Liebe Freunde des OSM,
dies ist mal wieder eine Rezension, die eine ganze Reihe von Jahren geduldig in meinen Ordnern respektive gespeicherten Dateien vor sich hin marinierte, ehe sie den Weg in den Rezensions-Blog fand. Wenn ich meinen geführten Listen Glauben schenken kann (sie sind, naturgemäß, manchmal lückenhaft, da ich ja auch nur ein fehlbarer Mensch bin), ist diese Rezension auch sonst nirgends veröffentlicht worden.
Das hat absolut nichts mit der Qualität des Werkes oder der Rezension zu tun … es gab einfach nicht die Gelegenheit, sie früher an Tageslicht zu heben. Nun schicke ich euch mal in ein kleines erotisches Fantasy-Abenteuer, das ich mit Vergnügen gelesen habe. Vielleicht geht euch das ja ebenso:
Aphrodites Söhne 1 – Unsterbliches Verlangen
Von Ivy Paul
Plaisir d’Amour
288 Seiten, TB (2014)
ISBN 978-3-86495-094-0
Preis: 14,90 Euro
Wenn Götter sich streiten, tragen zumeist die Sterblichen hienieden die Konsequenzen. Und so ist es auch im vorliegenden Roman, der in der griechischen Antike anfängt, und zwar folgendermaßen:
Aphrodite, die Göttin der Liebe, liegt im Widerstreit mit ihrem Geliebten, dem Kriegsgott Ares. Während Ares fest davon überzeugt ist, dass im Krieg und Kampf der eigentliche Sinn des Daseins liegt, kann das Aphrodite nicht finden. Sie meint, die Liebe sei der wesentliche Antriebsmotor menschlichen Lebens.
Also schön, sie entscheiden sich für einen Wettstreit und wollen beobachtend sehen, welches Prinzip stärker ist. Ares stattet dem Schlachtfeld von Gaugamela einen Besuch ab, anno 331 vor unserer Zeitrechnung. Und hier heilt er den Krieger Antimachos von Kolophon und macht ihn zu einem Unsterblichen. Von dem Wettstreit erzählt er ihm nichts (was man durchaus als Manipulation der Ausgangslage verstehen darf).
Im Jahre 1744 nach Christus lebt Antimachos noch immer und steht nun in Irland kurz davor, die bildhübsche Brianna O’Flaherty zu ehelichen. Doch erst in der Nacht vor der Eheschließung offenbart er ihr, wer er tatsächlich ist und wie lange er schon auf Erden wandelt. Brianna verliert erst die Fassung, dann erdolcht sie ihn und wird schließlich wahnsinnig, da sich seine Verletzungen wieder schließen. Antimachos´ Herz trägt jedoch unheilbare Wunden davon, seine Seele vernarbt.
Blende in die Gegenwart des Jahres 2014: Die 29jährige, ursprünglich aus Bayern stammende Journalistin Lorelai Grabinger wird wegen eines von ihr ausgelösten Medienskandals von ihrer Redaktion zwangsbeurlaubt – und mit einem externen Dienstauftrag, den sie als Bestrafung versteht, nach Irland geschickt. Sie soll einen Bildhauer namens Mac Alexandros interviewen, der erotische Steinskulpturen gestaltet (ein Faktum, das leider im restlichen Roman vollständig untergeht). Lorelai nimmt den Auftrag zähneknirschend an und steht bald vor einer der Skulpturen. Nach ihrer Meinung befragt, fällt sie ein ausgesprochenes Vernichtungsurteil … zu ihrer Bestürzung entpuppt sich der Fragende als der Künstler Mac Alexandros, und er ist weder alt noch notgeil, sondern im Gegenteil höchst attraktiv und allenfalls Ende Dreißig. Ein kerniger Grieche, wie er im Buche steht.
Fortan sind die beiden wie Hund und Katze, er geht ihr ständig aus dem Weg, sie verfolgt ihn nach besten Kräften, um an ihr Interview zu gelangen. An dem hat Alexandros keinerlei Interesse – ist er doch schließlich der unsterbliche Antimachos, der generell im Dunkel bleiben möchte und von der Menschheit grässlich desillusioniert ist, und von Frauen sowieso. Allein die engen Verwandten vom Clan der O’Flahertys halten fest zu ihm, und die Betreiberin eines kleinen „Bed and Breakfast“ in Amhrán, Alexandros´ irischem Heimatort, Megan, entwickelt sich nun binnen kürzester Zeit zu einer guten Vertrauten der frustrierten, aber sehr hartnäckigen Reporterin.
Interessanterweise zahlt sich ihre Beharrlichkeit aus – mehrere lustvolle sexuelle Begegnungen mit dem leidenschaftlichen Bildhauer zeigen Lorelai überdeutlich, dass er nach außen nur so abweisend tut, in Wahrheit aber sehr von ihr fasziniert ist (wiewohl sie ihn oftmals zur Weißglut treibt). Nur ein Interview geben mag er ihr nach wie vor nicht.
Die Redaktion setzt Lorelai die Pistole auf die Brust und diktiert ein Ultimatum. Interview liefern, andernfalls fliegt sie. Das erhöht den Druck, den sie umgehend an Mac Alexandros weitergibt. Aber dummerweise ist das durchaus nicht das einzige Problem, sondern Lorelai muss auch erleben, dass man ihr Hotelzimmer durchwühlt und sie während einer Fahrt von der Landstraße zu drängen versucht. Spätestens, als ein Unbekannter ernsthaft Anstalten macht, sie brutal bei einem Spaziergang zu überfahren, wird sowohl Alexandros als auch Lorelai klar, dass ihr Leben in ernster Gefahr ist …
„Aphrodites Söhne: Unsterbliches Verlangen“ ist Teil 1 einer Trilogie, der sich außerordentlich geschwind binnen eines einzigen Tages verschlingen lässt – die Lesequalität ist also ausgezeichnet, und die Lektüre entwickelt sich dank der leidenschaftlichen Hauptpersonen und ihres gegenseitigen, sich aufschaukelnden Stursinns reichlich amüsant. Ich habe ihn gern gelesen und freue mich jetzt schon auf die nächsten beiden Bände, die im Regal noch ungelesen stehen.
Indes gibt es ein paar Wermutstropfen, wie ich fand. Wiewohl Ivy Paul versucht, eine relativ spannende Kriminalstory in die Handlung zu verweben, gelingt dies nur partiell, was schade ist. Dann wird, wie oben angedeutet, Mac Alexandros als Künstler quasi völlig zum Verschwinden gebracht. Es hätte mich sehr gefreut, beispielsweise seine Bildhauerwerkstatt zu sehen. Wenn Lorelai schon heimlich in seine Garage schleichen kann, was hätte sie dann daran hindern sollen, in sein Atelier einzusteigen? Auch bedauerlich: wenn er schon erotische Steinskulpturen erschafft, warum denkt er nicht eine einzige Sekunde lang daran, von Lorelai eine anzufertigen und sie, nachdem sie schon zueinander gefunden haben, den Vorschlag zu machen, ihm Modell zu stehen? Das hätte zweifellos Ausgangspunkt einer ziemlich heißen erotischen Szene sein können.
Ebenfalls recht seltsam anachronistisch ist der Prolog, in dem Aphrodite und Ares in einem modernen Wohnzimmer mit Multimedia-Ausstattung zu sehen sind … da wäre doch ein wenig mehr zeitgemäßes Ambiente stimmungsvoller gewesen, so kommen beide griechischen Götter daher wie zweitklassige Schauspieler in einem B-Movie, die nur die griechischen Götter imitieren. Irgendwie ein wenig schmierentheatermäßig, wenn man mir die Bemerkung gestattet.
Noch eigentümlicher ist dann der Titel der Trilogie – denn es sind ja nicht wirklich „Aphrodites Söhne“, wie es ausgesagt wird, weder leibliche Söhne noch im übertragenen Sinne. Mac Alexandros ist sehr viel mehr Ares´ Sohn, wenn überhaupt. Wie das in den anderen beiden Bänden sein wird, kann noch nicht gesagt werden. Sollte sich jedoch meine Vermutung bewahrheiten, dann würde der Zyklustitel bereits vollendete Tatsachen schaffen. Das würde vermutlich nicht die lustvolle Lektüre der Werke selbst überflüssig machen, aber doch einiges von der prickelnden Spannung nehmen.
Nun, wie dem auch sei – die Lektüre hat Spaß gemacht und war äußerst kurzweilig. Wer ein ordentliches Bad in irischer Kultur und Folklore nehmen möchte, ist hier durchaus recht am Platz. Und die freche, zähe Reporterin Lorelai ist das Kennenlernen ohnehin wert, keine Frage.
Stürzt euch in die Lektüre, Freunde, sie macht definitiv Spaß.
© 2018 by Uwe Lammers
In der nächsten Woche kehren wir einmal mehr in den schier unerschöpflichen Romankosmos des Clive Cussler und seiner Nachfolger vor, die seine Romanhelden Jahr für Jahr in abenteuerliche Situationen hineinbugsieren.
Worum es im Detail geht, erzähle ich euch dann in sieben Tagen hier im Rezensions-Blog.
Bis dahin macht es gut, mit
Oki Stanwers Gruß,
euer Uwe.