektoren wohl auch nur noch jede zweite Seite gelesen … egal.

Wer Romantikerblut in seinen Adern fließen hat und/oder all die Filme, die darin zitiert und zum Teil nachgestellt werden, in und auswendig kennt (im Gegensatz zu mir), der kommt zweifellos voll auf seine Kosten. Ich hätte es gern ein bisschen weniger zu­ckersüß gehabt und Kat ein bisschen mehr Realitätssinn und weniger „Zickigkeit“ gewünscht.

Nun, einerlei – der Kerl kriegt das Mädel, und Nachwuchs be­kommen sie dann auch noch. Stoff für ausgesprochene Swee­ties, keine Frage. Also, schmachtende Herzen, ran an den Stoff. Wer das nicht erträgt, lasse lieber die Finger davon. Ich fand’s jedenfalls total niedlich, wenn auch ein bisschen überdreht. Für Romantiker eine klare Leseempfehlung.

© 2018 by Uwe Lammers

In der kommenden Woche machen wir eine solide Zeitreise sehr weit zurück. Mehr lest ihr dann an dieser Stelle.

Bis bald, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde des OSM,

wenn ich sagte, der Monat Juli 2022 sei in jederlei Weise er­schöpfend gewesen, so würde ich die Realität verzerren und nicht vollkommen die Wahrheit sprechen. Wie so häufig war auch dieser Monat eine Mischung aus schönen und weniger schönen Tagen und Fakten, wie üblich. Nur kann ich zurzeit – 1. August 2022 – noch nicht genau sagen, wie sich das in dem kommenden Monat weiterentwickelt.

Das liegt an verschiedenen Faktoren. Faktor 1 ist die Tatsache, dass meine Technik mal wieder spinnt. Erstens hat mein statio­närer PC so viele Schwierigkeiten gemacht, dass ich die Not­wendigkeit sah, ihn mal wieder gründlich durchchecken zu las­sen … allerdings hat nach Kenntnis aller Fakten der Bildschirm den Geist aufgegeben, und ich werde mir diese Woche einen neuen kaufen müssen. Danach wird, so Gott und die Technik es wollen, es mir wieder möglich sein, an den OSM-Digitalisaten zu arbeiten und die inzwischen schon fertig gestellten endlich wie­der gescheit zu sichern … da ich das nicht zeitig auf die Reihe bekam, konnte ich am noch funktionierenden Laptop diese Ar­beiten nicht ausführen.

Na ja, ich gestehe, ich reiße mich auch nicht gerade darum, auf dieser deutlich kleineren Tastatur längere Texte zu schreiben. Al­lerdings hatte ich in einem Punkt gar keine andere Wahl.

Dies ist Faktor 2: Als ich im OSM durch die obige technische Panne gründlich ausgebremst worden bin, änderte das nichts an der Tatsache, dass mir munter weiter Szenen des Archipel-Ro­mans „Rhondas Aufstieg“ durch den Kopf wuselten und mich wirksam von allen möglichen anderen Aktivitäten abhielten (etwa Lesen). Da ich glücklicherweise gerade die aktuelle Fas­sung der Romanseiten auf dem Laptop formatiert hatte, konnte ich dort tatsächlich nahtlos weiterschreiben und tat das dann auch … mit der Konsequenz, dass ich am letzten Tag des Mo­nats einen weiteren schönen Meilenstein erreichte … ich schrei­be weiter unten Näheres dazu.

Faktor 3, der den Monat August ziemlich unberechenbar ma­chen wird, ist mein Autoren-Nachlassarchiv-Projekt, das ich vor Monaten angestoßen habe. Aktuell ist das noch nicht passiert, aber ich habe vor, darüber im Blog Näheres zu schreiben. Wenn ich diesen Plan umsetze, seid ihr dann schon seit Blogartikel 491 im Bilde. Momentan ist das noch Zukunftsmusik (ihr kennt diese seltsamen Momente, mir sind sie seit Jahrzehnten aus der OSM-Schreibpraxis vertraut, wo ich über Konsequenzen von Handlungen schreibe, ehe ich die Ursachen schließlich ver­schriftliche).

Aus Faktor 3 wird notwendig abgeleitet werden ab dem 17. Au­gust, dass ich ein Coaching beginne, das sich wesentlich mit dem Autoren-Nachlassarchiv-Projekt befasst. Wohin mich dieser Pfad führen wird, ist noch unklar, aber ich hoffe sehr, er hat langfristig zur Folge, dass ich a) jeder Menge Autorinnen und Autoren helfen kann, ihre noch unveröffentlichten Werke für die Zukunft zu überliefern, b) dasselbe für meine eigenen Schriften tun kann und c) im optimistischsten Fall für mich eine eigene dauerhafte Arbeitsstelle schaffen kann.

Daumen drücken, Freunde!

Also, wie sah unter Einfluss dieser Faktoren und zum Teil wirk­lich erdrückender Hitzewellen in diesem Monat der kreative Out­put im Monat Juli 2022 aus? Lasst uns das mal näher ansehen:

Blogartikel 499: Work in Progress, Part 115

(Rhondas Aufstieg – Archipel-Roman)

(Archipel-Gesamtglossar)

13Neu 34: Die Schlangenfalle

(Christines Konversion – Erotic Empire-Story)

(13Neu 37: Das kopflose Skelett)

(OSM-Wiki)

(Heather – Erotik Empire-Story)

(Glossar des Romans „Rhondas Aufstieg“)

16Neu 25: Auf der falschen Seite

(16Neu 26: Stern der Toten)

(16Neu 27: Der schwarze Sektor)

(16Neu 28: Die Entführung)

(16Neu 29: Sprung in die Feuerhölle)

(16Neu 30: Auf den Spuren der Zyw-Grynoth)

(16Neu 31: DEATH-ZHONYA)

(13Neu 36: Ghoul-Fest)

(13Neu 35: Der Glusem-Clan)

(13Neu 38: Der schwarze Rubin)

Anmerkung: Allein daran, wie viele Episoden ich als Digitalisate hier begonnen hatte, teilweise textlich schon voll erfasst, viele nur teilerfasst, aber allesamt noch nicht fertig kommentiert, wird deutlich, dass ich nach dem Ausfall des Hauptrechners, in dem sie gespeichert sind, hier nicht weitermachen konnte. Sonst wären sicherlich einige Episoden bis Ende Juli vervollstän­digt worden. Nun ist dies ein Plan für den Monat August.

(Gabriela – Erotic Empire-Story)

(Lexikon der Serie „Oki Stanwer Horror“)

(Glossar der Serie „Oki Stanwer Horror“)

Anmerkung: Auch hierbei kam ich natürlich nicht vom Fleck, der Grund war derselbe wie oben auch … alles Texte, die in der ak­tuellsten Fassung im Hauptrechner gespeichert waren. Meine erste Amtshandlung, wenn er wieder einsatzbereit ist, wird dar­in bestehen, dass ich eine aktuelle Sicherungsspeicherung ma­che.

Und wie erwähnt kam ich beeindruckend weit im Roman „Rhondas Aufstieg“ voran. Seit ich mit der Arbeit an diesem Archipel-Roman vor 15 Jahren begann (ja, tatsächlich 2008, ich kann das selbst kaum glauben!), stagnierte er ja lange etwa auf Seite 280, bis ich dann in diesem Frühjahr den „Rappel“ bekam, weite Teile des Vorgängerromans „Rhondas Reifejahre“ las und die vorhandenen Seiten des aktuellen Romans korrigierte und neu ausdruckte.

Allein im Monat Juli 2022 habe ich 178 Reinskriptseiten daran geschrieben, sodass der Gesamtroman inzwischen eine Länge von 601 Textseiten besitzt. Mit Seite 571 habe ich allerdings den ersten von voraussichtlich sechs Teilabschnitten des Romans vollendet, wobei allein am letzten Tag des Monats 28 Seiten ge­schrieben und nicht weniger als 55 Reinskriptseiten ausge­druckt wurden. Das hat quasi den gesamten Tag in Anspruch genommen, aber es hat sich wirklich gelohnt.

Nun hat das Mädchen Rhonda eine wichtige neue Persönlichkeit Asmaar-Lens getroffen, die geheimnisvolle alte Frau namens Charita, die ich im Jahre 2010 schon im Roman „Antaganashs Abenteuer“ als Protagonistin auftauchen ließ. Damals zählte sie allerdings erst 22 Lenze, war jung, rank und schlank … und todunglücklich, weil sie von Antaganash geschwängert worden war.

Ihr Tröster in der Not war damals niemand Geringeres als Gun­hoor, Antaganashs bester Freund und zugleich Wächter von Su­rinya, die als Orakel der Neeli-Tochter Ansiina im Dorf Len lebte. Das Kind, das der Verbindung von Antaganash und Charita ent­sprang, habe ich gestern auch kennengelernt – eine wunder­schöne, sympathische Frau namens Tahnee, die Rhonda zu ihrer inzwischen hoch betagten Mutter brachte … ah, ich sage euch, es sind inzwischen so viele Bilder aufgetaucht, nach dem ich den ersten Teil von „Rhondas Aufstieg“ (er trägt den Titel „Verwerfungen“) vollendet habe, dafür gibt es keine adäquaten Worte.

Was nun folgt, steht unter dem Titel des Teils 2, der „Verräter­sommer“ lautet. Ich weiß von dieser sozialen Katastrophe seit vielen Jahren, aber nun geht es wirklich auf dramatische Weise „ans Eingemachte“. Interessant dabei ist, dass ich hiermit auch – so ist es wenigstens gedacht – ein wenig die Vorgeschichte des exilierten Barons Tharmis Kilrayn beschreiben kann.1 Und ich werde in der Lage sein, ebenso die Vorgeschichte der ver­sklavten Lady Amber, einer unterworfenen Adeligen von der In­sel Fandan.2

Ihr merkt schon, dass – ähnlich wie im Oki Stanwer Mythos – die Archipel-Geschichten ziemlich intensiv miteinander verflochten sind. Das wird möglich durch das ausführliche Glossar, das ich zu den Geschichten entwickelt habe … was natürlich gelegentli­che Handlungsfehler nicht ausschließt.

Tatsache ist aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt, dass der Schreibfokus momentan auf dem Archipel liegt und ich einfach rasend neugierig bin, wie es im zweiten Teil des Romans „Rhondas Aufstieg“ weitergehen wird. Tatsache ist jedenfalls, dass die Wolken des Unheils sich über der Archipel-Metropole zusammenballen und die Verschwörung immer mehr auf den Eskalationspunkt hin kulminiert.

Ich halte euch auf dem Laufenden, wie es dabei weitergeht. Hoffen wir, dass im Monat August die Technik wieder perfekt funktioniert und sich alles so entwickelt, wie ich hoffe.

Bis bald, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Über Tharmis Kilrayn – allerdings rund 10 Handlungsjahre später – schrieb ich erstmals im Roman „Christinas Schicksal“, 1999/2000.

2 Davon handelt das Fragment „Die goldene Verlockung“, 2012, die in gewisser Weise ihrerseits eine Weiterung des Fragments „Das Los der Lady Renata“, 2009, darstellt.

Liebe Freunde des OSM,

ihr kennt das sicherlich auch: Es gibt Bücher, die man aus ir­gendeinem Grund beim besten Willen nicht vergessen kann. Das müssen keine Bestseller sein oder Bücher, die unser Leben verändert haben, das können ganz unspektakuläre Werke sein, die die meisten Leute überhaupt nicht kennen. Für mich war solch ein Werk immer C. W. Cerams „Götter, Gräber und Gelehr­te“, das ist für mich unbestreitbar. Auch „Maia“ von Richard Adams fällt in diese Kategorie … und das Werk, das ich heute vorstelle, hat auch ziemlich gute Chancen darauf. Denn obwohl es inzwischen acht Jahre her ist, dass ich es las, aktiviert es un­abweislich meine Erinnerung.

Oliver Sacks, amerikanischer Arzt, der durch sein spektakuläres Buch zur Behandlung der Enzephalitis lethargica-Patienten schlagartig berühmt wurde („Awakenings – Zeit des Erwa­chens“) hat sich auch in diesem Buch mit faszinierenden bis verstörenden medizinischen Fallgeschichten befasst. Aber wie schon der Titel sagt, ist das nicht nur ein Werk, das sich ange­hende Ärzte zu Gemüte führen sollten. Es hat auch für den All­tagsleser bemerkenswerte Kenntnisse zum Inhalt. Hier liegen zwanzig neuropsychologische Fallstudien vor, die zum Teil so bi­zarr sind, als hätte sie sich ein neurotischer Schriftsteller ausge­dacht – und doch entstammen sie vollständig der Wirklichkeit.

Ich schlage vor, wir beginnen einfach mal mit der Achterbahn­fahrt. Schön festhalten:

Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte

(OT: The Man Who Mistook His Wife For A Hat)

von Oliver Sacks

rororo-Sachbuch 8780

Reinbek bei Hamburg 1987

Preis damals: 12.90 DM

Aus dem Amerikanischen von Dirk van Gunsteren

ISBN 3-499-18780-9

Wie oft gehen wir auf der Straße selbstvergessen dahin und nehmen nicht recht wahr, was um uns herum vorgeht? Zu oft, wird man meinen, wenn man dieses Buch ausgelesen hat. Denn manches von dem, was der Neurologe Dr. Oliver Sacks im Alltag entdeckt hat, mag auch ein aufmerksamer Beobachter in unse­ren Landen sehen, ganz egal, in welcher Stadt oder welchem Dorf er wohnt. Wenngleich zuzugeben ist, dass manche Anbli­cke ebenso selten wie unauslöschlich sind, solche etwa:

Was mir die Augen öffnete, war also nicht so sehr das Ergebnis meiner Untersuchung …, sondern das, was ich tags darauf auf der Straße sah. Und besonders eine Szene war so außerge­wöhnlich, daß ich mich heute noch so gut an sie erinnere, als hätte ich sie soeben erst gesehen.

Eine grauhaarige Frau in den Sechzigern erregte meine Auf­merksamkeit. Sie stand offenbar im Mittelpunkt eines höchst sonderbaren Auflaufs. Anfangs war mir nicht ganz klar, was da eigentlich vor sich ging und soviel Turbulenz hervorrief …

Als ich näher kam, sah ich, was da geschah. Sie imitierte die Passanten – wenn „Imitation“ hier nicht ein zu blasses, zu passi­ves Wort ist. Vielleicht sollte ich besser sagen, sie karikierte die Leute. Innerhalb einer Sekunde, einer Zehntelsekunde, hatte sie ihre hervorstechendsten Charakterzüge erfaßt und brachte die­se zum Ausdruck.

Ich habe zahllose Pantomimen und Parodisten, Clowns und Spaßmacher gesehen, aber keiner von ihnen rief jenes erschro­ckene Staunen hervor, das mich nun, angesichts dieser unmit­telbaren, automatischen und konvulsivischen Widerspiegelung sämtlicher Gesichter und Gestalten in ihrer Umgebung über­kam. Doch handelte es sich hier nicht lediglich um eine Imitati­on … Die Frau ahmte nicht nur die Mimik zahlloser Passanten nach, … sie übersteigerte sie ins Lächerliche. Jede Widerspiege­lung war auch eine Parodie, eine Verhöhnung … eine Übertrei­bung, die ihrerseits – infolge ihrer gewaltsam beschleunigten und verzerrten Bewegungen – ebenso krampfhaft wie beabsich­tigt wirkte …

In der Zeit, die diese verwirrte alte Frau benötigte, um an einem kurzen Häuserblock entlangzugehen, karikierte sie wie beses­sen vierzig oder fünfzig Passanten. Es war wie ein Trommelfeuer kaleidoskopischer Imitationen. Sie währten jeweils nur ein oder zwei Sekunden, manche nur winzige Momente, und die ganze verwirrende Szene spielte sich in knapp zwei Minuten ab …“

Phantastischer Einfall? Einbildung? Realität, meine lieben Leser. Nichts als ein simpler Einblick in einen Abgrund der Alltäglich­keit, von dem die meisten Menschen nicht einmal eine Ahnung haben.

Dr. Oliver Sacks ist, wie schon erwähnt, Neurologe, und seine Domäne ist die des Geistes. Er beschäftigt sich mit dem menschlichen Gehirn und dem, was es mit dem dazugehörigen Körper anzurichten versteht, wenn es nicht mehr so funktio­niert, wie es sein soll. Viele der Fallgeschichten, die Sacks in diesem Buch erzählt, sind ebenso erschreckend wie auf morbide Weise faszinierend. Doch verfolgt er mit seinem Buch nicht nur das Ziel, irgendwelche „Travestien“ aufs Podest zu heben und die Bevölkerung zu belustigen. Er appelliert nicht an niedere In­stinkte, sondern verfolgt einen anderen Zweck.

Seiner Ansicht nach ist es an der Zeit, eine neue Form der Neu­rologie und Psychiatrie mehr Geltung zu verschaffen. Die traditionelle Psychologie und Neurologie, erklärt er, setzt auf ein eher mechanisches Modell des menschlichen Geistes. Etwa so, als wäre ein Gehirn eine Maschine, die man mit geeigneten Er­satzteilen oder aber dem Entfernen überschüssigen Materials wieder „funktionsfähig“ machen könne. Wobei er mit Ersatztei­len im Wesentlichen Therapien, Operationen und Medikamente meint.

Was dabei zu kurz komme, seien ganzheitliche Ansichten des Gehirns und des Verhaltens. Vieles werde dabei gar nicht richtig betrachtet und künstlich in gewisse Schemata gepresst. So gilt es beispielsweise als höchst bedauernswert, wenn ein Patient die Fähigkeit verliert, logisch und rational zu denken und gewis­sermaßen auf die reine Gefühlsebene zurückgeworfen wird. Was aber geschieht, wenn jemand das GEGENTEIL erlebt und völlig in den Bereich der Abstraktion geschleudert wird – wie in der Ti­telgeschichte vom Leser fröstelnd nacherlebt werden kann – , das findet nicht nur keine Beachtung, sondern es wird nicht ein­mal für möglich gehalten. Wer in diesem Fall eine gewisse Paral­lele zwischen dem Professor und Musiker Dr. P. und Sacks´ Buch über die L-DOPA-Patienten in „Mount Carmel“ ziehen möchte, kann das tun.1 Es handelt sich um einen sehr ähnlich gelagerten Fall.

Sacks versucht nun, in diesen Fallgeschichten, die er plausibel in vier Abschnitte eingeteilt hat, die Grenzen der traditionellen Neurologie zu sprengen und zu zeigen, was ihr bislang mehr oder weniger entgeht. Und was den übliche Neurologen ent­geht, weil sie nicht auf die rechte Weise ihre Patienten betrach­ten, das können sie natürlich auch nicht angemessen behandeln (dafür bringt er dann leider auch einige sehr drastische Beispie­le. Mir taten die Leute hinterher außerordentlich leid).

Teil 1 mit der Überschrift „Ausfälle“ betrachtet eine Reihe von Personen, in denen höhere Hirnfunktionen, teils durch Unfälle, teils durch Krankheiten oder genetische Veranlagung, teils durch Alter, verlorengingen und auf bisweilen skurrile, monströ­se Weise verändert wurden.

Dr. P. in der Titelgeschichte verliert die Fähigkeit, seine Men­schen um sich herum als Menschen wahrzunehmen, ja, alles so wahrzunehmen, wie es eigentlich ist. Er betrachtet alles als ma­thematische Abstraktionen, was dazu führen kann, dass er selbst Alltagsgegenstände wie Handschuhe nicht mehr als das erkennt, was sie sind.

Jimmie G. hat einen Teil seines Gedächtnisses verloren. Das wäre nicht dramatisch, wenn dieser Teil nicht Jahrzehnte umfas­sen würde. Bis zum Jahre 1945 ist er absolut sattelfest. Aber sein Leben endet im Jahre 1945, wiewohl er in der Gegenwart lebt. Alles, was er nicht mit 1945 in Einklang bringen kann, ruft in ihm absolute Panikanfälle hervor.

Christina verliert die unbewusste Fähigkeit, ihren Körper wahr­zunehmen, und dieser Verlust kündigt sich in einem entsetzli­chen Traum vorher an. Von da an ist sie gezwungen, mühsam zu lernen, jeden Körperteil bewusst zu steuern und anzusehen. Tut sie es nicht, weicht jedes Gefühl daraus, und sie stürzt zu Bo­den. Man mag diese Geschichte kaum glauben, aber sie ist ab­solut wahr …

Teil 2 trägt den Titel „Überschüsse“, und was in Teil 1 nicht vor­handen war oder erkennbar fehlte, ist hier nun im Übermaß existent, etwa bei „Witty Ticky Ray“, einem Mann, der an einer extremen Form des Tourette-Syndroms leidet. Obgleich er unter einer Vielzahl bizarrer Tics und Marotten leidet, gelingt es ihm, diese Bewegungsanomalien in sein Leben einzubauen. Was pas­siert, als Oliver Sacks ihm L-DOPA verabreicht, muss man selbst lesen.

Wenn eine Frau von 88 Jahren auf einmal anfängt, mit jedem Mann zu flirten, unglaublich und permanent heiter und munter zu sein, ganz erstaunlich beschwingt, dann gibt es eigentlich kaum einen Grund, das beunruhigend zu finden – seltsam viel­leicht, ja. Aber beunruhigend? Nun, es handelt sich doch um eine neurologische Besonderheit, wie Oliver Sacks herausfindet, als er die zu diesem Zeitpunkt 90jährige Madeleine K. behan­delt. Sie fühlt sich permanent so, als habe sie Frühlingsgefühle, und in der Tat ist ihr – im Gegensatz zu ihrem Arzt – schnell klar, woran das liegt:

Du bist krank, meine Liebe, sagte ich mir. Du mußt einfach krank sein.“

Krank, sagen Sie? Gemütskrank? Geisteskrank?“

Nein, nicht gemütskrank – körperlich krank. Es war irgend et­was in meinem Körper, in meinem Kopf, das mich so be­schwingt machte. Und dann dachte ich: Verdammt, das ist Amors Pfeil.“

Amors Pfeil?“

Ja, Amors Pfeil: Syphilis …“

Den Rest der Geschichte sollte der geneigte Leser selbst lesen, es ist jedenfalls unglaublich. Und wer einen vorschnellen Schluss wagt, sei ausdrücklich darauf hingewiesen, dass er sich mit fast hundertprozentiger Sicherheit täuscht.

Und wie steht es dann mit jenen Leuten wie William Thompson, die mehrere Leben zugleich leben, eigentlich alle, wenn man genau ist – weil sie völlig außerstande sind, die Person, die mit ihnen spricht, zu identifizieren und sie in ihrer Erinnerung nach Leuten suchen, die sie kennen und sie zwanghaft mit ihrem Ge­sprächspartner assoziieren (auf diese Weise „identifiziert“ Thompson Dr. Sacks nacheinander mit einem Kunden seines Feinkostgeschäfts, einem jüdischen Metzger, seinem Hausarzt, jemandem von der Tankstelle und engen Freunden … um da­nach wieder von vorne anzufangen)? Thompson ist ein soge­nannter Korsakow-Patient, benannt nach einem russischen Arzt, der diese Art von Persönlichkeitsstörung als erstes diagnosti­zierte.

Und schließlich gibt es noch jene Leute wie die eingangs zitierte arme Frau, die völlig vom chaotischen Wirbel zwanghaften Nachahmens gefangen wird, ohne die Fähigkeit zu bekommen, eine eigene Persönlichkeit zu entwickeln. Sacks nennt solche Unglücklichen zutreffend „die Besessenen“.

Aber was geschieht dann in Teil 3, den er mit „Reisen“ über­schrieben hat? Etwas noch viel Seltsameres. Die ersten beiden Teile kann man ja noch halbwegs akzeptieren, selbst wenn die Verwirrung und Beklommenheit hier schon oft an die Grenzen des Erträglichen stößt (weswegen es sich empfiehlt, maximal zwei der Fallgeschichten am Tag zu lesen. Ich selbst hielt nicht mehr aus).

Als die Rentnerin Mrs. O’C. im Januar 1979 lebhaft von ihrer Kindheit in Irland träumte, dachte sie wirklich an nichts Böses. Sie konnte sogar lebhaft Musik hören, zu der sie damals getanzt hatte. Ein wunderbarer Traum. Er hörte nur nicht auf, als sie aufwachte. Sie konnte die Musik noch immer hören, immer und immer wieder, manchmal so intensiv, dass sie nichts um sich herum mehr verstehen konnte. Aber nur sie war imstande, die Musik zu hören.

Was war geschehen? Sie hatte im Schlaf einen mikroskopischen Schlaganfall gehabt, hervorgerufen durch ein Blutgerinnsel im Gehirn, und jenes Gerinnsel stimulierte nun jene Region ihres Gehirns, in dem sich musikalische Informationen der tiefen Ver­gangenheit befanden …

Ähnlich gelagert war der Fall der neunzehnjährigen Inderin Bha­gawhandi P., die mit 7 Jahren einst an einem Gehirntumor er­krankte, damals aber durch eine Operation halbwegs genesen konnte. Im Alter von 18 Jahren kehrte er zurück, diesmal bösar­tig und so ausgeprägt, daß er nicht mehr entfernt werden konn­te. Er führte zu Schwäche- und Taubheitsgefühlen in der linken Körperhälfte … und zu „anderen Beschwerden“, wie es hieß. Diese „anderen Beschwerden“ waren absonderlicher Natur. Denn die junge Patientin schien keineswegs unter Schmerzen zu leiden, sondern sie wirkte stets seltsam verträumt. Sie hatte „Vi­sionen“. Anfangs noch vage, aber das änderte sich:

Bald nahm diese vage Verträumtheit einen enger umrissenen, konkreteren und visionäreren Charakter an. Bhagawhandi hatte jetzt Visionen von Indien – sie sah Landschaften, Dörfer, Häuser und Gärten – , die sie sofort als Orte erkannte, wo sie als Kind gewesen war und die ihr viel bedeuteten.

Belasten diese Visionen Sie?‘, fragten wir sie. ‚Wir könnten Ih­nen andere Medikamente geben.‘

Nein‘, antwortete sie friedlich lächelnd, ‚ich mag diese Träume – sie führen mich in meine Heimat zurück …‘“

Und am Ende geschah das im wortwörtlichen Sinne.

Über die Fallgeschichten mit der „Hundenase“, dem „Mord“ und über die Träume der heiligen Hildegard von Bingen lasse ich mich hier nicht aus, aber es sei angedeutet, dass in diesen Kapi­teln dem Schicksal von Epileptikern eine intensive und durchaus positive Bedeutung beigelegt wird, die der Normalsterbliche kaum begreifen kann. Insbesondere ist die Rede von den eksta­tischen Glücksgefühlen, die einem solchen epileptischen Anfall unmittelbar vorausgehen.

Der letzte Abschnitt des Buches, „Die Welt der Einfältigen“, ist ein eindringliches Plädoyer für geistig behinderte Menschen, de­nen man im Alltag oft – und in der Nazizeit ganz offen – die Le­bensqualität und gelegentlich das Lebensrecht absprach. Oliver Sacks sieht hier tiefer als die meisten, und er entdeckt die son­derbare Lebensmelodie der Retardierten ebenso wie ihre manchmal fast monströs einseitigen Begabungen.

Ob es die Geschichten liebende Rebecca ist, die begnadete Theaterschauspielerin wird, ob es sich um den Parkinson-Ge­schädigten Martin A. handelt, der im Alter von 61 Jahren in ein Altenheim kommt und Trost im Gottesdienst und in der vollstän­digen Kenntnis von „über 2000 Opern“ findet, die er auswendig kennt (von einem ganzen Musiklexikon mit über 6000 Seiten, das er sich in seiner Kindheit vollständig „gemerkt“, sozusagen gedanklich fotografiert hatte, mal ganz zu schweigen!), oder ob es um die mathematischen Zwillinge und ihre unvorstellbare Zahlenwelt geht – in all diesen Geschichten kommt das Einzig­artige auf der einen Seite und das zugleich Beschränkte, Enge ihres Horizonts zum Vorschein.

In der Tat ist die Welt der Einfältigen nicht nur ein schaler Ab­glanz unserer Wahrnehmung, sondern auf ihre Weise ausgestat­tet mit einer ganz eigenen Faszination, die eine innere vollwerti­ge Welt darzustellen imstande ist. Sie erscheint uns nur deswe­gen oftmals so unvollkommen, weil wir nur die Defizite der Re­tardierten wahrzunehmen pflegen, weil sie nicht wie wir sind. Und weil wir uns gleichzeitig meist außerstande sehen, uns auf ihre Sicht der Dinge einzustellen, etwa die überschäumende, in­tensiv emotionale Seite ihres Lebens.

Auf diese Weise zeigt uns Oliver Sacks einmal mehr Facetten unserer Wirklichkeit, die wir aus eigenem Antrieb kaum jemals sehen oder auch nur wahrnehmen würden. Sein Wissen über diese Menschen ist beinahe enzyklopädisch zu nennen, seine Sprache (respektive die Übersetzung), die schon in „Awake­nings“ das Lesen zu einem Vergnügen machte, ist bilderreich, manchmal geradezu üppig, aber meines Erachtens nicht über­trieben. Dort, wo normale medizinische Fallgeschichten in ei­nem trockenen Fachjargon ersticken, bedient sich Sacks der Wortwahl der Lyrik, der Prosa und der Klassiker, um die Emotio­nen sichtbar zu machen, die ihn selbst umgetrieben haben, um Mitgefühl und Verständnis für seine Patienten zu wecken, die durchaus nicht ausschließlich bedauernswert sind. Manche die­ser Menschen finden beeindruckende Mittel und Wege, sich mit ihrer Krankheit zu arrangieren oder sie sogar als konstitutiven Teil ihres Lebens zu begreifen – sofern sie überhaupt verstehen können, dass ihnen etwas „fehlt“ oder sie von irgendetwas „zu viel“ besitzen.

Der Leser lernt bei der Lektüre eine Menge über die heimliche Magie des Alltags und die ungeheuerliche Macht von Genen, Schicksal und, leider, auch medizinischer Fehleinschätzungen. Die Psyche des Menschen ist tiefer und vielfältiger, als wir uns das oftmals ausmalen, und der schmale Grat zwischen Normali­tät und Abnormität ist noch viel schärfer und spitzer, als ich es mir beispielsweise jemals ausgemalt habe. Wir alle sind gleich­sam Seiltänzer des Schicksals, doch die wenigsten machen sich das jemals klar.

Dieses Buch kann uns zeigen, was geschieht, wenn uns das Glück verlässt. Und manche dieser Schicksale können jedem von uns passieren …

© 2005 by Uwe Lammers

Viele Worte? Fürwahr, aber ihr merkt, ich war mit dem Herzen dabei, diese Rezension damals zu schreiben … das Buch ist wirklich große Klasse und höchst empfehlenswert.

Nächste Woche wird es wirklich wieder ruhiger, ich verspreche es. Dann geht es um Lauren Rowes Finale im „Club“-Zyklus.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

1 Vgl. Oliver Sacks: „Awakenings – Zeit des Erwachens“, Reinbek bei Hamburg 1991.

Liebe Freunde des OSM,

heute komme ich mal, ganz entsprechend meinem Programm, in dieser sich nur langsam füllenden Artikelreihe, zu der dritten kreativen Denksphäre, um die ich mich hier kümmern möchte und von der ich bislang eher kursorisch in meinen Blogartikeln sprach. Das hatte so seine Gründe, die rasch offenbar werden dürften.

Die Rede ist in diesem dritten Langzeitprojekt-Artikel nach den Abstechern in den tropischen Archipel und in den Oki Stanwer Mythos vom so genannten „Erotic Empire“. Und nein, um das gleich mal vorwegzunehmen, natürlich nennt das in diesem Par­alleluniversum niemand so, sondern es handelt sich um ein Au­torenlabel, das ich als vermittelnden „Kitt“ diesen Werken auf­geklebt habe. Vermittelnde Instanz aller dieser Geschichten sind erotische Schicksale, zumeist von Frauen, und das ist vermut­lich auch der zentrale Grund, warum bislang noch keine dieser Geschichten fertig gestellt worden ist.

Der Handlungshintergrund der „Erotic Empire“-Geschichten ist ein menschliches Sternenreich, das durch Überlichtantrieb-Schiffe zusammengehalten wird, aber im Wesentlichen weiter­hin nach den marktökonomischen Strukturen des fortgeschritte­nen Kapitalismus funktioniert.

Im Wesentlichen? Nun ja, es gibt … Ausnahmen, sagen wir das mal vorsichtig. Ihr werdet beizeiten mehrere Ausprägungen davon mitbekommen, wenn die Artikelreihe sich vermehrt. Nach aktueller Planung wird jede dritte Langzeitprojektstudie sich um ein Werk drehen, das im „Erotic Empire“ spielt. Heute besuchen wir mal eine vom Kapitalismus ziemlich gründlich abgehängte Welt namens Voskinnen.

Voskinnen ist ein prinzipiell erdähnlicher Planet, der als einer der ersten terraformen Welten im Jahr 2048 vom kanadischen Raumadmiral Matthew Voskinnen entdeckt wird. Atembare At­mosphäre, reichlich Wasser … auf den flüchtigen ersten Blick sieht Voskinnen also gut aus. Wenn der Planet nicht gerade eine Eiszeit durchmachen würde, großflächig vergletschert ist und die Temperaturen nicht selten auf minus 40 Grad abfallen. Noch schlimmer ist, dass eigentlich nur Bäume, Tundren und riesige Tierherden der so genannten Churrit diese Welt auszeichnen, eine seltsame endemische Analogie zu den ausgestorbenen irdi­schen Mammuts.

Eine Kolonialwelt, von der man nur Tierfelle und Holz exportie­ren kann? Für den General eine arge Enttäuschung (der Name der Welt wird auch erst 14 Jahre nach seinem Tod vergeben, si­cherlich gegen seinen Willen!). Kurzum: Voskinnen gilt als der A… der Welt, zwar leicht erreichbar, ökonomisch aber wertlos. Und wer will sich hier schon ansiedeln?

Nun, letztere Frage klärt sich zur allgemeinen Überraschung schnell: da der Nordpol auf der Erde aufgrund des menschge­machten Klimawandels abgeschmolzen ist und die Siedlungsge­biete der Inuit unbewohnbar wurde, siedelt die Erdregierung die einstigen Polarbewohner hier an, die generell als relativ genüg­sam und an derart derbes Klima gewohnt charakterisiert wer­den.

So verstreichen gut 200 Jahre, in denen der Planet von der Au­ßenwelt weitgehend vergessen wird. Eine einzige überkuppelte Stadt namens Port Ice kann geschaffen werden, die Inuit, die sich inzwischen den neuen Volksnamen Birrit gegeben haben, koppeln sich völlig ab und kehren zur nomadischen Lebenswei­se zurück.

Das ist der Stand der Dinge, als im Jahre 2272 die junge kanadi­sche Ethnologiestudentin Saskia Tanamaris für voraussichtlich ein halbes Jahr nach Voskinnen kommt, um hier für ihre Ab­schlussarbeit ausgerechnet die Nomadenkultur der Birrit zu un­tersuchen. Sie ist eine temperamentvolle, kluge Blondine und lässt sich von den abweisenden Statements der verbitterten Be­wohner von Port Ice nicht abschrecken. Die finden, die „stinken­den Birrit“ seien es überhaupt nicht wert, näher untersucht zu werden, und nach Port Ice kämen sie ohnehin nie. Wenn man sie finden wolle, gäbe es nur einen einzigen Weg: Hinaus in die Eistundra von Voskinnen, wo jeder Fehler den Tod bedeuten kann. Sie müsse, wird Saskia klargemacht, den Churritherden hinterherziehen wie die Nomaden, wenn sie solche Gruppen ausfindig machen wolle. Und natürlich bräuchte sie dafür Scouts, die sie dorthin brächten.

Obwohl der religiös versponnene Joshua Elam ihr eindringlich, fast weinend ins Gewissen redet, sie möge dies nicht tun. Wie drückt er sich doch konkret aus?

So: „Kind … ich möchte dir wahrhaftig keine Angst bereiten, aber diese Welt dort draußen ist ein grausamer Ort voller Ungeheuer und ketzerischer Heiden mit verdorbenen Sitten und Gebräuchen, eine Welt voller Schmutz und ohne Priester, die den verstreuten Kindern des Heilands den Weg zum Eisigen Berg Horeb bahnen können. Sie leben allein den Weg des Flei­sches, und sie verschlingen gern das zarte Filet keuscher Jungfrauen …“

Verwundert es, dass Saskia Tanamaris das, vorsichtig gespro­chen, für wirres Zeug eines spinnerten Eremiten hält? Sie kann sich nicht vorstellen, dass die Birrit Zuflucht zum Kannibalismus nehmen würden, das klingt nun wirklich völlig weltfremd.

Tja, sie hätte ein wenig genauer auf Elams Worte hören sollen, denn sie sind durchaus nicht vollkommen abwegig, leider. Aber das, was sie erlebt, ist weit jenseits von Saskias kultureller Denksphäre, vollkommen davon entfernt (auch wenn Kanniba­lismus da wirklich keinen Platz hat – die Zumutungen sind ganz anderer Art, und sie erlebt sie buchstäblich hautnah).

Nun, wie dem auch sei – Elam nimmt sie und die Scouts Alan Duvalier und Jason Palmer mit hinaus aus Port Ice, aber es wird rasch klar, dass sie mit dem Eisschweber nicht zu den Nomaden gelangen kön­nen: Die Scouts zeigen ihr, dass die mammutgleichen Churrit, die mit ihren erstaunlich langen Beinen auf den Schneefeldern des Planeten zu atemberaubenden Sprints imstande sind, vor dem Gleiter geradewegs die Flucht ergreifen.

Das habe mit Emissionen der Antriebe zu tun, erfährt sie – auch frühe motorisierte Jäger hätten das feststellen müssen. Man müsse sich den Churritherden und damit auch den sie beglei­tenden Nomaden des Birrit-Stammes also mit dem traditionel­len Fortbewegungsmittel nähern: Mit Skiern und einem Proviant­schlitten. So setzen die drei dann ihre Reise in die majestäti­sche, wildromantische Wildnis dann auch fort, und damit landen wir dann in einem beinahe Alaska-typischen Setting der Um­weltbedingungen. Alaska VOR dem Klimawandel, versteht sich.

Die nächste Zumutung wartet alsbald auf sie: Als sie unter ei­nem Odinbaum vor einem Schneesturm Zuflucht suchen und zu schlafen suchen, rollt Saskia ihre Thermoschlafsackkombi aus, die beiden Scouts dagegen …

„Was ist DAS denn? Ein Bettvorleger?“, lachte die Forscherin, als sie mit dem Essen fertig waren und Jason direkt im Anschluss aus einem luftdich­ten Kunststoffsack etwas herausholte, das wirklich reichlich abenteuerlich wirkte. Und stark nach Moschus oder etwas Verwandtem roch, um nicht zu sagen: stank.

Die beide Scouts lachten über ihre Unwissenheit.

„Nein, das ist ein ganz besonderes Souvenir von einer befreundeten No­madensippe“, erklärte Jason lächelnd. Er rollte das Etwas lang aus, und es entpuppte sich als … als …

Saskias Gelächter erstarb jäh. Sie riss ungläubig die Augen auf. „Also, das ist jetzt aber nicht das, was ich denke, oder?“

„Ich glaube schon. Mein Schlafsack.“

„Ein Schlafsack aus … aus Churrit-Fell?“ Sie ließ von ihrem eigenen sil­bernen Thermoschlafsack ab und rutschte neugierig herüber. Der Geruch des braunen Fells war unbestreitbar streng, doch auf eigenartige Weise … anziehend. Verunsichert strich Saskia über den Schlafsack, an dem sie keine Nähte sehen konnte. Die waren vermutlich innen, so dass dieser Schlafsack möglichst dicht abschloss. Zweifellos hatten ihn geschickte No­madinnen genäht.

Ganz seidiges Fell, viel weicher, als das borstige Äußere scheinen ließ. Und das Leder darunter wirkte sehr biegsam, durchaus nicht zäh oder spröde. Gut behandelt, nahm Saskia an.

Auch wenn die Churrit selbst nur mittelbar ihr Forschungsobjekt darstell­ten, gab es bestimmt nichts Sinnvolleres als ein Churrit-Fell oder meinet­wegen auch einen Schlafsack aus diesem Fell, der zum „Erstkontakt“ taug­te. An einen lebenden Churrit, und wenn es ein Jungtier sein mochte, wür­de sich die Terranerin nie im Leben herantrauen! Diese Tiere mussten sie ja nur ANSCHAUEN, um sie vor Angst umzuwerfen!

„Aber ganz sicher. Das Beste gegen die Kälte, was es überhaupt nur gibt auf Voskinnen“, versicherte er Jason auf ihre ungläubige Frage hin. „Jeder Bewohner von Port Ice würde uns drum beneiden. Was meinst du, warum ich meinen Schlafsack so gut eingepackt habe?“

„Er riecht ziemlich stark.“

Die Männer lachten wieder. Aber offenbar waren sie der Ansicht, Saskia hätte den Kern des Problems getroffen. Nun, vermutlich war der Geruch nach Churrit in Port Ice in der Tat wohlbekannt.

„Du hättest ihn waschen sollen“, fügte die Forscherin an Jasons Adresse hinzu. „Er müffelt, weißt du?“

Beide Scouts lachten erneut. „Saskia, das ist eine der wichtigen Regeln, die du immer beherzigen solltest … Churrit-Sachen WERDEN nicht gewa­schen. Waschmittel zerstören den Zauber.“

Das brachte sie nun tatsächlich zum Lachen. Churrit-Fell und Zauber! Also wirklich!

Joshua Elam behauptete, die Nomaden würden arglose Kolonistinnen verspeisen, da sie ja so gottlose Heiden seien, und die sonst felsenfest auf dem Boden der Tatsachen stehenden Scouts, denen sie sich anvertraut hatte, glaubten allen Ernstes an Märchen! An stinkende Märchen noch dazu! Das war ja wohl wirklich kaum zu fassen!

„Na, also, ich verlasse mich dann lieber auf den Zauber der modernen Technik“, sagte Saskia breit grinsend. Sie schüttelte vergnügt den Kopf über soviel Aberglauben. „Zittert ruhig, meine Lieben. Ich glaube, ich wer­de besser und wärmer schlafen als ihr.“

Zu ihrer Bestürzung muss Saskia jedoch schnell ein paar aben­teuerliche Dinge registrieren. Dazu zählt, dass ihre eigene Ther­mowäsche nächtens nahezu nutzlos ist, während die Scouts wie die Steine schlafen können. Als sie in der nächsten Nacht skep­tisch bei einem der Scouts in den intensiv riechenden Schlaf­sack schlüpft, macht sie eine völlig konsternierende Entde­ckung:

Es ist tatsächlich warm darinnen, so heiß sogar und bizarr an­turnend, dass sie sich binnen kürzester Zeit sexuell mit dem ei­nen Scout vergnügt und ein geradezu irres, ekstatisches Luster­lebnis spürt. Der „Zauber“ der Churritfelle ist offensichtlich alles andere als ein Mythos, auch wenn sie das naturwissenschaftlich nicht verstehen kann. Und es gibt Konsequenzen …

Drinnen roch alles überwältigend nach diesem Moschusaroma der Chur­ritfelle, und Saskia musste begreifen, als sie erst einmal ein paar Minuten unter dem Schutz des Odinbaumes gewandert war, dass ihrer eigenen Haut das Aroma ebenfalls anhaftete. Nun, kein Wunder, sie hatte sich schließlich mit der blanken, schweißfeuchten Haut von innen an diesem Leder gerieben … kein Wunder, dass dieses Aroma auf sie übergesprungen war.

Und es machte geil.

Ja, das war völlig unbestreitbar.

‚Es ist das Aroma‘, ahnte sie, freilich ungläubig. ‚Der Geruch macht mich scharf! Ich glaube das nicht!‘

Saskia hatte noch nie etwas von solchen Substanzen gehört, die derar­tig sexuell aufstachelnd waren. Gewiss, man erzählte sich die unglaub­lichsten Geschichten von Ambra, einem Stoff, der, wenn sie sich recht ent­sann, aus irgendeiner Drüse der Moschusochsen gewonnen wurde, und auch gewisse Sekrete der Zibetkatzen sollten aphrodisisch wirken … aber das hier war doch nun wirklich absurd.

‚Dieses Tier ist seit langem tot‘, erinnerte sich Saskia Tanamaris hartnä­ckig. ‚Es gibt keine Duftstoffe mehr ab. Also ist das, was ich mir hier zu­sammenphantasiere, völlig abstrus.‘

Aber der Gedanke war hartnäckig.

Und der Geruch haftete mangels einer Möglichkeit, sich zu waschen, weiterhin energisch an Saskias Haut. Dagegen ließ sich einfach nichts ma­chen. Nach ein paar weiteren Tagen, fürchtete sie, würde sie stinken wie diese Churrit-Schlafsäcke. Viel besser würde es wohl kaum sein …

Eigentümlicherweise sinkt Saskias Erregungsschwelle immer mehr ab, und ihr Körper reagiert auch in der Folgezeit ganz un­erwartet heftig mit wildem sexuellem Begehren auf dieses Aro­ma, mit der Konsequenz, dass sie bald jede Nacht der Reise mit einem der beiden Scouts schläft. Sie befindet sich zu ihrer nicht geringen Verwirrung in einer Stimmung der atemberaubenden Dauergeilheit. Doch das ist alles erst der Anfang der Überra­schungen.

Dann gelangen sie endlich zu einer Nomadengruppe:

Am dritten Tag nach dem Erspähen der Nomadenfährte erreichten die drei Skifahrer endlich, reichlich erschöpft, das Nomadenlager, das sie so lange gesucht hatten.

Es befand sich in einem weitläufigen Tal mit mehreren Ausgängen. Die verschneiten Hänge der umliegenden sanften Hügel waren nicht sehr steil oder hoch, so dass keinerlei Lawinengefahr bestand. Drei Dutzend kleine Zelte aus braunem Churritfell umringten einen Platz, auf dem offenbar nun gerade ein großes Rundzelt aufgebaut wurde – das Versammlungszelt, wie Saskia aus ihren Studien wusste.

In diesem Zelt – so hieß es in den wenigen Berichten, die über das No­madenleben überliefert waren – wurden die Mahlzeiten eingenommen, hier palaverten die Männer und fällten die Entscheidungen der Sippe, hier fand eigentlich im wesentlichen das ganze Gesellschaftsleben statt. Die kleine­ren Zelte waren, so hieß es jedenfalls, nur zum Schlafen da und reichten kaum für zwei Personen. Familienzelte gab es keine, und das gab ihr den ersten Hinweis, was für eine Art von Nomadengruppe sie hier vor sich hat­ten.

Die Churrit-Herde gab Saskia den zweiten.

Sie umfasste nach einer flüchtigen Zählung vom Höhenrücken aus fast hundertfünfzig Tiere und war damit recht klein. Die schnaubenden Fellrie­sen, die nun aus relativer Nähe wie eine Kreuzung zwischen Moschusoch­sen und kleinen Mammuten wirkten – allerdings, wohlverstanden, ohne Hörner – befanden sich nicht in einem Pferch oder so, sondern sie scharten sich auf seltsame Weise um die kleinen Zelte. Komisch …

Irgendwie hatte Saskia erwartet, dass sie sich gleich über die freigeweh­ten Grasflecke im Tal hermachen würden. Denn sie hatten doch bestimmt Hunger, oder? Dennoch … das geschah nicht.

„Oh, das ist eine Jägergruppe!“, erkannte Saskia, als sie langsam den Aussichtshügel auf ihren Skiern herabkamen und dabei aufpassen muss­ten, dass ihr Leichtmetallschlitten sie nicht überholte. Jason und Alan wa­ren dieses Problem offenbar gewohnt – sie hatten vor dem Abstieg zwei zusätzliche Taue verankert und Saskia aus dem Geschirr ausgekoppelt. So ließ sich der Schlitten besser dirigieren.

Inzwischen war es so warm geworden, dass sie auf den Atemschutz ver­zichten konnte und zeitweise sogar ihre Schneebrille auf die Stirn hochge­schoben hatte. Jetzt war sie wieder heruntergezogen, weil der Fahrtwind doch schneidend war, während sie den Hang hinabfuhren. Am Fuß des Hü­gels schwand der Wind aber, und Saskia brach wieder der Schweiß aus. Schnaufend streifte sie die ganze Gesichtsmaske hoch und genoss die Käl­te der frischen Luft.

„Sie haben Churrit für die Verstärkung ihrer Herden eingefangen und führen sie nach Süden … deshalb sind sie nur so wenige“, fügte die For­scherin nun ihren Worten hinzu, als von den Männern niemand auf die Be­merkung einging.

Dumm für Saskia, denn eigentlich ist ihr der Gruppenverband zu klein. Aber die Scouts machen deutlich, dass diese Noma­dengruppe genommen werden muss, keine andere, es gebe hier keine Wahlmöglichkeit, die nächsten Gruppen können Wo­chen entfernt sein, und dafür reichen die Proviantvorräte nicht aus. Und die Forscherin muss bald erkennen, dass die Gruppen­größe oder der unpassende soziologische Zuschnitt – keine Kin­der beispielsweise bei der Gruppe – gar nicht das Problem ist, dem sie sich zu stellen hat.

Sie sind jedenfalls sehr willkommen, und gerade Saskia wird nachgerade frenetisch begrüßt …

Natürlich, DASS sie willkommen war und die Nomaden sich gefreut hat­ten, das hatte sie schon begriffen, aber mehr auch nicht. Manchmal waren Jasons Kommentare echt nicht hilfreich. So ein Hammel! Warum sagte er nicht etwas, was sie noch NICHT wusste? „Aber ich verstehe das gar nicht … ich meine, sie kennen mich doch gar n … uff!“

Eine kleine, hohe, jauchzende Schreie ausstoßende Gestalt rannte fast geradewegs in sie hinein und riss Saskia durch den Schwung beinahe von den Füßen. Die Forscherin stolperte ein paar Schritte rückwärts und be­mühte sich, das Gleichgewicht nicht zu verlieren. Sie hielt sich mit rudern­den Armen an dem Neuankömmling fest.

Die so stürmisch aufgetauchte Person war ganz in flauschige, helle und intensiv nach Moschus duftende Churrit-Felle gehüllt, sie hüllten sie wie eine zweite Haut ein. Nun jedoch flog die Kapuze nach hinten, während die kleinwüchsige Gestalt, die in den Pelzen steckte, weiterhin helle Freuden­schreie ausstieß und die Forscherin überglücklich, wie es schien, umarmte. Sie machte begeisterte kleine Luftsprünge und schien beinahe mit ihr durch den Schnee tanzen zu wollen, aber dazu war Saskia nun zu kom­pakt und zu groß. Zum Tanzen gehörten nun mal zwei Personen, die beide tanzwillig sein mussten.

Saskia Tanamaris wollte jetzt erst mal nur verstehen, was eigentlich los war.

Die Nomaden ringsum feixten und machten sich dann vergnügt, als wür­de etwas völlig Normales passieren, wieder an die Arbeit. Jason und Alan packten tatkräftig mit an bei den Verbindungsstücken für das große Zelt. Dieser Zeltaufbau und sicherlich auch der Abbau waren Gemeinschafts­werk.

Die kleinwüchsige, völlig vor Freude aufgekratzte Person, die sich nicht von Saskia zu lösen verstand, war von dieser Arbeitspflicht sichtbar ausge­nommen. Die Forscherin würde bald verstehen, weshalb.

Saskia erblickte jetzt jedenfalls überrascht ein kleines, herzförmiges Ge­sicht unter dichtem schwarzen Haar, und jedes einzelne Detail dieses Ge­sichts zeigte ihr, dass sie ganz unbestreitbar eine Frau der Birrit vor sich hatte, eine Nomadin von schwer zu schätzendem Alter, die sich aber sicht­bar fast halbtot freute, Saskia zu sehen.

Die zierliche Frau ist Ana, die einzige Frau in der Gruppe, und sie ist überglücklich, auf einmal auf eine Geschlechtsgenossin zu treffen. Ehe die Forscherin begreift, was sie da sagt, erklärt sie Ana bereitwillig, ihr „natürlich“ bei ihren Aufgaben zu helfen … und was dann passiert, ist durchaus gewöhnungsbedürftig. Denn kaum haben sie das große Gemeinschaftszelt betreten, streift sich Ana den Fellanzug vom Körper, für den es hier drin­nen natürlich viel zu warm ist … und darunter ist sie splitterfa­sernackt!

Dann beginnt sie, an Saskias Sachen zu zerren, wogegen die Forscherin sich verlegen wehrt. Doch im Nu beginnt die Stim­mung der Nomadengruppe, die vorher noch geradezu eupho­risch war, umzuschlagen.

Ängstlich wendet sich Saskia an ihre Gefährten, die sich doch mit den Bräuchen der Birrit weit besser auskennen, weil sie halt auf Voskinnen leben.

„Was passiert, möchtest du wissen? Na, du bist gerade dabei, deine For­schungsarbeit zu sabotieren. Das ist los“, sagte Jason leise und sehr ernst zu der Forscherin. „Weißt du, wenn ich du wäre, würde ich versuchen, mich mehr an die Sitten des Stammes zu halten. Sonst werfen sie uns nämlich gleich raus, und damit ist unser Aufenthalt hier beendet. Es wird keine zweite Chance geben, sondern sie schicken uns dann geradewegs nach Port Ice zurück!“

„Was? Nein!“ Schreckgeweitet starrte sie ihn an. Diese Worte trafen sie nun wirklich wie ein Blitzschlag aus heiterem Himmel. Das war ja wohl das Schlimmste und Unerwartetste, was Saskia je erwartet hätte. „Ich verste­he nicht …“

Jason schaute sie mild vorwurfsvoll an und meinte dann kopfschüttelnd: „Ich denke, du kennst dich mit den Sitten der Nomaden aus? Hast du nicht so was erzählt?“

„Ja … nun … ich glaubte das jedenfalls“, stotterte Saskia etwas hilflos, immer noch den Tränen nah. „Aber das hier … davon habe ich nie was ge­lesen … ich weiß nicht, was …“

„Die Rolle der Frauen der Nomaden“, erklärte Jason nun eilig, als er ihr ehrliches Unverständnis entdeckte, „ist sehr vielfältig. Aber am wichtigs­ten ist es, Saskia, dass man sich als Gast an ihre Kleidungsordnung hält. Du siehst an Ana hier, wie man ist, wenn man als Frau in dem Gemein­schaftszelt ist und sich in der Gesellschaft befindet …“

Nackt?“, keuchte Saskia fassungslos. Das war ja wie ein Hieb mit der Bratpfanne vor den Kopf. Hatte sie sich verhört? Aber Jason wirkte absolut aufrichtig!

Dennoch – das konnte doch wohl nicht wahr sein! Die Frauen der Noma­den hatten, wenn sie sich im Gemeinschaftszelt der Männer aufhielten, ganz NACKT zu sein? Das war sozusagen … verpflichtend? Für JEDE Frau?

Wie um alles in der Welt …?

„…und du erwirbst dir erst das Recht auf vernünftige Kleidung, wenn du wie sie mitarbeitest“, wurden ihre Gedanken von Jasons weiteren, eben­falls sehr eindringlichen Worten durchschnitten und zum Versiegen ge­bracht. „Anderenfalls wirst du, wie gesagt, vom Stamm nicht akzeptiert. Es ist eine Frage des Platzes in der Gesellschaft.

Frauen haben viel mehr Macht im Nomadenverbund, als du glauben magst. Darüber wird normalerweise nicht gesprochen, und vielleicht hast du deshalb nie etwas erfahren. Aber was ich sagen will: mach, was Ana macht, und mach es gefälligst schnell! Sonst finden deine Forschungen nicht statt! Die Männer hier sind schon reichlich ungeduldig, und es ist dein Glück, dass der Anführer noch draußen zu tun hat. Beeil dich lieber!“

Ein schneller Blick zu den Nomadenmännern, die inzwischen alle ihre Ar­beiten eingestellt hatten und sie anstarrten, ziemlich finster anstarrten!, bewies leider schlagend, dass Jason ganz Recht hatte.

Wenn sie nicht schnell eine Entscheidung fällte, konnte Saskia alle For­schungen vergessen!

Und sie musste sich SOFORT entscheiden!

‚Verdammt sollst du sein! Konntest du mir das nicht VORHER sagen?‘

Saskia fühlte heißen Zorn in sich erwachen, aber der half natürlich auch nicht weiter. Eingezwängt in den Schraubstock fremder Sitten und eines extrem engen Zeitplans konnte sie wirklich nur das tun, was Jason empfoh­len hatte.

Tu, was Ana tut. Und tu es schnell!

Und Ana war NACKT, nicht wahr?

‚Das werde ich in meinen Bericht aber NICHT schreiben!‘, nahm sich die Forscherin entschieden vor.

Sie gab nun den bisherigen Widerstand gegen die dunkel vor sich hin­brummelnde Ana auf, die sofort und mit Feuereifer mit ihrer Entkleidungs­aktion fortfuhr. Nun, mit SASKIAS Entkleidungsaktion! Sie selbst war ja schon nackt.

Saskias BH landete sofort am Boden, und ihre schönen, vollen Brüste sprangen lustvoll hervor und bebten aufreizend, während die schöne blon­de Forscherin nun resignierend weiter mithalf, sich auszuziehen. Binnen weniger Sekunden fielen erst ihre Stiefel, dann die Thermohose, die sie un­ter ihrem Anzug getragen hatte, schließlich die langen Unterhosen, die hochgezogenen Strümpfe, das Thermohöschen und der knappe Slip, den Saskia Tanamaris noch am Leibe trug.

Dann war sie so völlig hüllenlos wie Ana auch …

Das ist leider alles erst der Anfang.

Ja, die Macht der Frauen ist in Birrit-Nomadengruppen sehr stark, das soll sie bald selbst miterleben. Aber dass Ana über zu große Arbeitsbelastung klagt, hat nur wenig mit dem Essenzu­bereiten zu tun … sehr viel mehr dagegen mit Sex. Und nun sind sie zu zweit, sie befinden sich im Zelt und sind nackt in ei­ner quasi reinen Männergesellschaft … und Saskia lernt schnell Dinge kennen, die ihre Vorstellungen von der Birrit-Gesellschaft komplett auf den Kopf stellen.

Sie hat vor allen Dingen zu begreifen, dass ihr die Scouts aus vollkommenem Eigeninteresse eine Menge vorenthalten haben, was mittelfristig zu einem ernsten Zerwürfnis der drei führt. Doch da ist es schon zu spät zum Umsteuern.

Alles hat massiv mit den Churrit zu tun, die die Lebensgrundla­ge der Nomaden sind, und die Schlafsäcke der beiden Scouts sind wirklich gar nichts gegen die aphrodisische Wirkung, die von warmer Churritmilch ausgeht, Churritfleisch, den Churrit­matten, dem aufreizenden Anzug aus Churritfell, der ihr maßge­schneidert wird …

Ein erotisches Abenteuer nimmt seinen Anfang, das ihr alsbald aufgrund ihrer hellen Haut den stolzen Beinamen „Milchglanz“ einbringt. Und auf eine geradezu zwanghafte Weise ist sie sehr viel leistungsfähiger als die zierliche Ana.

Allerdings begreift sie sehr lange nicht, dass die durchtriebene kleine Nomadin und die Birrit-Männer längst einen Plan ge­schmiedet haben, in dem Saskia Tanamaris die Hauptrolle spie­len soll …

Der Roman wurde am 31. Dezember 2005 begonnen und um­fasst inzwischen 328 Seiten, wobei von den sechs Abschnitten gerade mal zweieinhalb ausformuliert fertig sind. Die Zitate oben stammen sämtlich aus den ersten 100 Textseiten. Wer hierbei schon rote Ohren bekam, für den ist die Geschichte wirk­lich nichts, in der es um sehr, sehr, sehr viel Sex mit wechseln­den Partnern und in verschiedensten Konstellationen gehen wird.

In gewisser Weise ist „Saskia bei den Nomaden“ eine hitzige erotische Fieberphantasie, könnte man sagen. Eine gewisse Par­allele zu dem Roman „Die Kolonie Saigon II“ ist nicht zu verken­nen. Generell zeichnen sich Erotic Empire-Werke mehrheitlich durch erotischen Obsessionscharakter aus … nicht ausschließ­lich zum Nachteil für die Protagonistinnen, wie ich ergänzen sollte.

Das, was die Scouts sagen, ist durchaus nicht falsch: Die Frauen der Birrit-Nomaden HABEN eine sehr starke Stellung innerhalb der Gesellschaft. Aber die Ausprägung und die Rahmenbedin­gungen dieser Stellung sind, vorsichtig gesprochen … gewöh­nungsbedürftig.

Saskia wird das noch entdecken.

Ich kann allerdings wirklich noch nicht sagen, wann dieses Pro­jekt endet, es gibt da speziell eine biologisch-temporale Klippe, die ich noch nicht wirklich umschifft habe. Dafür ist wahrschein­lich eine strukturelle Veränderung zwingend erforderlich.

Aber soviel ist absolut sicher: Als „Milchglanz“ wird Saskia Tana­maris zu einer rassigen Berühmtheit von Voskinnen aufsteigen und nachgerade eine Legende werden, das ist sicher. Allein, sie selbst macht sich immer noch Illusionen, sie könne beizeiten, „wenn es ruhiger geworden ist“, ihre Forschungsarbeit wieder aufnehmen.

Dass es dazu nie kommen wird, ist zurzeit noch jenseits ihres Vorstellungsvermögens. Aber wie sollte sie darüber auch nach­denken, wenn jeder einzelne Tag ihres Daseins sich in einem Strudel der erotischen Raserei auflöst und sie zu orgasmischen Ufern führt, die sie früher für unvorstellbar hielt?

Soviel also zu dem ersten Einblick – jenseits von „Saigon II“ – in die nicht unkritischen Untiefen des „Erotic Empire“. In der kom­menden Woche kehren wir dann wieder bodenständiger in den Oki Stanwer Mythos zurück.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 395: Zähme mich!

Posted März 15th, 2023 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

das ist ein schwieriges Buch, das ich heute vorstellen möchte, soviel sei zur Warnung vorangestellt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Leser, die diesem Blog schon seit geraumer Zeit folgen, das von so einigen Werken denken, die ich rezensiert habe. Aber selbst unter diesen ist das aktuelle Buch doch ziemlich … speziell.

Ja, es entstammt mal wieder dem Segment der erotischen Lite­ratur und hier dem Teilbereich der BDSM-Romane. Zugleich aber hat es einen außerordentlichen psychologischen Fokus, der deutlich macht, dass der BDSM-Zugang eigentlich nur eine Art … ja, sagen wir, von Ventil bildet. Wer also denkt, es erwartet ihn eine Geschichte a la „Fifty Shades of Grey“, der wird hier gründlich auf andere Gleise wechseln müssen, um der Ge­schichte zu folgen. Wie ich unten sage – es geht sehr viel mehr um Psychologie und ziemlich neurotisch-abgefahrene Familien­geschichte als um irgendetwas anderes.

Natürlich gibt es erotische Szene, sogar nicht wenige, und meist arg heftige. Aber das ist, was jetzt vielleicht verwirrend klingt, nur eine Art von „Kurieren an Symptomen“, ohne dem Kern des Problems wirklich nahe zu kommen.

Kryptisch, aber interessant formuliert? Okay, Freunde, dann fasst euch ein Herz und lest weiter:

Zähme mich!

(OT: What happens after dark)

Von Jasmine Haynes (alias Jennifer Skullestadt)

Weltbild Editionen

416 Seiten, TB (2013)

Aus dem Englischen von Anna Wichmann

Keine ISBN!

Als Luke Raven die bildhübsche Bree Mason kennen lernt, ge­schieht das unter seltsamen Umständen – er besucht einen SM-Club in San Francisco, wo sie von ihrem aktuellen Dominus De­rek wie der letzte Dreck behandelt wird. Obwohl der selbst eine Firma leitende Luke so etwas sonst überhaupt nicht tut, nimmt er Derek seine „Sklavin“ kurzerhand weg und erklärt sich selbst zu ihrem „Meister“ … etwas, was für Bree vollkommen in Ord­nung scheint.

Dass die Dinge grässlich anders liegen, als er glaubt, bekommt er erst sehr viel später mit. Der Roman steigt ein, als die beiden bereits seit einem halben Jahr in einer solchen Wochenend-BDSM-Beziehung stehen. Sie ist von Anfang höchst eigenartig. Bree besteht darauf, dass sie ihn kontaktiert, und er weiß auch nach sechs Monaten immer noch nicht, wie sie mit Nachnamen heißt oder wo sie lebt.

Dass Brianna Mason, die sich traditionell gern Bree nennen lässt, im bürgerlichen Leben eine höchst schüchterne Büroange­stellte beim Industrieunternehmen DeKnight Gauges (DKG) ist und hier tadellose Arbeit versieht, könnte er sich nicht vorstel­len. Und erst recht ist ihm nicht klar, weil Bree nie über Persönli­ches redet, sondern sich mit ihm NUR und ausschließlich zum Sex trifft, dass sie in massiven Schwierigkeiten familiärer Natur steckt.

Wie sollte er auch?

Bree ist eine großartige Schauspielerin. Sie schauspielert schon ihr gesamtes Leben, vor jedem Mann, vor ihren Vorgesetzten in der Firma, überall. Alles ist immer wunderbar, absolut in Ord­nung, es gibt überhaupt keine Schwierigkeiten … und doch ist ihr Leben voll davon. So voll, dass sie schreien könnte – aber das würde bedeuten, sie würde Schwäche zeigen, und das ist schlecht. Das hat ihr nicht zuletzt ihr herrischer Vater eingere­det, jahrzehntelang.

Ihr Vater, der nun im letzten Stadium einer Krebserkrankung ist und im Sterben liegt.

Und ihre Mutter fleht Bree an, nach Saratoga zurückzukommen, weil sie mit der Pflege des schwerkranken Vaters überfordert ist. Bree, die eine eigene Wohnung hat, gerät darüber fast in Panik, aber natürlich, das kann man nicht zeigen, das wäre ja Schwä­che, und Schwäche ist schlecht … also tut sie, worum ihre Mut­ter sie bittet.

Luke stellt derweil bei ihren Zusammenkünften äußerst frus­triert fest, dass Bree alle Orgasmen des letzten halben Jahres nur geschauspielert hat … und es beunruhigt ihn immer mehr, auf welche sehr eigenartige Weise er sie schließlich dazu brin­gen kann, doch welche zu empfinden – indem er sie unflätig be­schimpft, erniedrigt und bestraft. Wie Bree es wünscht. Denn so läuft das ab: Sie ruft ihn an, provoziert ihn oder behauptet, sie habe sich schlecht verhalten und verdiene Bestrafung … und auf diese beunruhigende Weise intensivieren sich die Dinge, je näher Luke nun an die wahre Bree heranzukommen versucht und sie gleichzeitig panisch darum bemüht ist, nach außen ihre Fassung zu wahren und – wie ihre Mutter – Normalität vorzuspie­geln, die in keiner Weise mehr existiert, ja, eigentlich nie exis­tiert hat.

Aber dann stirbt Brees Vater.

Und ihre Mutter verhält sich plötzlich so … so … verrückt!

Alles gerät außer Kontrolle. Und Bree sucht mehr denn je Flucht und Erlösung in gnadenloser Bestrafung durch Luke – zu dumm nur, dass er inzwischen gewisse Schlüsse zu ziehen begonnen hat, und das „Spiel“, das sie spielen, auf schreckliche Weise brüchig wird …

Ein Wort der Warnung vorweg: Das ist ein Buch, bei dem ich, während ich es las, immer wieder geschwankt habe, ob ich es rezensieren soll oder nicht. Es geht echt an die Substanz, aus verschiedenen Gründen. Zum einen ist die Beziehung oder bes­ser … die Verbindung zwischen Luke und Bree auf eine Weise pervers, wie ich das bislang noch nicht erlebt habe. Es ist, we­nigstens für mich, vollständig abtörnend, wenn die Liebespart­nerin ständig beschimpft, gequält oder gedemütigt werden muss, um tatsächlich sexuelle Lust zu empfinden. Wer daraufhin also denkt, dass mit der Frau etwas nicht stimmt, hat leider voll­kommen Recht. Geflucht und beschimpft, und zwar auf reichlich unflätige Weise und stets auf die weibliche Hauptperson bezo­gen, das wird darum in diesem Roman sehr viel. Das ist eigent­lich ein klares No-Go für eine Rezension …

Dann ist da Brees seltsame Mutter … um es vorsichtig auszu­drücken … und je mehr man sie kennen lernt, desto mehr muss man auch an ihrem klaren Menschenverstand zweifeln. So, wie sie sich verhält, sollte man wirklich nicht drauf sein. Ich deute nur mal die Sache mit der Dumbo-Keksdose an … widerwärtig bis ungeheuerlich, und das ist nicht die einzige Unfasslichkeit, die sie sich leistet. Die ganze Zeit lauert man als Leser mit ge­sträubten Nackenhaaren darauf, dass da die kathartische Explo­sion stattfindet und das gesamte Setting in einen Alptraum ent­gleist. Man fühlt sich wie auf einer scharfen Bombe sitzend oder auf einem gleich eruptierenden Vulkan, ehrlich!

Auf der anderen Seite findet man als Leser in diesem Roman Dinge, die man wirklich so überhaupt nicht in einem erotischen Roman erwarten würde. Schilderungen, die speziell mir fast den Boden unter den Füßen wegzogen. Man sollte dafür freilich Fol­gendes wissen: Mein Vater starb vor rund viereinhalb Jahren. Das, was Bree und ihre Mutter also mit seinen Sachen tun, war mir auf so alptraumhafte Weise bis in Details hinein vertraut, dass es mir kalt den Rücken herunterlief … auch wenn ich zuge­be, dass wir unseren Vater wirklich geliebt haben und das, was die beiden Frauen tun, die absolut traumatische, antagonisti­sche Gegenposition darstellt.

Aber dann schwankte ich auch wieder in die Gegenrichtung und sagte mir: Die beiden Frauen sind auf so spezielle und unter­schiedliche Weise neurotisch, dass es einfach glaubwürdig, wenn auch grässlich alptraumhaft dargestellt ist. Und das ge­hört unbedingt anerkannt. Die Autorin hat ein sehr solides Stück Familiengeschichte niedergeschrieben und zweifelsohne an vie­len Stellen aus vertrauten Quellen geschöpft. Man könnte sich beispielsweise gut vorstellen, dass sie beruflich etwas Ähnliches macht wie Bree Mason und ebenfalls einschlägige Hospiz-Erfah­rungen hat. Da ist sie auf geradezu bestürzende Weise glaub­würdig und beweist genau in den Bereichen Kompetenz, die in vielen erotischen Romanen einfach nur Staffage und Tünche darstellen. Kann man hier nicht sagen.

Ach ja … und vergesst bitte den abwegig-reißerischen deut­schen Titel. Er führt definitiv völlig auf Abwege. Es geht hier pri­mär um Psychologie. Und um schmutzigen Sex und Seelenqua­len, ganz genau.

Ob die Beziehung zwischen Bree und Luke im Störfeuer der psy­chischen Defekte dann wirklich gegen die Wand gefahren wird oder ob es noch so etwas wie eine Notbremse gibt, sei hier nicht verraten. In jedem Fall ist ein sehr lesenswerter Roman entstanden, der einiges an Nervenkraft abverlangt. Er ist eine Zumutung, ja, aber auch eine Herausforderung. Wer mutig ge­nug ist, der nehme sie an. Ich denke, er wird bereichert daraus hervorgehen.

© 2018 by Uwe Lammers

Okay, das war jetzt harter Tobak, das gebe ich zu. Das habt ihr vermutlich nicht kommen sehen (nun, ich beim Leseeinstieg auch nicht, da sind wir schon mal auf demselben Level). In der kommenden Woche stelle ich eure Nerven auf eine ganz andere Probe, aber diesmal buchstäblich „in the real world“.

Was das heißt? Nun, lasst euch mal überraschen.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Blogartikel 501: Close Up: Der OSM im Detail – Teil 41

Posted März 12th, 2023 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

beginnen wir mit einem kurzen Rückblick, denn ihr seid vermut­lich noch dabei, euch ein wenig in dieser bislang recht fremden Welt einzuleben. Da geht es euch ganz so wie Oki Stanwer.

Rückblick: Nachdem Oki Stanwer im Anschluss an die Schlacht im Nebelsektor gestorben ist, retten die Lichtmächte seine mentale Essenz und schicken ihn fünf Milliarden Jahre später in einem neu generierten Kosmos erneut in den Einsatz, auf dass er die Macht TOTAM aufhalten möge.

In dieser Galaxis Milchstraße schreibt man das Jahr 3896 terra­nischer Zeitrechnung, und er kommt als weitgehend erinne­rungsloser Schiffbrüchiger im Wrack des Oki-Schlachtschiffs KÄMPFER wieder zu sich. Das Wrack und er werden von Colonel Hareb Simk von der terranischen Sternenreichsunion (SRU) ent­deckt, und Oki wird zu Verhörzwecken zum Planeten Krollos ge­schafft.

Hier hat aber inzwischen der Dämon Mersan kurzfristig das Kommando übernommen und kapert Simks Schiff HOHEITSS­TERN, sodass Oki Stanwer in seine Gewalt gerät. Aber er erfreut sich dieses Triumphes nicht lange, da Raumpiraten unter Thor Gordenbeyl die HOHEITSSTERN kapern und ihn in die Flucht schlagen.

Nun landet Oki Stanwer auf der Kegelwelt, dem Schlupfwinkel der Piraten und ist immer noch in Lebensgefahr … bis Thor als Helfer des Lichts aktiviert wird und der Agent Henry Bent, der für ein rätselhaftes Wesen arbeitet, die beiden aus dem Piraten­stützpunkt mitnimmt. Unterwegs werden Colonel Hareb Simk und sein Adjutant Mark Grimsen an die raupengestaltigen Händler aus dem Volk der Zyw-Grynoth „verhökert“. Henry Bent nimmt Zielkurs auf die Freihandelswelt ELDORADO, wo sein Auf­traggeber auf sie warten soll – ein Außerirdischer namens Soffrol …

Episode 6: Landung auf ELDORADO

(1984, digitalisiert 2021)

Oki Stanwer, Thor Gordenbeyl und Henry Bent, gerade der Ge­walt der Raumpiraten entronnen, reisen nun von der Kegelwelt nach ELDORADO. Dabei handelt es sich um eine von mehreren prosperierenden, nicht an andere Sternenreiche gebundenen tropischen Freihandelswelten. Nach Henrys Worten steht der Planet unter der Regentschaft des Monarchen Talach VI., Harg Segor. Soweit bekannt, ist das Verhältnis von ELDORADO zur dominanten militärischen Macht, der terranischen Sternen­reichsunion (SRU) durchweg angespannt. Dennoch gibt es na­türlich diplomatische Vertretungen hier, auch beispielsweise von der anderen größeren, von Terranern abstammenden Com­munity, der Zentrumsrepublik Otanien.

Generell gilt, dass ELDORADO ein Schmelztiegel von Menschen und Aliens ist. Wenn Oki Stanwer irgendwo untertauchen kann, weil die SRU-Offiziellen ihn suchen, dann ist es zweifellos hier, wo Talach VI. eigentlich allen zu Unrecht Verfolgten Zuflucht ge­währt.

Hier soll sich auch der mysteriöse Soffrol aufhalten, dessen Name Oki Stanwer irgendwie vertraut vorkommt … aber da der Großteil seiner Erinnerung verschüttet sind, kann er wirklich nicht sagen, ob und woher er ihn kennt (Leser der vorherigen „Close Up“-Einträge sind da deutlich schlauer).

Auf ELDORADO sollen sie nach Henrys Worten Carina treffen, wie er eine Agentin Soffrols. Aber die Ereignisse verlaufen nicht so, wie sie sollen. Während sie noch landen, erhält der Regent von ELDORADO Besuch ein einem schattenhaften Fremden, der sich als „Dämon Dartusuum“ vorstellt und ihn ultimativ auffor­dert, Oki Stanwer unmittelbar nach Ankunft an TOTAM auszulie­fern.

Und, schlimmer noch, als Oki und seine Gefährten auf ELDORA­DO landen und sich schon dem Terminal nähern, wo Henrys Mutter auf sie wartet, wird ein verheerender Bombenanschlag auf den Terminal verübt, bei dem Carina Bent ums Leben kommt.

Wohin auch immer Oki Stanwer geht, scheint ihm der Tod zu fol­gen …

Episode 7: Schergen der Union

(1985, digitalisiert 2022)

Nach dem Terroranschlag ziehen sich Oki und seine verstörten Gefährten in das Gewusel von Exos-City, der Hauptstadt ELDO­RADOS, zurück, um wieder einen klaren Kopf zu bekommen. Doch das ist leichter gesagt als getan.

Henry gibt nämlich nun Wissen Soffrols preis, um Okis Erinne­rung zu stimulieren. Es gäbe in der Milchstraße eine Überliefe­rung über einen „Bezwinger des Chaos“, dessen Bestimmung es sei, einen finalen Kampf gegen das Böse zu führen. Und der Name dieses Heerführers, der eine galaktische Streitmacht schaffen und anführen solle, laute Oki Stanwer!

Wie schon zu Beginn des KONFLIKTS 15 (Serie „Oki Stanwer“) weigert Oki sich strikt, dieser mythologischen Forderung zu ent­sprechen.

Er ahnt nicht, dass sich zur gleichen Zeit üble Dinge anbahnen.

Colonel Hareb Simk und sein Faktotum Mark Grimsen, die er los zu sein glaubte, haben sich nämlich inzwischen aus der Gewalt der Zyw-Grynoth befreit und ebenfalls nach ELDORADO bringen lassen. Hier nehmen sie umgehend direkten Kontakt mit der SRU-Botschaft auf und lassen nach Oki Stanwer fahnden.

Zwar ist der hiesige Botschafter James Optin durchweg skep­tisch, weil er keinen Stress mit den eldoradanischen Behörden will … aber schließlich stimmt er einem Kommandoeinsatz der SRU-Geheimagenten auf eldoradanischem Boden doch zu. Zu­gleich will er darüber aber sicherheitshalber auch den Regenten in Kenntnis setzen. Dummerweise ist Talach VI. außer sich vor Zorn, weil Hareb Simk zeitgleich den Zugriff vornimmt. Der Re­gent fühlt sich hintergangen und verweist die SRU-Botschaft von ELDORADO … und setzt die Planetengarde in Marsch!

Doch in diesem Moment blickt Oki Stanwer schon am Ende der Episode in den Waffenlauf von Colonel Hareb Simk und steht di­rekt vor seiner Festnahme …

Episode 8: Der Lebensretter

(1985, digitalisiert 2022)

Simks Freude über Oki Stanwers Fassungslosigkeit währt aller­dings nur sehr kurze Zeit – denn dann umstellt die Planetengar­de von ELDORADO das Café, in dem sich die Festnahme abspie­len soll … der Herrscher ELDORADOS hat Kenntnis erhalten von dem unglaublichen diplomatischen Zwischenfall, der hier klammheimlich über die Bühne gehen soll und angeordnet, dass diese Festnahme unterbunden wird.

Simk und seine Männer sehen das überhaupt nicht ein. Sie zer­ren Oki ins Café, und ein Schusswechsel beginnt. Und dann taucht auf einmal eine dritte Fraktion auf, die nun ihrerseits bei­de Kombattanten-Gruppen unter Feuer nimmt: Lebende Skelet­te mit schwarzen Brustpanzern – TOTAMS Soldaten, Totenköpfe!

In dem sich entspannenden Chaos kommt es zu jeder Menge To­ter, aber zu guter Letzt gelingt es Thor, Simk und Grimsen in die Enge zu treiben … dennoch wäre er beinahe erschossen wor­den, wenn nicht im allerletzten Moment ein rätselhafter klein­wüchsiger Fremder in weißer Kutte mit goldenem Bogen er­schienen wäre, um Hareb Simk einen Pfeil in die Schulter zu ja­gen.

Fassungslos starrt Oki den Lebensretter an, der ihn umgehend von hier wegbringen will. Oki erinnert er an ein Wesen namens Yorrok, das so ähnlich wie er ausgesehen hat – aber dieser Fremde nennt sich Ekkon und will ihn zu jemandem bringen, den er den LEUCHTENDEN nennt.

Doch das wird gleich darauf vom Auftauchen Henry Bents, durch den Soffrol spricht, vereitelt. Ekkon verschwindet spurlos und lässt einen völlig verunsicherten Oki Stanwer zurück. Die SRU-Offiziellen werden festgenommen, und die Planetengarde unter Major Sanders macht Oki und seinen Gefährten klar, dass sie nun unverzüglich eine Audienz beim Regenten von ELDORA­DO wahrnehmen müssen, um dieses ganze Chaos zu erklären …

Episode 9: Treffpunkt Sternenwrack

(1986, digitalisiert 2022)

Blende zur Fundstelle von Oki Stanwer am Rand der Galaxis. Das Wrack des Oki-Kriegsschiffes KÄMPFER ist bekanntlich von dem Kreuzer HOHEITSSTERN der SRU ausfindig gemacht wor­den, das eigentlich nach von den Lontreks entführten Fracht­schiffen suchte (vgl. Bd. 1 der Serie).

Hier, fast 14.000 Lichtjahre von der Erde entfernt, erforschen in­zwischen Wissenschaftlertrupps unter dem Forscher Robert Hays das weitgehend zerstörte, aber immer noch Alien-High­tech enthaltende Schiffsruine, die man nur das „Sternenwrack“ nennt.

Als die Wissenschaftlerin Corinna Schwartz das Wrack besucht, um Hays an voreiligen Experimenten zu hindern, kommt sie zu spät. Denn er erklärt ihr, dass eine hier vor Ort befindliche Raumzeit-Anomalie möglicherweise erklären kann, woher dieses Wrack kam – und dass sich damit eventuell ein Zeittunnel in die Vergangenheit öffnen lässt.

Ungerührt startet er seine Experimentreihe und löst eine Kata­strophe aus. Das erste, was geschieht, ist unsichtbar – ein entropisches Phänomen wird wirksam, das die Lebenden im KONFLIKT 15 schon mit Grauen erfüllte: Der Kalte Tod wird wirk­sam und lässt die Seelen der anwesenden Schiffsbesatzungen erkalten … aber das ist erst der Anfang.

Episode 10: Der Fluch der KÄMPFER

(1986, digitalisiert 2022)

Fortsetzung der Handlungsspur aus Band 9: Robert Hays‘ Expe­riment gerät außer Kontrolle. Während er versucht, eine Hyper­raum-Anomalie gewaltsam zu öffnen, löst er entropische Phäno­mene aus. Außerdem tauchen rätselhafte Geister auf, Besat­zungsmitglieder werden geradewegs atomisiert, und sogar ei­ner der schwer beschädigten Oki-Roboter, die die SRU-Wissen­schaftler vom Wrack bargen, erwacht zu neuem Leben.

Das ist aber nicht das Schlimmste.

Es gibt auch ferne Entitäten mit großer Machtfülle, die derartige Manipulationen nicht gern sehen, weil sie die Stabilität des Kos­mos beeinträchtigen. Sie schicken sich an, den Matrixfehler, also das Oki-Kampfschiff KÄMPFER, kurzerhand aus der Matrix auszubrennen. Und der Effekt greift auf katastrophale Weise auf die SRU-Forschungsschiffe über und radiert sie ebenfalls aus.

Dummerweise ist das noch nicht das Ende vom Lied …

Soweit für heute der nächste Blick in den KONFLIKT 16 „Oki Stanwer – Der Mann aus dem Nichts“. In der kommenden Wo­che erzähle ich von dem dritten Langzeitprojekt. Diesmal bege­ben wir uns auf eine Eiswelt namens Voskinnen im Erotic Empi­re

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.