Blogartikel 520: Close Up: Der OSM im Detail – Teil 45

Posted Juli 23rd, 2023 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

die dramatischen Abenteuer Oki Stanwers und seiner Gefährten gehen auch in diesem Fünferblock des Close Ups weiter. Wir er­innern uns: Oki Stanwer wendete kürzlich mit Müh und Not und einem letztlich fatalen Bluff die militärische Besetzung des EL­DORADO-Systems ab, was Tausende von SRU-Raumsoldaten das Leben kostete, weil die rätselhaften Lontreks einschritten – die All-Hüter, Matrixfehler und damit Wesen, die es eigentlich längst nicht mehr geben durfte.

Um zu verhindern, dass sie die gesamte Sternenreichsunion nun auslöschten, wozu sie durchaus fähig gewesen wären, folg­te Oki ihnen in den Wega-Sektor und wurde hier mit einem ge­heimnisvollen Fremden konfrontiert, der sich als Befehlshaber der All-Hüter ausgab. Ein jäh aufbrechendes entropisches Phä­nomen, der so genannte „Weltraum-Vulkan“, beendete sowohl die Intervention der All-Hüter, verletzte aber auch Oki Stanwer und den Emissär (Klivies Kleines) schwer. Der amtierende Ma­trixkoordinator konnte gerade noch Okis Schiff, die ARCTUR, auf Heimatkurs nach ELDORADO schicken und so sein Leben retten.

Parallel dazu ist Ekkon, der Ritter vom Goldkristall, unterwegs im Reich der Artaner, um zu verhindern, dass das Realität wird, was drohend am galaktischen Horizont gewittert: ein mörderi­scher kosmischer Waffengang zwischen den Insektoiden und der Sternenreichsunion.

Hier trifft er zu seiner Verstörung auf die fanatische Bruder­schaft vom Schwarzen Ei, die Terrahass auf ihre Fahnen ge­schrieben zu haben scheinen … aber dann erweist sich der ge­heimnisvolle Shiiroc, der Anführer der Bruderschaft, als ein ky­bernetisches Wesen – ein Okiroboter! Die Okis, ein von den Baumeistern einst im KONFLIKT 9 geschaffenes Robotervolk, dürfte es aber eigentlich auch nicht mehr geben. Und als Ekkon durch einen Transmitter geführt wird, lernt er den eigentlichen Drahtzieher kennen …

Episode 26: Stern der Toten

(1991, digitalisiert 2022)

Fortführung und Abschluss der Ekkon-Handlungsebene: Jenseits des Transmitters erreichen Ekkon und die beiden Okis, die ihn begleiten und die im Reich der Artaner auf Slyakoor die Geschicke der fanatischen Bruderschaft leiten, den Ort, wo das alles begonnen hat.

Zu seinem ungläubigen Staunen und gleichzeitigen Grausen be­findet sich Ekkon nun auf dem so genannten „Stern der Toten“ … und der originäre Name dieses künstlichen Planeten ist ihm aus alten historischen Aufzeichnungen vertraut: Es handelt sich um den Okiplaneten, im KONFLIKT 9 das Zentrum des okischen Imperiums. Und bald konferiert er mit der kybernetischen Zen­tralintelligenz der Welt, mit BURTSON.

Matrixfehler, das ist Ekkon gleichzeitig bewusst, sind rätselhafte Mysterien des Universums, und im Zweifelsfall mörderisch. Die Lontreks alias All-Hüter haben das bewiesen, das könnte ihm Klivies Kleines sagen. Und auch das, was die „Bruderschaftler“, die von den Okis gelenkt werden, im artanischen Reich anrich­ten, scheint sehr in dieselbe Richtung zu zielen. Ekkon vergisst natürlich auch nicht, dass die Baumeister in ihrer Paranoia Ma­trixfehler allesamt für Schöpfungen TOTAMS halten. Und für­wahr: Wenn die Okis die Artaner gegen die SRU-Terraner aufsta­cheln, sieht es nicht ganz so aus, als verhielte es sich ganz so?

Nein, es ist völlig anders, erklärt BURTSON ihm gelassen einen Plan, an dessen Umsetzung er schon seit Jahrzehnten arbeitet. Seine Okis haben in Maske sowohl die SRU- als auch die Arta­ner-Hierarchie unterwandert, und was er plant, ist nichts Gerin­geres als einen beiderseitigen Putsch … mit einem ungeheuerli­chen Ergebnis …

Episode 27: Der schwarze Sektor1

(1991, digitalisiert 2022)

Blende zu Klivies Kleines und den All-Hütern: Direkt nach dem Desaster im Wega-Sektor (Bde. 21/22) haben sich die roboti­schen All-Hüter zurückgezogen auf die Werftwelt. Klivies Kleines ist durch die entropische Strahlung des „Weltraum-Vulkans“ schwer verletzt und verbringt Wochen in Regenerationsröhren, bis er wieder halbwegs auf dem Damm ist.

Die Terraner und Artaner, die auf der Werftwelt gefangen und auf seine Fürsprache angewiesen sind, macht dieses lange Ver­schwinden von Kleines unruhig, verständlicherweise. Machen doch die All-Hüter deutlich, dass ihnen Leben absolut nichts be­deuten.

Als Kleines wieder auftaucht, immer noch reichlich angeschla­gen, setzt er den ursprünglichen Plan um, den er schon verkün­det hat (Bd. 15): Im Reich der All-Hüter gibt es eine große Regi­on, in der der Kontakt zu allen dort liegenden Welten des Impe­riums ausgefallen ist. Dabei handelt es sich um den so genann­ten „schwarzen Sektor“. Nun stellt Kleines ein gemischtes Kom­mando aus All-Hütern, Artanern und Terranern zusammen, um den Sektor genauer zu untersuchen.

Ein erstes Orientierungsmanöver in ein bekanntes System of­fenbart, dass hier wirklich Katastrophen passiert sein müssen – viele Planeten sind vollkommen verwüstet. Und dann werden sie auch noch angegriffen! Als Kleines zögert, radikal zuzuschla­gen, übernehmen die All-Hüter und löschen kategorisch alle An­greifer mit Kernzündungswaffen aus.

Daran merken die entführten Raumfahrer beunruhigt, dass Klei­nes‘ Einfluss augenscheinlich nicht allzu weit reicht und ihr ei­genes Leben bei irgendwelchen Widersprüchen immer noch in akuter Gefahr ist.

Und dann geraten sie bei der nächsten Transition direkt in eine kosmische Staubwolke, die es hier auch nicht geben sollte: Ist das ein weiterer Matrixfehler? Oder verbirgt sich hier, wie Klei­nes fürchtet, tatsächlich der Dämonenplanet TOTAM …?

Episode 28: Die Entführung

(1991, digitalisiert 2022)

Blende zum Planeten ELDORADO: Etwa zeitgleich mit der Re­konvaleszenzphase von Klivies Kleines kehrt das eldoradanische Schiff ARCTUR ins ELDORADO-System zurück. Von allen an Bord Befindlichen leben allerdings nur noch zwei – Oki Stanwer und sein Freund und Helfer des Lichts Thor Gordenbeyl. Das Log­buch erweist sich als gelöscht … so erfährt niemand, dass es der LEUCHTENDE war, der die ARCTUR auf Heimatkurs schickte.

Die beiden Überlebenden werden im Krankenhaus von Exos-City behandelt, wo Oki alsbald Besuch von seiner zynolerischen Ge­liebten Miriam erhält, die ihn durch ihre fürsorglichen Zuwen­dungen rasch wieder kokett ins Leben zurückruft. Beide ahnen nicht, dass sich längst neues Unheil ankündigt, weit entfernt.

In der Zentrumsrepublik Otanien, Tausende von Lichtjahren ent­fernt, ruft das Regierungsgremium, die „Plattform der Vier“, den Adeligen Tarlan von Jareen zu sich und beauftragt ihn, mit ei­nem Einsatzkommando nach ELDORADO aufzubrechen. Nach den vom Planeten Hellside übermittelten Worten ist es essenzi­ell, Oki Stanwer nach Otanien zu bringen.

Tarlan versteht den Sinn dieser Aktion nicht, aber er führt sie mit perfekter Akkuratesse durch. Noch aus dem Krankenhaus wird Oki Stanwer heraus entführt, und weil Miriam gerade bei ihm ist, ist sie das zweite Entführungsopfer.

Zwar spüren Thor Gordenbeyl und Harg Segor als Helfer des Lichts umgehend, dass Oki Gefahr droht – die Helfer-Kopplung spricht sofort an – , doch kommen sie zu spät, um einzuschrei­ten. Und das otanische Schiff transistiert, ohne dass man es verfolgen kann.

Wieder einmal ist Oki Stanwer spurlos verschwunden …

Episode 29: Sprung in die Feuerhölle

(1991, digitalisiert 2022)

Fortsetzung von Band 28: Oki Stanwer, seine Geliebte Miriam und Tarlan von Jareen mitsamt ihrem otanischen Entführungs­kommando erreichen die Zentrumsrepublik Otanien, wo Oki mit dem Ordensführer Yesco von Arlaain zusammentrifft. Er erklärt ihm unter Zuhilfenahme einer Phantomzeichnung, dass ein We­sen, das als „Sternen-Orakel“ oder Orakel von Hellside bezeich­net wird, gesagt hat, nur er, Oki Stanwer, könne es aus dem „Jahrmillionen-Kerker“ befreien, der sich auf der Höllenwelt Hell­side befindet.

Oki erkennt das dargestellte Wesen jählings wieder: Es handelt sich um den vormaligen Matrixkoordinator des KONFLIKTS 15, den WÄCHTER! Und selbst um den Preis, dass er sich Miriams Zuneigung verscherzt, erklärt er sich bereit, mit Tarlan von Ja­reen und einem kleinen Raumfahrzeug nach Hellside abzustei­gen.

Ihm und auch allen anderen ist dabei nicht klar, dass er sich in eine Todesfalle begibt, doch wird Oki Stanwer das rasch deutli­cher – während sie sich dem Standort der Kristallpyramide nä­hern, erwachen nämlich in den Felswänden der umliegenden Berge uralte Abwehranlagen zum Leben, die niemand orten konnte. Und sie unternehmen den brutalen Versuch, mittels Pri­märenergiebeschuss das Raumfahrzeug abzuschießen!

Oki Stanwers jäh erwachende paramentale Fähigkeiten bringen Tarlan und ihn selbst mit dem Fahrzeug kurzzeitig in Sicherheit, wodurch sich ein minimaler Zeitsprung um ein paar Tage in die Zukunft ereignet … und als sie dann die Pyramide ansteuern und den WÄCHTER befreien wollen, gehen von neuem die Waf­fensysteme auf sie los.

Mit Müh und Not gelingt die Rettungsaktion. Hinter ihnen löscht eine gewaltige Selbstzerstörungsanlage alles aus und verwüstet weite Teile der Planetenoberfläche.

Zurück bleibt das unerklärlich scheinende Rätsel – wieso wollten Waffensysteme, die augenscheinlich von den Baumeistern ge­schaffen wurden, Oki Stanwers Tod? Wieso wurde der WÄCHTER hier eingekerkert und jeder Befreiungsversuch vereitelt? Was weiß dieses vierarmige Riesenwesen, das vielleicht entschei­dend für den Verlauf des KONFLIKTES sein könnte …?

Episode 30: Auf den Spuren der Zyw-Grynoth

(1991, digitalisiert 2022)

Fortsetzung von Oki Stanwers Otanien-Abenteuern: Nach der er­folgreichen Flucht von Hellside offenbart sich der gerettete WÄCHTER als vierter Helfer des Lichts. Durch die Zeitfraktur ha­ben sie inzwischen allerdings schon 11 Tage verloren. Man schreibt den 17. Juni des Jahres 3896 – ohne dass das hier je­mand ahnt, ist das ein kosmisches Zäsurdatum. Die Zynolerin Miriam ist zwischenzeitlich wieder nach ELDORADO abgereist und hat die Beziehung zu Oki beendet.

Der WÄCHTER hat einige Rätsel auf Lager, als er endlich ge­sprächsbereit ist. Nicht nur, dass er erzählt, es gebe in diesem KONFLIKT „mehrere Fraktionen von Baumeistern“, und nicht alle gingen mit den Zielen der Lichtmächte konform. Er hat auch In­formationen über die Kegelwelten … und erläutert, dass vor Mil­lionen von Jahren die wurmgestaltigen Zyw-Grynoth, die Wäch­ter über die Kegelwelten waren. Doch damals gab es augen­scheinlich eine Art Putschversuch, dem die Schmelzenden – die jetzt im Mond Zwei von Hellside leben – und er selbst, der WÄCHTER, zum Opfer fielen. Von den angeblich rund tausend Kegelwelten funktionieren nun nur noch zwei: Artefakton (die Pi­ratenwelt, auf der Oki Stanwer Anfang der Serie auf Thor Gor­denbeyl traf) und ein Planet namens Rhytekon-5. Beide liegen im Reich der Zyw-Grynoth am Galaxisrand.

Der WÄCHTER weist auch auf die Bedrohungslage durch TOTAM und den Galaxienbezwinger hin. Letzterer wird in Bälde die Milchstraße überfallen und residiert in der Galaxis Kirrongar, 63 Millionen Lichtjahre weit entfernt … also empfiehlt der WÄCH­TER den Otaniern, unbedingt mit den Freihandelswelten wie EL­DORADO, Mountain Grace und Loki Kontakt aufzunehmen, um eine Abwehrallianz zu bilden.

Während all das auf Otanien geschieht, passiert an diesem 17. Juni noch etwas anderes: Im artanischen Reich ereignet sich der Putsch der Bruderschaft vom Schwarzen Ei. Dann machen sich Tausende von artanischen Schlachtschiffen auf den Weg zum Herz der Sternenreichsunion.

Die Beobachter auf ELDORADO, denen dieser Aufmarsch nicht verborgen bleibt, fürchten verständlicherweise, dass nun das Ende der Erde unmittelbar bevorsteht … aber zeitgleich findet auch im Wolfsnest, dem militärischen Herzen der SRU, ein Putsch durch die maskierten Oki-Roboter statt … und dann er­klärt die Artaner-Streitmacht einen dauerhaften Frieden, dem ein Notkomitee der SRU-Führung, dominiert von Okis, ebenfalls zustimmt.

Mit einem Schlag scheint ein Märchen Wahrheit geworden zu sein: Langfristiger, dauerhafter Frieden zwischen den beiden größten und stärksten Sternenreichen der Galaxis! Thor Gorden­beyl, Harg Segor und der Rest der Eldoradaner wähnt sich wirk­lich in einem Traum!

Die Lichtmachtbediensteten, der LEUCHTENDE und Ekkon, ver­folgen die Geschehnisse aus der Dimensionszentrale natürlich ebenfalls. Der Matrixkoordinator, der bis zum Schluss skeptisch war bezüglich Ekkons Worten, muss nun zugeben, dass er offen­sichtlich kleingeistig war. Doch ganz zum Schluss gibt Ekkon noch etwas zu bedenken, was für die Leser völlig kryptisch ist: LEUCHTENDER, ist das Problem der Plus-Okis eigentlich jemals geklärt worden?“

Das lässt den vierarmigen Riesen erschauern. Das Plus-Oki-Pro­blem ist eine Komplikation aus dem KONFLIKT 9, das mit der neurotischen Seele des Okiplaneten zu tun hat und damals das okische Imperium in seinen Grundfesten bedrohte.

Wenn die Okis da sind, sind üblicherweise auch die Plus-Okis nicht weit … und das Problem ist eines, das BURTSON nicht se­hen kann. Insofern: Ja, sie haben Frieden zwischen den Artanern und den SRU-Terranern, und alles scheint harmonisch zu sein. Aber das kann leider auch sehr schnell in einen Alptraum um­schlagen.

Oki Stanwer und eine otanische Delegation macht sich derweil auf die Suche nach den Kegelwelten, während Oki per Funkspruch nach ELDORADO dazu auffordert, ein Verteidigungsbündnis der Freihandelswelten gegen den „Galaxienbezwinger“ zu schmieden.

Er ahnt nicht, dass er sich mit der Reise ins Zyw-Grynoth-Territo­rium in Lebensgefahr begibt …

Mehr zu dieser Reise und allem, was sich daraus ergibt, erzähle ich in der nächsten Folge der Close Up-Artikel. In der kommen­den Woche steht erst mal die Generalschau meiner kreativen Aktivitäten für den Monat November 2022 auf dem Programm.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Obacht! Ihr werdet in diesem und den nächsten beiden Blogartikeln dieser Reihe fest­stellen, dass es hier zwei Zeitströme gibt, das fängt in diesem Band an. Anfangs fol­gen wir Zeitstrom 1, mit Band 39 wird in Zeitstrom 2 gewechselt. Dies nur als Vorwar­nung, um Verwirrung abzumildern.

Rezensions-Blog 413: Skirmish

Posted Juli 19th, 2023 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

ja, das ist wieder mal der Fall eines sehr alten Buches und zu­gleich ebenfalls einer ziemlich angegrauten Rezension aus dem Jahre 2001 … mit der bekannten Konsequenz, dass ich damals nicht alle bibliografischen Daten erfasst habe (Originaltitel, ISBN und Erscheinungsjahr etwa). Das tut dem Gesamteindruck aber, will ich hoffen, keinen signifikanten Abbruch. Ich würde mal schätzen, dass das Goldmann-Taschenbuch, da ich es schon als Jugendlicher im Büchereiregal stehen sah, etwa um das Jahr 1977 erschienen sein muss, die Stories selbst stammen schät­zungsweise aus den 60er Jahren.

Es ist also kein Wunder, wenn sich mir bei der Lektüre der Ein­druck aufdrängte, manche der verwendeten Topoi seien altbe­kannt … das galt vielleicht nicht für die Zeit, als Bob Shaw sie geschrieben hat, aber seither ist viel Wasser den Bach hinabge­flossen.

Aber Alter der Storysammlung hin, Alter der Geschichten selbst her: Das Fazit ist immer noch interessant, wie ich finde. Denn die einzelnen Facetten der Phantastik, die der Autor darbietet, haben schon einigen Reiz, auch nach so langer Zeit. Das ist ein bisschen wie bei Robert Howard oder Ray Bradbury, deren Wer­ke auch nur sehr begrenzt altern bzw. auch nach Jahrzehnten noch einigen stilistischen Charme ausstrahlen.

Seht ihr das genauso in diesem Fall? Riskiert mal einen Blick:

Skirmish

von Bob Shaw

Goldmann 23261

192 Seiten, TB

Deutsch von Tony Westermayr

Es ist schon faszinierend, wenn man ein Buch ausgelesen hat, das zehn Jahre lang in den eigenen Bücherregalen geschmach­tet hat – und wenn man zugleich dann die Impression spürt, die auf den ersten Zeitpunkt des Kennenlernens dieses Buches ver­weist. Im Fall der Storysammlung SKIRMISH von Bob Shaw weiß ich das noch sehr genau: Ich fand das Buch erstmals in der Hauptstelle der Stadtbücherei Wolfsburg, als ich noch ein klei­ner Junge war, das muss etwa im Jahre 1978 oder 1980 gewe­sen sein. Damals, als man mir – sehr zu meiner Verärgerung! – sagte, ich sei noch „zu jung“ für die Hauptstelle und solle mich doch an die Kinderbücherei wenden, die im selben Gebäude wäre. Meine Worte, dort hätte ich schon alles gelesen, was von Interesse war (was zumindest thematisch stimmte!), wurden nicht geglaubt.

An Bob Shaws Buch bin ich freilich, wenn auch etwas vom Cover fasziniert, eher vorbeigegangen, als ich dann schließlich in die SF-Ecke vorstoßen durfte. Vielleicht hätte ich es damals lesen sollen. Heute bin ich etwas zu kritisch für dieses Werk, so sehr ich Shaw auch schätze.

In Skirmish, der Titelgeschichte (was in etwa „Scharmützel“ be­deutet und deshalb naheliegenderweise nicht übersetzt auf dem Cover landete – so ein Buch würde sich mit DEM Titel ge­wiss nicht verkaufen), wird ein verkrüppelter alter Mann na­mens Gregg im Wilden Westen Zeuge, wie aus dem Nichts in der Wüste eine hochschwangere Frau in einem silbernen Anzug auftaucht und kann sie gerade noch vor zwei Reitern retten, die in der Frau eine Mexikanerin (!) sehen und sich mit ihr vergnü­gen wollen, bevor sie ihr den Garaus machen.

Es ist nur zu dumm, dass die beiden Reiter Josh Portfields Ranchtruppe angehören, die Greggs Arme bereits einmal gebro­chen haben. So hat Gregg mehrere Probleme: eine schwangere Frau, die unbedingt auf SEINER Farm ihr Kind bekommen möch­te, außerdem die Leute von Portfield, die ihm ans Leder wollen. Und dann stellt sich heraus, dass die fremdartige Frau auch noch verfolgt wird …

Schneemenschen im Himalaya dürfte meinen Freund Michael Baumgartner frustrieren. Denn die Lösung, die diese Geschichte für das Yeti-Problem bietet, ist doch gar zu bizarr. Und zudem muss man, um den Ursprung der Yetis zu finden, etliche Licht­jahre von der Erde fortfliegen in ein fremdes Sternensystem und durch einen Glasfaser-Nachbau des Mount Everest. Wie das zu­sammenpasst, sei hier nicht verraten …

Ein vollwertiges Clubmitglied zu werden, ist nicht einfach. Es reicht keineswegs, alle 43 Tage seine 864.000 Dollar zu zahlen. Aber das merkt Philip Connor, auf der Jagd nach seiner durch Erbschaft neureichen Freundin – und auf der Jagd nach einem unbeschreiblich perfekten Feuerzeug! – zu spät. Denn die per­fekten Waren, die offenbar nur von dem Eigentümer benutzt werden können, kommen buchstäblich von den Sternen …

Die stillen Partner wären gut miteinander ausgekommen. Wenn es nur beide Seiten rechtzeitig gewusst hätten. Leider argwöhnt der entführte Purvey zu schnell, dass das, was ihm sein un­menschlicher Gesprächspartner erzählt, nicht so ganz stimmen kann, und bringt ihn daraufhin um. Das hätte er besser nicht getan …

Das Lächeln der Gioconda ist weltberühmt. Leonardo da Vinci malte die Mona Lisa vor Jahrhunderten, und noch heute ist ihr Lächeln unentschlüsselbar. Phil Dexter, Psi-Detektiv von Beruf, hat mit Kunst nicht viel am Hut. Das ändert sich dramatisch, als seine neue Klientin Carole Colvin ihn darum bittet, mit seinen Gaben die Echtheit eines Gemäldes nachzuprüfen, das sie von ihrem Vater geerbt hat.

Es ist die Mona Lisa.

Oder zumindest fast. Zweifelsohne hat sie da Vinci gemalt, das spürt der Psi-Detektiv eindeutig mit seinen Fähigkeiten. Doch sie scheint die Hände anders zu halten … existieren mehrere Versionen davon? Gibt es vielleicht noch mehr davon? Der allei­nige Gedanke daran ist atemberaubend. Auf der Suche nach dem Ursprung des Gemäldes geraten die beiden schließlich nach Italien in eine Höhle, wo sie sowohl den Herkunftsort des Gemäldes finden als auch den Grund für das rätselhafte Lächeln der Mona Lisa. Aber dann …

Die Horrorgeschichte in 81 Bildern ist wider Erwarten völlig un­bebildert. Sie folgt dem Ablauf nach alten Comic-Horrorge­schichten aus der Frühzeit der Horrorstory zu Beginn dieses Jahrhunderts. Ein etwas zurückgebliebener und introvertierter Junge wird eines Abends Zeuge, wie ein gespenstisches Etwas aus dem Fluss nahe der Stadt steigt. Bald darauf verschwindet ein Passant. Wenig später eine zweite Person.

Und dann wird das Ungeheuer – was auch immer es sein mag – auf ihn aufmerksam, und mit panischer Angst versucht er, den Behörden einen Tipp zu geben, wohin die Verschwundenen ge­gangen sind. Allerdings versteht er bis zuletzt nicht, weshalb die Opfer das langsame Fremdwesen nicht GESEHEN haben, das sie tötete …

Sonnenhund gegen Ikarus ist ein Ausflug in die Mythologie, frei­lich mit einem Großraumflugzeug, das eine besondere Art von Nuklearwaffe in ein Krisengebiet bringen soll. Dabei begegnet ihnen ein Vogel … oder vielleicht doch etwas anderes …?

Tödlicher Reigen hätte besser unter seinem Originaltitel Waltz of the Bodysnatchers gestanden. Auf dem Planeten Oregonia herrscht die katholische Kirche. Ehebruch und Selbstmord sind ebenso verboten wie Scheidungen und Mord. Das ist eine schwierige Lage für einen Mann wie Mike Lorimer, der eine in­tensive uneheliche Beziehung zu einer jungen, aufregenden Frau hat. Im Gegensatz zu ihm ist Fay Willen nämlich mit dem alternden Gerard verheiratet, der sie mental liebt, aber eben nicht physisch.

Um den perfekten Mord zu begehen, braucht Lorimer einen Selbstmörder. Das klingt etwas seltsam, wird aber verständli­cher durch die Handlungslogik: Wenn ein Selbstmörder Gerard Willen tötet, wird bei der persönlichen Bestrafung dessen Geist in den Körper des Toten übertragen und umgekehrt. Der eigent­lich Ermordete lebt also weiter, allerdings in einem anderen Kör­per. DANN aber ist – nach kirchlichem Recht – der Bund der Ehe aufgelöst, und Fay Willen wäre frei für Lorimer.

Alles ganz einfach? Es sieht sogar perfekt aus, als mit Raymond Settle ein Selbstmörder zu Lorimer kommt. Aber das perfekte Verbrechen sieht dann etwas anders aus, als es den Anschein hat …

Jagd auf den Feuermann ist eine der Geschichten, die durch den Anfang wirklich besticht. Warum? Weil die Neugierde sofort wach ist. Man schaue:

Der tote Polizist schwebte in einer Höhe von etwa dreitausend Metern auf die Kontrollzone Birmingham ein. Es war eine Win­ternacht, und die Frosttemperaturen, die in dieser Höhe herrschten, hatten seine Gliedmaßen erstarren lassen und sei­nen ganzen Körper mit schwarzem Eis überzogen. Blut, das durch zerschmetterte Panzerung geflossen war, hatte sich an­nähernd in Form eines Krebses verfestigt, dessen Scheren sei­nen Brustkorb umfassten …“

Selbst als der Leser den Grund dieses Schwebens begreift, bleibt dieses Bild beherrschend im Verstand stehen.

Die Gesellschaft der Zukunft hat mit Hilfe individueller Flugan­züge den Flugverkehr weitgehend aufgelöst. Das bringt natür­lich eine Reihe Probleme mit sich, unter anderem dreidimensio­nale Flugregeln für fliegenden Individualverkehr, mit Positions­lichtern, Flugkorridoren usw. Nun gibt es allerdings eine Vielzahl von Leuten, die sich daran nicht halten, die ihre Lichter aus­schalten, selbstmörderisch durch die Fluglevels rasen und den Verkehr gefährden. Dafür gibt es Flugpolizisten.

Und es gibt jemanden, der Flugpolizisten jagt und sie mit einer Lanze tötet, als sei er bei einem mittelalterlichen Reitturnier. Dieser Verbrecher ist der Feuermann, und Flugpolizei-Sergeant Robert Hasson möchte ihn dringend zur Strecke bringen. Diese Jagd entwickelt sich allerdings zu einer tödlichen Angelegenheit …

Die Vielzahl von Geschichten in dieser Storysammlung gibt ei­nen guten Einblick in Bob Shaws Vielseitigkeit, die von gruseli­gen Stories bis zu echten Hard-Science-Stories reichen. Ein we­nig bedauerlich fand ich nur, dass viele dieser Ideen für einen Vielleser der Phantastik nicht wirklich neu sind, und dass Shaw ein wenig zu stark die Neigung zu einem mehr oder weniger un­eingeschränkten Happy End hat. Die Gesellschaften der Zu­kunft, die er entwirft und von denen er in ausgesprochen flüssi­gem, lesbaren Stil erzählt – ein Lob an dieser Stelle an den Übersetzer Tony Westermayr – , sind in gewisser Weise nicht kri­tisch genug, sondern bleiben irgendwie beliebig. Shaw drückt sich gerne vor genauen geographischen oder zeitlichen Zuord­nungen, was sich auf die Geschichten nachteilig auswirkt.

Als Leser von fünfzehn Jahren hätte ich das womöglich gar nicht bemerkt. Heute jedoch, wo ich Wert darauf lege, das Umfeld besser kennenzulernen als nur durch ein paar skizzierte Pinsel­striche, und wo ich kritischer gegenüber gesellschaftlichen Visionen bin, erscheinen mir manche von Shaws Geschichten fast munter beiläufig und schlicht.

Lesbar sind sie, das ist unbestreitbar. Sehr unterhaltend und mitunter lustig (besonders die Himalaya-Geschichte und die Gioconda), andere haben eine Prise schwarzen Humors (die Bil­dergeschichte etwa und die Bodysnatchers). Aber sehr tiefge­hend ist das alles nicht, der richtige BISS fehlt sozusagen. Viel­leicht hat die Übersetzung etwas entschärft, das kann man nie ausschließen. Vielleicht WAR Shaw damals aber auch so zahm. Weitere Werke werden das zeigen. Es liegt noch einiges von ihm seit Jahren bei mir „auf Halde“ und wird nun wohl verstärkt im nächsten Jahr gelesen werden …

© 2001 by Uwe Lammers

Ich würde schon sagen, dass man davon sprechen kann, dass hier eine ziemlich bunte Mischung aus phantastischen Ge­schichten vorliegt, die einen genaueren Blick selbst nach so vie­len Jahrzehnten durchaus rechtfertigen.

In der nächsten Woche wende ich mich einem sehr viel jünge­ren Buch zu, das wieder einem vollkommen anderen Genre ent­stammt. Am ehesten lässt es sich vielleicht der Reiseliteratur zuordnen. Es ist auch eindeutig von Vorteil, wenn man – wie ich – Katzenliebhaber ist. Wir besuchen eine idyllische Mittelmeerin­sel.

Mehr sei hier noch nicht verraten. Wer mehr wissen will, schaut in einer Woche hier wieder herein.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Blogartikel 519: Leserausch und Musikzauber

Posted Juli 16th, 2023 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

die Monate März und April 2023 sind schöne Oasen des un­glaublichen Vergnügens … ich bin momentan noch ein wenig benommen von all diesen köstlichen Dingen, dass es mir schwer fällt, konkrete Worte zu formulieren. Und das, obwohl mir der Titel des heutigen Eintrags sofort klar vor Augen stand und ich exakt wusste, was ich schreiben wollte.

Klingt widersprüchlich? Ich weiß. Aber so bin ich einfach. Am besten ist es wohl, ich kehre zu den Basics zurück, damit ihr erst die Situation vor dem März 2023 versteht und dann, was sich verändert hat. Das, was noch kommen wird, ist sowieso noch nicht gescheit in Worte zu fassen.

Auf meiner AuthorCentral-Seite schrieb ich vor Jahren schon, dass Autoren üblicherweise auch Bücher lesen und gern über die positiven Leseerfahrungen schreiben. Ihr wisst das, wenn ihr meinen Blogartikeln schon eine Weile gefolgt seid, spätestens seit dem Jahr 2015, als ich meinen Rezensions-Blog begann, der inzwischen auch schon deutlich über 400 Ausgaben erreicht hat. Und es gibt noch SOOO viele Werke, die ich schon gelesen und rezensiert habe, die aber erst so nach und nach sukzessive in den Blog überführt werden.

Ganz recht, Veränderung 1 hat genau mit Büchern zu tun, ich gehe unten in die Details.

Bücherschmökern und Rezensionen dazu verfassen, das ist für mich also völlig normal. Aber ich habe natürlich auch mal ge­schrieben, dass es Zeiten zum Lesen und Zeiten zum Schreiben gibt. Ich erlebe zurzeit das faszinierende Phänomen, dass beide Sphären sich tagtäglich überschneiden, und das ist, kurz ge­sagt: der Hammer!

Da muss ich selbst lachen bei der Formulierung, aber sie trifft tatsächlich den Kern.

Gerade im Schreibprozess ist es für mich höchst stimulierend, wenn ich Musik höre. Da gibt es meine schöne alte Anlage, die inzwischen schon gut ihre 30 Jahre auf dem Buckel hat (es sind vermutlich inzwischen eher 35, würde ich vermuten), und wenn die Musik endlos strömt, strömen automatisch auch meine Ge­danken, sodass das Schreiben dann eine Art von Reflex wird, meine Bilder fließen, Welten aufblühen, Charaktere sich entwickeln und jedwedes Verstreichen von Zeit absolut jede Bedeu­tung verliert.

Ihr, die ihr ebenfalls schreibt, kennt diesen Zustand sicherlich unter dem Begriff des Flows. Und in der Tat, ganz genauso fühlt es sich an.

So war das jedenfalls bei mir, und damit kommen wir zur Stufe 2 dieses kleinen Essays, bis etwa Anfang des Jahres 2022. Denn dann gab meine Anlage den Geist auf … der zentrale Schalter war so verkantet, dass er sich beim besten Willen nicht mehr bewegen ließ.

Folge: Kein Radioempfang mehr (von meinen morgendlichen 2 Stunden Deutschlandradio abgesehen, die ich allerdings über meinen kleinen Radiowecker hörte). Die umfangreiche CD-Sammlung: Unzugänglich. Musikalische Untermalung verküm­merte nun zu einem kläglichen morgendlichen Rinnsal.

Aber ich war ja nicht vollkommen eindimensional. Während ich mich nach und nach schlau machte, wo ich vielleicht eine neue Anlage herbekommen könnte und wie viel mich das wohl kosten würde, nutzte ich eine bislang nicht in Anspruch genommene Funktion meines Laptops und schaute mich unter dem Pro­grammpunkt „Multimedia“ um.

Da gab es nicht nur die Möglichkeit, DVDs abzuspielen, sondern auch CDs. Und noch ein wenig später fand ich die Möglichkeit, CDs zu kopieren und auf der Laptop-Festplatte zu speichern … und von dort wieder abzuspielen.

Okay, dachte ich, das ist schon mal eine kleine Verbesserung. Nun kann ich wenigstens Musik hören – ausgewählte – , wäh­rend ich Mails und Blogartikel schreibe.

War das genug?

Nein, natürlich nicht. Und warum nicht? Kann ich sofort erklä­ren: Es war ein wenig wie mit dem Vergleich von Mails und Brie­fen. Wie manche von euch wissen, schreibe ich leidenschaftlich gern ausführliche Briefe, die werden dann auch leicht mal 10 Seiten lang oder umfassen noch mehr Seiten. Mails dagegen betrachte ich also eine Art von Magerform der Kommunikation. So ein bisschen wie Mineralwasser mit Sprudel (was ich bevor­zuge) und solches ohne Sprudel … das schmeckt meiner Mei­nung nach fad und abgestanden und ist nur dann zu ertragen, wenn man partout gar nichts anderes Trinkbares im Haus hat.

Will heißen: Mails sind die Schrumpfversion von Briefen.

Und Laptop-Musik war die Schrumpfversion einer voll funktions­fähigen Anlage. Das hatte einmal mit dem Tonvolumen zu tun, dann aber mehr noch mit der damit einhergehenden Tatsache, dass ich nur Musik hören konnte, wenn ich am Laptop schrieb.

Nun schreibe ich die meisten meiner Texte aber an meinem sta­tionären Computer, und es ist rein vom Platzbedarf nicht mög­lich, beide Rechner parallel arbeiten zu lassen. Also bedeutete das auch weiterhin, dass die Laptop-Speichermusik ein Notbe­helf war und immer dann wirkungslos wurde, wenn ich am an­deren Rechner Geschichten schreiben wollte.

Das wirkte sich schon auf meinen Schreibelan deutlich aus, das ist nicht zu leugnen.

Also kümmerte ich mich stattdessen dann mehrheitlich um das andere Thema, das ich oben andeutete: Ums Lesen! Und damit lande ich dann in der Gegenwart.

Im März 2023 habe ich ungewöhnlich viel gelesen. Neben Zeit­schriften und Fanzines handelte es sich primär um einen roman­tischen Romanzyklus, dem ich anfangs etwas reserviert gegen­überstand: Geneva Lees „Royal“-Zyklus um ein fiktives briti­sches Adelshaus und die romantischen (und zum Teil hocheroti­schen) Verstrickungen der Königssöhne. Offiziell waren es 7 Bände, aber ich hatte schon längst herausgefunden, dass es da­nach noch eine weitere Trilogie gab, die kurzerhand eingemein­det worden war. Das bedeutete also, es waren insgesamt 10 Bände, und jeder hatte über 300 Seiten Umfang … nachdem die ersten beiden Bände meiner Auffassung nach so la la geschrie­ben waren, wurde der Zyklus mit den Bänden 3 und 4 deutlich interessanter … und ehe ich mich versah, hatte ich im Monat März kurzerhand die Bände 3-10 verschlungen und entspre­chend rezensiert.

Meine Anlage war immer noch defekt, leider. Und da meine Fi­nanzmittel immer schmaler wurden, schien auch ein Neukauf in weite Ferne zu rücken.

Erfreulicherweise hatte ich im Dezember einen netten Men­schen kennen gelernt, der in einem Repair-Café in Braun­schweig arbeitete … und er meinte, er könne sich die Anlage ja mal anschauen.

Dann mailten wir monatelang hin und her, und es kam und kam zu keinem Treffen. Bis zum 3. April 2023. Und ohne Witz: Der Tag änderte ALLES! Dazu gleich mehr.

In der Zwischenzeit hatte ich mich entschlossen, ein paar Roma­ne nachzukaufen, um einen weiteren Zyklus zu vervollständi­gen, dessen Bände ich antiquarisch schon seit 2019 hier bei mir angesammelt hatte. Ich stellte nämlich in diesen Wochen Ende März 2023 ein wenig frustriert fest, dass die Autorin Layla Ha­gen nun schon den DRITTEN romantisch-erotischen Romanzy­klus begonnen hatte, und ich hatte noch nicht einen einzigen Band davon gelesen.

Das kann echt so nicht bleiben“, entschied ich. Von „Diamonds for Love“ hatte ich die ersten 8 (von 10) Bänden vorliegen. Da die letzten beiden nun schon auf dem Weg zu mir waren, dachte ich mir: Fang doch einfach mal an zu schmökern und schau, ob dir die Autorin zusagt.

Guter Plan.

Sehr guter Plan!!

Es mag genügen, wenn ich sage, dass ich den ersten Band mit seinen 320 Seiten Umfang binnen von zwei Tagen quasi inha­lierte. Der zweite Band ging in derselben Zeitspanne den glei­chen Weg, und aktuell bin ich ziemlich kurz vor dem Ende von Band 3 und habe Band 4 schon bereit gelegt.

Lesemarathon kann weitergehen. Man kann es auch Leserausch nennen, wie ich das oben getan habe. Die Bücher lenken mich so beispielsweise von Filmen ab, dass ich darauf wirklich so gar keinen Bock habe. Nee, denke ich mir dann lächelnd, lieber noch ein paar Kapitel über die Kinder der Bennett-Dynastie le­sen und schauen, was die so treiben.

Und ich kichere viel dabei und lache bisweilen schallend – viel bessere Unterhaltung als Geneva Lee (sorry, Mädel, das ist mei­ne private Meinung. Du magst zwar via Klappentext Layla Ha­gen in den Himmel loben, aber verschwiegen wird, dass deine Romane nicht mal näherungsweise so witzig, lebendig und fröh­lich sind wie ihre).

Tja, und während ich so im Leserausch war, kam dann der Ter­min mit meinem Repair-Café-Bekannten zustande, und dann stand er vor meiner Wohnungstür mit schwerem Werkzeugkof­fer … und während wir Tee tranken und Waffeleier knusperten, uns über sein Leben und meins unterhielten, reparierte er auf wunderbare Weise meine Anlage.

Gott, ich war selig, als der Knopf endlich wieder funktionierte und die Lautsprecher nach rund anderthalb Jahren Musik wie­dergaben!

Als er dann schließlich wieder aufbrach, wobei wir wegen des Autoren-Nachlassarchiv-Projekts definitiv in Verbindung bleiben werden (er ist beruflich ITler und findet das Projekt als Heraus­forderung für Speichertechniken reizvoll und will sich da einbrin­gen!), nutzte ich die wieder funktionierende Technik und hörte mich durch ein paar CDs.

Und durch noch ein paar CDs.

Und parallel dazu warf ich meinen stationären Rechner an und schrieb und schrieb und schrieb.

In gelegentlichen Pausen begab ich mich, von Musik umströmt, in die Küche, kochte Tee, wusch ab oder las an Layla Hagen Band 3 weiter.

Und auf dieser steten Welle der Kreativität reite ich aktuell. Es lässt sich, wie ich eingangs sagte, kaum gescheit in Worte fas­sen, wie ich mich zurzeit fühle. Es ist grandios und unglaublich inspirierend. Ich habe heute sogar, weil ich eine bemerkenswer­te Lösung für ein sehr altes Problem fand (das im KONFLIKT 13 zu finden ist, also aus dem Jahr 1985 stammt!), am Reinskript des BUCHES „DER CLOGGATH-KONFLIKT“ weitergeschrieben, was ich seit geraumer Zeit nicht mehr machte.

Ich denke, das ist alles erst der Anfang.

Musik beflügelt mich in erstaunlicher Weise, und da ich nun un­abhängig bin von der Schmalspur-Laptop-Musik-Lösung (furcht­bares Wort, aber mir fiel auf die Schnelle kein passenderes ein), ist anzunehmen, dass in naher Zukunft noch ein paar auf Eis ge­legte Dinge wieder deutlich an Fahrt gewinnen werden.

Zwei „Nachdrucke“ bei XinXii habe ich als E-Books schon hoch­geladen, es werden definitiv alsbald noch weitere folgen. Und dann gehe ich fraglos auch weitere neue E-Book-Projekte wieder an und kümmere mich um jene Werke, die schon seit langer Zeit auf Vollendung warten.

Leute, es bleibt total spannend, und ich bin wirklich superhap­py, dass die Welt sich hier wieder vernünftig im Takt der Musik dreht und mich motiviert.

Bleibt neugierig! Bis bald, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

(BS, 4. April 2023)

Rezensions-Blog 412: Dublin Street: Gefährliche Sehnsucht

Posted Juli 12th, 2023 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

erotische oder erotisch-romantische Romane sind durchaus mein Ding, seit einer ganzen Reihe von Jahren schon. Wenn­gleich ich eingestehen muss, dass recht viele davon eher wild zusammengeschustert sind, gewissermaßen nach einer struktu­rellen Blaupause, die man relativ rasch durchschauen kann, so gibt es doch manche darunter, die sich grundlegend unterschei­den.

Zu diesen Romanen möchte ich die Serie der „Edinburgh Love Stories“ rechnen, die die Autorin Samantha Young verfasst hat. Der erste Band davon ist der Roman, den ich euch heute vor­stellen möchte.

Zugegeben: Wenn man das Genre nicht gewohnt ist und man damit rechnet, schnell einen gescheiten Überblick über die Lage zu bekommen, könnte es sein, dass man sich hier ein bisschen schwer tut. Aber wer etwas Geduld an den Tag legt, wird schön entschädigt. Denn was wir hier im Buch auftreten sehen, ist kein plump-schematisches Personal, das den ganzen Roman hindurch gleich bleibend ist. Es sind tatsächlich lebendige, glaubwürdige Protagonisten mit sehr menschlichen und indivi­duell sehr verschiedenen Problemkomplexen, die sie mit sich herumschleppen. Und die Personen entwickeln sich im Zuge des Zyklus zunehmend … ja, die Romane hängen alle personell mit­einander zusammen und sind recht eng verzahnt. Außerdem bauen sie aufeinander auf, sodass es sich nicht empfiehlt, mit Band 2, 3 oder 4 zu beginnen oder zu glauben, die Reihenfolge sei beliebig.

Startet am besten mal mit diesem Band und schaut, ob es euch reizt, detaillierter am Leben der etablierten Protagonisten teilzu­haben, als das im Rahmen einer schlichten Rezension möglich ist. Ich fand diesen Blick in die Seelen von ein paar Bürgern der Stadt Edinburgh sehr anregend und lehrreich:

Dublin Street: Gefährliche Sehnsucht

(OT: On Dublin Street)

von Samantha Young

Ullstein 28567

432 Seiten, TB

Februar 2013, 9.99 Euro

Aus dem Englischen von Nina Bader

ISBN 978-3-548-28567-2

Jocelyn Butler ist ein tiefes Wasser. Die junge Amerikanerin hat in Edinburgh studiert und sich dort mit ihrer besten Freundin Rhian niedergelassen. Durch ihr elterliches Erbe von Geldsorgen befreit, ist sie nun genötigt, eine neue Bleibe in der Stadt zu fin­den, als Rhian mit ihrem gemeinsamen Freund James nach Lon­don zieht. So kommt sie zu dem noblen Wohnraum in der Dublin Street, in der Ellie Carmichael eine Mitbewohnerin sucht. Die beiden jungen Frauen verstehen sich sofort bestens, was nie­mand mehr verblüfft als Joss (sie gestattet niemandem, sie Jo­celyn zu nennen – die Gründe dafür liegen tief in ihrer Vergan­genheit und hinter den Stahltüren ihrer Seele verborgen). Denn Joss ist jemand, der niemandem mehr vertraut. Sie hat auf här­teste Weise lernen müssen, was das für seelische Wunden zu­fügt und fest entschlossen, das niemals wieder zuzulassen.

Das Leben wünscht sich indes etwas anderes, und das hat nicht nur mit der hinreißend naiven und offenherzigen Ellie zu tun, die sich mühelos in Jocelyns Herz hineinschleicht.

Schon kurz nach dem Einzug in die Dublin Street wird Joss beim ersten Baden unvermittelt von einem unverschämten Kerl über­rascht – just dem attraktiven Anzugträger, mit dem sie schon am Taxi kollidierte, das sie zum ersten Besuch in der Dublin Street brachte. Zu dumm: Im Badezimmer ist kein Handtuch, der unverschämte Kerl sieht Joss also kurzerhand splitterfaser­nackt … und scheint sehr angetan zu sein von dem, was er sieht.

Warum hat er einen Schlüssel für Ellies Wohnung? Weil er ihr Bruder ist, Braden Carmichael, erfolgreicher Jungunternehmer in Edinburgh und notorischer Playboy mit ständig wechselndem weiblichem Anhang – etwas, was Ellie kategorisch missbilligt. Und nun beginnt Braden damit, sich auf Joss einzuschießen. Und das, obwohl er, wie sich schnell herausstellt, eine Freundin hat … nun, was man so Freundin nennen kann.

Rasch entdeckt Joss zudem, während sie an ihrem Plan feilt, eine freiberufliche Schriftstellerin zu werden und nebenbei an einigen Tagen im „Club 39“ als Bedienung arbeitet, dass sich eine menschliche Nähe zu ihren neuen Freunden in Edinburgh einstellt, die ihr durchweg unheimlich ist. Der Grund dafür, dass ihr das eher unheimlich ist, wurzelt in Jocelyns Panikattacken, die zwar schon sehr lange zurückliegen und mit ihrer traumati­schen Vergangenheit zu tun haben. Sie rühren von dem tragi­schen Verlust ihrer ganzen Familie her, als sie 14 Jahre alt war, was gleich im Prolog thematisiert wird. Das liegt nun schreckli­che acht Jahre zurück, aber wiewohl sie sich anderes einredet, hat sie diesen Verlust nie wirklich verarbeitet.

Jetzt kehren diese Panikattacken wieder, schlimmer denn je, und sie sind offensichtlich unberechenbar – grässliche Flash­backs, bei denen die ganze Umwelt um sie herum im Strudel der Vergangenheit versinkt und Joss kollabieren lässt. Sie kön­nen sie in der heimischen Küche in der Dublin Street überfallen, bei einem gemeinsamen Essen mit Ellies und Bradens Familie oder im Fitnessstudio, während sie auf dem Laufband trainiert. Bei der Gelegenheit lernt sie dann auch noch Gavin kennen, was neues Krisenpotenzial heraufbeschwört. Und zudem befin­det sich Joss rasch außerdem in einer Art ungefragter Schieds­richterrolle zwischen Ellie Carmichael und Bradens Arbeitskolle­gen Adam, die in einer höchst unentschlossenen Form von Bei­nahe-Beziehung gefangen sind.

Eigentlich will Joss also gar keine Nähe, kapselt sich ab und pan­zert ihre Seele ein, weil sie fest davon überzeugt ist, sowieso je­dem Menschen in ihrer Umgebung nur Schaden zuzufügen, wenn sie Nähe zulässt – und zu leiden, wenn diese Gefühle bu­merangartig zu ihr zurückkehren.

Aber Braden Carmichael, der immer stärker von dieser resolu­ten, kratzbürstigen und abweisenden Frau angezogen wird und spürt, dass unterschwellig dieselben Gefühle an Joss nagen, ist fest entschlossen, sie in sein Bett zu bekommen. Was das zur Folge hat, vermögen sich beide nicht einmal entfernt vorzustel­len …

Mit Samantha Young habe ich eine weitere höchst interessante und sehr lesenswerte Autorin entdeckt, die ungeniert als New York Times-Bestsellerautorin plakatiert wird (wie etwa auch Clive Cussler auf der maskulinen Seite), und der erste Band ihres auf sieben Bände angelegten Zyklus „Edinburgh Love Sto­ries“, der hiermit vorgelegt wird, kam alleine bis 2015 auf sie­ben deutsche Auflagen (das ist die Ausgabe, die mir vorliegt, ich kann mir mühelos vorstellen, dass es inzwischen zahlreiche weitere gab). Nachdem ich im ersten Anlauf mehr als hundert­dreißig Seiten weit kam und mich dann, familiär bedingt, mit dem weiteren Lesen zurückhalten musste, dauerte es nur bis zum Ende des zweiten Lesetages, um das Buch dann vollstän­dig auszulesen – ein klares Qualitätsurteil, weil ich sonst bei Ro­manen dieses Typs meist drei bis vier Tage brauche. Hier konnte ich mit dem Lesen aber einfach nicht mehr aufhören, und das hatte nichts damit zu tun, dass es so hitzige Liebesszenen gab (die in der zweiten Hälfte des Romans natürlich dennoch reich­lich vorkommen).

Woran lag das dann?

Es waren die Persönlichkeiten, die mich daran reizten. Insbeson­dere bestürzend fand ich Joss´ Panikattacken, deren tiefere Hin­tergründe sich erst nach und nach aus den Nebeln der Vermu­tungen schälen. Und ihre … ja, man muss wirklich sagen: maso­chistische Veranlagung, dem eigenen Glück im Weg zu stehen, die hat mich auch mitfiebern lassen. Demgegenüber bleibt Bra­den dummerweise recht lange diffus. Auf eine neckische Weise passen die beiden recht gut zueinander, der nach außen unge­nierte Lebemann, der Frauen wie Dutzendware zu sich ins Bett zieht und wieder an die Luft setzt, und Joss, die keinen Kerl mehr an sich ranlässt und sich dann, als sie der Anziehung Bra­dens nachgibt, kurzerhand selbst wieder wegschleicht – wie sonst üblicherweise ein Kerl bei One Night Stands … und noch grotesker sind dann ihre Hilfeversuche gegenüber Ellie, die durch die Metaperspektive von Jocelyns Gesprächen mit ihrer Therapeutin in Edinburgh gewissermaßen von außen beleuchtet werden.

Da dachte ich mir dann immer: es ist doch interessant, wie ähn­lich die Probleme sind, mit denen sich Joss und Ellie herum­schlagen. Und noch witziger, dass Joss zwar dieses Problem bei ihrer Freundin genauestens sieht, aber unfähig ist, die mentale Übertragung auf das eigene Leben durchzuführen. Stattdessen steht sie lange, lange, lange völlig auf dem Schlauch, und es bedarf einiger dramatischer Vorkommnisse, die zu tränenrei­chen Konsequenzen führen, ehe der harte Panzer ihrer Unzu­gänglichkeit aufgeweicht wird. Das ist manchmal regelrecht quälend mit anzusehen, aber auf der anderen Seite auch – wie mir schien – durchaus glaubwürdig umgesetzt. Auf den theatra­lischen deutschen Untertitel sollte man allerdings nicht viel ge­ben, sonderlich „gefährlich“ wird’s in dem Roman eigentlich nicht, eher emotional dramatisch.

Glaubwürdige Personen, komplizierte Biografien und sehr emotionale Seelen, das ist jedenfalls das Erfolgsrezept dieses Romans und zweifellos auch der folgenden, die alle in und um Edinburgh spielen und im weiteren Dunstkreis um Jocelyn Butler und Braden Carmichael handeln. Der zweite Band, „London Road“, hat beispielsweise Joss´ Arbeitskollegin Johanna Walker (die in diesem Band nur „Jo“ genannt wird) als Fokus, mit der sie im „Club 39“ zeitweise zusammenarbeitet. Ich bin gespannt, wie sich diese Lebensspur entwickelt. Das vorliegende Buch ist auf jeden Fall für jeden romantischen Leser eine Entdeckung wert.

© 2019 by Uwe Lammers

Ich denke, das mag als Appetizer für diesen Roman dann erst einmal hinreichen. Fortgesetzt wird diese Reihe im Blogartikel 416 in vier Wochen. In sieben Tagen an dieser Stelle kehren wir ins Genre der Science Fiction zurück mit einem recht alten, aber immer noch durchweg empfehlenswerten Buch, über das ich noch nichts Näheres verraten mag.

Schaut einfach wieder rein, Freunde!

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Blogartikel 518: Captain Future und Mike Cole

Posted Juli 9th, 2023 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

es gibt schon eigenartige Momente im Leben eines Kreativ­schaffenden. Mir ist das jüngst wieder so ergangen, und darum ist heute mal der Zeitpunkt, wo ich darüber erzählen möchte. Dabei gebe ich euch gleich Einblick in zwei Denkwelten, die chronologisch viel miteinander gemeinsam haben, obgleich zwi­schen ihnen formal wenigstens ein Abstand von 40 oder 50 rea­len Jahren liegt.

Edmond Hamilton (1904-1977) verfasste in den 30er Jahren die Space Opera-Romane um den Weltraumhelden Captain Future. Augenscheinlich wurde dann seitens filmischer Verwertung ab­gewartet, bis er verstorben war, ehe ab 1978 eine japanische Adaption der Captain Future-Abenteuer das Licht der Welt er­blickte. Nüchtern betrachtet muss man dazu sagen, dass die Zeichentrickfilmserie, die dann sehr zeitnah in Deutschland ver­öffentlicht wurde, nicht nur massive Kürzungen aufweist (was man an manchen Vorspannblenden und erzählten Informationen erkennen kann, die sich in der filmischen Handlung selbst nicht finden). Sie wurde auch einfach nur noch gruselig getextet und übersetzt.

Da gehen „Sonnensysteme“ und „Galaxien“ munter durcheinan­der, Sternbildnamen werden willkürlich verwendet, Lichtjahre mutieren zu Zeitangaben, von Distanzangaben schweigen wir mal und von so abstrusen Erfindungen wie „Kosmomeilen“ … heutzutage muss man diese Adaption doch leider, halbwegs kri­tisch betrachtet, für schlecht befinden bzw. sogar als Desinfor­mation für Kinder einstufen. Schweigen wir von den haarsträu­benden Handlungsfehlern, der zum Teil wirklich gruseligen Zeichnungsweise, die durch unzählige verschiedene Zeichner hervorgerufen wurde.

So könnte man also theoretisch den Mantel des Schweigens über die Captain Future-Verfilmung legen. Dummerweise traf die Verfilmung mit mir anno 1979 auf einen äußerst beeinfluss­baren Kinderverstand. Im Alter von 13 Jahren hatte ich mich schon ziemlich intensiv im nachmaligen Oki Stanwer Mythos (OSM) eingerichtet, auch wenn er diesen Namen erst 1985 er­halten sollte. Und so ungenügend auch die Raumabenteuer des Captain Future waren, so sehr animierten sie doch meine Phan­tasie.

Vor einer Weile schaute ich mir die alten Folgen noch einmal an und wurde sehr hellhörig, als ich den Zyklus um das Geheimnis der sieben Weltraumsteine anschaute. Dieser Zyklus um den Verbrecher Vul Kuolon, den so genannten „Magier vom Mars“ (ein Begriff, der in der Fernsehserie nie begründet wird, sich aber wohl in den Originalromanen plausibler erklärt findet), han­delt von einer uralten Hinterlassenschaft eines angeblich vor 200.000 Jahren untergegangenen Volkes. In den sieben Welt­raumsteinen soll ein Geheimnis verschlüsselt sein, das den Weltraum erschüttern kann, und Vul Kuolon, Futures Erzfeind, versucht nun, die Steine in seinen Besitz zu bringen und ihr Ge­heimnis zum Schaden der Menschheit auszunutzen.

Ich greife mal vorweg und verrate, dass das letzten Endes (na­türlich) misslingt. Aber es gibt in diesem Zyklus eine Szene, wo man die sieben Weltraumsteine auf einem Samtkissen liegend sehen kann, kreisförmig angeordnet mit einem speziellen Stein in der Mitte.

Und dieses Bild kannte ich, weil ich es auf frappierende Weise vor sehr langer Zeit schriftstellerisch verwertet hatte.

Ich ging also in mein Bibliothekszimmer und nahm dort eine Mappe aus dem Schrank meines selbst geschriebenen Roman­archivs. Der 120 Seiten lange Roman (bislang nur analog exis­tent) trägt den Titel „Sternenjuwelen“ und ist Band 5 einer Ro­manserie, die ich 1985 um den Weltraumdetektiv Mike Cole ent­wickelte. Den Roman selbst hatte ich schon lange nicht mehr in den Fingern gehabt und die Handlung zu einem Gutteil verges­sen. Nun war ich aber neugierig geworden, ob meine Erinne­rung stimmte … und ja, das tat sie.

In der Tat gibt es da eine Szene um ein solches Samtkissen mit sieben Sternenjuwelen, die so angeordnet sind, wie es in der Captain Future-Episode der Fall war. Allerdings war der Kontext hier ein völlig anderer. Und damit er etwas transparenter wird, sollte ich etwas mehr von dieser Serie bzw. ihrem Hintergrund erzählen:

Die Mike Cole-Serie spielt im Jahre 2254. Die Menschheit hat sich über mehr als tausend Kolonialwelten ausgebreitet, und die Verwaltungszentren sind die Erde und der Planet Paumer IV (die Heimat von Mike Cole und eigentlich der zentrale Handlungs­ort). Nur wenige Jahre zuvor hat der so genannte Prokyon-Krieg gewütet, der binnen von ein paar Jahren entschärft werden konnte. Wesentlich wichtiger für die Serie ist der so genannte Genetische Krieg, der fünfzig Jahre zuvor tobte und bei dem ganze Planeten verwüstet und verseucht worden sind. Diese sind inzwischen zu so genannten „Sperrplaneten“ erklärt wor­den.

Die Verantwortlichen für den Genetischen Krieg sind zu einem erheblichen Teil noch auf der Flucht und werden als Genetische Krieger bezeichnet. Hier ergibt sich durchaus eine Parallele zu untergetauchten Nazis nach dem Zweiten Weltkrieg, was die Serie auch historisch durchaus interessant macht. Falls ich sie einmal weiterführen werde – es gibt insgesamt 25 Romane, aber die Handlungsfäden weisen noch wesentlich weiter in die Zukunft – , kann ich hier mein durch das Studium der Ge­schichtswissenschaften erworbene Wissen einarbeiten.

Im Jahre 2254 gibt es zudem eine terranische Kolonialwelt, die sich immer stärker von Terra emanzipiert, die Kolonie Linden. Die Lindianer, die zwischenzeitlich sehr stark aufgerüstet ha­ben, streben vollständige Autonomie an. Zu der Zeit, zu der der genannte Roman spielt, er fällt in jene Zeit, wo der Weltraumde­tektiv Mike Cole gerade ganz frisch seine Agentur angemeldet hatte und ist daher prinzipiell als „Remember-Band“ einzustu­fen, befinden sich das Reich und Linden in einer sehr ange­spannten Lage.

Dies ist der Augenblick, in dem ein Doppelagent mit dem Na­men Hekhor tätig wird und eine Reihe von Attentaten in Szene setzt, mit denen er die Lindianer und Terraner gegeneinander aufhetzen will. Die Lindianer aktivieren schon ihre Raumflotte, die militärisch der terranischen zu diesem Zeitpunkt überlegen ist, und es bleiben keine 24 Stunden mehr, um den Angriff auf Terra und Paumer IV abzuwenden.

Das ist dann der Moment, in dem Mike Cole überraschend in diese Geschichte hineingerät. Er denkt anfangs noch, dass der Mord an dem Diplomaten Gordon Sandhurst, der sich am Rand der Hochzeitsfeier des Magnaten Tenno Fucashi und seiner lindianischen Braut Terry Hynor ereignet, eine rein planetare Angelegenheit ist.

So kommt er unerwartet auf die Abschussliste des Doppelagen­ten Hekhor, und so muss er schließlich mit dem TS, dem Terra­nischen Sicherheitsdienst, und seinem knurrigen Chef Jean Don­net zusammenarbeiten. Einmal, um den Krieg zu verhindern, zum anderen aber auch, um selbst am Leben zu bleiben.

Auf diese Weise kam es, für mich aus einer Distanz von mehr als 37 Schreibjahren, doch einigermaßen überraschend, dass ich aus so einem kleinen Handlungsdetail einer eher mäßig ge­machten SF-Romanverfilmung einen strukturell veralteten und stilistisch in vielerlei Hinsicht reformbedürftigen, ansonsten aber packenden Detektivroman im SF-Milieu entwickelt habe.

Ich glaube, beizeiten muss ich mich wirklich mal dem Plan wid­men, die alten Romanskripte der Mike Cole-Serie abzuschreiben und sie mir von neuem ins Gedächtnis zurückzurufen. Der ein­zelne Fall des Romans „Sternenjuwelen“ zeigt mir jedenfalls, dass das durchaus lohnend sein dürfte.

Mit diesen Gedanken möchte ich für heute wieder schließen. Macht es gut und bis demnächst, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 411: Sandsturm

Posted Juli 5th, 2023 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

unter diesem unscheinbaren Titel verbirgt sich ein unerwartet spannendes Abenteuer und zugleich der Auftakt einer vielbändi­gen Abenteuerroman-Reihe, in der sich nicht eben selten Ele­mente des traditionellen Politthrillers mit denen akribischer und komplexer Schatzsuchergeschichten vermischen. Zuweilen sind sie – wie im vorliegenden Band – auch noch mit ausgesproche­nen Science Fiction-Ideen verknüpft, sodass teilweise der Boden der strikten Naturwissenschaft verlassen wird und der Autor sich in das Feld der möglichen, spekulativen Ideen verlagert. Das sorgt für nicht eben wenige Überraschungen.

Ich schätze solche Romane und Autoren, die sich in Grenzberei­chen der Genres aufhalten und voraussehbare Handlungsstruk­turen gezielt aufbrechen, um das Unberechenbare in Szene zu setzen. Das macht Geschichten dann wirklich spannend, und sofern sie sich nicht in den Windungen der Story verirren und abheben – Rollins gelingt diese Gratwanderung souverän – , kommt am Ende ein Werk heraus, das den Leser wirklich nicht mehr in Ruhe lässt und ihn durch die Seiten jagen lässt, bis er endlich die letzten Zeilen gelesen hat.

Die geheimnisvolle, finanziell und wissenschaftlich hochpotente „Gilde“ als Geheimbund und Antagonist der „Sigma Force“ hat in etwa denselben Stellenwert wie in den James Bond-Filmen die Terrororganisation SPECTRE … nur damit ihr wisst, in welcher Liga diese Auseinandersetzung spielt. Und damit ist natürlich auch klar, dass dies nicht ein Einmal-Event ist, sondern lediglich der sehr spannende Auftakt einer ganzen Romanreihe.

Aber schaut euch erst mal an, wie das alles losgeht. Besuchen wir für den Anfang mal das Britische Museum in London und werden Zeuge einer beispiellosen Explosion …

Sandsturm

(OT: Sandstorm)

Von James Rollins

Blanvalet 36266

Juli 2005, 12.00 Euro

608 Seiten, TB

Übersetzt von Klaus Berr

ISBN 978-3-442-36266-0

Alles beginnt im Britischen Museum in London in einer gewittri­gen Nacht Mitte November eines nicht näher bezeichneten Jah­res, das aber einige Jahre nach den Anschlägen auf das World Trade Center handelt. Während eines Stromausfalls kommt es in dieser Nacht zu einem spektakulären Zwischenfall – mitten durch das Museum geistert offensichtlich ein Kugelblitz, und ein Wachmann wird Zeuge dieses seltsamen Vorkommnisses und verfolgt das Phänomen bis in die Antikensammlung, deren zen­trales Artefakt ein Gegenstand ist, der wie ein Kamel aus Eisen wirkt. Womit niemand rechnet, ist dies: Unvermittelt reagieren Kugelblitz und Eisenkamel miteinander, und letzteres explodiert mit unglaublicher Energieentfaltung.

Die Explosion und der schlagartige Tod des Wachmanns rufen verschiedene Personen auf den Plan. Zunächst die Mäzenatin der Sammlung, Kara Kensington, dann ihre enge Freundin, die Kuratorin Dr. Safia al-Maaz, die nach einem Terroranschlag im Nahen Osten hier in London mühsam einen sicheren Hafen ge­funden hat. Das hört im Gefolge dieser Geschehnisse alsbald auf, denn die Untersuchungen, die zunächst in Richtung eines Terroranschlags führen, fördern alsbald ungeheuerliche andere Dinge zutage: in einer teilweise zerstörten Sandsteinstatue ent­deckt Safia nichts Geringeres als ein metallenes Herz, das per­fekt dem eines Menschen nachgebildet ist, und die darauf zu findenden Schriftzeichen deuten auf ein uraltes Geheimnis.

Auf die Stadt Ubar, die in omanischen Legenden und auf Umwe­gen auch in Tausendundeiner Nacht, in der Bibel und als „Irem, die Stadt der Säulen“ sogar bei H. P. Lovecraft verewigt wurde. Auf der Suche nach Ubar ist vor vielen Jahren Karas Vater, Lord Reginald Kensington, im Oman ums Leben gekommen, in einem unheimlichen Phänomen, einem so genannten „Wüstenteufel“ (Nisnases).

Doch nun scheint die vor Jahren eigentlich gefundene Stadt Ubar offensichtlich weitere Geheimnisse zu bergen – und es sind absolut tödliche Geheimnisse, wie schnell offensichtlich wird, als Diebe ins Museum eindringen und das Herz zu rauben versu­chen.

Es ist das Glück Safias, dass zu diesem Zeitpunkt bereits zwei Personen aus den USA in der Tarnidentität als Wissenschaftler eingetroffen sind. Sie sind allerdings keine Wissenschaftler, nicht streng genommen. Stattdessen sind Painter Crowe und Dr. Coral Novak Mitglieder der Geheimorganisation „Sigma Force“. Die Sigma Force ist der geheime Arm der DARPA, mithin im Kern Teil des militärischen Dienstes der Vereinigten Staaten. Unter dem Leiter Tony Rector ist es Aufgabe der Sigma Force, wissen­schaftlich-technische Gefahren und Entdeckungen für die Verei­nigten Staaten zu neutralisieren oder entsprechende Erfindun­gen sicherzustellen. Und die Detonation im Britischen Museum in London deutet einwandfrei auf eine Antimaterieexplosion hin. Auf instabile Antimaterie – wenn noch mehr davon existiert, muss sie unbedingt sichergestellt werden, um nicht in falsche Hände zu geraten.

Painter Crowe und Coral Novak kommen gerade noch rechtzei­tig, um den Diebstahl des Herzens zu verhindern und die Ermor­dung von Safia zu vereiteln. Doch die Hauptperson der Attacke entkommt. Und Painter Crowe hat sie erkannt: Es handelt sich um Cassandra Sanchez, seine vormalige Partnerin, die seit fünf Jahren in der Sigma Force als Doppelagentin aktiv war und von ihm kurz zuvor enttarnt worden ist.

Die Spur, die das metallene Herz weist, führt offenkundig in den Golfstaat Oman – dorthin, wo Safia al-Maaz, ihre enge Freundin und Gönnerin Kara Kensington und deren Vater gelebt haben. Kara ist dort eine prominente Person wegen der zahlreichen hu­manitären Projekte und Förderfonds, von denen der Oman profi­tiert hat. Painter Crowe und seine Kollegin schließen sich der Ex­pedition an, weil ihnen durch die wissenschaftliche Expertise in­zwischen klar geworden ist, dass die Antimaterie offensichtlich Teil der Eisenstatue war und ebenso Teil des metallenen Her­zens. Wenn es mehr von diesem Material gibt, kann es ebenso instabil werden wie im Britischen Museum – und das kann dann eine Katastrophe auslösen, die eine Nuklearexplosion bei wei­tem überschreitet (es wird nicht umsonst auf die Tunguska-Ka­tastrophe von 1908 verwiesen!).

Kara Kensington bestimmt außerdem etwas herrisch Dr. Omaha Dunn zum Expeditionsleiter, wohl wissend, dass das problema­tisch ist. Safia und Omaha waren verlobt und haben seit ihrer Trennung ein schwieriges Verhältnis zueinander. Außerdem ist Omaha (Dunn: „Mein Name ist nicht Indiana Jones!“ Kara: „Ach, ihr Amerikaner klingt für mich alle gleich, Indiana …“) ein Aben­teurer, der ziemlich unberechenbar ist. Und er ist immer noch in Safia verschossen – was ein neues Spannungsfeld aufbaut, als er entdeckt, dass sich Safia und der Halbindianer Crowe näher kommen.

Das ist aber nicht ihr größtes Problem. Es gibt drei weitere.

Zum einen wird schon vor Ankunft der Hauptgruppe im Oman versucht, Omaha und seinen Bruder Daniel zu entführen (was fehlschlägt). Offenbar besteht diese Entführergruppe aus Frau­en. Niemand versteht das.

Zum zweiten setzt sich Cassandra Sanchez auf Painter Crowes Fährte. Sie arbeitet für eine weltweite Untergrundgruppe, die „Gilde“, und sie hat ganz offensichtlich die Sigma Force unter­wandert, nutzt deren Technologie und horcht ihren Funkverkehr ab, so dass sie über jeden Schritt der Expedition vorab Bescheid weiß.

Und zum dritten braut sich über dem Land ein monströser Sand­sturm zusammen, der direkt über Ubar ziehen wird – und sie wissen alle, was elektrische Entladungen und die hierdurch möglichen Kugelblitze mit dem auf unbegreifliche Weise stabili­sierten Antimaterie-Artefakten anrichten können.

Dann gerät Safia al-Maaz in Cassandras Hände, und ein Wett­lauf gegen die Zeit beginnt, auf der Suche nach dem Mysterium von Ubar inmitten der omanischen Wüste … und auf grässliche Weise erwachen die uralten Legenden zu neuem Leben und bringen von neuem den Tod …

Also, ich muss schon sagen … ich wusste, dass Rollins (mit bür­gerlichem Namen heißt er Jim Czajkowski, aber der ist natürlich nicht so eingängig) packend schreiben kann, dennoch ist das hier etwas völlig anderes als seine Romane zu den Indiana Jo­nes-Filmen! Hier spult er ein dramatisches, wendungsreiches Geschichtengarn ab, das den Leser so gar nicht mehr in Frieden lässt. Ich kam infolgedessen auch binnen von nur zwei Tagen durch diesen wirklich textreichen Klotz Buch hindurch und habe mich absolut überhaupt nicht gelangweilt.

Es wimmelt von raffinierten Schatzsucherstrukturen, von plausi­bel erklärter Wissenschaft, von historischer Akkuratesse, kultu­rell schön dargestellten Schauplätzen, die bis in die feinsten Verästelungen hinein mit viel Liebe zum Detail dargestellt wer­den. Zum Teil extrem dramatische Kämpfe zu Land, zu Wasser, in der Luft und unter der Erde würzen die Geschichte auf enorm wirkungsvolle Weise. Starke Frauenfiguren prägen den Roman, wiewohl sie allesamt in sich gebrochen sind. Doch die Bewälti­gungsstrategien dieser biografischen Bruchstellen sind ganz un­terschiedlich.

Was solchen Romanen eine besondere Qualität verleiht, sind im­mer charismatische Villains. Stumpfsinnige Charaktere, wie sie – leider – manche Bücher von Clive Cussler bevölkern, sucht man hier wirklich vergebens. Immer dann, wenn man als Leser glaubt, dass Painter Crowe doch endlich mal die Oberhand ge­winnen müsste, erweist sich, dass seine intrigante Gegnerin Cassandra schlauer ist als er, und das gilt buchstäblich bis ganz zum Schluss. Dass Crowe dennoch am Schluss siegreich aus der Auseinandersetzung hervorgeht, liegt wesentlich an Faktoren, die er selbst nicht beeinflussen kann – an Safia al-Maaz etwa, an den Einheimischen des Oman und an den Naturgewalten, die eine beispiellose Katastrophe auslösen.

Besonders gefallen hat mir an dem Roman, dass selbst überall da, wo man eigentlich gar nicht erwartet, wissenschaftliches Knowhow vorzufinden, die Erklärungen so präzise sind. Ob es um Magnetfeldschwankungen der Erde geht, um Buckyballs, um die spezielle Struktur von Wasser, um die mitochondriale DNS … da gibt es z. T. richtige Science Fiction-Elemente, die aber so plausibel dargestellt werden, dass man tatsächlich meint: Ja, so könnte es vielleicht wirklich sein. Und dieser schmale Grat zwi­schen Fiktion einerseits und wissenschaftlich glaubwürdiger Darstellung von Fakten ist schwer zu erreichen, das ist wirkliche Meisterschaft.

Kein Wunder also, dass der Roman zum Bestseller wurde und zum Auftakt einer Reihe geworden ist, die inzwischen wenigs­tens 12 Bände umfasst. Ach ja … und natürlich ist die Sache mit der „Gilde“ noch nicht vorbei. Das sollte niemand glauben. Es wurde eine Schlacht gewonnen, aber wie der Krieg Gilde gegen Sigma Force ausgeht, steht noch in den Sternen.

Es bleibt spannend.

© 2019 by Uwe Lammers

Ja, ja, aufregend ist das gewesen. In der kommenden Woche könnt ihr euch ein wenig herunterkühlen. Wir machen einen Be­such in der schottischen Metropole Edinburgh und lernen ein paar interessante Persönlichkeiten kennen. Mehr sei hierzu heu­te noch nicht verraten.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde des OSM,

wie jüngst versprochen, schauen wir uns heute mal das letzte Quartal des Jahres 2019 hinsichtlich jener Werke an, die man di­rekt oder im weiteren Sinne zu den „Annalen der Ewigkeit“ rechnen kann. Kommentierte OSM-Episoden, Horrorwelt-Folgen, Rezensionen, Fanzineredaktionen, Non-OSM-Storys, Archipel-Geschichten usw. bleiben hier konsequent außen vor. Ja, ihr merkt schon, dass diese Artikelreihe – wie auch die anderen summarischen, zu denen eben die „Work in Progress“-Reihe zählt – immer viel meines kreativen Schaffens ausblendet. Des­halb wundert euch also nicht zu sehr, wenn vieles hier über Mo­nate oder Jahre im Bearbeitungsstatus verharrt und einfach nicht fertig wird.

Wie sah das diesbezüglich also in den Monaten Oktober, No­vember und Dezember 2019 aus? Nun, mit 30, 43 und 35 been­deten Werken, so dass das Jahr 2019 auf insgesamt 420 vollen­dete Schriftwerke kam, fiel die Gesamt-Kreativbilanz recht gut aus. Da habe ich schon viel schlimmere Jahre erlebt.

Aber wie reduziert sich das alles, wenn wir allein die „Annalen“-Werke gelten lassen? Nun, folgendermaßen sieht es dann aus:

Im Oktober kümmerte ich mich um das E-Book „BdC 2 – Ge­strandet in Bytharg“ … ich wünschte, es wäre zu vermelden, dass es inzwischen fertig ist, aber euch anzulügen, wäre kein guter Stil. Nein, es ist immer noch eine Baustelle, leider.

Dann feilte ich am E-Book „Krisenherd Xoor‘con“ weiter, aber auch das ist bis heute eine Baustelle geblieben. Ebenso er­ging es „Sterneninsel der Wunder“, bekanntlich die Roman­darstellung des KONFLIKTS 3 des OSM. Und die Reihe der unvoll­endeten Werke, an denen ich in diesen Tagen des Oktober feilte, lässt sich noch verlängern: Da wäre „Rilaans Geschichte“ zu nennen, die im KONFLIKT 4 „Oki Stanwer – Der Insel-Regent“ (IR) vor dessen episodischem Beginn angesiedelt ist, gleicher­maßen ist „Das Geheimnis von Church Island“ aus KON­FLIKT 13 „Oki Stanwer Horror“ zu nennen und „Bewusstwer­dung“, womit ich kurz Einkehr in KONFLIKT 7 „Oki Stanwer – Held der Hohlwelt“ (HdH) hielt.

Ihr seht … ich sprang ziemlich wild durch die Universen und Mil­liarden Jahre, der Fokus war definitiv ungeordnet, das wirkte sich natürlich nachteilig auf die einzelnen Werke aus.

Ebenfalls in diese Liga fällt der Hintergrundtext „Das Rätsel von Garos“, an dem ich dringend mal weiterschreiben sollte. Leser, die das E-Book „DER CLOGGATH-KONFLIKT 1: Vorbe­ben“, erschienen 2018, gelesen haben, werden sich an dieses unheimliche Dorf erinnern, in dem Lebende und Tote mehr oder minder harmonisch zusammen leben. Dieser Hintergrundtext sollte einige dieser Rätsel, die dort wirken, aufhellen … tja, aber leider habe ich es noch nicht hinbekommen, ihn zu vollenden.

Seufz.

In diesem Monat Oktober 2019 tat ich allerdings etwas, was ich so noch nie getan habe, und ich glaube, es ist sinnvoll, das hier außer der Reihe zu erwähnen: Ich plante die IR-Serie komplett bis zum Schlussband 43 durch, womit sie zur kürzesten OSM-Serie überhaupt geworden ist. Das heißt nicht, dass sie sich schnell fertig schreiben lässt … aber diese Planung beschäftigte mich eine ganze Weile und lenkte mich von der Fertigstellung von Werken der „Annalen“ gründlich ab.

Weiter ging das muntere Tasten in weiteren Annalen-Baustellen. Ich kümmerte mich eine Weile um „Beweis aus Glas“ (KON­FLIKT 13), dann um „Begehbar“ (KONFLIKT 22) … und dann war dieser wilde Monat zu Ende.

Ich atmete auf und hoffte sehr, dass ich mich im darauf folgen­den Monat besser würde konzentrieren können … frommer Wunsch, ehrlich!

Der November führte mich, nach einer ganzen Kaskade von ab­lenkenden Rezensionen spannender Bücher zu einer alten Bau­stelle zurück, nämlich zum Roman „Der Feuerhort“. Wer das nicht mehr auf dem Schirm hat, weil das schon so viele Jahre zurück liegt: In einem Paralleluniversum des KONFLIKTS 24 „Oki Stanwer – Der Neutralkrieger“ (NK) schrieb ich schon seit Ende der 90er Jahre über das Leben des Xin-Raumfahrers Shorex‘uss, den so genannten „Feuerspürer“, der über die bestürzende Fä­higkeit verfügt, Raumphänomene erspüren zu können, die Raumschiffe in vernichtende Situationen bringen.

Inzwischen ist er von den insektoiden Tay‘cuur entführt worden und soll von ihnen verwendet werden, ihr im Herzen der Galaxis Feuerrad liegendes, nahezu unzugängliches Reich wieder zu­gänglich zu machen, eben den titelgebenden „Feuerhort“.

Da kam ich allerdings auch nicht sehr weit … verständlicherwei­se, ich war ziemlich lange aus dem Stoff heraus. Aber ich hatte das Fragment frisch wiederentdeckt und konnte der Versu­chung, daran weiterzuarbeiten, nicht widerstehen.

Seufz. Geht mir häufig so, gerade in Zeiten, in denen mein krea­tiver Fokus wild hin und her flackert.

Auch in diesem Monat schrieb ich in Maßen an „Das Geheim­nis von Church Island“ weiter … aber das war es dann für den Monat November, leider.

Wurde es im Dezember besser?

Sagen wir es so: Das stand kaum zu erwarten. Warum nicht? Weil der Dezember immer ein paar feste Parameter hat, an de­nen ich kaum was ändern kann – Weihnachtspost etwa. Oder die finale Aktion, möglichst viel von der in diesem Jahr aufgelau­fenen und noch nicht beantworteten Post abarbeiten zu wollen. Es lag also auf der Hand, dass ich dafür eine Menge Zeit einpla­nen würde. Und das wirkte sich natürlich auch auf die „Anna­len“-Geschichten aus. Zudem konzentrierte ich mich dann lieber auf kurze Werke, Episodenabschriften und Rezensionen, Blogar­tikel und dergleichen. Ich denke, das ist nachvollziehbar.

Also gar kein Licht für die „Annalen“-Werke? Nein, glücklicher­weise sah es nicht gar so finster aus.

Ich kümmerte mich etwa um die Digitalisierung des analogen Fragments „Anschlag auf Xyriac-Nehm“, das nun wirklich ur­alt ist … ah, wenn ihr euch gerade fragt, woher ihr diesen Be­griff kennt, kann ich die Erinnerung aktualisieren: Xyriac-Nehm ist der Universentransmitter, mit dem TOTAM die Flucht aus KONFLIKT 15 „Oki Stanwer“ gelingt … allerdings ist das nicht das erste Mal, dass Xyriac-Nehm auftaucht, das ist auch schon am Ende von KONFLIKT 14 „Oki Stanwer – Feldherr der Cranyaa“ (FdC) der Fall.

Ihr seht, hier nützt euch die Lesekenntnis der „Close Up“-Artikel­reihe endlich mal. Vertraut mir, das wird später noch besser werden, wenn ihr auf diese Weise erst mal mehr Basiswissen angelesen habt.

Auch im Dezember ging die Arbeit an „Church Island“ weiter, außerdem schrieb ich, was äußerst passend war, an dem BUCH „DER CLOGGATH-KONFLIKT“ ein Stückchen weiter, außer­dem auch noch an der in KONFLIKT 12 „Oki Stanwer – Bezwin­ger des Chaos“ (BdC) spielenden Story „Im Bann der schönen Fremden“.

Alles in allem blieb aber, besonders unter dem Aspekt der Fer­tigstellung, das letzte Quartal 2019 weit hinter dem vermutlich Möglichen zurück, bezogen auf die „Annalen der Ewigkeit“. Aber da wir nun mal alle keine Zeitmaschine haben, müssen wir uns damit halt abfinden.

In der nächsten Folge dieser Artikelreihe starten wir ins Jahr 2020, dann wird das erste Quartal dieses Jahres beleuchtet.

Und damit schließe ich für heute und danke euch für die Neu­gierde und Aufmerksamkeit. Möge euch beides möglichst lange erhalten bleiben!

Bis demnächst, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 410: Attentat auf Adenauer

Posted Juni 28th, 2023 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

politische Geschichte der jüngeren deutschen Historie ist zu Unrecht in Verruf geraten, dröge und einfallslos zu sein, phanta­sielos geradezu. Politikverdrossenheit macht sich in der Bevöl­kerung schon seit Jahrzehnten breit, und alte ideologische Schreckgespenster bevölkern einmal mehr die Arena: Rechts­ruck in den europäischen Staaten, nicht zuletzt auch in Teilen der deutschen Bevölkerung, Furcht vor Atomkriegen anlässlich der neuen Frontstellung gegen Russland im Gefolge des Ukrai­ne-Angriffskrieges. Überfremdungsängste, Rufe nach den isola­tionistischen Populisten, die „das Ruder herumwerfen“ sollen … als wenn das in einer global vernetzten Welt möglich wäre, wo zumindest meiner Ansicht nach ein Zurück in die enge Welt der nationalstaatlichen Isolation kaum ohne massive Abstriche am Lebensstandard denkbar ist.

In den frühen 50er Jahren nach dem verlorenen Zweiten Welt­krieg sah das alles vielleicht noch drastischer, schonungsloser aus. Vermeintlich hatte sich mit dem Großmächtepatt des be­ginnenden Kalten Krieges eine Art weichzeichnender Schleier über die Weltgeschichte der jüngsten Vergangenheit gelegt. In der Bundesrepublik blühte im Zuge des so genannten „Wirt­schaftswunders“ neuer Wohlstand auf, und der knorrige alte Bundeskanzler Konrad Adenauer, einst Kölner Oberbürgermeis­ter, schien als unbelasteter Garant dafür zu stehen, dass man die Sünden der Vergangenheit vergessen konnte und zu neuen Ufern unter den schützenden Fittichen der USA aufbrechen kön­ne.

Aber es gab eben auch andere Kräfte, die nicht so leicht zu ver­gessen bereit waren, von Vergebung ganz zu schweigen. Diese Kreise waren höchst motiviert, ein blutiges Zeichen zu setzen und den Kampf eher noch zu forcieren.

Alles begann mit einer Paketsendung an den Bundeskanzler persönlich …

Attentat auf Adenauer

von Henning Sietz

Siedler-Verlag, 2003

340 Seiten, geb.

ISBN 3-88680-800-9

Die Probleme des niedergeworfenen deutschen Staates, der sich gerade als Bundesrepublik Deutschland neu etabliert hat, ohne indes bereits wieder eine souveräne Nation zu sein, explo­dieren am 27. März 1952 im Keller des Polizeipräsidiums von München: Ein verdächtiges Paket, abgegeben von zwei Jungen, die es eigentlich zum Postamt hätten bringen sollen, entpuppt sich als Bombe und tötet bei der Detonation den Sprengmeister Karl Reichert. Auf diese Weise entgeht der eigentliche Adressat einem lebensgefährlichen Anschlag – der Bundeskanzler Dr. Konrad Adenauer.

Schlägt diese Attacke hohe Wellen? Wird gar das Bekenner­schreiben allgemein bekannt, das bald darauf eingeht? Nein. Ganz im Gegenteil und höchst eigenartig zu beobachten, muss der Leser des Heute erkennen, dass dieser Anschlag und die dazu begonnenen Recherchen recht schnell im Sande verlaufen und nicht viel über sie bekannt wird. Bis zum Jahre 2003 ist das Attentat auf Adenauer fast ein „Geheimtipp“, wenn man sich für die politische Frühgeschichte der Bundesrepublik interessiert.

Als der Germanist und Journalist Henning Sietz (Jahrgang 1953) den kärglichen Spuren dieser Geschichte zu folgen beginnt, wird ihm rasch klar, woran all das gelegen hat und was für eine hochbrisante Spur die Ermittler aus Bayern und die des neu ge­gründeten BKA in Bonn aufspüren.

Mehr als drei Jahre lang arbeiten zwei hochkarätig besetzte Kommissionen teilweise miteinander, teilweise parallel an die­sem Fall. Ihre Fäden reichen dabei bald bis nach Österreich, in die Tschechoslowakei, in die Schweiz und nach Frankreich sowie nach England. Fährten der Verdächtigen führen zurück ins ein­stige Österreich-Ungarn, nach Polen und in die Sowjetunion, manche sogar direkt nach Israel.

Denn für das Attentat ist nicht, wie nach außen behauptet wird, ein „politischer Wirrkopf und Einzeltäter“ verantwortlich, son­dern im Gegenteil eine sehr effiziente Organisation radikaler Fa­natiker. Und diese Männer gehören in die Gefilde der jüdischen Jugendorganisation Betar, sie hängen zusammen mit der jüdi­schen Fluchthilfeorgansation Bricha, haben zu tun mit der Haga­nah, die im früheren britischen Mandatsgebiet Palästina für Ter­ror gegen die britischen Besatzungsbehörden sorgte.

Und dann ist da die heißeste Fährte, die vielleicht die schlimms­te von allen ist: Sie führt zum „Irgun“, genauer gesagt zum „Ir­gun Zwai Leumi“, auch kurz „Etzel“ genannt. Dies ist eine zio­nistisch-revisionistische Partei, die offiziell von ihrem Komman­danten Menachem Begin 1948 aufgelöst wird. Doch in Europa existieren weiterhin Kernzellen des Etzel. Und manche jüdische Extremisten wollen um jeden Preis verhindern, dass die junge Bundesrepublik sich mit dem Staat Israel aussöhnen kann. Wenn man dazu führende Politiker des „Volkes der Meuchelmör­der“ umbringen muss, dann schrecken sie auch davor nicht zu­rück. Und das Attentat auf Adenauer ist erst der Anfang …

Ein historisch interessierter Leser, der ein Faible für spannende Krimis und Thriller mitbringt, wird sich in diesem Buch ganz ge­wiss nicht langweilen. Henning Sietz versteht es auf faszinieren­de Weise, ein Panorama der höchst fragilen und labilen politi­schen Lage der jungen Bundesrepublik zu zeichnen und vor die­sem Hintergrund und unter Zuhilfenahme von Mitarbeitern an den damaligen Ermittlungsarbeiten sowie den wieder aufgefun­denen Ermittlungsakten den Fall zu rekonstruieren. Dabei vergisst er nicht, stets links und rechts des eigentlichen Pfades die Verästlungen und Umgebung auszuleuchten und so differenziert und feinfüh­lig die Schwierigkeiten der Ermittlungsarbeit herauszuarbeiten.

Weder spart er an biografischen Details der Ermittler, von de­nen viele einen düsteren NS-Hintergrund besitzen, teilweise im Reichssicherheitshauptamt (RSHA) oder in der SS gearbeitet ha­ben, möglicherweise sogar in den berüchtigten Einsatzgruppen in Osteuropa (!), noch vergisst Sietz, die höchst problemati­schen Lebensläufe der (meist anonymisierten) jüdischen Prot­agonisten darzustellen. Hinzu kommen Rivalitäten der einzelnen Länder- und Bundesbehörden, juristische Fallstricke, Nachweis­schwierigkeiten, technische Probleme und manchmal schlicht – Unglauben.

Ja, und dann gibt es die Frage, ob man die Wahrheit, die man herausgefunden hat, überhaupt publik machen darf. Was sagt der Bundeskanzler selbst dazu? Gibt es Absprachen mit den Re­präsentanten der Jewish Claims Conference und mit israelischen Politikern? Und wie ist das später mit Heinrich Walbaum und sei­ner Fährte zum tschechoslowakischen Geheimdienst …?

Das Buch trägt zu Recht den Untertitel „Die geheime Geschich­te eines politischen Anschlags“, und man kann vor der akribi­schen Arbeit der Ermittler von damals nur respektvoll den Hut ziehen. Das vielleicht einzige Manko besteht gegen Ende darin, dass es vielleicht ein bisschen wenig spekulativ wurde. Aber an­sonsten lässt sich nur resümieren, was Sietz selbst sagt: Es ist höchste Zeit, dass dieses Thema einmal ordentlich aufgearbei­tet wird, jenseits der engen und ideologischen Raster von „Anti­semitismus“ und „Neofaschismus“.

Hier wird nicht einer Theorie der jüdischen Verschwörung das Wort geredet, sondern vielmehr differenziert aufgezeigt, dass Extremisten in allen Lagern und in jeder Art von Gesellschaft zu Hause sind. Zugleich tritt das schon seit Jahrhunderten bekann­te Problem zu Tage, was man mit einer ideologisch hoch moti­vierten, aber überflüssig gewordenen Armee macht, in diesem Fall mit einer in Zellen aufgegliederten Untergrundarmee, die aus politischen Gründen entmachtet ist, sich aber nicht demobi­lisieren lassen möchte.

Die Geschichte dieser Untergrundbewegungen vor dem Spiegel ihrer durchaus höchst problematischen und sensiblen Zeit ist es, die hier ansatzweise aufgearbeitet wird. Aber das Feld bietet noch viel Themen zur genaueren Erforschung. Es ist nach über fünfzig Jahren wirklich an der Zeit, hier genauer hinzusehen. Auf weitere Veröffentlichungen dazu können wir nur hoffen.

© 2006 by Uwe Lammers

Was man aus diesem Buch in besonderer Weise gewinnen kann, wie ich finde, ist die Erkenntnis, dass eine schlichte Schwarz­weiß-Zeichnung in den allerwenigsten Fällen irgendwie hilfreich ist, komplexe Taten vernünftig und rational aufzuklären. Und Sietz zeigt deutlich, wie heterogen Motive der Beteiligten waren und wie viel hier noch auf allen Seiten aufzuhellen wäre. Er hat aber schon einen mutigen Schritt in die Vergangenheit getan und ein überaus lesenswertes, Horizont erweiterndes Buch ge­schrieben.

In der nächsten Woche stoßen wir in der relativen Gegenwart in eine Sphäre vor, in der sich Thriller-Elemente und Phantastik mi­schen. Ich war davon angenehm überrascht, hatte aber noch keine Ahnung, wohin sich das alles entwickeln sollte.

Nächste Woche werde ich konkreter.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde des OSM,

wie jedes Jahr stand der Monat Oktober einmal mehr unter dem Banner des „Geburtstagsmarathons“. Nicht nur jährte sich mein eigener Geburtstag, sondern auch zahlreiche meiner Verwand­ten und Freude hatten den selbigen in diesem Monat. Und dann gab es natürlich noch so ein paar „Specials“, wie ich das nen­nen möchte, die auch noch Zeit beanspruchten: Die Silberhoch­zeit meines Bruders … und schließlich auch mein Besuch auf dem Buchmesse-Con in Dreieich-Buchschlag, wo ich das letzte Mal anno 2016 gewesen war. In den immer noch akuten Corona-Zeiten war das dieses Mal doch ein gewisses Abenteuer.1

Ansonsten zeichnete sich dieser Monat durch eine stärkere Zu­nahme der Lektüre (und damit der Rezensionsaktivität) aus und durch eine weniger konzentrierte Fokussierung auf einzelne grö­ßere Schreibprojekte (wie etwa einen speziellen KONFLIKT des OSM, ein längeres Werk des Archipels oder des Erotic Empires). So gesehen könnte man sagen, es sei gewissermaßen ein etwas zielloser Monat gewesen, aber so würde ich das nicht sehen. Speziell deshalb nicht, weil es ja doch eine ansehnliche Zahl von Resultaten gab. Sehen wir uns das mal im Detail an.

Der Monat Oktober 2022 schloss mit 27 vollendeten Werken, von denen – eingestanden – die meisten Rezensionen und Blog­artikel waren. Aber ansonsten gab es doch nette Fortschritte:

Blogartikel 512: Work in Progress, Part 118

(Verspielt – Erotic Empire-Story)

(Blogartikel 500: Oki Stanwers Kinder)

Anmerkung: Es ist unüblich, dass ich so lange an einem Blogar­tikel herumdoktere … aber das ist hier ja nicht einfach irgendei­ner, sondern ein sehr spezieller, der gut vorbereitet werden will. Daran sollte ich mich dann energischer im Monat November machen.

(OSM-Wiki)

16Neu 28: Die Entführung

13Neu 40: Sortans Saat

(16Neu 33: Die Macht im Zentrum)

16Neu 29: Sprung in die Feuerhölle

16Neu 30: Auf den Spuren der Zyw-Grynoth

(Glossar der Serie „Oki Stanwer – Der Mann aus dem Nichts“)

(Lexikon der Serie „Oki Stanwer – Der Mann aus dem Nichts“)

(16Neu 34: Die Warnung)

(Die Kolonie Saigon II – Erotic Empire-Roman)

Anmerkung: Das war nur eine kurze Stippvisite, weil mir noch ein neues Kapitel einfiel, das ich einarbeitete … quantitativ kaum der Rede wert. Und ich war auch recht flink hiervon wie­der weg.

Blogartikel 501: Close Up – Der OSM im Detail (41)

(Die Rollenspielerin – Archipel-Novelle)

Auch das kann man nur eine kleine Stippvisite nennen, ein Strohfeuer, das nicht von langer Dauer war.

13Neu 39: Blutiger Regen

(16Neu 31: DEATH-ZHONYA)

(HdH 11: Schiffbruch auf dem Südmeer)

Anmerkung: Es juckte mich zwar in den Fingern, hieran weiter­zuschreiben, und ein wenig ergänzt wurde das Fragment. Aber hier gibt es das Problem eines Zeitsprungs innerhalb der Episo­de … und während der ältere Teil recht klar vor meinem inneren Auge stand, ist der jüngere Abschnitt noch verschwommen. Also stellte ich die Weiterarbeit ein und warte seither darauf, dass die Bilder sich konkretisieren. Das kann noch ein Weilchen dauern – oder eben auch sehr schnell gehen. Ich kann das aktu­ell noch nicht sagen.

(13Neu 42: Verräter an der Menschheit)

(13Neu 41: Das Anti-Stanwer-Team)

(16Neu 32: Duell auf Artefakton)

Blogartikel 509: Aus den Annalen der Ewigkeit – alt und neu (LII)

Blogartikel 517: Aus den Annalen der Ewigkeit – alt und neu (LIII)

(13Neu 44: Das Schädeldorf)

Blogartikel 505: Close Up – Der OSM im Detail (42)

(Glossar der Serie „Oki Stanwer Horror“)

(13Neu 45: Desaster in Garos)

(13Neu 46: Das Säurebad)

Anmerkung: Mit diesen drei 13Neu-Episoden treibt das Gesche­hen der Serie auf die dramatische Trilogie der Bände 48-50 zu, und das ist zurzeit (seit 2008, wenn ich ehrlich sein soll) der Überarbeitungsrand des CLOGGATH-KONFLIKTS in Romanform. Da hatten mich andere Schreibprojekte gründlich ausgebremst.

Aktuell verbinde ich mit diesem beschleunigten Digitalisie­rungsfortschritt die Hoffnung, dass der Überarbeitungsprozess sich anno 2023 wieder beschleunigt, wenn ich die Lücke zu den Episoden 13Neu 51 und 13Neu 52 schließe, die schon digitali­siert sind. In der Regel kenne ich das aus anderen komplexen Zusammenhängen – etwa durch Glossartätigkeit – , dass so et­was mittelfristig stimulierenden Einfluss auslöst. Hier ist das hoffentlich sehr ähnlich. Es könnte auch die Weiterarbeit am CK-E-Book „Monstererwachen“ fördern. Drückt mir mal die Dau­men, Freunde!

(16Neu 35: Die violetten Lichter)

(Rhondas Aufstieg – Archipel-Roman)

Anmerkung: Hieran ging es dann ganz kurz vor dem Monatsen­de weiter, weil ich in einer recht dramatischen und turbulenten 5-Personen-Diskussion im August abgestorben war. Zur Reakti­vierung las ich ein paar hundert Seiten davor und stieg dann wieder ein in das Weiterschreiben. Ich kam nicht wirklich sehr weit, etwa 20 Seiten, um die Szene abzuschließen und Hand­lungspfade für die nähere Zukunft zu skizzieren. Und beizeiten kehre ich hierher zurück. Gegenwärtig herrscht hier aber wieder Funkstille.

(Lexikon der Serie „Oki Stanwer Horror“)

(Glossar des Romans „Rhondas Aufstieg“)

(Himmelfahrtskommando – OSM-Story)

Anmerkung: Tja, und auch an diese furchtbaren Geschichte, die im KONFLIKT 4, also der Serie „Oki Stanwer – Der Insel-Regent“ spielt, feilte ich am letzten Tag des Monats Oktober noch flink und kam echt ein paar Seiten weit. Vielleicht deutet das ja an, dass ich im Monat November verstärkt neue OSM-Episoden schreiben werde? Kann ich noch nicht sagen, aber hoffen wir mal das Beste.

Sodele, damit wären wir dann durch die gesamte Aufstellung meiner kreativen Projekte des zurückliegenden Monats durch. Insgesamt bleiben also 10 Werke sichtbar, die ich unter Berück­sichtigung des Fokus auf OSM, Archipel und Erotic Empire voll­enden konnte. Ich bin aber durchaus guten Mutes, dass sich das im kommenden Monat noch ein wenig nach oben korrigieren lassen wird, ehe es im Dezember dann den traditionellen Ein­bruch gibt … Dezemberkorrespondenz, ihr wisst schon.

Lassen wir uns mal überraschen, wie die Dinge sich in den kom­menden vier Wochen entwickeln werden, in denen sich mein Coaching fortsetzt und hoffentlich irgendwelche positiven Job­möglichkeiten sich auftun. Daumen drücken kann nicht scha­den, Freunde!

Bis nächste Woche, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Über diese Erlebnisse habe ich in einem entsprechenden Conbericht geschrieben, der im Fanzine Baden-Württemberg Aktuell (BWA) 471 im Dezember 2022 erschienen sein wird, ehe ihr diese Zeilen lesen könnt. Aktuell ist das noch Zukunftsmusik, da wir ja erst den 1. November 2022 schreiben.

Rezensions-Blog 409: Die Schätze von Rande

Posted Juni 21st, 2023 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

Schatzsuche ist, würde man in der – in meinen Augen eher lä­cherlich anbiedernden – Sprechweise der Gegenwart vermutlich sagen, „gleichsam Teil meiner DNS“. Das ist natürlich Schwach­sinn, aber so reden die Leute vielfach heutzutage, in Interviews, in Zeitschriftenartikeln und Fernsehsendungen (wobei sie dann munter in die deutsche Rede die englische Floskel „DNA“ ein­flechten, aber konsequent vergessen, sie auch englisch zu beto­nen, wiewohl das „A“ für „Acid“ steht … ich bevorzuge, wenn überhaupt nötig, die deutsche Abkürzung DNS und entziehe mich diese anglophilen Anbiederung).

Ich für meinen Teil pflege stattdessen zu sagen, dass ich schon im Kindesalter fasziniert von Schätzen war. Da ging es mir durchaus sehr ähnlich wie den Unternehmerbrüdern Rick und Marty Lagina in der Dokumentationsserie „The Curse of Oak Is­land“. Die Welt war für mich damals als Kind einfach unendlich weitläufig, und überall konnte es von verborgenen Schätzen wimmeln. Während ich die quasi vor der Haustür nicht wahr­nahm (noch heutzutage werden bei Erdarbeiten in Deutschland ständig jahrtausendealte Relikte und Schatzhorte gefunden), er­wärmte ich mich sehr für Piratenschätze, versunkene Kulturen in fernen Ländern und dergleichen.

Ähnlich geht es auch dem Amerikaner John S. Potter jr., als er in den frühen 50er Jahren des 20. Jahrhunderts in Südeuropa weilt und das Tauchen mit der gerade frisch erfundenen Aqualunge erlernt. Denn hier hört er auf Mallorca von einer versenkten Schatzflotte direkt vor der französischen Küste und denkt sich: Das kann doch nicht so schwer sein, auf diese Weise durch eine Tauchexpedition reich zu werden.

Und so macht er sich auf zur Bucht von Vigo, und das Abenteu­er nimmt seinen Lauf. Einfach mal weiterlesen:

Die Schätze von Rande

(OT: The treasure Divers of Vigo Bay)

von John S. Potter jr.

Georg Westermann Verlag, 1964

260 Seiten, geb.

Aus dem Amerikanischen von Eva Spiegel

Gelegentlich entdeckt man die interessantesten Schätze eben nicht auf dem Grund des Meeres, sondern im eigenen Bücherre­gal. So verhielt es sich auch mit diesem im Jahre 2001 antiqua­risch gekauften Buch, das gleichwohl durchaus auch mit versun­kenen Schätzen auf dem Meeresgrund zu tun hat. Der Leser wird jedoch rasch merken, dass dies nicht eben das Kostbarste ist, auf das man hier treffen kann.

Wir müssen uns auf eine Zeitreise einstellen, um das Buch wirk­lich würdigen zu können als das, was es ist. Der amerikanische Autor John S. Potter jr. hat es im Verlag Doubleday & Company in New York bereits 1958 publiziert und die – höchstwahrschein­lich gekürzte – Version ist dann 1964 in Braunschweig erschie­nen, und dies zu einer Zeit, als internationale Standard Buch­nummern (ISBN) wohl noch kein Thema waren. Das Buch besitzt jedenfalls keine und ist gewiss nur noch antiquarisch zu erhal­ten. Es lohnt allerdings durchaus den Versuch, es zu erwerben, wie man noch sehen wird.

Alles beginnt mit einem Ausflug nach Mallorca Mitte der 50er Jahre. Der junge Potter (über dessen biografischen Hintergrund man leider sehr wenig erfährt) lernt hier das Tauchen mit der damals noch neuen Aqualunge, die Jacques-Yves Cousteau und sein Kollege Gagnan 1943 entwickelt haben. Begeistert von die­ser Erleichterung des Tauchens, wird Potter schwach, als er schließlich bei einem Madridaufenthalt in einem Buch den Satz liest: „Oder nehmt Vigo an der Nordwestküste Spaniens; an Reichtum kommt nichts den Schätzen in dieser Bucht gleich, wo die größte Silberflotte der Geschichte ruht.“

Schatztauchen! Das klingt unglaublich spannend.

Vigo liegt quasi direkt um die Ecke, tauchen kann er auch … und so begeistert sich John S. Potter für die Schatzsuche. Er organi­siert eine Gruppe von Gleichgesinnten, holt eine Konzession für die Schatzsuche ein, besorgt sich das technische Equipment und gründet eine Finanzierungsgesellschaft – und los geht das Abenteuer.

Er hat freilich noch keine Ahnung davon, WIE abenteuerlich es werden wird …

Die Geschichte selbst, dessen Folgen der junge Amerikaner nachspürt, reicht zurück in die Zeit des spanischen Erbfolgekrie­ges (1701-1714). Ausgangspunkt ist eine Seeschlacht. Sie fand am 23. Oktober 1702 in der Bucht von Vigo vor der galizischen Küste statt (nach damals gültiger englischer Zeitrechnung am 12. Oktober), und es standen sich auf der einen Seite die spa­nisch-französische Allianz, auf der anderen eine englisch-nieder­ländische Flotte gegenüber.

Admiral Sir George Rooke und Philipp van Almonde versuchten, die spanische Silberflotte, die in der Bucht von Vigo ankerte, in ihren Besitz zu bringen. Im Verlauf des erbitterten Kampfes ge­gen die Kommandanten François Louis Rousselet de Chateau-Renault und Manuel de Velasco wurden alle spanisch-französi­schen Schiffe (30 an der Zahl) entweder in Brand geschossen, liefen auf Riffe und sanken bzw. gerieten erobert in die Hand der Angreifer. Mit der Zahl von ca. 800 Toten auf alliierter Seite und rund 2000 Toten auf der Seite der Franzosen und Spanier ist das Gefecht historisch eher klein dimensioniert, es war auch in keiner Weise kriegsentscheidend, da viel von den Schätzen der Silberflotte vor der Attacke auf dem Landweg in Sicherheit ge­bracht werden konnte.

Dennoch wurde mit den Schiffen viel an Silberschätzen ver­senkt, und noch Ende des 19. Jahrhunderts konnte der französi­sche Schriftsteller Jules Verne imaginieren, dass sein mythischer Kapitän Nemo einen erheblichen Teil seines Reichtums aus den versunkenen Galeonen in der Bucht von Vigo bezog.

John S. Potter jr. jedenfalls ist 1957 überzeugt davon, dass die Schätze noch auf dem Grund der Bucht liegen (zumindest zum Teil) und man sie sich mit der überlegenen Technik einfach nur noch holen muss. Er fühlt sich den Tauchern früherer Expeditio­nen, die mit klobigen Helmtaucherausrüstungen mühsam auf dem Grund herumwanken mussten (man vergleiche hierzu etwa die sehr nützlichen Illustrationen von Gustave Doré in den Jules-Verne-Büchern, eben auch in „Zwanzigtausend Meilen unter dem Meer“), weit überlegen. Und so brechen er und seine Freunde frohgemut auf, nachdem sie ein wenig in Archiven und publizierten Büchern gewühlt haben, voller Elan und Begeiste­rung, in wenigen Wochen, spätestens Monaten als gemachte, reiche Männer von der Bucht von Vigo zurückzukehren.

Was folgt, ist eine Geschichte erstaunlich vergnüglicher Ernüch­terung. Und das ist durchaus kein Widerspruch.

Die spanische Provinz Galizien Mitte der 50er Jahre – der Dikta­tor Franco ist noch an der Macht – , wo die Bucht von Vigo nun einmal liegt, ist, vorsichtig formuliert, alles andere als fort­schrittlich oder auch nur aufgeschlossen dem Fremden gegen­über. Vom ersten Moment an muss der tatendurstige Schatzsu­cher das begreifen:

Es gibt Probleme mit dem Zoll, der seine „ausländische“ Ausrüs­tung nicht passieren lassen möchte, auch erweisen sich die Straßen als schlaglochübersäte Pisten, manchmal nicht mehr als bessere, unbefestigte Feldwege, die oftmals – ohne eine Art von Geländer – am schwindelerregenden Abgrund vorbeiführen.

Der Gegenverkehr ist ebenfalls gewöhnungsbedürftig: Maulesel, Viehherden und gelegentlich altersschwache Busse überwiegen (ich überlasse dem Leser das Vergnügen, zu lesen, was über die motorisierte Technik hier geschrieben wird – „abenteuerlich“ wird der Sache eigentlich nicht mehr gerecht, das ist schon ein Stück heftiger). In den Dörfern Galiziens rennen munter Kinder und Tiere über die Straßen, ohne sich um Autos zu scheren, und gelegentlich bleibt Potter in Menschenaufläufen stecken. Wenn er nicht Störenfried ist, dann ist er „Sensation“. Das hat seine guten wie schlechten Seiten.

Die Begrüßung an der Bucht ist ähnlich unerwartet: das wich­tigste Wort hier lautet „mañana“, was man auch mit „patiencia“ oder „Geduld“ übersetzen könnte. Und die Menschen hier sind arm. Arm und misstrauisch. Beides erweist sich als ungeahntes Hindernis für die Schatzsuche. Wer – wie der naive Potter – glaubt, mit Geld könne man gewiss und selbstverständlich die Hilfsbereitschaft oder Auskunftsfreudigkeit der Bewohner anfa­chen, macht die verblüffende Entdeckung, dass diese Freigebig­keit ganz andere Reaktionen auslöst.

Man dreht ihm etwa ein untaugliches Schiff mit einem noch un­brauchbareren Motor an. Von der Crew ganz zu schweigen, die eigentlich nicht zu verwenden ist (aber wegen der Arbeits­schutzbestimmungen, das erfährt Potter schnell, ist es fast un­möglich, der Crew zu kündigen! Er versucht es natürlich trotz­dem). Die Fischer sind aus interessanten Gründen wenig bereit, ihm zu helfen, die Technik versagt immer wieder, die Schiffe, die doch einfach so auf dem Grund der Bucht liegen sollen, scheinen sich versteckt zu haben, das Wasser ist eisig kalt und überaus schlammig …

Man kann sich kaum eine abenteuerlichere Geschichte vorstel­len als das Panorama, das John S. Potter jr. hier entwirft und vor dem jugendlichen Lesepublikum (denn das Buch ist ja schließ­lich bei Westermann in der Jugendbuchreihe erschienen) aus­breitet. Es ist ein mächtig unterhaltsames Garn, das den Leser des Öfteren vor Unglauben in lautes Lachen ausbrechen lässt und vor allen Dingen zwei Dinge zeigt:

Wie oberflächlich und naiv der Autor anfangs an die Expedition heranging, zum anderen aber auch, wie faszinierend provinziell und doch zugleich mit gewisser Bauernschläue die Bevölkerung vor Ort die lang währende Anwesenheit der Ausländer hin­nimmt, sie teils buchstäblich „ausnimmt“, dann aber auch wie­der eine seltsame Form von schrulligem Respekt entwickelt. Die Beziehung zwischen dem Tauchteam und der Ortsbevölkerung wandelt sich auf bemerkenswerte, höchst amüsante Weise, und es ist einfach ein Mordsvergnügen, das nachzulesen.

Gewiss, wer auf Gold und Silber aus ist, wird vielleicht ent­täuscht aus dem Buch wieder auftauchen. Dasselbe mag den Lesern widerfahren, die sich brennend für die Seeschlacht von Vigo interessieren.1 Und wer mehr über das Schicksal des in die­sem Buch genannten britischen Admiral Clowdisley Shovell er­fahren möchte, der sei auf Dava Sobels ausgezeichnetes Buch „Längengrad“2 verwiesen. Doch wie erwähnt, man wird durch andere Arten von Schätzen und vergnüglichen Schilderungen alltagsgeschichtlicher Art mehr als entschädigt.

Ein wenig bedauerlich ist indes, dass der Verlag meinte, er müs­se den Titel des Buches abändern (vielleicht, um vor ungerecht­fertigten Erwartungen geschützt zu sein). Aber das Buch nach der doch wenig bekannten „Straße von Rande“, einem Verbin­dungsstück der Bucht von Vigo zur Bucht von San Símon, zu be­nennen, war doch wenigstens etwas unglücklich. Zumal erhebli­che Teile des Buches gar nicht von Rande handeln. Und auf dem Umschlag etwas von „Tiefseetauchern“ zu murmeln, wobei aus der Handlung klar hervorgeht, dass unterhalb von 50 Metern das Tauchen mit der damals handelsüblichen Aqualunge nur un­ter höchster Lebensgefahr möglich ist, das grenzt schon an Feh­linformation.

Ansonsten jedoch ist es ein sehr amüsantes, unterhaltsames Buch, das zur Lektüre empfohlen werden kann. Kurzweil ist ga­rantiert.

© 2007 by Uwe Lammers

Natürlich können die Leser, die hier auf gehobene Gold- und Sil­berschätze aus dem Meer hofften und nun lange Mienen ma­chen, enttäuscht sein. Aber wie ich es betont habe, der eigentli­che Wert des vorliegenden Buches liegt nicht wirklich in geho­benen Preziosen vom Meeresgrund. Das wäre sozusagen nur das Sahnehäubchen auf dem Abenteuer.

Hier kann man sehr viel mehr davon ausgehen, dass der Weg gleichsam das Ziel ist und man so auf die faszinierenden Klei­nigkeiten hingewiesen wird, die abseits des intendierten Zielpfa­des liegen. Unterhaltsam geschrieben, mitreißend übersetzt und abenteuerlich im wortwörtlichsten Sinne ist das ein Leseaben­teuer, das wirklich die investierten Stunden Lektüre wert ist.

Bis nächste Woche dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

1 Diese Leser seien dann auf das Buch des belgischen Tauchers Robert Stenuit, der auch in diesem Buch Teil des Tauchteams ist, hingewiesen, das 1959 im Ullstein-Verlag unter dem Titel „Die Schatzsucher von Vigo“ erschien. Ebenfalls hilfreich und interessant ist die Internetseite „Seeschlacht von Vigo“ in der Online-Enzyklopädie WIKIPEDIA.

2 Vgl. Dava Sobel: „Längengrad“, Berlin 2001. Vgl. dazu auch den Rezensions-Blog 101 vom 1. März 2017.