Liebe Freunde des OSM,

wer von euch bei dem Titel unweigerlich in Richtung eines öko­logischen SF-Romans denkt, tut dies in gewisser Weise mit Recht. Es geht in der Tat zentral um die Dschungelwelt Lepsoni­as und um Ressourcenausbeutung seiner Flora. Aber das ist zum einen lange Zeit nicht einmal in Ansatz zu erahnen, und was das alles langfristig intendiert, kann man erst recht nicht vorhersehen. Sehr viel mehr werden sich potenzielle Leser mit einer Kette geheimnisvoller Mordfälle befassen müssen, ebenso wie die Justizbehörden des terranischen Reiches.

Schauen wir uns das am besten mal näher an:

Wir befinden uns im Jahre 2247. Die Menschheit hat ein recht ausgedehntes galaktisches Sternenreich geschaffen, das sich über einen Raum von 1100 Lichtjahren ausdehnt und in dem zahlreiche Kolonialwelten existieren. Einer, der zentrale Rolle einnehmen wird, ist der Planet Paumer IV, 123 Lichtjahre von der Erde entfernt. Hier existiert der Sitz des Terranischen Si­cherheitsdienstes, kurz TS genannt, unter seinem cholerischen Dienstherrn Jean Donnet.

Schon hier wird deutlich, dass ich mich von der klassischen Ter­ra-Zentrierung, wie sie sonst überall in der SF nahezu notorisch auftritt, wenn man ein irdisches Sternenreich postuliert, freima­chen wollte. Ich würde sagen, das hat dem Roman durchaus gut getan. Nicht zuletzt stammt die Hauptperson Mike Cole von Paumer IV und hat hier ihren Lebensmittelpunkt.

Der Roman beginnt mit einem Mord. Bei einer Theaterauffüh­rung in einem Orbitaltheater über der Vergnügungswelt Romb wird der dortige planetare Monarch erschossen, ein publikums­scheuer Mann namens Diaz Akor, der überall im Imperium be­deutende wirtschaftliche Unternehmen koordiniert. Eins davon hat er ganz unbescheiden die „Diaz-Corporation“ genannt. Das wird noch wichtig sein.

Der Attentäter, ein Mann namens Vernon Gryde, kann zwar gefasst werden, aber er stirbt wenig später in Haft. Offensicht­lich war er schwer drogenkrank – aber die Art der Droge, durch deren Entzug er starb, ist den Medizinern des TS unbekannt. Auch die Vita des Mörders gibt kein Indiz für sein Handeln preis.

Vernon Gryde war Vater eines kleinen Sohnes und arbeitete zu­letzt auf dem Dschungelplaneten Lepsonias – im Dienst der Diaz-Corporation. Seine Witwe Barbara und den Sohn Jim ließ er auf der lebensfeindlichen Kolonialwelt Kallisto zurück, 812 Licht­jahre von der Erde entfernt.1

Auf Paumer IV rätselt Polizeichef Jean Donnet, wie die verwirren­den Mosaiksteine des Falles zusammenhängen, und auf dersel­ben Welt schaltet die Nichte und Universalerbin Akors, Codette Francieri, den Privatdetektiv Mike Cole ein, um die Hintergrün­de des Ablebens ihres Onkels zu ermitteln. Doch ehe sie ihm auch nur die erste Rate des Honorars überweisen kann, wird sie selbst Opfer eines Attentates! Auch hier kann der Attentäter ge­funden werden, er ist allerdings tot – und an demselben Rausch­gift oder Rauschgiftentzug gestorben, der auch Vernon Gryde schon umbrachte.

Mike Cole, um sein Honorar gebracht, entschließt sich nun, um nicht völlig leer auszugehen, Jean Donnet direkt seine Mitarbeit anzubieten. Die beiden sind sich Jahre zuvor in einem Spionage­fall schon einmal begegnet (diesen Fall um den Doppelagenten Hekhor habe ich später im 5. Roman der Mike Cole-Serie aufge­rollt … ich komme dazu beizeiten noch im Rahmen dieser Arti­kelreihe, ihr müsst euch da allerdings schon noch ein paar Mo­nate gedulden).

Zunächst sind Donnet und Cole wie Hund und Katze, doch dann lässt sich der TS-Chef auf das Arrangement ein und schickt den Detektiv nach Kallisto, wo Barbara Gryde und ihr Sohn inzwi­schen unter Polizeischutz stehen. Hier gibt es allerdings auch schon rätselhafte Todesfälle, und in jedem einzelnen Fall wird das geheimnisvolle Rauschgift erkennbar.

Mike Cole bekommt es mit dem hiesigen TS-Chef, einem herri­schen Mann namens Ernest Cohr zu tun, der eine faszinieren­de Farnpflanze in seinem Büro stehen hat. Als Cole wenig später bei Barbara Gryde über eine analoge Pflanze stolpert und beina­he einem schier hypnotischen Zwang erliegt, kann die Witwe ihn gerade noch aus diesem Bann befreien.

Sie erzählt nun, dass ihr Mann Vernon diese Pflanze vom Plane­ten Lepsonias mitbrachte und definitiv süchtig danach war. Und dass sie seither immer wieder alle drei Tage Besuch von TS-Agenten bekommt, die danach ebenfalls süchtig sind.

Mike stellt den Süchtigen eine Falle und hat zu realisieren, dass Cohr zu ihnen gehört. Die Gegner können überwältigt werden, und der Detektiv gibt die Informationen an Donnet weiter – mit der ergänzenden Information, dass der zentrale Ort der Ver­schwörung augenscheinlich die wilde Holzfällerwelt Lepsonias ist, so irreal das auch klingen mag.

Donnet warnt ihn, weitere Erkenntnisse abzuwarten und Lepso­nias nicht eigenmächtig anzusteuern … aber Cole setzt sich dar­über hinweg, ernennt sich zudem zur Personenschützerin der le­bensgefährlich bedrohten schönen Witwe Barbara und fliegt nach Lepsonias. Dabei trifft er einmal mehr auf den schrulligen Kosmo-Bioaktivisten Professor Abraham Müller, der schon lange für einen Flug nach Lepsonias gespart hat. Die urwüchsige Waldwelt am Rande des Imperiums ist für ihn so etwas wie ein biologisches Eldorado, das er dringend mit eigenen Augen se­hen will.

Sie ahnen nicht, dass auf Lepsonias derweil das Chaos aus­bricht. Als ihr Passagierschiff auf dem Raumhafen der kleinen Stadt Denys-City landet – sonst gibt es nur noch das schwer mit Energieschilden vor der wilden und aggressiven Flora und Fauna geschütz­te Lager der Waldarbeiter – , hat die feindliche Macht, der ge­heimnisvolle „Herrscher von Lepsonias“, längst damit begon­nen, zum Sturm auf die terranischen Invasoren zu blasen … und das soll alles erst der Anfang sein – Mike Cole, Barbara Gryde und der Professor finden sich so recht unvermittelt im Abenteu­er ihres Lebens wieder …

Man kann beim besten Willen nicht behaupten, dass der Roman schlichter gestrickt ist als der katastrophale Vorgängerband „Der Blutparasit“. Aber man merkt ihm deutlich an, dass ich ihn nicht gar so sehr mit der heißen Nadel strickte: Ich begann mit dem Schreibprozess im September 1984, als ich die letzten Ablehnungen vom Zauberkreis-Verlag nicht vorliegen hatte. Doch beendete ich ihn dann erst am 27. Mai 1985, unmittelbar vor meinem Realschulabschluss im gleichen Sommer.

Schon an der sehr viel konzentrierteren Handlung ist deutlich zu erkennen, dass ich mir erheblich mehr Mühe mit dem World-Building gab. Gewisse Anklänge an „Der Symbionten-Gegen­schlag“ sind wohl unvermeidlich gewesen, aber ich setze schon hier dezente Hinweise, die darauf deuteten, dass dies kein One-Shot sein würde.

Wir haben hier kursorisch mit kugelförmigen Alienwesen, den Koornern, zu tun. Die werden noch eine wichtige Rolle in der sich hieraus entwickelnden Serie spielen. Außerdem werden Raumpiratenüberfälle erwähnt, ebenso Siedlerkriege im irdi­schen Sternenreich. Das kapitalistische Gefälle zwischen Nor­malbevölkerung und der superreichen Elite existiert auch in die­sem 23. Jahrhundert. Sowohl Technologie als auch diverse Kolo­nialplaneten spannen den Rahmen der Handlung deutlich weiter als noch beim „Symbionten-Gegenschlag“. Und die Einbezie­hung einer klar pflanzlichen extraterrestrischen Intelligenz deu­tet schon in diesem Auftaktroman darauf hin, dass da noch viel mehr existiert, als man ahnen kann.

Und so ist es tatsächlich. Der erste Roman der nun beginnenden Mike Cole-Romanserie wimmelt von Namen, bizarren Todesfäl­len, Städten, Völkern und faszinierenden Schauplätzen. Dass ich also dieser neuen Welt gewogen blieb und hieraus dann mehr machte, kann kaum verblüffen.

Obwohl der Zauberkreis-Verlag mir – mit einigem Recht, wie ich einräumen muss – die kalte Schulter zeigte, sah ich nicht ein, das frisch kennen gelernte Format des Heftromans (120 zweizei­lige Textseiten) aufzugeben, sondern es sagte mir immer mehr zu. Ein klares Indiz dafür ist ohne Frage, dass ich noch bis Weih­nachten 1985 mehrere weitere Mike Cole-Romane verfasste.

Der zweite davon, „Operation Overkill“, wird der nächste in der Reihe der vorzustellenden unveröffentlichten Romane sein. Davon erzähle ich euch dann im Blogartikel 671 am 14. Juni. Nächste Woche soll es erst einmal darum gehen, was ich im Mo­nat Juli 2025 an kreativen Texten schreiben konnte. Ich denke, das kann sich durchaus sehen lassen.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1Ärgerlicherweise stellte ich bei der Nachlektüre fest, dass ich im Verlauf des Romans den Sohn völlig vergessen habe … das ist natürlich ärgerlich, hand­lungsdramaturgisch indes begreiflich. Ich war damals einfach kein Familien­mensch, und mit Kindern als Handlungsträger hatte ich weder Erfahrung noch daran auch nur Interesse.

Liebe Freunde des OSM,

wie ich kürzlich schon schrieb (Blogartikel 548), ist es durchaus angenehm, nach einer Reihe von Jahren endlich diese Rezension zu veröffentlichen und sich bei der Vorbereitung dazu in das Ge­schriebene noch einmal hineinzuversetzen. Ganz wie beim ers­ten Teil kann ich auch hier nur konstatieren: Solide, interessant geschriebene Unterhaltung, die auch nach all den Jahren das bestätigende, wohlwollende Kopfnicken beim Nachlesen ge­rechtfertigt erscheinen lässt.

Zwar habe ich von der Autorin seither nichts mehr gehört oder gelesen, aber es ist eigentlich kaum anzunehmen, dass sie die letzten 10 Jahre auf der faulen Haut gelegen oder sich auf dem Erfolg des Zweiteilers ausgeruht hat. Ich werde mal nach ihr fahnden müssen.

Jetzt aber erst einmal freie Bahn für den zweiten und abschlie­ßenden Teil der Liebesgeschichte zwischen dem geheimnisvol­len Devon Draper und Anya Summers, der auf einmal ein Stol­perstein im Weg steht, mit dem Anya nicht gerechnet hat.

Devons intrigante Schwester. Doch lest lieber selbst, was das bedeutet:

The Black Game 2: Gefährliche Erlösung

von Karola Löwenstein

Knaur 51752

320 Seiten, TB

März 2016, 9.99 Euro

ISBN 978-3-426-51752-9

Die Katastrophe scheint absolut perfekt.

Die junge Managerin Anya Summers von Transatlantic Coffee (TC) ist der Ausstrahlung des charismatischen Devon Draper von Draper Consulting erlegen und hat das Wagnis auf sich ge­nommen, in seine adrenalingesteuerte Welt einzutauchen. Wie­wohl sie sich seit zwei Jahren erfolgreich von Männern fernge­halten hat und sich Herzensverstrickungen lieber für ihre Rück­kehr ins ländliche Minnesota aufheben wollte, konnte sie seinem hartnäckigen, einfallsreichen Werben nicht lange Widerstand entgegensetzen.

Der Lohn dafür sind orgasmische Ekstasen, wie sie sie noch nie­mals erlebt hat, unglaublich einfallsreiche Liebesnächte … und Geheimnisse. Denn Devon verschwindet ein jedes Mal nach dem Sex, und er behauptet hartnäckig, ihre Begegnungen seien primär sexuell orientiert, tiefer gehende Gefühle seien darin nicht involviert.

Nun, das gilt für Anya definitiv nicht, und sie merkt schnell (wie natürlich auch der Leser), dass sich auch Devon munter selbst belügt. Sie ist zudem so energisch, dass sie nun immer mehr wissen möchte über den Mann, der in ihrem Leben zunehmend eine zentrale Rolle zu spielen beginnt. Aber Devon mauert.

Aus seinen Andeutungen kristallisiert sich aber schon bald her­aus, dass er in das geheimnisvolle „Black Game“ involviert ist, das im angesagten „Club 5“ in der nur für Auserwählte zugäng­lichen „Black Lounge“ gespielt wird. Aber ein erster Besuch, der für Anya möglich wird, weil a) Devon ihr eine persönliche Einla­dung zukommen ließ und b) ihre Freundin Sarah Green so un­endlich darauf drängt, erweist sich als höchst schockierend. Und er ist der Anfang vom Ende, wie es aussieht.

Das „Black Game“ ist ein Spiel, bei dem zwölf verschiedene se­xuelle Phantasien für Frauen ausgelost werden, über deren In­halt sie aber anschließend nicht sprechen dürfen. Dafür wird eine Verschwiegenheitserklärung unterzeichnet und ein Schwei­gegeld von 250.000 Dollar gezahlt.

Anya Summers findet das völlig unmoralisch.

Und dann entdeckt sie, dass der Hauptinitiator des Spiels nie­mand Geringeres ist als ihr Geliebter, Devon Draper.

Vollkommen schockiert bricht sie mit ihm und ist sich auf einmal überhaupt nicht mehr sicher, ob sie mit ihm noch etwas zu tun haben möchte … aber ihr Herz schmerzt durch die Trennung un­glaublich.

Nach einer Weile der Distanz wagen sie einen Neuanfang, ver­suchen sich auf annähernd gleicher Ebene wieder zu begegnen. Dabei wünscht sich Devon, dass sie ihn besser versteht und sei­ne Leidenschaften nicht nur auf sexueller Ebene zu teilen be­ginnt – und er demonstriert auch schnell, wie sich das aus­drückt: durch Wandertouren, das Erklimmen steiler Felswände und einen Fallschirmsprung aus dem Flugzeug. Mitunter lebens­gefährliche Abenteuer, die sie nie aus freien Stücken unternom­men hätte.

Im Laufe des vorliegenden Romans kommt dann sehr viel mehr Klarheit in die biografischen Hintergründe des bislang noch un­scharf konturierten Devon Draper, auch die Details des „Black Game“ werden aufgehellt, zum Teil in äußerst praktischer An­wendung der gewürfelten Augenzahlen jener beiden Würfel, die Devon stets dabei hat.

Doch dann erhält Anya Drohbriefe. Schließlich Drohanrufe. Und sie lernt Devons herrische Schwester Shannon kennen, die von ihr ultimativ verlangt, sie solle Devon verlassen und aus ihrem Gedächtnis streichen. Andernfalls werde sie ihr das Leben zur Hölle machen.

Anya nimmt das nicht ernst.

Echt, Shannon Draper kann sie mal gern haben! Sie hat in ihrem gemeinsamen Leben mit Devon echt gar nichts zu suchen.

Diese Handlungsweise ist jedoch ein fataler Fehler, der sehr schnell zu haarsträubenden Szenen führt – und Anya letztlich in die vollkommene Verzweiflung treibt, bis sie endlich etwas tut, von dem sie niemals glaubte, es tun zu können oder zu wollen: sie muss das „Black Game“ spielen, ob sie will oder nicht – oder alles ist verloren …

Schön an diesem zweiten Band des „Black Game“-Zweiteilers ist die unübersehbare Tatsache, dass das Buch sehr viel um­fangreicher ist als der erste Teil. Das kann nun natürlich zweier­lei bedeuten: entweder, dass es von vornherein als ein Band ge­plant war und von der Verlagsseite in zwei Bände aufgespalten wurde (was ich als Geldschneiderei bezeichnen würde). Oder dass die Autorin wirklich viel Spaß daran hatte, die Storyline munter auszubauen und sich im zweiten Band richtig ausgetobt hat. Von einer Inhaltsverknappung, wie sie bei mancher eroti­schen Trilogie (z. B. Susannah Quinn oder Lara Adrian) auftritt, ist hier keine Spur. Und das hat meiner Ansicht nach nicht nur da­mit zu tun, dass es sich „lediglich“ um einen Zweiteiler handelt.

Mit der intriganten Shannon Draper hat Karola Löwenstein zu­dem eine interessante neue Person kreiert, die wirklich ein fie­ses Reaktionsspektrum ausbreitet und zu ganz erstaunlichen At­tacken übergeht. Das nenne ich mal wirklich Gefahr von Format, und insofern ist der Titel des Buches durchaus berechtigt.

Ein wenig schade fand ich, dass Anya so sehr auf dem Schlauch steht, dass sie zahlreiche ziemlich auf der Hand liegende Hand­lungszusammenhänge wirklich nicht sieht. Da wartet auf den Leser bei der Konklusion des Romans nicht so richtig etwas Überraschendes. Aber dessen ungeachtet ist ihr die psychologi­sche Struktur der Shannon Draper gut gelungen.

Etwas sehr melodramatisch war die existenzielle Krise in Minne­sota inszeniert, da holperte die Logik meiner Meinung nach schon etwas und wirkte gekünstelt … aber was tut man nicht al­les, um die Protagonistin in die richtige Richtung zu lenken? Kann man machen. Und da es sich bei diesem Zweiteiler offen­bar um den Romanerstling der 1979 geborenen Autorin handelt, kann man ihr in dieser Hinsicht auch noch ein wenig Nachsicht gönnen. Beim nächsten Roman wird es sicherlich ein wenig glat­ter laufen.

Ich würde mich jedenfalls freuen, von der Autorin mehr zu lesen – das hier ist eine nette Neuentdeckung made in Germany. In­teressante erotische Romane müssen nicht nur aus Übersee kommen, wie man hieran erkennt.

© 2018 by Uwe Lammers

In der nächsten Woche geht es wieder in historische Gefilde – mit dem fiktiven Detektiv Isaac Bell, der einmal mehr im Umfeld um den Ersten Weltkrieg Kriminalfälle zu lösen hat. Wir können wohl davon ausgehen, dass es wie gewohnt äußerst dramatisch und lebensgefährlich werden wird.

Näheres in der kommenden Woche an dieser Stelle.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde des OSM,

es ist wirklich verblüffend, wie viele Stilblüten sich in meinen 18. OSM-KONFLIKT „Kampf gegen TOTAMS Dämonen und Scher­gen“ eingeschlichen haben. Vor neun Wochen gastierten wir mal wieder in diesem Universum, wo man das Jahr 2034 bzw. 2035 schreibt, und ich habe euch ein paar abenteuerliche und noch launiger kommentierte Stellen von zwei Episoden vorge­stellt. Heute schauen wir etwas weiter im Serienverlauf und be­geben uns in Band 41 der Serie, der den Titel „Das Reich der Grauhäutigen“ trägt. Oki Stanwer und Thor Gordenbeyl sind zu Besuch im (hier noch sozialistischen) Prag und bekommen es mit ziemlich haarsträubenden Dingen zu tun.

Unter anderem gibt es hier ein unterirdisches Gebilde, das man den „Tempel GOLEMS“ nennt, und der Eingang ist natürlich ver­riegelt. Aber der tschechische WEOP-Mann Jaroslav Warnin weiß Rat. Er zückt einen Dietrich. Ich zitiere aus dem Haupttext:

Warnins Dietrich ebnete ihnen den Weg.“

An und für sich ein unverfänglicher Satz, der so ja auch völlig in Ordnung ist. Fand ich anno 2013, als ich die Episode digitalisier­te und kommentierte, nur bedingt. Ich schrieb in der diesbezüg­lichen Fußnote 4921: „Er ist also quasi eine Art von Planierrau­pe, ja? Ich wittere wieder mal eine Stilblüte. Au weia! Dass War­nin Dietriche dabei hat, ist auch etwas unrealistisch. Ist er in der Freizeit Einbrecher? Er ist doch eher Diplomat …“

Das fängt ja gut an, denkt ihr? Oh, Freunde, ihr habt ja noch kei­ne Vorstellung vom Kommenden.

In das Chaos, in dem Grauhäutige, GOLEM-Diener, Geheimagen­ten und der Jesuiten-Pater Joseph Ghastor sowie Oki Stanwer mitmischen, kommt nun auch noch ein Dämon hinzu, der höchst zitierwürdige Worte murmelt:

„‚Prag wird zum Hexenkessel werden‘, sagte das Wesen. ‚Die Interessen überlappen sich. Aber auch ich werde mir eine Scheibe davon abschneiden.‘“

Das war nun völlig desaströs formuliert. Ich interpretierte das in der dazu gehörigen Fußnote 4965 folgendermaßen, allerdings auch reichlich unernst:

Von den Interessen? Klingt nicht sehr plausibel. Vom Hexen­kessel vielleicht? Aber dann ist er ja leck und funktioniert nicht mehr … nein, nein, nein, das ist wieder mal eine Stilblüte, eine besonders ungeschickte diesmal. Der Leser lacht sich wieder scheckig.“

Das ist natürlich immer noch nicht das Ende vom Lied, es gibt noch einen Nachschlag zwei Seiten weiter. Die Szene sieht wie folgt aus: Oki Stanwer besucht die Botschaft in Prag und wird umgehend zum Herrn Genossen Oberkommissar geleitet.

Wir schritten durch den Korridor zum Büro des Genossen Ober­kommissar. Er stellte sich mir als Sztecho Rastin vor. Den Vorna­men ließ ich weg, weil er ein Zungenbrecher war. Mir war er gleich unheimlich, denn er sah wie ein verkappter Militär aus.“

Womit wir zur Kommentierung dieser Passage kommen, die die krasse semantische Desorientierung manifest werden lässt: „Wer? Der Zungenbrecher? Der Vorname? Nein, Rastin. Bezugs­wortproblem. Seufz.“

Es war wohl echt nicht mein Tag, als ich diese Episode schrieb.

Springen wir lieber noch weiter in der Serienhandlung in Band 44 „Die TOTAM-Bibel“. Wer hier als Langleser meiner Blogar­tikel automatisch an das BUCH denkt, TOTAMS Legislative, denkt vollkommen richtig. Genau darum geht es. Normalerwei­se befindet sich das BUCH schier unerreichbar im TURM auf dem Planeten TOTAM … aber nicht in diesem Universum. Es ist vielmehr in eine Mikrowelt ausgelagert, und in Schottland gibt es einen gut versteckten Durchgang dorthin.

Hat man ihn – wie hier ein Team wackerer WEOP-Streiter unter Owen McClark – einmal überwunden, findet man sich in einer nahezu identischen winterlichen schottischen Landschaft mit ei­nem zerstörten Dorf wieder … und einer Kopie des TURMS. Und leider findet man hier auch Wächter, die das BUCH bewachen. Diese sind mit Flammenlanzen bewehrt und bekämpfen die Flüchtenden. Und dabei kommt es zu einem denkwürdigen se­mantischen Ausfall meinerseits:

Eine Lanze aus purem Feuer, wie es schien, raste auf die Grup­pe zu. Die Männer warfen sich zur Seite, und die Waffe prallte gegen eine Wand, zerhieb sie und breitete wie Napalm einen Feuerteppich aus, der rasch weiterrollte.

Schreiend und wild um sich schlagend trieb das Feuer die Ge­fährten noch mehr auseinander …“

Äh, Moment mal, sagt da irgendwer? Gut aufgepasst. Ich stellte 2013 auch fest, dass ich hier augenscheinlich anno 1986 nicht richtig aufgepasst hatte. Schauen wir uns mal meinen damali­gen Kommentar an:

Ich habe schon früher beim Nachlesen ‚das Feuer‘ als hand­lungstragendes Subjekt unterringelt und ein Ausrufezeichen an den Rand gemalt. Denn was ich hier für einen Blödsinn schrei­be, das geht so natürlich nicht. Wer hier schreit und wild um sich schlägt, ist natürlich nicht das Feuer, das sind die WEOP-Männer. Dass es indes das Feuer ist, das sie auseinandertreibt, das ist offensichtlich. Im Eifer des Schreibens habe ich hier zwei disparate Sätze zusammengemixt und den Fehler lange nicht entdeckt …“

Eine Seite weiter machte ich dann eine innovative Entdeckung in einer direkt anschließenden Action-Szene:

Der Schwarze dachte, damit wäre die Gefahr erledigt, aber er hatte das Reittier vergessen. Es wendete und stürmte auf ihn zu, ritt ihn förmlich nieder. Beide zusammen vergingen in blau­er Glut.“

Das animierte mich zu dem launigen Kommentar in Fußnote 5363: „Wie bequem. Ein knöchernes Kamikaze-Pferd. Sachen gibt’s …“

Da die nächste Episode (Band 45) vier weitere Lapsus-Stellen enthält und ich nicht recht abschätzen kann, wie umfangreich ihre Wiedergabe ausfallen wird, lasse ich es für heute einmal mit den obigen Passagen bewenden und schiebe diese Stellen und ihre Kommentierung dann besser in den nächsten Teil die­ser losen Artikelreihe.

In der nächsten Woche kümmern wir uns dann um den sechsten unveröffentlichten Roman aus meinem hausinternen Roman-Ar­chiv. Das ist, das kann ich jetzt schon andeuten, etwas ganz Be­sonderes, aus mehrerlei Gründen. Zum einen zementierte die­ser Roman meinen Entschluss, keine Heftromanskripte mehr einzureichen. Zum anderen entschied ich, nun „für mich“ an diesem Format festzuhalten. Und der erste dieser Romane, der gleich der Auftakt einer ganzen Serie wurde, ist eben das Werk, über das ich in der nächsten Woche berichten werde.

Bis dann also, Freunde, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 551: Agenten der Galaxis (1)

Posted März 11th, 2026 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

SF-Romane von vorgestern, die selbst erschienen sind, ehe ich auf der Welt war (zur Erinnerung oder Info, falls ihr es nicht wis­sen solltet: Das war 1966), sind angestaubt, langweilig und alt­backen? Nun, in vielen Fällen ist dieses Klischee mit Sicherheit angebracht. Doch als ich diesen Roman las … pardon: ver­schlang …, da konnte ich dieses Etikett auf das vorliegende Werk mit Sicherheit nicht aufdrücken. Und ihr tut gut daran, das ebenso zu sehen.

Wer sich schon immer mal mit Fliegenden Untertassen oder Zeitreisen (oder beidem in Kombination) beschäftigt hat, zudem ein Faible für so etwas wie die legendären „Men in Black“ und vielleicht auch noch Gestaltwandler besitzt, der kommt in die­sem Roman sehr solide auf seine Kosten.

Ich präsentiere euch die wohlwollende Rezension zu dem ersten von vier Abenteuern des Zeitreiseagenten Hannibal Fortune:

Agenten der Galaxis

(OT: The Flying Saucer Gambit)

Von Larry Maddock

Terra-Taschenbuch 153

160 Seiten, TB, 1968 (1960)

Aus dem Amerikanischen von Werner Gronwald

Keine ISBN

Die Erde ist in Gefahr.

Nun gut, das ist eigentlich in der Science Fiction nichts Unge­wöhnliches, vermutlich annähernd jeder zweite SF-Roman, der je geschrieben wurde, thematisiert auf die eine oder andere Weise eine Bedrohung für unsere Heimatwelt, sei es in der Ge­genwart, Vergangenheit oder Zukunft, in alternativen Realitäten oder wie auch immer. Wie sieht das hier aus?

Sorobin Kimball ist Journalist im ländlichen Kansas des Jahres 1966, jedenfalls für alle Menschen im weiteren Umkreis. Aber er hat eine zweite Identität, nämlich die eines Geheimagenten für die galaktische Geheimorganisation TERRA (laut dem WIKIPE­DIA-Eintrag zu Larry Maddock steht diese Abkürzung, korrekt ei­gentlich T.E.R.R.A. geschrieben, für „Temporal Entropy Restruc­ture and Repair Agency“). TERRA, um bei dieser Form zu blei­ben, ist eine Zeitreiseinstitution, die im Zentrum der Galaxis im 26. Jahrhundert menschlicher Zeitrechnung sitzt und darüber wacht, dass speziell auf der Ursprungswelt der Menschheit, die Zeitlinie ungestört bleibt.

Wie es sich nämlich für eine Space Opera – und darum handelt es sich hier strukturell – gehört, gibt es selbstverständlich auch „die Bösen“. Sie manifestieren sich in der vom finsteren Drofox Johrgol gegründeten Organisation „Empire“. Diese Organisation strebt eine großflächige Umformatierung der menschlichen Ge­schichte zu ihren Gunsten an. TERRA soll das stets verhindern.

Als der TERRA-Agent Sorobin Kimball jählings verstummt, wird der Elite-Agent Hannibal Fortune zusammen mit seinem Symbi­onten-Partner Webley (ich würde ihn weniger einen Symbionten als vielmehr einen Gestaltwandler nennen) nach Kansas anno 1966 geschickt, um nach dem Rechten zu sehen.

Nun, viel zu retten gibt es nicht mehr. Kimball, dessen letzter Funkspruch brüsk gestört wurde, ist so tot, wie es nur geht, und sein Symbiontenpartner Glarrk ist offenbar wahnsinnig gewor­den. Und es geht, sehr passend für die Zeit, augenscheinlich um UFOs … Empire-Raumschiffe, wie Fortune sofort – mit Recht – argwöhnt. Als er der Fährte nachgeht, stößt er auf die unbedarf­te und vertrauensselige Katzenliebhaberin Marilyn Mostly, die quasi unablässig am Reden ist, geradezu hinreißend naiv, an UFOs und deren Friedfertigkeit sowie die Reinkarnation glau­bend. Da sich Fortunes Partner Webley zu diesem Zeitpunkt in Gestalt einer Katze materialisiert hat, schließen die beiden We­sen unterschiedlicher Zeiten sofort Freundschaft. Was allerdings mittelfristig nicht verhindert, dass Miss Mostly von den Empire-Agenten entführt wird.

Die Fährte führt nach Arizona, in die direkte Nähe der Superstiti­on Mountains (im Roman süß als „Aberglauben-Berge“ irgend­wie drollig übersetzt), wo die TERRA-Agenten mit der aparten Apachin Candy Longfellow zusammenprallen. Sie erfahren bei­spielsweise, dass die Berge heilige Orte der Apachen sind und als verflucht gelten. Außerdem aber läuft dort ein unerbittlicher Countdown, der nur noch nach wenigen Stunden zählt – dann nämlich will Empire die Welt mit einer willenslähmenden Spezi­alwaffe „befrieden“ und im Anschluss die Weltherrschaft an sich reißen.

Keine Frage, so sehr die Welt der 60er Jahre auch Frieden braucht – das muss man natürlich verhindern, weil das die Zeit­linie total verändern würde … nur wie macht man das, wenn man ein naives, UFO-gläubiges Mädchen aus einer Gefangen­schaft zu befreien hat, die es noch nicht mal als solche realisiert hat? Und wie soll man das machen, wenn selbst der eigene Symbiontenpartner auf einmal verrückt zu werden scheint? Da hilft nur noch der massive Einsatz einer Zeitmaschine, und dann wird es erst recht wild …

Dieser Roman, fast so alt wie ich selbst (bezogen auf die deut­sche Veröffentlichung), hat ungeachtet seines Alters einen nicht eben geringen Charme. Blendet man mal die eher skizzenhafte Rahmenhandlung des Antagonismus TERRA – Empire weitge­hend aus und konzentriert sich auf das Zeit- und Lokalkolorit des Romans, dann entdeckt man schnell, dass der Autor Larry Maddock (auf dem Cover durch einen Verlagsfehler zu „Carry Maddock“ mutiert), recht ordentlich recherchiert ist.

Denn alles, was er über die Superstition Mountains, den Zusam­menhang mit den Apachen und sogar die legendäre „Lost Dutchman-Mine“ erzählt (die hier für mich völlig überraschend thematisiert wurde), passt ausgezeichnet zu weiteren Informationen, die ich zu dem Thema kannte. Die allgemeine UFO-Hy-sterie in den frühen 60er Jahren wird ebenso aufgenommen wie gewisse folkloristische Auswüchse der damaligen Zeit.

Maddock hieß eigentlich mit bürgerlichem Namen Jack Owen Jardine (1931-2009) und hat neben der Schriftstellerei, wie das allgemein so üblich war, zahlreiche andere Berufe ausgeübt, zu denen Zeitungsreporter, Rundfunksprecher, Redakteur, Fernseh­techniker, Vertreter und Kreativdirektor zweier Radiostationen in Arizona zählten. Soweit ich weiß, hat er aber neben einer Reihe von SF-Kurzgeschichten (zu dem Symbionten Webley) vier SF-Romane um Hannibal Fortune verfasst, dessen erster hier vor­liegt.

Insbesondere die lockere, an den frühen Connery-Bond erin­nernde Charakterisierung des Helden sowie die bisweilen wirklich goldig gezeichneten Protagonisten und die niedlichen Irrungen und Wirrungen machen die Geschichte wirklich lesenswert und loh­nen meiner Ansicht nach auch heute noch eine Wiederentde­ckung.

Dass ich mit dieser Ansicht offenbar nicht alleine bin, zeigt eine in den 2000er-Jahren realisierte Neuauflage dieses Romanzy­klus, der mir aber physisch nicht vorliegt. Ich für meinen Teil bin jedenfalls gespannt auf die drei weiteren Abenteuer Hannibal Fortunes. Demnächst erzähle ich mehr dazu.

© 2022 by Uwe Lammers

In der kommenden Woche geht es dann erst einmal wieder um das geheimnisvoll-erotische „Black Game“. Bleibt gespannt, Freunde.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Blogartikel 657: Langzeitprojekte 17: Rilaans Geschichte

Posted März 8th, 2026 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

es ist tatsächlich etwas schade, muss ich sagen, dass ihr diese Welt noch nicht kennt, in der diese Geschichte spielt … wobei ich da nicht so ganz die Wahrheit sage. Einblicke in das Univer­sum, in das ich euch heute wieder entführen werde, habt ihr schon werfen können, wenn ihr gelegentlich meine E-Books kon­sultiert habt.

Wir befinden uns im KONFLIKT 4 des Oki Stanwer Mythos, also in jener Serie, die unter dem Namen „Oki Stanwer – Der Insel-Re­gent“ (IR) segelt. Nennen wir es einfach mal so. Aus zahlreichen Blogartikeln wisst ihr, dass in diesem Universum der zentrale Schauplatz die Galaxis Mysorstos ist. Hier haben die Baumeister mit Oki Stanwers Assistenz die so genannte INSEL erschaffen – ein phantastisches Hochtechnologie-Imperium, ein Vielvölker­reich, das durch ein bemerkenswert perfektionistisches Netz­werk aus Transmittern immer mehr zusammengewachsen ist. Im Laufe der vergangenen zweieinhalbtausend Jahre ist das IN­SEL-Imperium immer weiter expandiert, hat neue Welten er­schlossen, weitere Völker eingemeindet, und all dies unter der wohlwollenden Obhut der Baumeister, die allgemein als altruis­tische Wohltäter angesehen werden, da sie für ihre unzähligen Hilfsdienste rein gar nichts verlangen.

Kaum jemand jenseits des engsten Führungszirkels um den Re­genten Oki Stanwer ist sich darüber im Klaren, dass diese Deu­tung einseitig und einigermaßen naiv ist. In Wahrheit fürchten die Baumeister seit Gründung der INSEL den Angriff der Feind­macht TOTAM, und insgeheim wird von ihnen massiv aufgerüs­tet und die stellare Umgebung der INSEL nach Bedrohungen ab­gescannt.

Doch die besten Warnsysteme finden keine Spur von TOTAM … und so kehrt im Laufe der Zeit mehr und mehr Ruhe ein. Dass diese Ruhe auf fatale Weise trügerisch ist, beweist der Roman „In der Hölle“, der auch als E-Book zu lesen ist. Darin geht es um den Beginn von TOTAMS Invasion in der INSEL, die ganz an­ders verläuft, als sich die Baumeister das denken.

Doch die Geschichte, die ich euch heute vorstellen möchte, spielt einige Jahre vor diesen Ereignissen, und scheinbar fängt sie vollkommen banal an.

Womit?

Nun, mit enttäuschter Liebe.

Die junge Techno-Bürgerin Rilaan bewohnt den zentralen Tech­no-Planeten Talascantor und studiert hier, während sie bei ihren Großeltern wohnt, Mayolita und Joshnoor. Sie selbst ist leider früh verwaist, aber ihre Großeltern sind Seelen von Menschen, und sie fangen Rilaan auch auf, als sie sich während ihres Tou­ristik-Studiums in einen etwas älteren Lehrer verguckt … und ihn dann bei einem völlig ungenierten Seitensprung mit ande­ren Mitschülerinnen erwischt.

Mit gebrochenem Herzen flüchtet Rilaan zu ihren Großeltern, die sie trösten. Grimmig schließt sie ihr Studium höchst erfolgreich ab … und dann folgt das, was jeder Berufstätige von uns auch kennt: Man hat ins Berufsleben zu starten. Mit einem verletzten Herzen ist das naturgemäß noch etwas schwieriger als sonst … und ihre Großeltern machen Rilaan auch einen Vorschlag, der sie anfangs völlig entsetzt: Sie solle sich von Talascantor weg­bewerben, auf einem anderen Planeten beruflich starten!

Anfangs fürchtet Rilaan natürlich, sie habe ihre Sympathien bei den Großeltern verscherzt, was allerdings völlig abwegig ist. Nein, wird ihr versichert, denk doch nur mal nach: Wir leben in der INSEL! Selbst wenn du hundert Lichtjahre entfernt Arbeit finden solltest, kannst du uns mühelos kontaktieren. Und dank der Baumeister-Portale bist du höchstens ein paar Reisestunden von uns entfernt.

Also nimmt Rilaan allen Mut zusammen – immerhin hat sie Talascantor noch nie verlassen! – und recherchiert Stellen auf anderen Welten der INSEL … und macht die interessante Entde­ckung, dass die meisten Absolventinnen ihres Faches lieber auf der heimischen Welt Talascantor bleiben, wo sie sich in einem gnadenlosen Konkurrenzwettkampf befinden. Auf anderen Wel­ten der INSEL, und von denen gibt es quasi uferlos viele, ist das ganz anders. Auf manchen davon wird die Tourismusbranche gerade erst aufgebaut.

So erhält sie drei Zusagen zu einem Vorstellungsgespräch auf drei verschiedenen Welten: Volnarish, Khen-Talanaar und Tushwannet.

Volnarish erweist sich als ein wirklich noch sehr entwicklungsfä­higer Bereich, und erschwerend hinzu kommt, dass gerade ein ausgewachsener Tropensturm die Stadt heimsucht, in der der Transmitterdom steht. Alles ist abgeschirmt, aber das Reisebüro steht weitgehend unter Wasser, und es gibt noch keine von den Baumeistern eingerichtete planetare Wetterkontrolle … der An­fang der Arbeit hier könnte also ziemlich abenteuerlich werden. Obwohl sich Rilaan mit den Verantwortlichen gut versteht, wird sie ermuntert, sich vor einer Entscheidung besser erst noch die anderen Möglichkeiten anzuschauen. Das erleichtert ihr doch sehr die weitere Vorgehensweise.

Der zweite Stopp erfolgt auf der Welt Tushwannet, 18 Lichtjahre von Talascantor entfernt. Hier hat ein Reisebüro in der kleinen Küstenstadt Vushkay positiv auf ihre Bewerbung reagiert und erwartet sie.

Was Rilaan indes nicht erwartet, ist dies: Sie ist wie verzaubert, sobald sie hier erst einmal angekommen ist. Es ist ihr völlig un­begreiflich, aber … ja … ja, es fühlt sich tatsächlich unfassbar so an, als gehöre sie regelrecht hierher. Schauen wir uns das mal kurz im Text selbst an:

Um die Wahrheit zu sagen – sie hatte ihr Herz längst an Tushwannet ver­loren, als sie schließlich Vushkay erreichte, jene idyllische Kleinstadt direkt am tropischen Meer, wo sich das Reisebüro befand, das sie zum Vorstel­lungsgespräch eingeladen hatte. Es lag direkt in der lebendigen, pittores­ken Altstadt, in der zwar an allen möglichen Stellen modernisiert und neu gebaut wurde – dennoch entstand in keinem Moment so ein Gefühl von Hektik und Stress. Selbst die heimischen Bauarbeiter, die nahezu vollständig auf Roboterhilfe verzichteten, besaßen einen ganz eigenen, entspannten Arbeitstakt, der es richtig angenehm machte, ihnen beim Er­schaffen ihrer Werkstücke zuzuschauen. Und niemand nahm Rilaan das übel, dass sie die kernigen Handwerker bewunderte.

Neben einheimischen Traditionsgeschäften, deren Namen ihr samt und sonders gar nichts sagten, gab es inzwischen natürlich auch zahlreiche Stellvertreter-Dependancen von Unternehmensketten, deren Filialen man auch auf Talascantor und sicher auf vielen anderen INSEL-Welten finden konnte. Aber alles in allem machte das beschauliche Vushkay einen soli­den, traditionsbewussten Eindruck, gekrönt von einer kleinen Schicht von dynamischen Jungunternehmern, die sich mehrheitlich auf verschiedene Sparten des Tourismus konzentrierten. Und auf eine schwer zu beschrei­bende Weise hatte Rilaan sofort das Gefühl, hier „heimisch“ zu sein – ein­fach hierher zu gehören.

Mayolitas geradezu visionäre Worte fielen ihr wieder ein: Du wirst es si­cherlich spüren, wenn du am richtigen Platz angekommen bist.

Sie hatte es ihr nicht recht glauben wollen, weil sie nur eine richtige Hei­mat kannte, nämlich das Grundstück ihrer Großeltern auf der Insel Shal­naay … aber das hier, dieses kleine, romantisches Vushkay, es lockte ihr unweigerlich ein strahlendes Lächeln aufs Gesicht, und sie fühlte sich be­schwingt und unglaublich wohl – selbst wenn sie derzeit auf dem Weg zu einem Vorstellungsgespräch war, das natürlich auch schlecht ausgehen konnte.

Jede Form von Heimweh oder Fremdeln war jedenfalls schlagartig ver­schwunden, als sie sich vom Busbahnhof zu Fuß auf den Weg zu dem klei­nen Reisegeschäft machte.

Die Technos hier waren unglaublich freundlich, lächelten und scherzten, nirgendwo war etwas zu spüren von Verdruss, Stress oder dergleichen – al­les hier wirkte ein wenig wie ein Traum, in dem alles in Pastellfarben ge­malt war. So hinreißend, dass sich Vushkay unaufhaltsam in ihr romanti­sches Herz einschrieb.

Wenig später befand sie sich dann mitten im Gespräch mit der 42jähri­gen, dynamischen Chefin Yasleen der Reisevermittlung Ilaanoy – und sie saß, auf ein Neues einen leckeren, aromatischen Tuursh genießend, auf der rückwärtigen Terrasse des zweistöckigen Gebäudes mit einem wirklich atemberaubenden Blick über die Bucht von Vushkay … und ehe sich Rilaan versah, waren Yasleen und sie so vertraut miteinander, als würden sie sich bereits ihr Leben lang kennen.

Der Funke der Sympathie sprang sofort über, sie ergänzten sogar be­reits die Sätze, die die jeweils Andere begonnen hatte, ganz instinktiv und lachten fast synchron. Die ganze Umgebung wirkte wunderschön und die Düfte der Vegetation und der von Schwebedrohnen gepflegten Pflanzen auf der Terrasse des Reisebüros schmeichelten ihrer Nase auf hinreißende Weise.

Im Gespräch stellte sich heraus, dass das Unternehmen gerade frisch gegründet worden war. Alle Angestellten – mit Rilaan würde die Beleg­schaft dann vollzählig sein – glühten geradezu voller Leidenschaft für die Arbeit, und es gab wirklich niemanden in der kleinen Gruppe, mit dem Ri­laan sich nicht auf Anhieb verstand. Es kam ihr so vor, als habe sie auf die­sem bislang fremden Planeten schlagartig eine neue, warmherzige Familie gefunden – etwas, was sie entdeckt hatte, ohne wirklich danach gesucht zu haben.

Phantastisch.

Rilaan sagt umgehend zu und beginnt damit, hier zu arbeiten – und es ist die reine Wonne, um es vorsichtig zu sagen. Ihr ist dabei überhaupt nicht klar, wie sonderbar speziell dieser Planet ist … und noch viel weniger klar kann ihr sein, dass nicht nur die sympathische Verbindung mit dieser Welt und diesem Ort „phantastisch“ ist, sondern dass sie hier in einem unendlich wichtigen kosmischen Plan eine zentrale Rolle erfüllen soll.

Das ahnt Rilaan nicht einmal dann, als sie den „seltsamen Kun­den“ trifft, der das Reisebüro aufsucht, um eine Reise zu buchen … so scheint es wenigstens zu Beginn. Aber das ist nicht ganz die Wahrheit, wie die verwirrte Reisekauffrau schnell entdeckt. Der Besucher, ein junger, linkischer und sympathischer Techno namens Torkeron, verhält sich außergewöhnlich seltsam. Viel­leicht sollten wir uns das auch kurz näher anschauen:

„Also schön, Torkeron … was genau kann ich für Sie tun?“

Sie fragte sich rätselnd, warum es sie so elektrisierte, wenn er ihren Na­men aussprach. Warum es sie aufreizte, wenn sie seinen Namen auss­prach. Innerlich rief sie sich zur Ordnung. Das hier war nur ein einfaches Kundengespräch, nicht mehr! Und es war ja vermutlich recht eindeutig, was sie für ihn tun konnte – warum ging man wohl in ein Reisebüro …?

„Ich würde gern von Ihnen Informationen über eine Reise erhalten …“

Also, genau wie gedacht. Es ging natürlich um eine Reise. „Dafür bin ich da. Ich vermute, es soll zum Golf von Quarthay gehen?“

„Das ist das Reiseziel, ja.“

„Dann sind Sie hier vollkommen an der richtigen Adresse … haben Sie schon bestimmte Vorstellungen davon, was Sie für eine Art von Reise bu­chen wollen?“

Torkeron lächelte rätselhaft, schwieg einen Moment lang und sagte dann leise: „Ich möchte keine Reise buchen.“

Nun war die Reihe an Rilaan, verdutzt zu blinzeln. Die Antwort brachte sie doch ein wenig aus dem Konzept. „Wie bitte?“

Ihr Besucher sah sie auf eine Weise an, die fast … entschuldigend schien. Eigentümlich. Überhaupt war seine Miene so … wechselhaft. Rilaan hatte eine seltsame Anwandlung von einem stürmisch aufgepeitschten, silbrigen Ozean, über dem wechselhaftes Licht ein magisches Licht- und Schattenspiel aufführte, vollkommen unberechenbar.

Sehr merkwürdig. Aber faszinierend. Wirklich sehr faszinierend.

Torkeron suchte sichtlich nach passenden Worten. Es war nicht deutlich, was ihn so eigenartig reagieren ließ, ob es sein Anliegen war, das ihn ge­wissermaßen aus der Fassung brachte oder ob es an etwas anderem lag. Unwillkürlich ertappte sich die junge Reisekauffrau dabei, dass er ihretwe­gen so nervös war.

Ein absurder Gedanke, echt! Aber irgendwie auch schmeichelhaft, wenn daran irgendetwas Wahres sein sollte.

„Nun … sehen Sie … äh, Rilaan … es ist so: ich habe hier ein paar Basis­daten und bräuchte genauere Informationen. Ich glaube, man könnte am ehesten sagen, dass es sich … wie soll ich das ausdrücken …? Nun … es ist gewissermaßen … eine Überraschung.“

Aus unerklärlichen Gründen schien er sich seiner Worte zu genieren.

„Eine Überraschung“, echote sie ratlos.

Das kam jetzt tatsächlich überraschend … auch wenn Torkeron das si­cherlich so nicht meinte. Zweifellos sollte nicht sie überrascht werden. Das wäre reichlich abstrus gewesen. Schließlich kannten sie einander ja über­haupt nicht.

Aber wer sollte wohl dann überrascht werden? Und weshalb? Was sollte das alles werden, wenn es fertig war?

Irgendwie wurde sie aus ihm nicht recht schlau. Dieser Torkeron fiel durch die ungewöhnliche Anfrage deutlich aus dem Raster der Kunden her­aus, die sie bislang so betreut hatte und die sich üblicherweise recht pfle­geleicht betreuen ließen. Rilaan vermochte noch nicht zu sagen, ob sie das positiv oder negativ werten sollte. Sie behielt also ihre ruhige, professio­nelle Haltung erst einmal bei und wartete auf weitere Details.

„Ja, eine Überraschung. Ich denke, so kann man das wohl am besten nennen.“

Rilaan, sowohl durch die seltsame Art und Weise irritiert, in der dieser Mann sein Anliegen vortrug, als auch – das einzugestehen fiel ihr schwer – durch ihn selbst, versuchte sich in den kommenden Minuten des etwas konfus verlaufenden Gesprächs ein Bild zu machen von dem, was Torkeron tatsächlich wollte.

Es blieb jedoch seltsam und unklar.

Torkeron hatte einige Begriffe, die ihr definitiv aus ihrer Buchungsarbeit rings um den Golf von Quarthay vertraut waren, sorgsam in sauberer, ruhi­ger Handschrift auf einen Zettel notiert, den er ihr nun zuschob. Sie waren sogar partiell sehr detailliert. Da gab es Ortsangaben und sogar Zimmer­nummern, die angegeben waren, ebenfalls eine Buchungsziffer, die aller­dings wirklich keinen Sinn ergab, weil die aktuellen Buchungen noch gar nicht in diesen numerischen Bereich vorgestoßen waren.

Noch eigentümlicher war es, dass Torkeron diese Reise nicht buchen wollte (er lächelte nur entschuldigend und wich aus, wenn sie ihn danach fragte, für wen er diese „Überraschungsreise“ denn buchen wolle. Genau genommen wünschte er sich in Wirklichkeit eine Vervollständigung der Da­ten). Aber ansonsten gab sie sich natürlich kooperativ und konziliant. Die Linie des Reisebüros sagte eben aus: keinen Kunden vergraulen, sie mö­gen manchmal unmöglich sein, aber wir sind ein kleines, junges Unterneh­men, wir können es uns nicht erlauben, schlechte Presse zu bekommen, weil wir schwierige Kunden abgelehnt haben.

Auch wenn Torkeron gar nicht den Eindruck machte, er sei ein Kunde.

Er war ihr stattdessen ein einziges Rätsel.

Als er alle Informationen ausgedruckt erhalten hatte, die er haben woll­te, bat er: „Bitte, Rilaan, tun Sie mir noch einen Gefallen?“

„Aber gern doch.“

„Löschen Sie die Rechercheprotokolle für diese Suche. Bitte. Ich möchte niemanden in Schwierigkeiten bringen, am allerwenigsten Sie.“

Sie sah ihn forschend und misstrauisch an. Das war jetzt der Gipfel der Zumutung, fand Rilaan. Irgendwie handelte es sich hier mit weitem Ab­stand um die seltsamste Art von „Reisebuchung“, wenn man das nennen wollte, die sie seit ihren paar Monaten Dienstzeit hier im Reisebüro bislang erledigt hatte.

Dies seltsam zu nennen, ist vermutlich noch eher zahm. Und dennoch ist das alles erst der Anfang. Denn es existiert ein für beide rätselhaftes Band der Sympathie, das sie immer enger zu­sammenführt. Und so erfährt Rilaan schließlich, als sie intensi­ver über ihren sonderbaren Kunden recherchiert, von Dingen, die auf Tushwannet vor sich gehen, von denen sie gar nicht glauben kann.

Da ist etwa die Sache mit den Traumgilden.

Die Traumgilden sind der Grund, warum die Verbrechensbe­kämpfungsquote auf Tushwannet 100 % beträgt und JEDER Ver­brecher in Rekordzeit gefasst wird.

Weitere Nachforschungen im Netz förderten eine wirklich verwirrende Erkenntnis zutage: Auf Talascantor brauchten die Ermittlungsbehörden, Baumeisterhilfe hin oder her, meistens Tage oder Wochen, um Straftaten aufzuklären, das wusste sie von den dortigen Netzzeitungen und den allge­meinen Nachrichtensendungen. Hier auf Tushwannet schien das grundle­gend anders zu sein, aus welchem Grund auch immer.

Hier wurden Verbrecher quasi im Handumdrehen ihrer Vergehen über­führt, und Justizirrtümer kamen NIE vor.

Das klang nicht nur unvorstellbar, es hörte sich nachgerade verrückt an.

Was um alles in der Welt war hier auf Tushwannet so fundamental an­ders als auf anderen Welten? Vorausgesetzt, es handelte sich hier nicht um eine bizarre Form von Lobhudelei zugunsten der Fahndungsbehörden. Aber so lasen sich die Meldungen einfach nicht.

Sie klangen vollkommen gelassen – als wäre diese Aufklärungsquote (100 Prozent! Und das in Rekordzeit!) einfach normal. Nichts, was irgend­wie spektakulär schien.

Das konnte Rilaan nun überhaupt nicht begreifen.

Ohne es zu wollen, fesselte sie dieses unerwartete Mysterium.

Ungläubig las sie weiter.

Der Dieb, dessen Name natürlich anonymisiert worden war – Personen­schutz – , hatte nach seiner Verhaftung sofort zugegeben, dass alle Infor­mationen zutrafen. Sein Delikt bestand darin, eine fast dreihundertfünfzig Jahre alte kleine Statue aus einem Privathaushalt entwendet zu haben, und der Ermittler, dessen Name mit Torkeron angegeben wurde, hatte nicht nur laut Protokoll genau gesagt, in welcher Nacht der Gegenstand entwendet worden war, sondern auch, wo der Täter wohnte, wo genau in dessen Garten die Statue in einem kleinen, bleiummantelten Kasten ver­graben worden war und wie viele Spatenstiche der Täter gebraucht hatte, um das Versteck zu graben.

Rilaan starrte fassungslos auf diesen Artikel.

Das war unmöglich.

Sie las weiter, und ihr Staunen vertiefte sich.

Laut dieser Meldung hatte dieser … dieser Torkeron den Täter nicht ein einziges Mal persönlich gesehen. War nicht einmal in der Nähe gewesen, sondern es habe sich um eine „übliche Ferndiagnose“ gehandelt, wie sie bei den „Traumgilden von Tushwannet“ normal war. Der Berichterstatter äußerte einiges Unverständnis, warum angesichts solcher Aufklärungs­möglichkeiten überhaupt noch jemand wagte, auf Tushwannet Verbrechen zu begehen. Es sei doch völlig witzlos.

Es ist offensichtlich, dass auf Tushwannet einiges grundlegend anders ist als auf anderen Techno-Welten, soviel steht fest. Und alsbald erkennt Rilaan tatsächlich, dass ihr Kunde Torkeron, der ihr zunehmend ans Herz wächst – was auf Gegenseitigkeit be­ruht – in der Tat einer jener Wahrträumer der Traumgilden ist. Seine Fähigkeit bezieht sich allerdings nicht nur auf die Vergan­genheit, sondern er erkennt auch Teile der nahen Zukunft.

Aus all diesen Geschehnissen entwickelt sich im weiteren Ver­lauf der Geschichte eine ernste Liebesbeziehung zwischen Ri­laan und Torkeron. Und sie leitet schließlich in den Anfang der Serie „Oki Stanwer – Der Insel-Regent“ über, wo sowohl Torke­ron wie Rilaan von Anfang an, schon in einer festen Beziehung stehend, zentrale Handlungspersonen werden.

In dem obigen Roman gehe ich der Frage nach, wie es zu ihrem Kennenlernen kam und wie sich Rilaan schließlich mit Torkerons besonderer Fähigkeit anzufreunden begann.

Erst im Verlauf der Serie selbst wird dann nach und nach zutage treten, dass Torkeron eine bedeutende Stellung im transuniver­salen OSM-Zeitkrieg spielt und seine Fähigkeiten auf Handlun­gen der geheimnisvollen TUURINGER aus der fernen Zukunft zu­rückzuführen sind.

Aktuell hat dieser am 29. September 2017 begonnene Roman 76 Seiten, aber er wird noch deutlich mehr erhalten. Ich bin im Grunde genommen recht zuversichtlich, dass er im Jahre 2026 endlich den letzten Schliff bekommen und vielleicht auch zeit­nah veröffentlicht werden kann.

Schauen wir mal … es macht bei jedem einzelnen Besuch enor­mes Vergnügen, an dieser Geschichte zu feilen. Da wesentliche Stücke des Schlusses für mich zurzeit noch unerkennbar sind, verzögert sich die Fertigstellung notwendig. Aber ihr kennt das: Kommt Zeit, fließt auch der Bilderstrom wieder, und dann ist die Fertigstellung einer Geschichte meist nur eine Frage weniger Tage. Mal sehen, wie es sich hier entwickeln wird.

In der nächsten Woche schicke ich euch mal wieder zig Milliar­den Jahre in die Zukunft, hinein in die Fehlerwüste des KON­FLIKTS 18 „Kampf gegen TOTAMS Dämonen und Schergen“ … und richtig, es geht wieder um die Fehlerlese. Ich habe noch ein paar abenteuerliche Fehlstellen in der Serie entdeckt, mit denen ich euer Zwerchfell erschüttern kann.

Mehr dazu in sieben Tagen an dieser Stelle.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 550: Schule der Lust

Posted März 4th, 2026 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

zu behaupten, ich sei von diesem Roman anno 2019, als ich ihn las, überrascht worden, hieße ernsthaft, äußerst tief zu stapeln. Ihn zu schmökern oder besser: zu goutieren, das war tatsächlich ein unerwartetes, wonnevolles Lesevergnügen. Wie ich unten in der Rezension explizit schreibe, war mir die Verfasserin nicht restlos unbekannt. Dennoch ging ich die Lektüre eher zögerlich an (das ist anders als bei solchen Vielschreiberinnen a la Julie Kenner, Layla Hagen, Audrey Carlan, Jessica Clare und wie sie nicht alle heißen). Bei manchen AutorInnen tritt solch ein Zö­gern auf.

In diesem Fall war es vollständig unberechtigt. Der Roman fing mich im Nu mit seinem Zauber ein, woran eindeutig die Katzen nicht unschuldig waren. Natürlich ist es ein erotischer Roman mit BDSM-Anklängen, sogar recht intensiven. Aber auf eine völ­lig andere Art und Weise, als man das sonst so gewöhnt ist.

Wie ich das meine? Nun, schaut es euch am besten selbst an:

Schule der Lust

(OT: The Fabric of Love)

Von Maria Isabel Pita

Heyne 81100 (2008)

304 Seiten, TB

Aus dem Amerikanischen von Ulrich Georg

ISBN 978-3-453-81100-3

Mira Rosemond ist immer schon ein eigenwilliges Kind gewesen, mit einem recht exquisiten Geschmack und eigenen Kopf. Als einziger Spross ihrer Eltern im amerikanischen Virginia aufge­wachsen, lernt sie schnell, auf eigenen Füßen zu stehen und er­greift den Beruf der Innenarchitektin, die sich an den Prinzipien des Feng Shui im weitesten Sinne orientiert. Sie lebt wohlig al­lein in einem großen Haus, umgeben von einem urwüchsigen Gartengrundstück mit alten Bäumen und im Leben begleitet von ihren beiden eigensinnigen Katzen Stormy (Kater) und Sekhmet (Kätzin), die in der vorliegenden Geschichte wichtige Rollen zu spielen haben.

Mira hat nach zahlreichen wenig erfolgreichen Abenteuern mit egoistischen Männern die Entscheidung getroffen, dass es bes­ser ist, dem anderen Geschlecht nicht mehr soviel Raum in ihrem Leben einzuräumen. Im Gegensatz zu ihren wenigen Freundinnen ist sie der Auffassung, dass die Ehe krass überbe­wertet wird und frau sowieso mittels eines Vibrators und üppi­ger erotischer Träume leichter zur vollendeten Erfüllung findet als in den Armen eines ohnehin meist egoistischen Kerls.

Nun, diese Ansicht ändert sich in dem Moment, in dem Mira ei­nes Morgens ihrer nach einer ägyptischen Göttin benannten Katze Sekhmet in den Garten folgt und dort überraschend Zeu­gin wird, wie ihre sonst sehr fremdelnde Katze schnurrend ei­nem unbekannten Mann in Leder um die Füße geht und sich da­bei höchst behaglich fühlt. Das ist schon sehr eigenartig – aber noch seltsamer ist das, was folgt. Mira fasst ebenso wie ihre sonst so scheue Katze sehr rasch Vertrauen zu dem rätselhaf­ten, gut aussehenden Fremden, der sich mit Philip vorstellt und erklärt, einer ihrer nahen Nachbarn zu sein, der eher zufällig die Abkürzung durch ihr Gartengrundstück genommen hat.

Und ehe sich Mira versieht, erlebt sie in ihrer voll gestellten Ga­rage, in der sich diverse gesammelte Antiquitäten stapeln, ein phantastisches, leidenschaftliches Sexabenteuer mit Philip und gestattet ihm – was sie früher nie getan hat, sie dabei mit dem Gürtel ihres Morgenmantels zu fesseln.

Philip Montaigne macht seinerseits aus seinem Beruf keinen Hehl: er ist BDSM-Master und dominiert üblicherweise dreimal in der Woche abends Frauen gegen Bezahlung, ansonsten arbei­tet er an seiner Doktorarbeit und hat, was Mira sehr zusagt, nicht nur einen gut sortierten Weinkeller, sondern seine Eltern haben sogar einen eigenen Weinberg.

Er wiederum erkennt in Mira nahezu sofort ein nicht nur bild­schönes weibliches Wesen, das ihn augenblicklich in ihren Bann schlägt, sondern zudem einen devoten Charakter. Er ist hinge­rissen von ihr und wird immer mehr zu ihr hingezogen. Sein ausdrücklicher Wunsch: er möchte, dass sie sich ihm bereitwillig unterwirft und seine gehorsame Sklavin ist, seine einzige Skla­vin, um genau zu sein (die anderen Frauen, die er dominiert, bleiben ferne Schatten und erlangen, genau genommen, keine Bedeutung). Und Mira, wiewohl sehr selbstbewusst, erliegt der köstlich-aufregenden sinnlichen Ausstrahlung des Unbekannten und steigt in dieses Abenteuer ein, das ihr Leben binnen kürzes­ter Zeit gründlich umkrempelt …

BDSM-Romane – und dies hier ist prinzipiell einer – , sind schon recht lange in der deutschen Belletristik angekommen, ver­stärkt natürlich nach dem unerwarteten Erfolg von E. L. James „Fifty Shades of Grey“. Und ich habe auch schon viele solche Epigonenromane gelesen, die recht oft klar durchschaubaren Strickmustern folgen. Dieser hier ist allerdings anders, auf eine sehr interessante Weise anders.

Als ich Maria Isabel Pitas Erstling, „Die Geschichte der M.“ las, in der sie autobiografisch ihre eigene Erweckung als devote Frau und die Entdeckung ihres lebenslangen Geliebten Stinger darstellte (dem auch das vorliegende Buch gewidmet ist), da war ich noch ein wenig beunruhigt, da es doch zum Teil heftig zur Sache ging und mich nicht eben animierte, eine Rezension zu schreiben. Es dauerte also, bis ich den vorliegenden Roman las … und wurde vollständig überrascht. Das passiert mir bei Autoren, die ich kenne, eher selten.

Pitas neue Protagonistin Mira ist auf wohltuende Weise völlig an­ders als ihr normales Ego, und auch die Struktur des Romans mit den einleitenden Zitaten z. B. aus Märchen, die thematisch den Kern des jeweiligen Kapitels vorfokussieren, erweist sich als faszinierende Abwechslung. Darüber hinaus aber ist die Ge­schichte von einer unerwarteten warmherzigen Sanftmütigkeit erfüllt und mit bisweilen überraschenden Bemerkungen ge­spickt, von denen ich an dieser Stelle nur eine herausgreifen möchte:

Philip meint an einer Stelle: „Interessant, dass die Rolle des Amors mal von einer schwarzen Katze übernommen wird.“

Sie erwidert trocken: „Na, du kennst ja das Sprichwort – Hunde halten sich für Menschen, Katzen halten sich für Götter.“

Solche Passagen, die sich reichlich im Buch finden, lockern ein­fach auf zauberhaft-verspielte Weise die Geschichte auf, die auch sonst höchst unkonventionell funktioniert. In traditionellen Klischee-Romanen der BDSM-Romantik hat man üblicherweise unterschwellige Konflikte, oft Dreiecksgeschichten, die regelmä­ßig durch unerwartete Enthüllungen im hinteren Drittel eine Kri­se auslösen und dann zur finalen Versöhnung überleiten. Das kann man von der Baustruktur in diesem Roman völlig verges­sen. Ernsthafte Konflikte? Fehlanzeige. Rivalitäten? Fehlanzeige. Kathartischer Höhepunkt? Fehlanzeige. Stattdessen klingt der Roman, ohne Witz, mit einer angenehmen Ganzkörpermassage aus.

Wer also mal einen völlig anderen Roman über das Hineinfallen einer selbstbewussten jungen Frau in eine devot-dominante Be­ziehung lesen möchte, der sollte sich nicht vom abweichenden Titelbild oder dem völlig irrigen Titel verwirren lassen, sondern dieses Buch mal suchen. Und wer Katzenfan ist und etwas für sanftmütige Romantik übrig hat, ja, vielleicht an die Vorherbe­stimmung im märchenhaften Sinne glaubt, der wird sich meiner Ansicht nach in diesem Buch wirklich sehr wohlfühlen. Eine höchst angenehme Abwechslung zu all den eher schematischen Imitatoren, die auf der BDSM-Welle mitzuschwimmen versu­chen, ohne echte eigene Rezepte zu entwickeln.

Offenbar hat es durchaus seine Vorteile, wenn man als beken­nende devote Autorin in einer erfüllenden devot-dominanten Beziehung explizite schriftstellerische Neigungen hegt und aus­leben kann. Das hier ist das beste Beispiel dafür und ohne Frage ein Buch, das längerfristig in meinem Bücherbestand verbleiben wird.

© 2019 by Uwe Lammers

Wohin verschlägt es euch in der kommenden Woche? In einen recht alten, aber immer noch äußerst amüsanten SF-Roman aus den 60er Jahren. Wir bekommen es mit UFOs und Zeitreisenden zu tun, ihr werdet es schon sehen, Freunde!

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Blogartikel 656: Close Up: Der OSM im Detail – Teil 72

Posted März 1st, 2026 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

im letzten Teil dieser Artikelreihe ließ ich euch nägelkauend an einem sehr prekären Punkt der Serienhandlung zurück. Das Reich der All-Hüter erklärt offensichtlich dem terranischen Ster­nenreich, das ohnehin durch die massive Drohung aus dem All schon sehr unter Druck geraten ist, den Krieg. So sieht es je­denfalls aus. Aber die Dinge entwickeln sich an verschiedensten Schauplätzen der Serie sehr disparat weiter und spitzen sich im­mer mehr zu. Dazu kommen wir heute, wenn ich euch die Kurz­darstellungen der Episoden 36-40 der Serie liefere.

Am besten wird es sein, wenn ich zuvor noch kurz eine Bemer­kung allgemeiner Natur vorausschicke. Sie scheint mir ange­bracht, nachdem ich mir die Episoden noch mal durchgelesen habe, die durch massive Kommentierung im Digitalisat auffal­len: Speziell in diesen fünf Episoden ist deutlich zu erkennen, dass ich mich hier beim Schreibprozess anno 1984 von vielfälti­gen externen Impulsen beeinflussen ließ. Außerdem schrieb ich diese Episoden recht schnell, was die innere Kohärenz deutlich störte. Es kommt also vermehrt zu Gedankensprüngen und kurzschlüssigen Argumentationen, die ich hier nicht im Einzel­nen darlegen möchte. Vielfach zu beobachten ist auch eine hy­pertrophe Zahleninflation, was sowohl Personenzahlen als auch Raumschiffskontingente und sonstige gigantomanische Effekte angeht.

Daraus resultiert beizeiten ohne Frage in der Ausarbeitung der Serie eine sehr weitgehende Umschreibung der Texte. Sehr vie­les von dem, was ich im Folgenden umreiße, wird darum keinen dauerhaften Bestand im ausgearbeiteten OSM haben. Aber da­mit ihr einen Eindruck erhaltet, was das im Detail bedeutet, stelle ich das in Maßen hier dar.

Eröffnen wir den chaotischen Reigen also:

Episode 36: Die Veränderten

(1984, digitalisiert 2008)

Handlungsschauplatz: Syl-System

Als die geheimnisvollen, erbarmungslosen All-Hüter die Mensch­heit bedroht haben, dass ihr Ende gekommen sei, wenn sie ein Gefecht zwischen den Sternen führen würden, war die irdische Regierung alarmiert. Dann begann eine Menschenkolonie nach der nächsten um Hilfe zu funken und verstummte schließlich.

Seither herrscht auf der Erde Krisenstimmung. Sämtliche Schif­fe, die zu den verstummten Kolonien auf den Weg geschickt wurden, sind ebenfalls verschollen. Ob vernichtet, gekapert oder ein anderes Schicksal sie getroffen hat – niemand weiß es.

Jedenfalls gilt das für die Erde.

Aber auf der Gegenseite, zu der nun geblendet wird, sieht das völlig anders aus. Einen kleinen Vorgeschmack, dass hier nicht radikale Vernichter ihre Ziele verfolgen, konntet ihr schon in den dargestellten Episoden 27 und 28 sehen. Hier sah es eher da­nach aus, als würden die Stützpunkte zwar demontiert, die Men­schen aber einem hypnotischen Bann unterworfen und entführt.

Die Spur der Entführten – auch von anderen Kolonialwelten, die zwischenzeitlich verstummt sind – führt zum Syl-System. 184 Lichtjahre vom All-Hüter-System der Gelon-Zentrale 31-Y ent­fernt existiert ein Sonnensystem mit sieben Planeten, in dem die All-Hüter die bewohnbaren Planeten 5 und 6 auf erstaunli­che Weise mit umfassender Infrastruktur und Siedlungen aus­statten. Hier werden Millionen von humanoiden Kolonisten an­gesiedelt – die ehemaligen Kolonialterraner. Aber sie werden ei­ner grundlegenden Psychokonditionierung unterworfen, und ih­nen wird nun durch die All-Hüter eine neue Identität aufgeprägt. Die „veränderten“ Kolonialterraner sind nun Sylons, humanoide Angehörige eines neuen Siedlervolkes, das keine Erinnerung mehr an die Erde hat. Stattdessen betrachten sie die roboti­schen All-Hüter als Wohltäter und bilden alsbald das neue orga­nisatorische Rückgrat für die Streitkräfte der All-Hüter.

Der Grund wird nur diffus klar – es ist weniger Fürsorge gegen­über den „umerzogenen“ Terranern, sondern sehr viel mehr Not­wendigkeit. Denn die All-Hüter bekämpfen am Rand der Milch­straße, weitab von allen anderen Handlungsschauplätzen der Serie, eine gnadenlose Invasion, die begonnen hat: Aus dem Leerraum ist eine monströse Spezies auf dem unerbittlichen Vormarsch, die Micaroii, die vereinzelt in der Serie schon auf­tauchten. Und noch schlimmeres Verderben nähert sich der Milchstraße. Für die All-Hüter Grund, so schnell wie möglich die Konflikte innerhalb der Galaxis zu ersticken.

Leider geht diese Rechnung so gar nicht auf …

Episode 37: Lokalisationspunkt Blau 3/84

(1984, digitalisiert 2009)

Handlungsort: MOLOCH-System, mehrere tausend Lichtjahre von Terra entfernt.

Um dem Ursprung eines Funkimpulses nachzugehen, der eine Vermittlung mit der drohenden Macht der All-Hüter ermöglichen soll, wurde im August 2092 das modernste Schiff der terrani­schen Flotte, die ORPHEUS, unter dem Kommando von Colonel Hyde Relczek, entsandt. Noch im August 2092 erreicht das Schiff das Zielsystem, weit jenseits des von Menschen explorier­ten galaktischen Raumes. Eine paradiesische Welt lädt zur Lan­dung ein und ist scheinbar völlig unberührt.

Doch der Schein trügt.

Unter der Oberfläche und unter massiven Tarnschirmen verbor­gen versteckt sich die Gruum-Station der All-Hüter und wahrt ihre Geheimnisse. Die Landung der ORPHEUS bleibt natürlich nicht unentdeckt.

Da die ORPHEUS-Crew auf dem Weg hierher unabsichtlich in ein Gefecht zwischen den Sternen verwickelt wurde, steht das Ver­dikt der All-Hüter schon von vornherein fest: Es wird keine Ver­handlungen geben.

Während die ORPHEUS-Besatzung noch Erkundungsgänge in der Umgebung durchführt, aktivieren die Roboter eine heimtücki­sche Waffe, das so genannte „blasse Netz“, das aus den Zellen lebender Wesen jedwede Flüssigkeit im Rekordtempo dahin­schwinden lässt.

Ehe Relczek und seine 250 Gefährten überhaupt begreifen, wie ihnen geschieht, dörren sie völlig aus und entkräften, bis sie da­hinsiechen.

Die paradiesische Welt unter der gierigen Sonne MOLOCH scheint idyllisch zu sein, aber in Wahrheit lauert hier auf dem Planeten der Tod, der gnadenlose Ernte unter der Besatzung hält. Die Mission der ORPHEUS scheitert auf stille, doch grauen­hafte Weise …

Episode 38: Im Parasturm

(1984, digitalisiert 2009)

Blende zum Planeten Zolog und Commander Terry Jones:

Die TERAB-Agenten um Commander Terry Jones und die weni­gen überlebenden Weelon-Agenten unter dem Kommando von Raskorw haben die Halle der Rätsel erreicht und sind von ihrer Strahlenkrankheit geheilt worden. Nun gehen sie daran, die rät­selhafte unterirdische Maschinenwelt zu erforschen, die sich ih­nen darbietet. Dabei stoßen sie auf eine gleißende Projektions­karte der heimatlichen Galaxis, die weit über ihnen schwebt.

Jones will sich das Phänomen aus der Nähe ansehen und nutzt einen der „Ghosts“, um in die Projektion einzufliegen. Dabei löst er allerdings einen verheerenden Effekt aus: Die Projektion ent­wickelt sich zum parapsychischen Strahlungsherd und stürzt die anderen Gefährten in wahnhafte Zustände.

Erst als der Hyperphysiker Herbert Ronalow in einem zweiten „Ghost“ die Projektoren der Galaxisdarstellung zerstört, endet der Wahnsinn – aber Terry Jones ist spurlos verschwunden!

Kurz zuvor hat man ihn aus der Projektion heraus entführt – in die Kommandozentrale eines Rontat-Schiffes. Hier kam der Commander gerade noch solange wieder zu klarem Verstand, um den leibhaftigen Rontat zu sehen, der ihn hierher geholt hat­te. Ein Rontat, der sich den Tod wünschte und der Jones eine Waffe dafür in die Hand gedrückt hatte – und dieser Wunsch wird ihm umgehend erfüllt, weil der Anblick eines Rontat eben­falls von der Art ist, dass man dabei leicht den Verstand verlie­ren kann.

Auf diese Weise gelangen Terry Jones und seine Gefährten in den Besitz eines bizarren Kastenraumers der Rontat. Ein Schiff, das sie alsbald STAR nennen werden und das für die Serie noch sehr wichtig werden wird.

Was sie in diesem Moment noch nicht wissen: Das Bordgehirn des Schiffes, der SELAG, wartet nur darauf, dass sie einen Feh­ler machen und sich als unwürdige Erben erweisen.

Dann wird er gegen sie losschlagen …

Episode 39: STERNENWISCHER

(1984, digitalisiert 2009)

Schauplatz: Deneb IV.

Wie erinnerlich ist die irdische Kolonie im Deneb-System durch verheerende Experimente mit Restat komplett zur Strahlenwüs­te mutiert, und kürzlich ist im nahen Orbit um den Planeten eine Vielvölker-Streitmacht von Alienschiffen durch die All-Hüter ver­nichtet worden. Man sollte also meinen, allein der Tod regiere nun hier, und als Handlungsschauplatz sei diese Welt völlig un­interessant geworden.

Das Gegenteil ist der Fall.

Auf dieser verwüsteten Welt entwickelt sich ein rätselhaftes, staubförmiges Leben, das von hier aus immer schneller in den Weltraum ausgreift, als wäre das ein völlig natürliches Manöver zur Ausweitung des eigenen Lebensraumes … und ganz genau so verhält es sich auch.

Auf einer anderen Ebene dieser Episode wird das Kontingent der Onawer-Kegelschiffe beleuchtet, das die letzten Überlebenden des Terra-Schiffes KRETA – ursprünglich fehltransistiert ins Sys­tem LETZTE ZUFLUCHT – von einer Trainingswelt der All-Hüter entführt hat. Die Onawer halten die Raumfahrer bekanntlich für Weelon und nehmen an, die Erde sei deren neues Zentrum und mithin ein strategisches Ziel, das sie ansteuern … doch noch rund 100 Lichtjahre von der Erde entfernt treffen sie auf ein bi­zarres Phänomen. Ihre Schiffe werden wie aus dem Nichts auf einmal von Staub geflutet … und wer da jetzt an das verrückte Schicksal des Kreuzers ARES im Deneb-System denkt, ist genau auf der richtigen Fährte.

Das HENN, die einstmalige ultimate Waffe, nach der schon die Hekaroner suchten (vgl. dazu die Bde. 14/15 der Serie), ist wie­der in Erscheinung getreten. Es entwickelt sich zu einem stella­ren Phänomen und beginnt damit, Raumschiffe zu verschlingen … erst Raumschiffe, dann Sonnen und ganze Sonnensysteme.

Ein Alien prägt dafür den panischen Begriff „Sternenwischer“ und glaubt an ein tödliches Phänomen.

Doch werden alle überrascht.

Während die All-Hüter die meisten ihrer Truppen schnellstens in Inaktivitätsmodus versetzen, um für das HENN keine Angriffsflä­che zu bieten, werden immer mehr bewohnte Sonnensysteme von Alienvölkern verschluckt … und sie finden sich dann uner­wartet in einer dimensionalen Enklave wieder, wie eine Schar eingesammelter Murmeln.

Der so genannte Fünferraum ist vom HENN erschaffen worden, um intelligente Lebensformen vor dem vernichtenden Furor der All-Hüter in Sicherheit zu bringen. Hier offenbart sich das HENN zusammen mit seiner Lenkintelligenz, dem Ctaran, und dem an­geschlossenen terranischen Bewusstsein des gestorbenen Fremdrassenpsychologen der ARES, Camber Ronwell, den Ein­geschlossenen.

Das HENN will hier eine neue Vielvölkergemeinschaft kreieren, die so genannte HENN-Union, um einen stabilen Gegenpol ge­gen die Macht der All-Hüter zu stabilisieren.

Heutzutage bin ich mir aufgrund der Darstellungen dieser Enti­tät ziemlich klar darüber, dass das HENN einen engen Konnex mit dem dritten der SIEBEN SIEGEL VON TOTAM besitzen muss, dem so genannten „Staubgrab“.

Eine höchst seltsame neue Allianz formiert sich nun, der auch Terraner, Weelon und versprengte Hekaroner angehören.

Episode 40: Kampfplatz QUANTAGORN

(1984, digitalisiert 2009)

Fortsetzung von Band 39.

Handlungsschauplätze: Fünferraum, QUANTAGORN, ULTRASAV-STATION.

Als die Repräsentanten der HENN-Union einen starken Sender ausmachen, der den Spruch „Whog julhy Rontat!“ in die Galaxis hinausschickt, registrieren sie zugleich eine sich dort ballende Streitmacht der All-Hüter. Schnell wird deutlich, was passiert ist: das QUANTAGORN, die gigantische, aus zusammengeschweiß­ten Raumschiffswracks bestehende Raumstation, die von dort festsitzenden Raumfahrern bemannt wird, hat durch die Schaf­fung des Fünferraums den schützenden Staubmantel des HENN verloren und ist nun angreifbar geworden. Die All-Hüter streben die Zerstörung der Raumstation an – dies können die unter dem Schirm des HENN versammelten Raumfahrtnationen nicht dul­den und entschließen sich dazu, den Kampf um die Raumstation zu beginnen, um die dort Eingeschlossenen zu retten.

Folgerichtig entbrennt im Raumsektor um das QUANTAGORN kurze Zeit später eine verheerende Raumschlacht.

Derweil hadert der terranische Geologe und Helfer des Lichts Ransom McCollum, der auf der ULTRASAV-STATION ausharrt, mit dem Schicksal und kämpft gegen einen Konditionierungsimpuls in seiner Seele an, den die All-Hüter ihm auf PHANTOM einge­pflanzt haben.

Er soll die ULTRASAV-STATION zu einem Supersender machen, um das Signal „Whog julhy Rontat!“ in die Galaxis hinauszuschi­cken. Doch im Gegensatz zu den Angehörigen der HENN-Union ist ihm klar, was das zur Folge hat: Jeder Sender, der dies auss­trahlt, wird zum strategischen Vernichtungsziel der All-Hüter er­klärt!

Da er natürlich auch die Raumschlacht um das QUANTAGORN anmessen kann, entschließt er sich dazu, Fernwaffensysteme der ULTRASAV-STATION einzusetzen, um als Zünglein an der Waage zu fungieren … doch als diese Waffe, die als „Gezeiten­wandler“ bezeichnet wird, tatsächlich einsetzt, erkennt er dank seines Helferwissens, dass es sich um eine monströse Entropie­waffe aus KONFLIKT 2, dem Troohn-Universum, handelt. Er ver­sucht verzweifelt, die Anwendung rückgängig zu machen, doch ist es zu spät.

Die Waffe löscht sowohl das QUANTAGORN als auch alle ver­sammelten Schiffseinheiten und Besatzungen dort aus … und dann kehrt der Tod zurück zur ULTRASAV-STATION und vernich­tet auch sie.

Und an beiden stellaren Brennpunkten beginnt wenig später der Weltraum zu brennen und zu zerfallen. Die Entropie ätzt sich in die Raumzeit ein und führt nach und nach zu ihrem Zerfall … und was das bedeutet, sollte euch ja aus den KONFLIKTEN 15 „Oki Stanwer“ und 16 „Oki Stanwer – Der Mann aus dem Nichts“ klar sein.

Furchtbare Dinge kündigen sich an, und ohne übertreiben zu wollen: Es wird erst noch deutlich schlimmer, ehe es wieder in Maßen besser wird. Davon berichte ich in fünf Wochen.

In der kommenden Woche reisen wir für die Darstellung des 17. Langzeitprojekts wirklich weit zurück und schauen uns KON­FLIKT 4 „Oki Stanwer – Der Insel-Regent“ näher an.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 549: Operation Seewespe

Posted Februar 25th, 2026 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

man kann ungeachtet der großen Mengen an Werken, die Clive Cussler und inzwischen seine Coautoren verfasst haben, eigent­lich ein Faktum als unbestritten annehmen: dass sie äußerst un­terhaltsam und in der Regel sehr spannend sind. Mag sich manch einer auch darüber echauffieren, dass sie mehr oder minder schematisch sind … das sind Agatha Christie-Krimis, James Bond-Filme und Tatorte nicht minder, und dessen unge­achtet haben all diese ihre Fans. Mir geht das eben bei Clive Cussler-Romanen so. Die Rate von Totalausfällen bei diesen Werken ist über all die Jahrzehnte verblüffend gering geblieben.

Hier ist also ein neueres Werk aus der Schreibfabrik des verstor­benen Vielschreibers. Nachdem im Vorgängerroman auf sehr drastische Weise das Operationsschiff der Corporation, die ORE­GON versenkt wurde (doch, solltet ihr nachlesen, das lohnt sich!), war es für Juan Cabrillo erforderlich, sich ein neues Spezi­alschiff anzufertigen. Es heißt, natürlich, erneut OREGON, und es ist noch nicht ganz einsatzbereit, als es in dieses Abenteuer hineinschlittert.

Eigentlich will Cabrillo seinen Leuten einen netten Weihnachts­urlaub gönnen, aber daraus wird nichts, weil er buchstäblich mal wieder die Welt retten muss. Dabei haben er und seine Leu­te es diesmal unter anderem mit einer nahezu unaufhaltsamen Waffe zu tun, die das neue Schiff im Handumdrehen in ein bren­nendes Wrack verwandeln kann. Und das ist noch nicht mal das Schlimmste.

Aber schaut lieber selbst genauer hin:

Operation Seewespe

(OT: Marauder)

Von Clive Cussler & Boyd Morrison

Blanvalet 1058

2022, 12.00 Euro

512 Seiten, TB

Übersetzt von Michael Kubiak

ISBN 978-3-7341-1058-0

Das Leben ist für April Jin und ihren Mann Angus Polk, eigentlich schon zu Ende, als dieser Roman beginnt – denn beide sind in­zwischen unehrenhaft aus den australischen Streitkräften ent­lassen und haben jahrelange Haftstrafen verbüßt. Doch als An­gus Polk, vormals Kommandosoldat und Strategieanalytiker des australischen Verteidigungsministeriums, vorzeitig auf freien Fuß gesetzt wird, erwartet seine Frau ihn bereits. April Jin, vor­mals eine hochrangige Mitarbeiterin des australischen Geheim­dienstes, hat in der Zwischenzeit wieder Kontakt zu ihrem ei­gentlich verhassten chinesischen Stiefvater Lu Yang gehabt. Und Yangs Anwalt eröffnet ihnen dessen Testament, das ihnen eine märchenhafte Erbschaft eröffnet … vorausgesetzt, sie füh­ren einen letzten Auftrag für den todkranken Lu Yang aus.

Geblendet von den Verheißungen in Höhe von mehreren hun­dert Millionen Dollar, begeben sie sich auf den Pfad, den Lu Yang ihnen vorgegeben hat. An seinem Ende soll der Tod von Zehntausenden von Menschen stehen und ein politisches Erd­beben, das die Staatenwelt des Pazifiks grundlegend umstülpt.

Juan Cabrillo, der Chairman der „Corporation“, hat hiervon kei­nerlei blassen Schimmer. Er hat in Malaysia sein neues Schiff, ebenfalls wie das im Vorgängerband bei Feuerland versenkte langjährige Operationsschiff OREGON genannt, umbauen las­sen. Es ist allerdings noch nicht ganz einsatzbereit, als schon ein Ernstfall eintritt. In der Straße von Malakka wird ein Tanker von fundamentalistischen Terroristen überfallen … mit dem er­klärten Ziel, das Schiff zu sprengen und eine beispiellose Ölka­tastrophe auszulösen. Diese Katastrophe kann durch einen ris­kanten Einsatz abgewendet werden.

Parallel dazu hat sich Raven Malloy, eine Spezialistin, die seit ei­niger Zeit zur Crew der OREGON gehört, in eine islamistische Terrorzelle auf Bali eingeschmuggelt, die einen Attentatsversuch auf Familien von amerikanischen Diplomaten geplant hat … ein Plan, der dann beinahe erfolgreich ist und zahlreiche Opfer for­dert.

Und dann kommt da dieser seltsame Notruf von dem Expediti­onsschiff Empiric. Juan Cabrillo nimmt unwillkürlich an, dass sein Besatzungsmitglied, der Techniker Mark Murphy (im Perso­nenverzeichnis dämlicherweise als „Max Murphy“ falsch ge­führt), am Apparat ist, den er an das Forschungsschiff ausgelie­hen hat.

Doch am Apparat ist stattdessen seine ziemlich verstörte Schwester, die Wissenschaftlerin Sylvia Chang … die Empiric sei angegriffen worden, und Mark vollständig durch eine Art Gas dauerhaft paralysiert, wie auch alle anderen Besatzungsmitglie­der. Der Angreifer, berichtet sie schließlich, habe zwei Angriffe geführt – mit dem ersten versenkte er brutal das Begleitschiff Namaka, dann schoss er Gasgranaten ab, die über der Empiric detonierten und die Lähmung der Crew erzeugten. Dabei kann Sylvia kaum glauben, was für eine Waffe für den ersten Angriff genutzt wurde. Es handelt sich zweifellos um einen so genann­ten Marauder (die Abkürzung steht für Magnetically Accelerated Ring to Achive Ultrahigh Directed Energy and Radiation): eine annähernd lichtschnelle Plasmakanone, gegen die es keine Pan­zerung und auch sonst keinerlei Schutz gibt.

Juan Cabrillo, in Sorge nicht um seinen Freund Mark Murphy, sondern auch sonst in Sorge, dass diese beiden Terrorwaffen weiterhin im Einsatz sind – was realistisch ist, da es alsbald in Australien sechshundert weitere Lähmungsopfer gibt – , macht sich an die Verfolgung der Verbrecher auf ihrem Trimaran, wäh­rend die Bordärztin Julia Huxley völlig ratlos ist, was die Läh­mungserscheinungen angeht.

Bald jagen die Mitglieder der „Corporation“ nicht nur das Paar Jin und Polk, um ihre Pläne zu durchkreuzen, sondern sie müs­sen zudem auch noch unter hohem Zeitdruck versuchen, ein Heilmittel gegen die Lähmungserscheinungen finden. Und dies, während das Ehepaar zielstrebig und skrupellos dabei ist, die Quellen des Naturrohstoffs der Heilsubstanz zu vernichten.

Auch wenn das abstrus klingt, führt sie tatsächlich eine römi­sche Ausgrabungsstätte schließlich auf die richtige Fährte … aber derweil tickt schon der Countdown für den letzten großen Akt des Ehepaars, dessen Vollzug Tausende von Menschen das Leben kosten und eine Invasion in Gang setzen soll, die unauf­haltsam scheint.

Stichtag ist der Silvestertag, und er ist nur noch wenige Tage entfernt. Dann nur noch wenige Stunden … und Cabrillo tappt immer noch in entscheidenden Punkten völlig im Dunkeln …

Es macht manchmal wirklich Sinn, einen Roman schön portio­niert in Etappen zu lesen, wie ich es diesmal getan habe. Ich verteilte das ausgesprochene Lesevergnügen auf sieben Tage, und das war dann eine angenehme Leseerfahrung. Einmal mehr beweist Boyd Morrison, der bekanntlich den ganzen Roman ge­schrieben hat und sich dabei nur der Cusslerschen Charaktere bediente, technisches Gespür, dramaturgisches Geschick bei hochdramatischen Actionszenen, haarsträubenden Handlungs­engpässen und innovativen Auswegstrategien.

Mich hat zwar, zugegeben, dieser Bezugspunkt der römischen Kolonie wirklich gar nicht überzeugt, der besser in einen Fargo-Roman gepasst hätte … aber das war dann nicht so ein Stolper­stein in der Handlung, dass er mich irgendwie negativ beein­flusst hätte. Angus Polk und seine Frau April Jin sind tatsächlich durchaus raffinierte Gegenspieler Juan Cabrillos, und speziell diese Plasmawaffe ist ein echtes Teufelsding, das die – noch nicht völlig einsatzbereite – neue OREGON in ernste Schwierig­keiten bringt. Von anderen Dingen wie dem Hovercraft-Battle, den Krokodilen und anderen netten Überraschungen schweige ich mal.

Der Roman ist in der Tat eine ziemlich atemberaubende Achter­bahnfahrt, die man zweifellos auch in drei Tagen verschlingen kann, wie mir das häufig widerfährt. Diesmal sollte man sich ein wenig mehr Zeit zum Lesen lassen, um die Details auf sich wir­ken zu lassen. Das lohnt sich.

Eine klare Leseempfehlung von meiner Seite!

© 2026 by Uwe Lammers

In der kommenden Woche machen wir einen Abstecher in einen sehr anregenden Roman, in dem es um sinnliche Erotik und um Katzen geht … mehr sei noch nicht verraten.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde des OSM,

vermutlich sind viele von euch zurzeit auf Urlaub und genießen die inzwischen heißen Sommertage … davon kann bei mir indes keine Rede sein. Wer meinem Blog lange genug folgt, der weiß zur Genüge, dass ich bei Hitze kreativ nicht wirklich gut funktio­niere. Gestern war wieder so ein Tag, an dem ich fast eingegan­gen wäre … abends noch über 30 Grad bei mir im Arbeitszim­mer, und es sind für diese Woche noch heißere Tage „ange­droht“ … das ist echt nicht mein Temperaturbereich.

Glücklicherweise war das nicht den ganzen vergangenen Monat so, sondern es gab da ausgiebige Regentagzeiten, es gab sehr windige und wolkige Tage, an denen ich meinem Schreibdrang auf schönste Weise frönen konnte. Und deshalb ist der Monat Juni mit 25 abgeschlossenen kreativen Werken einer, auf den ich gern zurückschaue.

Im Grunde hätte ich noch sehr viel mehr schaffen können, aber ich habe viel Zeitkontingente darauf verwendet, an diversen Glossaren und Lexika zu arbeiten. Und eine faszinierende Über­raschung im letzten Drittel des Monats hat mich dann echt ziemlich überrumpelt. Weil das hier kaum abzubilden ist, sage ich dazu einleitend etwas.

Ihr werdet euch an die Artikel zu meiner Fantasy-Horror-Serie „Horrorwelt“ vermutlich entsinnen, die 2022 auf einmal von mir fortgesetzt wurde, als ich sie komplett digitalisiert hatte. Da es sich dabei um eine Form des komplexen World-Buildings han­delt, das immerhin schon fast 200 Episoden umfasst, lag es nahe, es ebenso zu behandeln wie den OSM und den Archipel … also es mit einem Glossar zu versehen. Die Vorarbeiten began­nen schon 2023, stockten dann aber alsbald.

Warum das? Weil ich, wie ich seit Juni 2025 weiß, einem fal­schen Denkansatz folgte. Ich dachte mir, da an einen Neuaus­druck des Digitalisats eigentlich nicht gedacht ist, dass ich die Erklärungen der Serie direkt in die Gesamtdatei des Horrorwelt-Glossars hineinschreibe. Im Juni 2025 entschied ich, dass ich das anders angehen sollte und ging es in Portionen von jeweils 2 Lexikonseiten je Episode an … ein Rezept, das meine Arbeits­bereitschaft ungeahnt auf Touren brachte.

Es wurde noch besser: Nachdem ich ein paar Male Begriffe auf diesen Lexikonseiten erläutert hatte und im Nachhinein fest­stellte, dass ich bereits umfassende Erklärungen in der Glossar-Gesamtdatei niedergeschrieben hatte, änderte ich den Ablauf und griff, ehe ich auf die Episoden selbst zurückgriff, auf die Glossarinhalte zurück.

Tja, und was soll ich sagen, Freunde? Auf einmal schrieben sich diese Lexikonseiten quasi von selbst. Bisweilen entstanden 5 Lexikon-Doppelseiten pro Tag Ende Juni! Und es ist echt toll, mitanzusehen, wie ich tagtäglich Dutzende von Begriffen nahe­zu mühelos erläutern kann. Die Arbeit wird definitiv stürmisch vorangehen.

Es juckte mich auch in den letzten Junitagen sehr, die Serie wei­terzuschreiben, die ja kurz vor Band 200 steht. Die glossarische Durchdringung des gesamten Serienkorpus erleichtert den Wie­dereinstieg natürlich enorm.

Dann kam aber diese Hitzewelle und hielt mich etwas auf … aber das ist für dieses Jahr definitiv nicht das letzte Wort, davon könnt ihr ausgehen.

Damit aber genug von dieser Baustelle. Schauen wir uns besser mal an, was ich sonst in diesem Monat so alles bearbeitet habe. Ich glaube, ihr werdet Augen machen …

(Glossar der Serie „Oki und Cbalon – Das Ewigkeitsteam“)

Kein Tag wie jeder andere, Teil 5 (für BWA) – OSM-Novelle

Kein Tag wie jeder andere, Teil 6/E (für BWA) – OSM-Novel­le

Anmerkung: Damit wurde mir klar, dass es sich bei dem im Mo­nat Juli im Fanzine „Baden-Württemberg Aktuell“ (BWA) begin­nenden Abdruck der Novelle nicht um eine sehr lang sich hin­ziehende Operation handeln würde. Aber die Geschichte ist na­türlich schon recht ausführlich und bekommt nun 6 Teile.

Dabei gruselte es mich schon etwas, denn wenn man sich spe­ziell Teil 1 anschaut, wo ich Colin Gablons Erde des Jahres 2005 beschreibe und das nukleare Chaos, das sich dort in den frühen 1990er-Jahren im Nahen Osten ereignete … und dann das, was zur Zeit, in der ich diesen Blogartikel verfasse in realiter dort abspielt, dann versteht ihr sicherlich, dass ich mir sehr unbe­haglich dabei vorkam.

Blogartikel 651: Work in Progress, Part 150

(20Neu 39: Aufstand gegen die MACHT)

(20Neu 42: DIE ÜBERRASCHUNG)

23Neu 70: Der Flüchtlingszug

23Neu 72: Schlachtfeld Europa

(Auf Space – OSM-Story)

23Neu 73: Verschwörergruppe Blutiger Prophet

(Lexikon der Serie „Oki und Cbalon – Das Ewigkeitsteam“)

(Glossar der Serie „Oki Stanwer – Der Dämonenjäger“)

(Lexikon der Serie „Oki Stanwer – Der Dämonenjäger“)

Anmerkung: Das war so der zarte Anfang dessen, was ich mal „Glossar-Sturmphase“ des Monats Juni 2025 nennen möchte. Ihr werdet sehen, das wird noch lebhafter.

23Neu 74: Jagd im Subraum

(OSM-Wiki)

Blogartikel 636: Close Up – Der OSM im Detail (68)

Blogartikel 620: Unveröffentlichte Romane (2): Dämon mit tausend Gesichtern

Anmerkung: Wie ihr seit Monaten wisst, wenn ihr diesen Beitrag gelesen habt, hat mich dieser Romanerstling für den Zauber­kreis-Verlag, den ich nach Jahrzehnten mal wieder las, ziemlich überrascht. Ich halte es heute für die absolut goldrichtige Idee, diese alten Texte, die ich sehr lange nicht mehr geschmökert habe und die nahezu sämtlich bisher nicht digitalisiert sind, er­neut durchsehe und euch vorstelle. Da sind wirklich spannende Sachen darunter, das ist nicht zu bestreiten. In den kommenden Jahren werdet ihr das zunehmend feststellen können.

Ist das die nächste Digitalisierungs-Baustelle? Ohne Frage. Aber ich möchte doch erst mal mit den OSM-Episoden durchkom­men, an deren digitaler Erfassung ich seit über 20 Jahren arbei­te. Ich werde sehr froh sein, wenn diese enorme Arbeit ge­schafft ist. Dann sehen wir weiter.

Blogartikel 631: Unveröffentlichte Romane (3): Der Sire­nen-Stern

(DM 56: Brückenschlag der Nosh)

(Die Einwanderin Lynn – Erotic Empire-Story)

(20Neu 40: Verdammte der Zeit)

(20Neu 41: Der Ewigkeits-Plan)

(E-Book BdC 2: Gestrandet in Bytharg)

Anmerkung: Überraschung! Ja, es gibt noch die E-Book-Rohlin­ge, sie sind natürlich ebenfalls Baustellen. Aber wie ihr an den Digitalisaten speziell des KONFLIKTS 23 (23Neu) entdecken könnt, muss ich mich erst mal darum kümmern, ehe ich mich mit neu erwachender Energie an diese E-Books werfe.

Ich könnte sie zurzeit übrigens auch überhaupt nicht finanzie­ren bei meinen desolaten Finanzverhältnissen. Also kümmere ich mich um das, was machbar ist und muss euch als E-Book-Leser leider noch etwas auf die Folter spannen. Sorry, folks, es ist kein böser Wille meinerseits.

Glossar der Serie „Der Kaiser der Okis“

Lexikon der Serie „Der Kaiser der Okis“

Anmerkung: Ja! Ja! Ja! Ganz genau das ist es, wonach es aus­sieht – ein weiteres abgeschlossenes Serienglossar, das ich um­gehend in das Hauptglossar überführte (darum auch der nächs­te Eintrag). Ich habe zwar die Begriffe der „Kaiser der Okis“-Serie noch nicht in die vier Dateiblöcke des Hauptglossars ein­gearbeitet, aber das ist ein Plan für den Monat Juli … immer vorausgesetzt, die Hitze macht mir nicht so sehr zu schaffen.

Und vorausgesetzt, die Zeit rennt mir nicht davon … das ist we­niger kryptisch, als ihr denkt: Denn ich stelle es wirklich jedes einzelne Mal fest, wenn ich in den Glossaren hänge, dass Zeit im Nu verstreicht, und wir reden da nicht mal eben von einer Stunde, da verdunsten einfach ganze Nachmittage, das glaubt man gar nicht. Aber es ist phantastisch effizient genutzte Schreibzeit, die zunehmend die verschleiernden Nebel der Ah­nungen und Mutmaßungen auflöst, hinter die sich all die rätsel­haften Begriffe nach Jahren und Jahrzehnten verborgen haben. Macht einen Riesenspaß, das zu erleben.

Tja, muss man vermutlich nicht verstehen, aber mir geht’s eben so.

(OSM-Hauptglossar)

Blogartikel 653: Aus den Annalen der Ewigkeit – alt und neu (LXX)

(Glossar der Serie „Drohung aus dem All“)

(Lexikon der Serie „Drohung aus dem All“)

(Glossar der Serie „Oki Stanwer – Der Mann aus dem Nichts)

(Lexikon der Serie „Oki Stanwer – Der Mann aus dem Nichts)

(Glossar der Serie Kampf gegen TOTAMS Dämonen und Scher­gen)

Anmerkung: Das hier war dann Teil 2 der „Glossar-Sturmphase“. Ihr merkt, dass es hier wirklich noch viele Baustellen gibt. Das ging munter so weiter.

23Neu 71: Der Satan kommt

23Neu 75: Von allen verlassen

Anmerkung: Die Bände 75-77 der Serie sind die so genannte „Bundeslade-Trilogie“, in der es wirklich ans Eingemachte geht. Pater Joseph Ghastor sucht auf der Naziwelt die Bundeslade der Israeliten, bekommt es mit Betrügern, Dieben, Schatzjägern, Nazis und Totenköpfen zu tun … schon 1991 schrieb ich diese Episoden außerhalb der regulären Serienreihenfolge frühzeitig vor, und diesmal beim Digitalisieren ging es mir fast genauso … die Episoden sind aber auch wirklich äußerst stürmisch und hochdramatisch. Und ja, es geht da auch um eine Schatzkarte und eine verschlüsselte Lage eines Schatzverstecks.

Ich ahnte beim Beginn dieser Trilogie-Abschrift noch nicht, dass mich das geradewegs zu einer neuen Geschichte führen würde, aber exakt das geschah. Weiter unten steht mehr dazu.

23Neu 76: Unternehmen Bundeslade

(23Neu 77: Siegelkraft gegen Verrat)

(Die Kolonie Saigon II – Erotic Empire-Roman)

(23Neu 78: Gestrandet auf TOTAM)

(Indira – Archipel-Story)

(Täuschung – Archipel-Story)

Anmerkung: Diese alten Archipel-Fragmente brauchten drin­gend einen frischen Ausdruck. Das waren relativ schnell zu erle­digende Fingerübungen, die ich so zwischenstreute, um mich etwas von den anderen Aktivitäten, ja, sagen wir mal, herunter­zukühlen.

(DSj 49: Zu den Sternen)

Anmerkung: Ich war wirklich fest entschlossen, diese lange Epi­sode diesen Monat fertig zu schreiben, die schon so viele Jahre als „offene Wunde“ zwischen den seit Ewigkeiten fertigen Epi­soden 48 und 50 lag. Und ja, ich kam auch sehr weit damit. Aber gerade als der Millionär Mikis Theodakis mit seinem Team auf der Insel Santorin gelandet war und die Zeitgezeiten auf grässliche Weise zuschlugen, wurde es gedanklich so chaotisch, dass ich mir selbst Stopp zurufen musste, um die Handlungs­vielfalt etwas zu durchdenken.

Und während ich das noch tat, ploppte eine neue Geschichte aus einem völlig anderen Universum auf und brachte mich voll­ständig vom Kurs ab! Verdammt noch mal!

(Lady Tamaras Botschaft – Archipel-Story)

Anmerkung: Tja, und das ist DIESE Geschichte. Sie spielt im Jah­re 872 in der Archipel-Metropole Asmaar-Len und ist, wie das vor siebzehn Jahren schon mit der (unveröffentlichten) Story „Ein göttlicher Auftrag“ der Fall war, eine zwingend erforder­liche Parallelgeschichte zum Archipel-Roman „Rhondas Reife­jahre“. Dazu muss ich kurz etwas ausholen, damit ihr den Kon­text versteht:

Im Rhonda-Roman besucht das Mädchen Rhonda seine beste und inzwischen viel zu früh schwangere Freundin Francesca, die in ihr Heimat-Haus „Die Goldene Perle“ zurückgebracht wor­den ist. Deren Leiterin ist Lady Tamara. Und aufgrund von Um­ständen, die ich hier nicht weiter aufdröseln möchte, weil sie sehr kompliziert sind, kommt es dazu, dass Rhonda bei einem solchen Besuch eine Botschaft von Lady Tamara mitbekommt.

Zu dumm ist nur, dass diese Botschaft verschlüsselt ist, und zwar gründlich verschlüsselt. Es sind mehrere Seiten voll mit reinem Buchstabensalat.

Da ist guter Rat natürlich teuer. Aber Panjit al Choor, an den die Nachricht gerichtet ist, gelingt es mit Hilfe der Haushälterin Ca­rina und der Mädchen Rhonda und Ulrica, zumindest zu begrei­fen, wie man den Code entschlüsseln kann. Man braucht dafür DAS religiöse Buch des Neeli-Kultes, das Shul’nooy Laraykos.

Das Panjit nicht besitzt.

Pattsituation? Beinahe. Sein alter Lehrer Yushlin al Choor hat das Buch, und so ist der nächste Schritt folgerichtig. Aber die­ser Besuch, den Panjit bei Yushlin durchführt, um die Botschaft zu entschlüsseln, kann natürlich nicht im Rhonda-Roman ge­schildert werden, weil das Mädchen nicht dabei ist. Also brauch­te ich eine alternative Story dazu, und das ist eben diese hier.

Es ist unleugbar, dass mich erst Ghastors Schatzkarte aus 23Neu 75 dazu brachte, an dieser komplexen Botschafts-Ge­schichte der Lady Tamara weiterzuarbeiten. Aber ich merke schon, dass mir das ein Riesenvergnügen bereiten wird.

Dummerweise ist die Verschlüsselung noch um einiges kompli­zierter, als ich mir das anfangs vorstellte … denn natürlich ist Lady Tamara nicht so dumm, irgendwelche Namen zu nennen. Sie benennt stattdessen Geschichten in dem Buch, aus denen der Kerngedanke ihrer Botschaft hervorgeht. Das wird noch sehr anspruchsvoll werden, kann ich euch sagen.

(DSf 53: Zielpunkt Zhanyor)

(Glossar der Serie „Oki Stanwer – Der Schattenfürst)

(Lexikon der Serie „Oki Stanwer – Der Schattenfürst)

Anmerkung: Hier haben wir dann noch den dritten Teil der „Glossar-Sturmphase“ des Monats Juni. Und damit, dachte ich, wäre ich mit den Lexika und Glossaren eigentlich durch. Aber ich irrte mich, wie einleitend gesagt …

(Die Gefangene der See – Archipel-Story)

(Die Proviantinsel – Archipel-Story)

(Chantals Abstieg – Archipel-Story)

(Also doch eine Dunkel-Dirne! – Archipel-Story)

Anmerkung: Das sind noch ein paar Archipel-Aktualisierungs-Fingerübungen, die ich zwischenstreute …

(23Neu 79: Odyssee durch die Totenwelt)

(Lexikon der Serie „Horrorwelt“)

(Glossar der Serie „Horrorwelt“)

Anmerkung: Weil das so viel Raum in diesem Monat eingenom­men hat, habe ich diese beiden Zeilen hier dann doch sinnvol­lerweise aufgenommen.

(Heather – Erotic Empire-Story)

Und damit war ich dann endlich am Ende dieses ungewöhnlich kreativen und abwechslungsreichen Schreibmonats Juni ange­langt. Ihr seht also: Langeweile kommt hier echt so überhaupt nicht auf, und das ist auch gut so!

In der nächsten Woche reisen wir zurück in den chaotischen KONFLIKT 17 des OSM und schauen, mit was für Herausforde­rungen sich unsere wackeren Verirrten herumschlagen müssen.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 548: The Black Game 1 – Verlockendes Spiel

Posted Februar 18th, 2026 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

es ist wirklich nett, sich im Rezensions-Blog mal mit alten Roma­nen auseinanderzusetzen, die ich vor Jahren gelesen und rezen­siert habe. Speziell die zahlreichen Rezensionen zu erotischen Romanen sind fast durch die Bank unveröffentlicht, sodass die Aufarbeitung der Texte im Rahmen dieser Veröffentlichung dann wirklich wieder Spaß macht. Das hier ist so ein Fall.

Ich hatte die Inhalte der beiden Löwenstein-Romane sieben Jah­re nach Lektüre zu einem guten Teil schon wieder vergessen, überlagert von Schichten neuerer Literatur. Aber mein damali­ges wohlwollendes Urteil über das vorliegende Buch wird auch durch die aktualisierte Erinnerung definitiv gestützt.

Und ja, es ist Teil 1 eines Zweiteilers. In vier Wochen erfahrt ihr dann, wie es nach diesem Roman weitergeht. Zunächst einmal schicke ich euch auf die neckische Erkundungstour und lasse euch mal nachvollziehen, wie der geheimnisvolle Devon Draper sich anschickt, die schwer zu knackende Festung namens Anya Summers zu erstürmen …

The Black Game 1: Verlockendes Spiel

von Karola Löwenstein

Knaur 51751

254 Seiten, TB

Januar 2016, 9.99 Euro

ISBN 978-3-426-51751-2

Anya Summers ist 24 Jahre jung und eine erfolgreiche Manage­rin in der New Yorker Firma Transatlantic Coffee (TC) unter ihrem cholerischen, tyrannischen Chef Trevor Miles. Für die Ge­schäftswelt hat sich Anya eine toughe Außenrüstung in Form von Businessanzügen und harschem Verhalten gegenüber Un­tergebenen angelegt. Tief in ihrem Innern ist sie freilich das klei­ne Mädchen von der elterlichen Farm in Minnesota geblieben. Nur ihre engste Freundin Sarah Green und die mit ihnen eng be­freundete Olivia, die einen aufstrebenden kleinen veganen Öko­laden in der großen Stadt betreibt, wissen hingegen, dass Anya nicht aus reinen Karrieregründen in the Big Apple gezogen ist.

Es war – natürlich, kann man seufzend sagen – ein Kerl schuld. George ist sein Name, und er hat sie ganz am Ende ihrer Schul­zeit schnöde im Stich gelassen, um mit einem anderen Mäd­chen wegzulaufen. Die Verwundung ihres Herzens durch dieses Verhalten hat Anya Summers auch nach Jahren nicht überwun­den. Und während sie im Geschäftsleben immerzu gegen ihren schikanösen Chef kämpft, sich aber dabei wacker behauptet, ist ihr Liebesleben in den vergangenen zwei Jahren vollständig er­loschen. Sie nimmt sich fest vor, in New York keine romanti­schen Verstrickungen mehr zu riskieren und vielmehr nur noch ein paar Jahre zu arbeiten, um anschließend nach Minnesota zu­rückzukehren und dort ihr Glück zu suchen.

So ist der Plan.

Nun, Pläne haben die Schwachstelle, dass das Leben meist an­deres mit den Pläneschmieden im Sinn hat. So geht es auch Anya.

Das Schicksal kommt ihr in Form von Devon Draper in die Que­re. Draper Consulting ist die Unternehmensberatung, die TC gründlich durchchecken und zukunftssicher machen soll. Und Devon ist ein beunruhigend junger, beunruhigend charismati­scher Mann, der sich seltsame Vertraulichkeiten gegenüber Anya herausnimmt.

Und dann steckt er ihr auch noch eine Karte zu.

Eine persönliche Einladung in die „Black Lounge“ des Club 5 in New York.

Von diesem Club hat sie über ihre Freundin Sarah Green, die für die Modelagentur Perfect Male Model arbeitet, schon gehört. Und Sarah ist in Hinsicht Männer das vollständige Gegenteil von Anya – sie schleppt quasi ständig gut aussehende Kerle ab, um mit ihnen munter Sex zu haben, und unentwegt ist sie auf der Suche nach dem echten „Mr. Right“…

Nun, als Sarah von der geheimnisumwitterten „Black Lounge“ des Club 5 hört, versucht sie natürlich als feierfreudiges Party­girl alles, um dort hineinzukommen. Aber wie sie sich auch an­strengt, sie wird ständig abgewiesen – eine völlig traumatisie­rende Erfahrung für Sarah, die so erfolgsverwöhnt ist und quasi ÜBERALL hingelangt, wo sie hin will und auch jeden Kerl ins Bett bekommt, den sie haben möchte. Hier beißt sie komplett auf Granit, auch bei Wiederholungsversuchen … und dann bekommt ausgerechnet Anya eine persönliche Einladung dorthin? Toll!

Nein, nicht toll – denn Anya denkt nicht im Traum daran, dieser Einladung zu folgen!

Warum nicht? Weil sie von Devon Draper kommt, und Anya in­stinktiv spürt, dass Devon in ihr beunruhigende Emotionen weckt, die gefährlich werden können. Das werden sie tatsäch­lich. Devon hat sich nämlich auf die Fahnen geschrieben, die rätselhafte Festung namens Anya Summers zu erstürmen, die ihn mehr verwirrt als jede Frau zuvor. Sie scheint jedem seiner Verführungsversuche zu widerstehen, und was auch immer er versucht, scheint die Distanz zwischen ihnen noch zu vergrö­ßern. Und er ist, ganz wie Sarah, ebenfalls niemand, der ein Nein gelten lässt.

Auch dass er in starker Versuchung zu sein scheint, das geheim­nisvolle „Black Game“ mit ihr zu spielen, für das er immer zwei Würfel bei sich trägt, macht die Situation nicht einfacher. Denn das offensichtlich sexuell ausgerichtete „Black Game“ wird aus­schließlich in der „Black Lounge“ gespielt. Und jede Frau, die es mitmacht, muss eine Verschwiegenheitserklärung unterzeich­nen und darf darüber nichts nach außen erzählen.

Das macht Sarah verrückt. Und es macht Anya noch vorsichti­ger.

Aber Devon Draper ist nicht die Art Mann, die man abweisen kann. Und Anya kann der quasi animalischen Anziehungskraft, die sie zu ihm zieht, nicht sehr lange widerstehen – bis sie sich tatsächlich sexuell vereinen und die vorher ziemlich unbedarfte Anya zu Ufern der Wonne geführt wird, die sie schlichtweg für unmöglich hielt. Auf einmal kann sie ihre flatterhafte Freundin Sarah und ihre ständigen erotischen Eskapaden sehr viel besser als zuvor verstehen.

Es gibt nur ein fundamentales Problem: was für ein Grund be­stand dafür, dass Devon ihr die Einladung in die „Black Lounge“ gab? Was für Geheimnisse verbirgt er vor ihr? Offenbar gibt es nur eine Möglichkeit, das herauszufinden – so sehr Anya das wi­derstrebt … sie muss wohl die Einladung nutzen …

Man sollte sich nicht dazu entschließen, dieses Buch der mir bis dato unbekannten Karola Löwenstein abends zu beginnen, sonst geht es euch wie mir und ihr kommt nicht mehr raus. Ich habe es infolgedessen fast in einem Rutsch binnen eines Tages ver­schlungen, und das ist grundsätzlich ein Qualitätsurteil. Eine Vorwarnung sei dennoch angebracht – wer auf das „Black Game“ wartet, das dem ganzen Buch den Titel gibt, muss tat­sächlich bis zum allerletzten Kapitel darauf warten. Dass es ver­lockende Spiele gibt, sei allerdings konzediert, und auch die Würfel auf dem Cover (selbst wenn es viel zu viele sind, die Ma­ximalaugenzahl im „Black Game“ beträgt 12) passen durchaus zum Inhalt.

Bedauerlich ist, dass nur die zentralen Hauptpersonen vollstän­dige Namen bekommen. Bereits in der zweiten Reihe – Olivia und ihr Lebenspartner Tom – hören die Nachnamen auf, genannt zu werden. Das war mir dann doch etwas zu wenig. Ansonsten ist zu bestätigen, dass Devon Draper ein höchst einfallsreicher, versierter Liebhaber ist, zudem jemand, den man als klassi­schen Adrenalinjunkie bezeichnen kann. Extremsportarten, Ba­lancieren am Rande des Todes, das ist sein Ding … völlig anders gestrickt ist dann die sehr viel bodenständigere Anya. Und wie das oft so im Leben ist – Gegensätze ziehen sich an. Vor allen Dingen in diesem Fall deshalb, weil Anya so überhaupt nicht so „tickt“, wie Devon es von zahllosen Frauen gewohnt ist. Sie macht ihn verrückt, ja, aber auf eine faszinierende, für ihn un­bekannte Weise auch „süchtig“ nach sich. Und Anya kommt, wie eine Fliege in einer Venusfliegenfalle, von dem raffinierten Liebhaber nicht mehr los.

Da es einen zweiten Teil des Romans gibt, war es elementar, dass am Ende ein Knall stehen würde (der allerdings nur bedingt überraschend kommt). Man kann jedoch sehr gespannt sein, wie sich diese Berg- und Talfahrt im zweiten Roman fort­setzt.

Eine sehr kurzweilige Lektüre mit ein paar wirklich aufregenden erotischen Höhepunkten – absolut empfehlenswert.

© 2018 by Uwe Lammers

In der kommenden Woche machen wir dann wieder eine Stippvi­site in einem Abenteuer von Clive Cussler und seinen Epigonen. Ja, ja, auch Jahre nach dem Tod des Meisters wachsen hier stetig Romane nach, und die sind oft gar nicht übel durchdacht und in Szene gesetzt.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.