Rezensions-Blog 577: Glennkill

Posted September 9th, 2026 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

ich zauberte ein strahlendes Lächeln auf das Gesicht meiner langjährigen guten Freundin Conny, als ich ihr jüngst erzählte, dass ich endlich – endlich!! – dieses Buch läse. Und wir konnten uns ebenfalls endlich über solche possierlichen Dinge wie Wol­kenschafe, kleine Seelen, Gott und seinen gruseligen Garten un­terhalten, in dem Tote heranwachsen („Totenacker!“) … und uns um das Mysterium des Ablebens des Schäfers George Glenn austauschen.

Wie ihr, bis dieser Beitrag erscheint, zweifellos aus dem Kino wisst, ist der Roman nach über 15 Jahren endlich verfilmt wor­den, mit Hugh Jackman in der Rolle des Schäfers George. Zwei­fellos weicht der Film in vielen Details vom Buch von Leonie Swann ab.

Aber wer nach dem Amüsement des Films auch endlich mal das Original kennen lernen möchte, der sollte unbedingt weiterle­sen. Tatsache ist: es lohnt sich.

Vorhang auf für ein grandioses Romandebüt:

Glennkill

Von Leonie Swann

Weltbild, Augsburg 2005

386 Seiten, TB

ISBN 3-8289-8730-3

Es hat wahrlich lange gedauert, bis dieses Buch sein Mauer­blümchen-Dasein als ungelesenes Exemplar in meinen Bücher­regalen aufgeben und ins Rampenlicht treten konnte. Und zwar mit Aplomb, würde ich sagen – denn das Lachen erwischt den Leser schon unweigerlich bei den ersten Sätzen des Buches. Ich zitiere:

Gestern war er noch gesund“, sagte Maude. Ihre Ohren zuck­ten nervös.

Das sagt gar nichts“, sagte Sir Richfield, der älteste Widder der Herde, „er ist ja nicht an einer Krankheit gestorben. Spaten sind keine Krankheit.“

Und damit sind wir mitten im Drama. Es geht um Mord. Es geht um Mörderjagd, und das ist ein Sujet, das literarisch nur zu ver­traut ist, schon seit Generationen … aber die Irritation ist zu­gleich auch zugegen. Denn wer redet da? Verwandte? Tatortbe­sucher?

Weit gefehlt – es sind Schafe.

Willkommen in Glennkill, einem kleinen, idyllischen Ort in Irland mit grünen Wiesen, wolligen Schafen und einem Mord. Schwei­gen wir von dem Constabler Holmes (!), der hier eine eher un­rühmliche Nebenrolle spielt. Denn die wahren Ermittler sind: Schafe.

George Glenn ist ein allein in einem Bauwagen lebender Schäfer am Rande der Ortschaft Glennkill, und um ihn herum hat er sei­ne zahlreich vertretene Schafherde, um die er sich hingebungs­voll kümmert. Achtzehn davon spielen wichtige Rollen in dieser Geschichte, folgerichtig werden sie auch als „Dramatis Oves“, also „handelnde Schafe“ im Personenverzeichnis gelistet. Her­ausragend natürlich „Miss Maple“ (ein ebenso sinnig gewählter Name wie der Polizist mit Namen Holmes, wie Krimi-Kenner schnell erkennen werden).

Als die Schafe zu ihrem großen Entsetzen morgens ihren Schä­fer George mit dem Spaten im Leib auf der Wiese liegen sehen, reißt Miss Maple die Ermittlungen umgehend an sich (sie gilt als „das klügste Schaf der Herde, vielleicht das klügste Schaf von Glennkill und möglicherweise sogar das klügste Schaf der Welt“). Denn es ist offensichtlich: Hier ist ein Verbrechen vorge­fallen, und der Täter läuft noch frei herum.

Die Schafe des George Glenn sind klug, was daran liegt, dass George ihnen immer Geschichten vorgelesen hat (im Roman so genannte „Pamela-Romane“, in der Verfilmung werden daraus Krimis gemacht, aber der Film verändert ohnehin vieles und wird auch viele Details des Roman unterschlagen). Und sie füh­len sich notwendig berufen, den Mörder zu finden und seiner gerechten Strafe zuzuführen. Das erweist sich als einigermaßen vertrackt, aus verschiedenen Gründen.

Zum einen sind da die Menschen – sonderbare Wesen, die sich noch sonderbarer verhalten. Manche von ihnen wie etwa „Gott“ oder der Metzger sind sogar ausgesprochen unheimliche We­sen. Dann gibt es die rätselhafte Frau Beth, die George immer wieder besuchte und ihm Schriften zu lesen gab, die er aber ständig wegwarf. Und was ist mit dieser Rebecca, die irgendwie in einer Beziehung zu George zu stehen schien? Was ist das Ge­heimnis von Georges wirkungsvoll verschlossenem Wagen, in den verschiedenste Personen – erfolglos – einzubrechen versu­chen? Was hat es mit dem ominösen „Gras“ auf sich, von dem im weiteren Verlauf der Ermittlungen immer wieder die Rede ist. Die Schafe schauen sich ihre Wiese an und wundern sich, war­um Menschen über Gras sprechen, das sie doch gar nicht mö­gen … wahrlich, Menschen sind sonderbare Wesen, vielleicht liegt das daran, dass ihre Seelen so klein sind …

Es gibt zahlreiche Geheimnisse in Glennkill, wie man als Leser alsbald begreift, und viele haben direkt mit den Schafen zu tun. Mühsam versuchen die Schafe zu ermitteln, wer George getötet haben könnte und aus welchen Gründen. Und während dieser Ermittlungen lernt man die unglaublich kuriose Weltsicht der Schafe kennen. Eine Weltsicht, in der es etwa um Wolkenschafe geht, kleine Rattenschafe, in der sie sich gruseln, weil „Gott“ (der Pfarrer der Gemeinde) offenbar einen Garten bewirtschaf­tet, wo Tote anstelle von Pflanzen wachsen sollen (ein „Toten­acker“ eben). Und es geht um große und kleine Seelen …

Kurzum, das Buch ist ein wahnwitziges Lesevergnügen, das in gewisser Weise Techniken der Fabel auf die moderne Welt an­wendet. Während die Tiere die Menschen problemlos verstehen können, ist den Menschen sowohl die Sprache als auch die Re­aktionsweise der Schafe weitgehend verschlossen … was natür­lich auch eine Form von Erstkontakt darstellt, denn die Kommu­nikation zwischen zwei so fundamental verschiedenen Spezies wie Menschen und Schafen entspricht schon sehr der zwischen Forschern und Aliens, wenn sie denn eines Tages mal auftau­chen sollen.

So prallen hier zwei grundlegend verschiedene Welten aufeinan­der, auf eine höchst originelle Weise. Dass die 1975 geborene Leonie Swann mit diesem Buch einen sagenhaften Überra­schungserfolg erzielte, kann wirklich nicht überraschen. Und ei­nige Jahre später legte sie dann mit „Garou“ ein weiteres Aben­teuer der Schafe von Glennkill nach … doch davon kann ich erst berichten, wenn ich es gelesen habe. Das wird nach dieser schönen Leseerfahrung zweifellos nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Glennkill“ ist wirklich eine Entdeckung wert, die eure Lachmus­keln schön trainieren wird. Eine vollumfängliche Leseempfeh­lung ist diesem Buch absolut sicher!

© 2026 by Uwe Lammers

In der kommenden Woche tauchen wir dann wieder zurück in den chaotischen Kosmos von Jessica Clares „Perfect Touch“-Kos­mos. Und auch darin ist Lesevergnügen garantiert, da könnt ihr meinen Worten vertrauen.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Blogartikel 683: Das Autoren-Nachlassarchiv-Projekt, Teil 20

Posted September 5th, 2026 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

wie ich schon am 21. Juni an dieser Stelle angekündigt habe, möchte ich heute einen weiteren Einblick in meinen Aktenplan geben, von dem wir damals die Buchstabengruppe A näher be­trachteten. Und nein, keine Sorge, meine Freunde, ich breite na­türlich nicht den gesamten Aktenplan vor euch aus, das wäre doch zu exaltiert. Ich plane, maximal 2-3 weitere Buchstaben­gruppen zu zeigen, damit ihr euch eine Vorstellung von der schieren Dimensionierung des hier vorhandenen analogen Ma­terials machen könnt.

Ich bin der Ansicht, dass vielfach in Exkursen zum Thema Kul­turgutverlust – und darum geht es hier letzten Endes bei dem Projekt ja – alles sehr akademisch, abgehoben und abstrakt ver­handelt wird. Vielleicht ist das ein wesentlicher Grund dafür, dass im Bereich der Kulturetats Gelder, die für solche Zwecke erbeten werden, so umstritten sind. Wir erleben so etwas bei­spielhaft zurzeit in dem Streit um den Erweiterungsbau der Deutschen Nationalbibliothek (DNB), der seitens des Kultur­staatsministers infrage gestellt wurde. Soweit ich das mitbe­kommen habe, scheint er der Illusion zu unterliegen, man könne das literarische Erbe auch mehrheitlich digital sammeln … ein kategorischer Irrtum, wenn man sich mal näher mit der Überlie­ferungssituation der DNB auseinandergesetzt hat.

Ich merke in dieser Diskussion nur einen Punkt an: Digitale Wei­terentwicklung. Man kann natürlich literarische Werke digital si­chern. Aber im Zuge der rasant fortschreitenden Technologie­entwicklung veralten sowohl Datenformate wie Auslesegeräte, was dann Konversionsprozesse notwendig macht. Einmal „gesi­cherte“ Werke digitaler Natur sind also damit nicht für alle Zeit und scheinbar kosten- und raumfrei aufbewahrt, sondern sie fordern stete weitere Aufmerksamkeit, Gelder und Konversio­nen. Ein Problem, das sich bei analogen Medien in dieser Form nicht stellt (da treten dann andere Schwierigkeiten auf). Ein Er­weiterungsbau der DNB ist also unverzichtbar, und der Minister ist klar auf dem Holzweg. Sparen an falscher Stelle, wie hier, wird fatale Folgekosten zeitigen, davon sollten wir ausgehen.

Aus ähnlichen Erwägungen heraus wird ja auch gern argumen­tiert, dass Minimallösungen für Autorennachlässe „ausreichend“ seien (Verbleib der Materialien im Familienbesitz, Verlagerung auf Dachböden, in Keller oder Garagen …). Wir wissen alle, glaube ich, dass das eben nicht ausreichend ist.

Doch kommen wir von diesem Gedanken, der ausgesprochen bzw. wieder in Erinnerung gerufen werden sollte, zum Thema des heutigen Beitrags. Ich erklärte anhand meiner Erfahrungen im Stadtarchiv Salzgitter, wie ich 2008 zur Erstellung eines ers­ten Aktenplans kam. Besonders wichtig scheint mir das für die Buchstabengruppe K des Bestandes. Hierzu kann ich nur sagen: Tief durchatmen und nicht erschrecken.

Here it comes:

Gliederung des Aktenplans

K)

K 0 Kalender

(noch zu erarbeiten)1

K 1 Korrespondenz

K 1.0 Amtliche Korrespondenz (DAK, Sozialamt)

K 1.1 Arbeitsamt/ARGE2

K 2 Korrespondenz einzelne Brieffreunde3

K 2.01 Hans Hendler, Bd. 1

K 2.01 Hans Hendler, Bd. 2

K 2.01 Hans Hendler, Bd. 3

K 2.01 Hans Hendler, Bd. 4/E

K 2.02 Martina Solfrank, Bd. 1

K 2.02 Martina Solfrank, Bd. 2

K 2.02 Martina Solfrank, Bd. 3/E

K 2.03 Michael Breuer, Bd. 1/E

K 2.04 Heidi Koch, Bd. 1

K 2.04 Heidi Koch, Bd. 2

K 2.04 Heidi Koch, Bd. 3

K 2.04 Heidi Koch, Bd. 4

K 2.04 Heidi Koch, Bd. 5

K 2.04 Heidi Koch, Bd. 6

K 2.04 Heidi Koch, Bd. 7

K 2.04 Heidi Koch, Bd. 8

K 2.04 Heidi Koch, Bd. 9

K 2.04 Heidi Koch, Bd. 10

K 2.05 Inge Orth, Bd. 1

K 2.05 Inge Orth, Bd. 2/E

K 2.06 Peter Servay, Bd. 1/E (verstorben)4

K 2.07 Fabian Fröhlich, Bd. 1/E

K 2.08 Babette Kohlhaas/Moos, Bd. 1

K 2.08 Babette Kohlhaas/Moos, Bd. 2

K 2.08 Babette Kohlhaas/Moos, Bd. 3

K 2.08 Babette Kohlhaas/Moos, Bd. 4

K 2.08 Babette Kohlhaas/Moos, Bd. 5

K 2.08 Babette Kohlhaas/Moos, Bd. 6

K 2.08 Babette Kohlhaas/Moos, Bd. 7

K 2.08 Babette Kohlhaas/Moos, Bd. 8

K 2.08 Babette Kohlhaas/Moos, Bd. 95

K 2.09 Angelika Walter, Bd. 1

K 2.09 Angelika Walter, Bd. 2

K 2.09 Angelika Walter, Bd. 3

K 2.09 Angelika Walter, Bd. 4/E

K 2.10 Bernd Rothe, Bd. 1/E

K 2.11 Angelika Herzog, Bd. 1

K 2.11 Angelika Herzog, Bd. 2

K 2.11 Angelika Herzog, Bd. 3

K 2.11 Angelika Herzog, Bd. 4

K 2.11 Angelika Herzog, Bd. 5

K 2.11 Angelika Herzog, Bd. 6

K 3 Korrespondenz nach Jahren

K 3.1/01 Das Jahr 1983

K 3.1/02 Das Jahr 1984

K 3.1/03 Das Jahr 1985

K 3.1/04 Das Jahr 1986

K 3.1/05 Das Jahr 1987

K 3.1/06 Das Jahr 1988

K 3.1/07 Das Jahr 1989

K 3.1/08 Das Jahr 1990

K 3.1/09 Das Jahr 1991

K 3.1/10 Das Jahr 1992, Bd. 1

K 3.1/11 Das Jahr 1992, Bd. 2/E

K 3.1/12 Das Jahr 1993, Bd. 1

K 3.1/13 Das Jahr 1993, Bd. 2/E

K 3.1/14 Das Jahr 1994, Bd. 1

K 3.1/15 Das Jahr 1994, Bd. 2/E

K 3.1/16 Das Jahr 1995, Bd. 1

K 3.1/17 Das Jahr 1995, Bd. 2/E

K 3.1/18 Das Jahr 1996, Bd. 1

K 3.1/19 Das Jahr 1996, Bd. 2/E

K 3.1/20 Das Jahr 1997, Bd. 1

K 3.1/21 Das Jahr 1997, Bd. 2/E

K 3.1/22 Das Jahr 1998, Bd. 1

K 3.1/23 Das Jahr 1998, Bd. 2/E

K 3.1/24 Das Jahr 1999, Bd. 1

K 3.1/25 Das Jahr 1999, Bd. 2

K 3.1/26 Das Jahr 1999, Bd. 3/E

K 3.1/27 Das Jahr 2000, Bd. 1

K 3.1/28 Das Jahr 2000, Bd. 2/E

K 3.1/29 Das Jahr 2001, Bd. 1

K 3.1/30 Das Jahr 2001, Bd. 2/E

K 3.1/31 Das Jahr 2002, Bd. 1

K 3.1/32 Das Jahr 2002, Bd. 2

K 3.1/33 Das Jahr 2002, Bd. 3

K 3.1/34 Das Jahr 2002, Bd. 4/E

K 3.1/35 Das Jahr 2003, Bd. 1

K 3.1/36 Das Jahr 2003, Bd. 2

K 3.1/37 Das Jahr 2003, Bd. 3

K 3.1/38 Das Jahr 2003, Bd. 4

K 3.1/39 Das Jahr 2003, Bd. 5/E

K 3.1/40 Das Jahr 2004, Bd. 1

K 3.1/41 Das Jahr 2004, Bd. 2

K 3.1/42 Das Jahr 2004, Bd. 3/E

K 3.1/43 Das Jahr 2005, Bd. 1

K 3.1/44 Das Jahr 2005, Bd. 2

K 3.1/45 Das Jahr 2005, Bd. 3/E

K 3.1/46 Das Jahr 2006, Bd. 1

K 3.1/47 Das Jahr 2006, Bd. 2

K 3.1/48 Das Jahr 2006, Bd. 3

K 3.1/49 Das Jahr 2006, Bd. 4

K 3.1/50 Das Jahr 2006, Bd. 5

K 3.1/51 Das Jahr 2006, Bd. 6

K 3.1/52 Das Jahr 2006, Bd. 7/E

K 3.1/53 Das Jahr 2007, Bd. 1

K 3.1/54 Das Jahr 2007, Bd. 2

K 3.1/55 Das Jahr 2007, Bd. 3

K 3.1/56 Das Jahr 2007, Bd. 4

K 3.1/57 Das Jahr 2007, Bd. 5

K 3.1/58 Das Jahr 2007, Bd. 6

K 3.1/59 Das Jahr 2007, Bd. 7

K 3.1/60 Das Jahr 2007, Bd. 8/E

K 3.1/61 Das Jahr 2008, Bd. 1

K 3.1/62 Das Jahr 2008, Bd. 2

K 3.1/63 Das Jahr 2008, Bd. 3

K 3.1/64 Das Jahr 2008, Bd. 4

K 3.1/65 Das Jahr 2008, Bd. 5/E

K 3.1/66 Das Jahr 2009, Bd. 1

K 3.1/67 Das Jahr 2009, Bd. 2

K 3.1/68 Das Jahr 2009, Bd. 3

K 3.1/69 Das Jahr 2009, Bd. 4

K 3.1/70 Das Jahr 2009, Bd. 5/E

K 3.1/71 Das Jahr 2010, Bd. 1

K 3.1/72 Das Jahr 2010, Bd. 2

K 3.1/73 Das Jahr 2010, Bd. 3

K 3.1/74 Das Jahr 2010, Bd. 4/E

K 3.1/75 Das Jahr 2011, Bd. 1

K 3.1/76 Das Jahr 2011, Bd. 2

K 3.1/77 Das Jahr 2011, Bd. 3

K 3.1/78 Das Jahr 2011, Bd. 4

K 3.1/79 Das Jahr 2011, Bd. 5/E

K 3.1/80 Das Jahr 2012, Bd. 1

K 3.1/81 Das Jahr 2012, Bd. 2

K 3.1/82 Das Jahr 2012, Bd. 3

K 3.1/83 Das Jahr 2012, Bd. 4

K 3.1/84 Das Jahr 2012, Bd. 5

K 3.1/85 Das Jahr 2012, Bd. 6

K 3.1/86 Das Jahr 2012, Bd. 7/E

K 3.1/87 Das Jahr 2013, Bd. 1

K 3.1/88 Das Jahr 2013, Bd. 2

K 3.1/89 Das Jahr 2013, Bd. 3

K 3.1/90 Das Jahr 2013, Bd. 4

K 3.1/91 Das Jahr 2013, Bd. 5

K 3.1/92 Das Jahr 2013, Bd. 6

K 3.1/93 Das Jahr 2013, Bd. 7/E

K 3.1/94 Das Jahr 2014, Bd. 1

K 3.1/95 Das Jahr 2014, Bd. 2

K 3.1/96 Das Jahr 2014, Bd. 3

K 3.1/97 Das Jahr 2014, Bd. 4

K 3.1/98 Das Jahr 2014, Bd. 5

K 3.1/99 Das Jahr 2014, Bd. 6

K 3.1/100 Das Jahr 2014, Bd. 7

K 3.1/101 Das Jahr 2014, Bd. 8

K 3.1/102 Das Jahr 2014, Bd. 9

K 3.1/103 Das Jahr 2014, Bd. 10

K 3.1/104 Das Jahr 2014, Bd. 11/E

K 3.1/105 Das Jahr 2015, Bd. 1

K 3.1/106 Das Jahr 2015, Bd. 2

K 3.1/107 Das Jahr 2015, Bd. 3

K 3.1/108 Das Jahr 2015, Bd. 4

K 3.1/109 Das Jahr 2015, Bd. 5

K 3.1/110 Das Jahr 2015, Bd. 6

K 3.1/111 Das Jahr 2015, Bd. 7

K 3.1/112 Das Jahr 2015, Bd. 8

K 3.1/113 Das Jahr 2015, Bd. 9

K 3.1/114 Das Jahr 2015, Bd. 10/E

K 3.1/115 Das Jahr 2016, Bd. 1

K 3.1/116 Das Jahr 2016, Bd. 2

K 3.1/117 Das Jahr 2016, Bd. 3

K 3.1/118 Das Jahr 2016, Bd. 4

K 3.1/119 Das Jahr 2016, Bd. 5

K 3.1/120 Das Jahr 2016, Bd. 6/E

K 3.1/121 Das Jahr 2017, Bd. 1

K 3.1/122 Das Jahr 2017, Bd. 2

K 3.1/123 Das Jahr 2017, Bd. 3

K 3.1/124 Das Jahr 2017, Bd. 4

K 3.1/125 Das Jahr 2017, Bd. 5

K 3.1/126 Das Jahr 2017, Bd. 6/E

K 3.1/127 Das Jahr 2018, Bd. 1

K 3.1/128 Das Jahr 2018, Bd. 2

K 3.1/129 Das Jahr 2018, Bd. 3

K 3.1/130 Das Jahr 2018, Bd. 4

K 3.1/131 Das Jahr 2018, Bd. 5

K 3.1/132 Das Jahr 2018, Bd. 6

K 3.1/133 Das Jahr 2018, Bd. 7/E

K 3.1/134 Das Jahr 2019, Bd. 1

K 3.1/135 Das Jahr 2019, Bd. 2

K 3.1/136 Das Jahr 2019, Bd. 3

K 3.1/137 Das Jahr 2019, Bd. 4

K 3.1/138 Das Jahr 2019, Bd. 5

K 3.1/139 Das Jahr 2019, Bd. 6

K 3.1/140 Das Jahr 2019, Bd. 7

K 3.1/141 Das Jahr 2019, Bd. 8

K 3.1/142 Das Jahr 2019, Bd. 9/E

K 3.1/143 Das Jahr 2020, Bd. 1

K 3.1/144 Das Jahr 2020, Bd. 2

K 3.1/145 Das Jahr 2020, Bd. 3

K 3.1/146 Das Jahr 2020, Bd. 4

K 3.1/147 Das Jahr 2020, Bd. 5

K 3.1/148 Das Jahr 2020, Bd. 6

K 3.1/149 Das Jahr 2020, Bd. 7/E

K 3.1/150 Das Jahr 2021, Bd. 1

K 3.1/151 Das Jahr 2021, Bd. 2

K 3.1/152 Das Jahr 2021, Bd. 3

K 3.1/153 Das Jahr 2021, Bd. 4

K 3.1/154 Das Jahr 2021, Bd. 5

K 3.1/155 Das Jahr 2021, Bd. 6

K 3.1/156 Das Jahr 2022, Bd. 1

K 3.1/157 Das Jahr 2022, Bd. 2

K 3.1/158 Das Jahr 2022, Bd. 3

K 3.1/159 Das Jahr 2022, Bd. 4

K 3.1/160 Das Jahr 2022, Bd. 5

K 3.1/161 Das Jahr 2022, Bd. 6

K 3.1/162 Das Jahr 2023, Bd. 1

K 3.1/163 Das Jahr 2023, Bd. 2

K 3.1/164 Das Jahr 2023, Bd. 3

K 3.1/165 Das Jahr 2023, Bd. 4

K 3.1/166 Das Jahr 2023, Bd. 5

K 3.1/167 Das Jahr 2023, Bd. 6

K 3.1/168 Das Jahr 2023, Bd. 7

K 3.1/169 Das Jahr 2023, Bd. 8

K 3.1/170 Das Jahr 2024, Bd. 16

Und nein, das ist NICHT der gesamte K-Bestand, der geht viel­mehr noch deutlich weiter. Ihr seht hieran aber schon Folgen­des: Partiell habe ich den Bestand anno 2024 weiter fortgeführt, weil das einfach notwendig war. Jedes Jahr fallen gerade bei den Korrespondenzen mehrere weitere Ordner an (in der Regel min­destens 6, meist eher 8 oder mehr). Das ist schlicht meiner kommunikativen Vernetzung geschuldet, an der mehr als 150 Korrespondenzpartner und Einrichtungen beteiligt sind.

Wie schon im letzten Beitrag dieser Reihe bedeutet die Notiz „Aktualisieren“, dass die jeweiligen Bestände noch wachsen und die unterstrichenen Ordnereinträge noch nicht abgeschlossen sind.

Ich glaube, angesichts des K3-Bestandes könnt ihr euch lebhaft vorstellen, warum ich mir mehr Raum für die vernünftige Auf­stellung wünsche. In einer nur 60 Quadratmeter messenden Wohnung ist das schlechterdings nicht zu leisten.

Damit schließe ich für heute mal wieder die Tür in meinen Ak­tenplan und verlasse euch, um in der nächsten Woche wieder an ganz andere Orte vorzustoßen. Wohin genau? Ah, ich glaube, das möchte ich hier noch nicht verraten.

Ich wünsche euch alles Gute und freue mich wieder auf euren Besuch auf der Webseite.

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

 

1 Neueintrag vom 28. September 2014.

Ergänzung dazu von mir am 19. März 2026: Diese Kalender umfassen drei Ru­briken. Zum einen handelt es sich um Geburtstagskalender, die vielleicht von geringerem Interesse sind, dann aber auch um solche, die Auskunft geben über meine Tagesereignisse, Reisen, Krankheiten, Treffen usw. Und die dritte Rubrik sind explizite Kreativkalender, die ich seit 1998 führe und in denen sei­tengenau verzeichnet wird, was ich wann geschrieben, begonnen und beendet habe. Im Verein mit anderen überlieferten Werken ergeben sie einen guten Einblick in die Schwankungen des kreativen Schaffensprozesses.

2 Aktualisieren!

3 Der Zweckmäßigkeit halber nach Eintritt in meinen Brieffreundeskreis gezählt, nicht alphabetisch, damit nach hinten ohne Probleme erweiterbar. Einige Kor­respondenzen sind aktuell noch verschollen und müssen später nachgetragen werden.

4 Wichtiger OSM-Korrespondenzpartner aus den 80er/90er Jahren.

5 Nach dem 9. separaten Briefordner im Jahre 2014 wieder in die laufenden Jah­resbriefordner eingeordnet. Grund: starkes Nachlassen der Brieffrequenz aus gesundheitlichen und beruflichen Gründen bei Babette.

6 Aktualisieren!

Rezensions-Blog 576: 80 Days – Band 4

Posted September 2nd, 2026 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

schon vor vier Wochen war ich über die ersten drei Romane die­ses Romanzyklus absolut nicht angetan, ich habe das damals im entsprechenden Rezensions-Blogartikel klar zum Ausdruck ge­bracht. Aber der vierte Band lag mir halt 2017 noch vor, also habe ich mich überwunden, um ihn dann auch noch zu schmö­kern.

Ich sage es gern vorweg, damit ihr eine überhöhten Erwartun­gen hegt: Die Schwierigkeiten, die die ersten drei Romane zu ei­ner unschönen Lektüre machten, gehen hier munter weiter. Überfliegerperspektive, Wegblenden bei kritischen Szenen, feh­lende Dialoge, mangelnde Personencharakterisierung. Haupt­personen, die nur Vornamen, aber keine vollständige Charakte­risierung erhalten … und so weiter.

Erschwerend kommt hinzu, dass die immer noch anonymen Au­toren sich diesmal ins entgegen gesetzte Extrem flüchten. Statt ständig wechselnde Perspektivwechsel zu haben, landen sie diesmal in einem den ganzen Roman ausfüllenden Monolog … ich weiß nicht, aber das ist nun wirklich nicht meins. Vielleicht gibt es wirklich LeserInnen, die sich von solch flüchtigem Lese­experiment ohne wirkliche Virtuosität angezogen fühlen, aber ich bin dafür eindeutig die falsche Person.

Folgerichtig fiel auch mein Fazit über diesen vierten Band des Zyklus alles andere als schmeichelhaft aus. Aber als Warnung sollt ihr wissen, was euch darin erwartet:

80 Days – Die Farbe des Verlangens

(OT: Eighty Days Amber)

Von Vina Jackson (Pseudonym)

carl’s books

München 2012

324 Seiten, TB

Preis: 12,99 Euro

ISBN-978-3-570-58526-9

Aus dem Englischen von Gerlinde Schermer-Rauwolf, Barbara Steckhan und

Thomas Wollermann

Man geht ja eigentlich davon aus, dass eine Trilogie nach drei Bänden abgeschlossen ist, deshalb heißt das Ganze ja auch „Tri­logie“. Nun, im Fall der titelmäßig rätselhaften Serie „80 Days“ ist das anders. Quasi nahtlos wurden nach den ersten drei Bän­den, also „Die Farbe der Lust“, „Die Farbe der Begierde“ und „Die Farbe der Erfüllung“1 noch ein vierter und fünfter Band nachgeschoben, offenkundig, um auf der Erfolgswelle wei­terreiten zu können.

Inzwischen ist der vierte Band gelesen, und da es temporale und personelle Überschneidungsflächen gibt, wenn auch recht bescheidene und erst gegen Schluss, ist es vermutlich von Nut­zen, noch mal kurz die Geschichte der ersten drei Bände zu re­sümieren.

Dort ging es um die junge Musikerin Summer Zahova und ihre nicht unproblematische, stets stark musikalisch geprägte dun­kel-erotische Beziehung zu dem dominanten Dominik Conrad.2 Sie lernen sich in London kennen und haben eine stürmische, nicht unkomplizierte Beziehung, die auseinanderreißt, als sich ihre Karrierewege trennen – er schlägt als vormaliger Literatur­dozent mit Sitz in London die Schriftstellerlaufbahn ein, sie wohnt inzwischen in New York und wird Solo-Geigerin. Ein we­sentlicherer Grund ist aber darin zu suchen, dass sie nicht rest­los aufrichtig zueinander sind und schlussendlich in Band 3 erst der vermittelnden Instanz der Cellistin Lauralynn bedürfen, um endgültig zueinander zu finden und glücklich zu werden.

Im Laufe dieser drei Romane lernen die beiden Hauptcharaktere eine Reihe von Nebenpersonen kennen. Eine davon ist eine fas­zinierende, geschmeidige Tänzerin namens Luba, mit der Sum­mer schließlich im dritten Band auch intim zusammenkommt, und sie avanciert im vorliegenden Roman zur Hauptperson.

Mit bürgerlichem Namen heißt die ranke Blondine Lubow Schewschenko und stammt interessanterweise – wie Summer Zahovas ausgewanderte Eltern – aus der Ukraine.3 Sie wächst hier in prekären familiären wie finanziellen Verhältnissen auf und beschließt schon recht bald, nachdem ihre Wunschkarriere als Tänzerin Schiffbruch erleidet, einen Auslandsaufenthalt in den USA dazu zu verwenden, kurzerhand zu emigrieren. Es ge­lingt ihr, dort unterzutauchen, doch das ist erst der Anfang ihrer Probleme.

Ohne gültige Papiere ist es schwer, so etwas wie eine gescheite Anstellung zu finden, von einer akzeptablen Wohnung ganz zu schweigen. So wird sie genötigt, in einer Bäckerei auszuhelfen – und hier hat sie das Glück, den charismatischen und geheimnis­vollen Chey und seinen russischen (!) Freund Lev kennen zu ler­nen.4 Er ist es, der von ihr magisch angezogen wird und ihr letztlich Zugang zu amerikanischem Wohlstand verschafft (was etwas rätselhaft scheint, da er als Beruf angibt, er sei internationaler Bernsteinhändler). Gleichzeitig ist er auch der Mann, der ihr Herz erobert und dem sie es erlaubt, sie zu entjungfern. Außerdem ist Chey ein Mann mit faszinierenden, wilden erotischen Ideen, und sie als vormalige Tänzerin in der Sowjetunion durchaus gelenkig und geschmeidig genug, um auch abenteuerlichste Posen mitzumachen.

Chey ist aber zugleich auch eine problematische Persönlichkeit – er neigt dazu, manchmal wochenlang ohne ein Wort spurlos zu verschwinden und anschließend sehr schweigsam zu sein, was die Zeit dazwischen angeht. Er ist ein Mann mit Geheimnis­sen, und dass er nicht aufrichtig zu ihr sein kann, belastet Luba recht schnell massiv. Als sie dann auch noch eine Schusswaffe in seinem Arbeitszimmer findet, nagt die Befürchtung an ihr, er könne insgeheim ein Krimineller sein und sie, ohne es zu wollen, ein Gangsterliebchen geworden sein. Kurzerhand ergreift sie die Flucht.

Durch Zufälle ergibt sich dann die Gelegenheit, in Clubs eroti­sche Tänze aufzuführen, und mehr und mehr beginnt sich Luba darüber zu definieren … leider sehnt sich ihr Herz nach wie vor nach Chey, der sich aber nicht wieder meldet, sondern wie vom Erdboden verschluckt zu sein scheint. So vergehen zahlreiche Jahre, bis Luba endlich mit einer erotischen Tanz-Performance (die in einem der ersten drei Bände aus der Außenperspektive dargestellt wird) so gut verdient, dass sie sich auf wenige Auf­tritte im Jahr beschränken kann.

Bei einem dieser Engagements trifft sie in New Orleans auf Summer Zahova und ihren Geliebten Dominik, und alsbald spä­ter laufen sich die drei wieder über den Weg, als Luba zur tem­porären Gespielin von Viggo Franck in London wird. Auch die offenbar unvermeidliche Lauralynn tritt wieder auf. So verflech­ten sich auf dezente Weise die Handlungsstränge der ersten drei Romane mit diesem nachgeschobenen vierten.

Und dann taucht wie ein Springteufel aus der Versenkung Chey wieder in Lubas Leben auf … und er befindet sich in Lebensge­fahr, wie sie selbst recht bald ebenfalls …

Im Kontrast zu den ersten drei Romanen der Reihe hat dieser hier einen ganz unübersehbaren, klaren Vorteil: Er weist nur eine Handlungsperspektive auf, nämlich die von Luba. Und sie erzählt, auch das ist ein klarer positiver Kontrast zu den ersten drei Bänden, konstant aus der Ich-Perspektive. Man hat darum das eindeutige Gefühl, dass das Autorenduo doch gründlich da­zugelernt hat seit der Abfassung der ersten drei Romane. Aller­dings meiner Überzeugung nach noch nicht genug.

Weite Strecken des Romans lesen sich nämlich nach wie vor wie ein mächtiger Monolog. Die ersten leichten Dialoge kommen auf Seite 32 und 42 zustande, werden aber sehr schnell wieder ab­gewürgt, ehe sie sich – was vernünftig wäre – in gescheite Ken­nenlern-Szenen und ausgiebige Diskussionen entwickeln könn­ten. Der nächste, der der Rede wert ist, kommt auf Seite 56 in Gang … und so geht das den ganzen Band lang weiter. Überall da, wo man so schön durch direktes Nah-Herangehen an die Szene die Atmosphäre hätte einfangen, Zweifel, Amüsement, Humor, Nervosität und Sehnsucht hätte ausdrücken können, fliegt Vina Jackson wieder über den Handlungskontext dahin.

Überflieger-Perspektive, wieder einmal oder immer noch. Ich fürchte letzteres und nehme an, das wird auch nicht mehr bes­ser werden. Warum? Weil das „Erfolgsrezept“ ja mit dieser Er­zählperspektive perfekt funktioniert hat für oberflächliche und literarisch nicht sonderlich gebildete Leserkreise. Seufz!

Ich seufzte und las weiter, halbwegs dadurch besänftigt, dass zumindest eine durchgängige Erzählperspektive existierte. Luba – Lubow ist in meinen Augen nun wirklich kein sonderlich attrak­tiver Frauenname und wirkt hier eher wie eine Verlegenheitslö­sung (vielleicht, weil die Autoren wiederholt gefragt wurden, was neckischerweise in diesen Band projiziert wird, ob „Luba“ ein Künstlername sei)5 – nun, Luba also erweist sich als ein deutlich sorgfältiger ausgearbeiteter Charakter als etwa Domi­nik in den ersten drei Bänden, und in meinen Augen ist unüber­sehbar, dass der Roman primär von einem Teil des Duos, mut­maßlich dem weiblichen, verfasst wurde. Wahrscheinlich auch eher nicht auf Reisen, sondern relativ stationär an einem Ort.

Noch immer gibt es keine Erklärung für die willkürlichen „80 Days“, während sich zumindest ein wenig bemüht wurde, dies­mal das „Amber“ im Originaltitel für Bernstein begreiflicher zu machen (das mindestens kann als geschickt gemacht gelten). „Farbe des Verlangens“ ist nach wie vor schwammig und nichts­sagend. Dass der geistlose Werbeslogan des „Look Magazines“, der schon die ersten drei Bände zierte, hier wieder bemüht wird, ist ermüdend und unnötig, weil immer noch kaum zutref­fend. Man kennt analoge Vorgehensweisen von anderen Verla­gen, wo etwa Dan Simmons von Stephen King überschwänglich angepriesen wird (auf verschiedenen Romanen mit höchst ver­schiedenem Niveau), stets mit denselben euphorischen Worten.

Aber es kann gleichwohl nach der Lektüre zugegeben werden: dieser Band ist durchaus solider geschrieben als die Vorgänger­bände … wenn man auf einen dreihundertseitigen Monolog ei­ner durchaus melancholischen ukrainischen Tänzerin steht. Wirklich zu „packen“ versteht mich dieser Band aber auch nicht recht. Da gibt es doch deutlich spannenderen Stoff, der glaub­würdiger inszeniert ist. Ich denke da etwa an die Autorin Eden Bradley, von der ich kürzlich einen Roman auslas, der sehr viel glaubwürdiger und lebendiger argumentiert.6

Ich werde schauen, was ich zu den abschließenden zwei Roma­nen dieses Zyklus zu sagen habe, deren Lektüre noch ansteht.7 Jedoch scheint bereits festzustehen, dass die Qualität dieses Zy­klus als maximal mittelmäßig einzustufen ist. Wer nämlich fast 1500 Seiten braucht, um halbwegs in Form zu kommen, der sollte mal bei den Profis in die Schule gehen, die auf 300 Seiten mehr Faszination zu wecken verstehen und lebendiger und glaubwürdiger schreiben als in den obigen Romanen zusam­men. Da besteht doch irgendwie eine klare Dysbalance zwi­schen Autorenbefähigung und Lesererwartung, dem die Autoren besser entsprechen sollten.

© 2017 by Uwe Lammers

Noch eine Ergänzung meinerseits zum letzten Fußnotenkom­mentar: Ja, es gab noch zwei weitere Teile. Aber die habe ich mir dann gar nicht mehr angeschaut. Warum auch? Wenn mir die ersten vier Bände schon nicht gefallen haben, weshalb sollte ich mir dann den Schrott auch noch antun und ihm kostbare Le­sezeit und Lebenszeit opfern? Falls ihr also zu den Romanen noch Rezensionen sucht, müsst ihr leider anderweitig danach fahnden. Hier gibt es die nicht.

In der kommenden Woche werden wir dann mal wieder zu Clive Cussler zurückkehren. Das ist dann für längere Zeit der letzte aktuelle Cussler-Roman … danach fange ich mit der Bespre­chung einer sehr viel älteren Serie an, die mich lange beschäfti­gen wird. Dazu sage ich dann Näheres im Blogartikel 579.

Bis bald, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

(BS, 3. Januar 2026)

1 Vgl. dazu die Sammelrezension zu den genannten ersten drei Bänden, 2017, im Rezensions-Blog 572 vor vier Wochen.

2 Seinen vollen Namen erfährt man, wenn ich das richtig erinnere, tatsächlich erst in diesem Band auf Seite 223 … nachdem schon über tausend Seiten von ihm geschrieben wurde. Peinlich, um es vorsichtig zu sagen. Und dabei bleibt es auch diesmal nicht.

3 Ich schätze aber mal, dass der Name korrekt „Schewtschenko“ hätte geschrie­ben werden müssen, auch macht der Klappentext aus ihr ungeniert eine „Rus­sin“, wogegen die Ukrainer sicherlich vehementen Protest einlegen würden …

4 Chey bekommt im gesamten Roman keinen Nachnamen, soweit ich das sehen konnte … ein absolutes No-Go für Hauptpersonen, und er ist eine Hauptper­son!

5 Aber da kann man mich natürlich gern korrigieren, ich kenne mich mit ukraini­schen Mädchennamen nun wirklich nicht aus. Das Obige ist jetzt so ein Bauch­gefühl.

6 Die Rede ist von „Dunkle Sehnsucht“, 2014. Rezension in Vorbereitung.

7 Wieso ich JETZT noch von zwei Romanen spreche? Weil entgegen der Ankündi­gung im Umschlag des Buches nicht nur fünf Teile existieren, sondern deren sechs. Überraschung!!!

Liebe Freunde des OSM,

ja, heute gibt es mal zum Silvestertag eine kleine Neuerung – ich schreibe den Blogartikel, der das Resümee des Monats De­zember 2025 zum Thema hat, tatsächlich schon am letzten Tag des Jahres. Der Grund dafür liegt meines Erachtens durchaus auf der Hand: Ich werde heute nahezu ausschließlich an Brief­korrespondenz arbeiten, die ich zu einem guten Teil bis zum An­bruch des Neujahrsmorgens beantworten möchte. Also kann ich mit Fug und Recht davon ausgehen, dass die kreative Werke für dieses Jahr jetzt schon „in trockenen Tüchern“ sind, wie man sagt. Also kann ich diese Zeilen auch schon ein paar Stunden vor Ablauf des Jahres 2025 verfassen. Ihr bekommt sie dann am 30. August 2026 frisch online serviert.

Mit 27 fertig gestellten Werken in diesem Monat kann ich wirk­lich sehr zufrieden sein. Üblicherweise gelingt das im Dezember eher selten … Weihnachten ist hier eine ziemliche Schreib­bremse, da viel Energie für Weihnachtspost abgezogen wird. Dieses Mal hielt sich das erfreulich in Grenzen … freilich mit der Konsequenz, dass der Mailberg regelrecht zum Monatsende ex­plodiert ist. Was ja der Grund dafür ist, weshalb ich heute so viele Mails und Briefe schreiben werde. Ihr merkt hieran: Auch ohne Social Media-Accounts und ständiges präsent sein in den medialen Kanälen habe ich wirklich gut zu tun. Mein Entschluss, weiterhin diese Medien links liegen zu lassen, wird dadurch eher noch bestärkt.

Sehen wir uns die Dezember-Lese mal im Detail an:

Blogartikel 677: Work in Progress, Part 156

23Neu 99: Zeichen der Matrix

23Neu 101: Silberne Blitze über Theben

23Neu 100: KRIEG DER BAUMEISTER

(OSM-Wiki)

(Glossar der Serie „Oki und Cbalon – Das Ewigkeitsteam“)

(Lexikon der Serie „Oki und Cbalon – Das Ewigkeitsteam“)

23Neu 102: Inkas im Labyrinth

20Neu 47: GRAUSTERN

(Die Kolonie Saigon II – Erotic Empire-Roman)

20Neu 46: Die Transmitterbrücke

(Glossar der Serie „Oki Stanwer – Der Dämonenjäger“)

(20Neu 48: Donnerschlag zwischen den Sternen)

23Neu 103: Zeitflucht

(20Neu 49: Ultimatum an die MACHT)

Anmerkung: Ihr ahnt schon an den dramatischen Titeln, dass diese Serie um Band 50 herum auch einen fulminanten Höhe­punkt erlebte, und diese Vermutung ist zutreffend. Im Rahmen der „Close Up-Artikel“ werde ich euch beizeiten Detaillierteres dazu sagen können. Vorher gilt es allerdings, die KONFLIKTE 17 und 18 durchzunehmen. Da KONFLIKT 19 „Oki Stanwer – Der Missionar“ seit 1991 noch in Arbeit ist, werde ich dann zu der nächsten abgeschlossenen Serie weiterspringen, und das ist eben KONFLIKT 20 „Oki und Cbalon – Das Ewigkeitsteam“. Ich will mich ja nicht selbst in Zugzwang bringen. Dass das nicht funktioniert, habe ich längst erkannt.

(Lexikon der Serie „Oki Stanwer – Der Dämonenjäger)

Ullikummi II – OSM-Story (Überarbeitung)

(Glossar der Serie Kampf gegen TOTAMS Dämonen und Scher­gen)

23Neu 104: DAS INFERNO

Anmerkung: Mit Band 104 ist der fünfbändige Zyklus um den „Krieg der Baumeister“ tatsächlich vollständig in diesem Monat digitalisiert worden. Aber ich schrieb ihn natürlich anno 1992 ursprünglich. Und wenn ihr euch daran erinnert, dass diese Serie erst mit Band 147 abgeschlossen ist, dann könnt ihr euch leicht denken, dass dieser Krieg lange nicht das Ende dieses Dramas war, ganz im Gegenteil. Aber wie abenteuerlich das bis Sommer 1994 noch werden sollte, was sich in dieser Serie ab­spielte, davon hatte ich, als ich damals Band 104 abschloss, wirklich nicht den geringsten Schimmer … ich freue mich sehr darauf, die diesbezüglichen Episoden im Frühjahr 2026 abzu­schreiben. Bis diese Zeilen hier erscheinen, könnte es gut sein, dass das Seriendigitalisat von KONFLIKT 23 abgeschlossen ist … ihr werdet es erleben.

Silvesterblog 2025

(Beas Freund – OSM-Story)

Anmerkung: In dieser Story, die ich völlig neu aufsetzte, so gut voranzukommen, hat mich tatsächlich nicht eben wenig über­rascht. Die Handlungsführung ist nun deutlich verändert, was der Lebhaftigkeit der Geschichte aber zugutekommt. Da ich an­schließend allerdings von der Suyenka-Geschichte weggespült wurde – das kann man wohl kaum anders nennen – , kam ich nicht dazu, hier weiter zu arbeiten … ein Plan für 2026, wie so viele, die ich im Silvesterblog aufgelistet habe.

23Neu 105: Das Siegelspektrum

Anmerkung: Das Monströse schleicht sich gerne mal mit völlig unverfänglichen Titeln an – das hier ist ein schönes Beispiel. Denn das Siegelspektrum ist alles andere als harmlos. Es ist ein Wesen, das man vielleicht eher als gewissenlose Naturgewalt beschreiben sollte. Getarnt durch den Körper eines schmalglied­rigen Mönchs schleicht es sich ins Herz des Nazi-Imperiums auf der Naziwelt und verfolgt monströse Pläne, die das völlige Infer­no im Gefolge haben. Was allerdings hier noch niemand auch nur im Ansatz ahnt …

(Lexikon der Serie Kampf gegen TOTAMS Dämonen und Scher­gen)

(23Neu 106: Die Schergen des Krieges)

(Die Suyenka – Archipel-Roman)

Anmerkung: Tja, und das war dann der Überraschungsgewinner in der zweiten Dezemberhälfte. Der ursprüngliche Plan, einfach nur ein aktualisiertes Digitalisat dieser Geschichte herzustellen, was vielleicht zu einer Volumenvergrößerung um 10-15 Seiten geführt hätte, wurde sofort Makulatur, als ich mit der Neuforma­tierung die Geschichte nicht nur aktualisierte, sondern in Rein­skriptform überführte. Und sie wuchs und wuchs und wuchs … dass es wirklich eine echte Wonne war.

Inzwischen umfasst sie 275 Seiten (davon 198 Reinskriptsei­ten), womit sie annähernd doppelt so lang ist wie ursprünglich. Und ich schreibe hier wirklich goldige Dialoge, vertiefe mich in die Persönlichkeiten meiner Protagonisten und Protagonistin­nen, und jüngst – tatsächlich erst gestern, am 30. Dezember 2025 – traf ich die temperamentvolle Nomadenmutter Tamar, die ihren zweitjüngsten Sohn Alnaay ziemlich ordentlich verbal zusammenfaltet … Gott, ich musste ständig so sehr kichern … hinreißend. Die Sozialdynamik dieser Geschichte ist echt gran­dios. Auf die Weiterarbeit daran anno 2026 freue ich mich mächtig.

Glossar der Story „Ullikummi II“

(Glossar des Romans „Die Suyenka“)

Anmerkung: Dieses Glossar gab es im Ansatz natürlich schon. Aber inzwischen sind hier die ganzen Reinskriptseiten verzeich­net, und es hat sehr an Umfang gewonnen, weil ich zahlreiche Begriffserklärungen aus dem Archipel-Gesamtglossar hierhin überführen konnte. Macht schon richtig was her.

(20Neu 50: ÄONENSTURM)

(23Neu 107: Dämonenjagd)

Blogartikel 682: Work in Progress, Part 157

Damit ist dieser Monat Dezember 2025 abgeschlossen und fer­tig für euch aufbereitet. Ich bin sehr neugierig auf den Januar 2026, von dem ich euch im Blogartikel 686 erzählen werde. In der nächsten Woche erzähle ich euch an dieser Stelle erst mal wieder etwas von den Entwicklungsfortschritten des Autoren-Nachlassarchiv-Projekts. Das könnte 2026 tatsächlich erhebliche Fortschritte machen. So meine aktuelle Hoffnung.

Mehr dazu in Bälde.

Bis bald, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 575: Staub ferner Sonnen

Posted August 26th, 2026 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

manchmal ist es wirklich wunderbar, seinen inneren Schweine­hund zu überwinden. Dabei kann man absolut faszinierende Dinge entdecken. So ging es mir heute, als ich von der heute vorzustellenden Storysammlung die letzten beiden Geschichten fast in einem Rutsch weglas (S. 98-207!). Das hatte ich so nicht kommen sehen … und ihr wisst ja bereits, wenn mein Lesetem­po so rasant anzieht, ist das immer ein äußerst positives Quali­tätsmerkmal.

Hier stimmte das ebenfalls.

Aber was war mit dem inneren Schweinehund? Nun … ich hatte die erste Geschichte schon vor Monaten gelesen, und seither zögerte ich, offen gestanden, mir die anderen (längeren) Ge­schichten auch zu Gemüte zu führen. Ich lenkte mich mit Rezen­sionen in Fanzines, Zeitschriftenaufsätzen und anderem ab.

Da es nun aber nur noch wenige Wochen hin war bis zu dem Zeitpunkt, wo ich dieses Buch für den Rezensions-Blog ohnehin aufbereiten wollte, fing ich also gestern an und schmökerte mich durch „Dodkins Job“ … und war total angefixt. Und der Rest folgte dann heute.

Das, was ihr also nun lest, ist, glaube ich, im Grunde genommen unausweichlich gewesen:

Staub ferner Sonnen

(OT: Dust of far Suns)

Von Jack Vance

Heyne 4202, 1985, 208 Seiten

Aus dem Amerikanischen von Lore Strassl

Mit Innenillustrationen von Hubert Schweitzer

ISBN 3-453-31176-0

Jack Vance ist leider schon lange nicht mehr unter uns. Aber sei­ne Werke haben ihn überdauert und finden sich noch reichhaltig und zumeist ungelesen in den Regalen meiner Bibliothek. Von Zeit zu Zeit überkommt mich dann der Rappel und ich ziehe ei­nes der alten Werke hervor, staune über den Erwerbseintrag und fange an zu lesen.

Und immer wieder bin ich am Staunen. Darüber, wie faszinie­rend und wortmächtig Vance exotische Welten, fremde Spezies und schrullige Zeitgenossen charakterisiert, die seine Geschich­ten bevölkern. Noch viel beeindruckter bin ich davon, wie sehr es ihm mühelos gelingt, die Länge von Geschichten vergessen zu machen und den Leser umstandslos hineinsaugt in die Story­line, aus der man nicht aussteigen kann, ehe man die letzte Zei­le gelesen hat. Diese Storysammlung bestätigt das einmal mehr. Auch wenn sie seit dem Kaufjahr 1989 unmögliche 37 Jahre ungelesen im Regal ausharren musste, ehe ich sie binnen 3 Tagen wegschmökerte.

Staub ferner Sonnen“ enthält entgegen der ersten Erwartung keine Story dieses Titels. Stattdessen haben wir es mit vier Ge­schichten zu tun, die zwischen 1955 und 1962 erschienen sind. Wer jetzt hier arglos „altbacken“ oder „verstaubt“ vor sich hin­murmelt und hochnäsig abwendet, der verpasst ein enormes Lesevergnügen, das sei vorangeschickt.

In der ersten Story, „Raumsegler Fünfundzwanzig“ ist es an der Reihe des Raumveterans Henry Belt, einer Gruppe von Jung­spund-Raumkadetten durch eine Mischung aus Missachtung und haarsträubender Herausforderung Schliff beizubringen. Ich gebe zu, ich war nach der Story doch einigermaßen verstört und zö­gerte ein paar Wochen lang, mich in die nächste Geschichte zu wagen. Vielleicht war das klug, vielleicht nicht.

In „Dodkins Job“ verfolgen wir dann den einfachen Arbeiter Luke Grogatch, der einen beispiellosen sozialen Abstieg hinter sich hat. In einer extrem durchorganisierten Gesellschaft, die bis in kleinste Details durchbürokratisiert ist, ist er so ziemlich am un­tersten Ende der Hierarchie angelangt. Tief unten in den Einge­weiden der Stadt ist er als „Versager/Klasse D/ungelernt“ gerade noch gut genug, Gesteinsschutt einer Tunnelbohrmaschine mit der Schaufel wegzukehren.

Als nun eines Tages eine neue Vorschrift herauskommt, derzu­folge jeder Arbeiter sein Arbeitsgerät jeden Tag gereinigt wieder zum Lager zu bringen und am nächsten Morgen dort abzuholen hat (was Grogatch letztlich drei unbezahlte Weg- und Warte­stunden täglich kosten würde), da begehrt er auf. Auch wenn er weiß, dass er damit womöglich seine allerletzten Privilegien aufs Spiel setzt.

Sein Vorarbeiter ist indes uneinsichtig. Für ihn sieht die neue Richtlinie völlig korrekt aus. Dass sie unsinnig ist, vermag er nicht zu erkennen. Also entschließt sich Grogatch, statt sich kleinlaut dem schikanösen Behördendiktat zu unterwerfen, lie­ber die Hierarchieleiter hinaufzuklettern, von einem Sachbear­beiter zum nächsten, um diese zur Zurücknahme der Vorschrift zu bewegen … eine Odyssee von nahezu kafkaeskem Ausmaß schließt sich an. Und ihr Ende … nun, das sei nicht vorwegge­nommen.

Ullwards Zuflucht“ spielt in einer ebenso völlig überbevölker­ten Welt, in der Raum knapp und immer knapper geworden ist und die Menschen froh sein können, überhaupt noch etwas Pri­vatsphäre zu haben. Familienglück zu planen ist gänzlich ausge­schlossen, auf den Listen stehen buchstäblich Milliarden Men­schen vor unserem Protagonisten. Der 300jährige Ullward, die genannte Hauptperson, ist noch vergleichsweise gut dran, er ist dank eines Patents recht vermögend und hat sich ein etwas grö­ßeres Stück Privatgarten geschaffen mit einem echten Baum darin. Als er aber nun hört, dass ein ganzer PLANET jüngst ver­steigert worden ist, der vollkommene Freiheit und unbegrenzte Raumweite verspricht, da setzt er sich mit dem neuen Besitzer in Verbindung, einem Mann namens Mail … und tatsächlich kann er dann auf der neuen Welt, die Mail gehört, einen ganzen Kontinent sein eigen nennen und seine Freunde – auch wenn das für diese sehr aufwändig ist – dorthin einladen. Aber er merkt rasch, dass irgendetwas Grundlegendes nicht stimmt …

Noch bemerkenswerter fand ich „Die Gabe der Sprache“ am Schluss der Storysammlung. Sie spielt auf dem Wasserplaneten Sabria, auf dem Firmen von schwimmenden Plattformen dabei sind, Lebensformen des Meeres auszubeuten. Manche von ih­nen werden künstlich gezüchtet, damit sie im Meerwasser ge­löste Substanzen aufnehmen und einlagern. Beim Wiedereinfan­gen und Schlachten der Organismen werden die Substanzen dann freigesetzt und gesammelt. Zwei Firmen sind dicht neben­einander angesiedelt: Biomineral mit seinem Chef Fletcher ein­mal, zum anderen die Pelagische Wiedergewinnungsstation un­ter ihrem Investor Ted Chrystal, der früher mal für Biomineral gearbeitet hat.

Ach ja, und dann gibt es natürlich auch noch die Dekabrachen … sonderbare Meereslebewesen, die manche mit Nixen verglei­chen, wobei sie zehntentakelige Kopfanaloga besitzen, die sie unbeschreiblich fremdartig machen. Nach Forscherangaben handelt es sich bei ihnen um fischartige endemische Lebensfor­men. Intelligenz ist keine nachgewiesen worden. Und mehr ist für die Arbeiter an der Meeresoberfläche nicht wichtig.

Als allerdings bei Biomineral ein Mitarbeiter spurlos verschwin­det und Fletcher bei der Suche nach ihm fast von einer Art Mee­restentakel in die Tiefe gezerrt wird, beginnt er argwöhnisch zu werden.

Sind die Dekabrachen tatsächlich unintelligent? Warum kommt ihm das zunehmend unplausibel vor? Weshalb wurden Teile der Datenprofile dieser Spezies gelöscht? Und was hat Ted Chrystal zu verbergen? Bald beginnt Fletcher zu verstehen, dass hier schreckliche Dinge vor sich gehen – und es gibt offenbar nur eine Möglichkeit, diesen Geschehnissen einen Riegel vorzu­schieben: Er muss versuchen, mit diesen sonderbaren Wesen Kontakt aufzunehmen. Und ihm läuft die Zeit davon …

Wie eingangs gesagt ist es wirklich erstaunlich, wie lebendig und packend, bisweilen nachgerade grotesk-absurd (Dodkin) diese Geschichten sind, die schon zum Teil über 60 Jahre auf dem Buckel haben. Mich erinnern sie auf schöne Weise an die Klassiker von Ray Bradbury. Und einige der Themen sind ja auch wirklich zeitlos – Erstkontakte mit wirklich fremdartigen Aliens etwa sind bis heute etwas, was die Science Fiction stark berei­chert, wenn sie gut dargestellt werden. Und auch die bizarren Auswüchse einer Hyperbürokratie, in der alle ohne Hinterfragen selbst die absurdesten Vorschriften ausführen (Hauptsache, die Formulare wurden richtig ausgefüllt und sind rational absolut nachvollziehbar), kann man wohl mit Fug und Recht zeitlos nen­nen. Merke: Das Thema Bürokratieabbau und Obrigkeitshörig­keit ist nichts Neues, das gab es in den 50er Jahren auch schon – ebenso wie scharfzüngige Autoren, die diese Missstände unge­niert mit Hilfe der Abstraktion in einer phantastischen Geschich­te an die Öffentlichkeit brachten.

Ganz klar: Jack Vance und seine Kurzgeschichten lohnen defini­tiv eine Neuentdeckung! Klare Leseempfehlung, auch wenn man diesen Band nur noch antiquarisch erwerben kann.

© 2026 by Uwe Lammers

In der kommenden Woche folgt noch ein Nachschlag zum Re­zensions-Blog 572. Und das ist dann wirklich auch das letzte Werk, das ich von dem Autorenduo Vina Jackson lesen werde. Schaut es euch an und haltet die Finger davon fern. Die Rezen­sion kann man sich aber antun, glaube ich.

Soviel als kleine Vorwarnung. Ansonsten wünsche ich euch alles Gute und bis demnächst, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde des OSM,

ich weiß, das war schon etwas garstig, euch so lange auf die Fortsetzung dieser Rubrik warten zu lassen, aber es ging eben nicht anders. Immerhin gibt es einen Redaktionsplan einzuhal­ten, der seit Blogartikel 600 klar sagt: alle 10-11 Blogartikel stelle ich einen unveröffentlichten Roman vor, und wenn es sich dabei dann um Zweiteiler handelt, liegen zwischen Teil 1 und 2 eben rund 10 Wochen. So lange müsst ihr dann den Cliff-hanger aushalten. Das wird sich wiederholen, ich kündige das hier schon mal sicherheitshalber an.

Erinnern wir uns an das, was im vergangenen Teil dieser Artikel­serie passierte. Ich stellte da das zweite Romanskript der Serie „Mike Cole“ vor, und es ging da, sechs Handlungsjahre nach dem ersten Band der Serie, im Jahre 2253. Der Lepsonias-Fall (Blogartikel 659) schien abgeschlossen zu sein … doch das er­wies sich als Irrtum:

Im Jahre 2253 entwickelt sich im Geheimen eine Verschwörung gegen das terranische Sternenreich. Drahtzieher ist der sinistre Herrscher von Lepsonias, aber er hat sechs Mitstreiter ge­wonnen, die aus dem Schatten wirken. Wir haben einen rätsel­haften Unbekannten, der sich als Flammenschemen tarnt und Mike Cole in eine Todesfalle lockt, die ihn direkt zusammen mit dem TS-Chef Jean Donnet und der TS-Agentin Barbara Gryde in die Hände des nächsten Verschwörers schickt: den unehren­haft entlassenen General a. D. Francis York, inzwischen sei­nes Zeichens Raumpirat.

Der Finanzier der Verschwörung ist der Magnat Victor Tyrell in seiner Wohnfestung im Erdorbit. An seiner Seite ist der durch genetische Waffen verkrüppelte Ex-Agent Aescyla, kurz Ace genannt. Ein weiterer Mitverschwörer ist der Mutant Paul Co­teur, ein Mann vom Kolonialplaneten Linden, der die terrani­sche Gesellschaft hasst. Er arbeitet zusammen mit dem krimi­nellen Wissenschaftler Douglas Frances, der wegen verbre­cherischer Experimente auf der Flucht ist.

Der Herrscher von Lepsonias verstärkt mit seinen monströsen paramentalen Kräften Coteurs Maschine, mit deren Hilfe er die Seelen von Betroffenen extrahieren und durch den Raum in an­dere Körper implantieren kann. Auf diese Weise wird Mike Coles Seele einer Achterbahnfahrt des Schreckens unterworfen.

Derweil attackieren Yorks Raumpiraten die terranischen Stütz­punkte auf Lepsonias, und der Herrscher des Planeten nimmt Professor Abraham Müller von der Bio-Bewegung ebenso ge­fangen wie die leitenden Beamten des Holzfäller-Lagers. Dann umgibt sich der Planet mit einem massiven paramentalen Schutzschild und ist nicht mehr erreichbar.

Mike Coles Seele, derzeit erinnerungslos, findet sich wieder im Körper eines Mannes auf dem Mond Arctic einer entfernten Ko­lonialwelt namens Zhyor wieder, wo er damit droht, Nuklear­waffen auf den Planeten abzuschießen.

Kurzum: Es sieht richtig furchtbar aus.

Und nun erklärt Lepsonias, der sich als ein lebender Planet er­weist, dem terranischen Reich den Krieg …!

Die Verschwörer scheinen am Beginn dieses Bandes wirklich alle Trümpfe in der Hand zu haben. Niemand kennt den gehei­men Stützpunkt der Raumpiraten Yorks, in dem die meisten un­serer Protagonisten in Haft sitzen. Barbara Gryde wurde para­mental zudem schon so beeinflusst, dass sie zu einer Raumpira­tin „umerzogen“ werden soll.

Das ist der Moment, wo einer der Gefangenen über sich hinaus­wächst – ausgerechnet der gemütlich wirkende, joviale Chef des Terranischen Sicherheitsdienstes (TS), Jean Donnet. Während Lepsonias mit seinen paramentalen Kräften auf dem Mars ein Massaker anrichtet und Tausende von Raumsoldaten auslöscht, befreit sich Donnet aus seiner Zelle und versucht, sich eine Übersicht über die Lage zu verschaffen.

Zu seiner Überraschung führt ein Vertikallift aus der unterirdi­schen Höhlenfestung der Raumpiraten heraus. Aber er führt nicht an die Oberfläche, sondern in eine oberflächennahe Kaver­nenzone, die sich als ein Labyrinth von Gängen und Hallen er­weist, die Zeugnisse einer uralten Alienkultur enthalten. Hier hat Donnet Kämpfe mit Raumpiraten auszustehen … und dann wird er im Labyrinth der Gänge mit einer unheimlichen para­mentalen Macht konfrontiert, die Menschen einfach so von ei­nem Moment zum nächsten in Rauch auflösen kann.

Nach einem schrecklichen Wechselbad induzierter Gefühle kom­munizieren diese lange schlummernden Wesen mit Donnet. Sie sind, erklären sie, die Keer’yav. Wissende nennen sie auch „die Gefährlichen Toten“, die alles attackieren, was nicht so ist wie sie – also eine vergeistigte Entität. Sie machen auch keinen Hehl daraus, dass Donnet als Feind von ihnen eingestuft wird.

Dennoch lassen sie ihm in Maßen Unterstützung angedeihen, weil sie wünschen, dass die menschliche Präsenz auf ihrer Hei­matwelt endet.

Und dann erkennen sie in Donnets Gedanken, dass die Mensch­heit sich mit dem Herrscher von Lepsonias angelegt hat … und es wird ersichtlich, dass die Keer’yav Lepsonias und Wesen sei­ner Art aus der Zeit eines uralten Sternenkrieges sehr gut ken­nen.

Die Gefährlichen Toten schelten Donnet stellvertretend für die Menschheit aus. Es sei absolut unverantwortlich, die alten Schrecken der Vergangenheit zu wecken, und es würde wahr­scheinlich nun zum Ende des irdischen Imperiums führen … doch für den Moment geben die Keer’yav den positiven Kräften der Menschheit Rückendeckung.

Alsbald zeigt sich, wie weit die ungeheuerliche Macht der Keer’yav reicht: Sie transmittieren Mike Cole direkt vom fernen Mond Zhyor zurück zur Korsarenwelt. Außerdem vereiteln sie ei­nen weiteren Anschlag des Herrschers von Lepsonias, der dar­aufhin die Natur des neuen Feindes sogleich ebenfalls erkennt – und York ultimativ auffordert, den akut gefährdeten Stützpunkt zu räumen. Dieser gehorcht eher widerwillig.

Auch Douglas Frances, dessen Seelentransplantations-Maschine durch die Keer’yav kurzgeschlossen wird und nicht mehr ein­setzbar ist, muss seinen Stützpunkt auf der Wasserwelt Cynt aufgeben. Er ist ebenfalls nicht begeistert davon.

Mike Cole trifft, zurückgekehrt auf die Korsarenwelt, auf einen herkulischen Killer, der Arne gerufen wird und ihn im Zweikampf beinahe umbringt. Allein York verhindert das und will ihn lieber selbst liquidieren … was nicht gelingt, da Jean Donnet im letzten Moment erscheint.

Doch die Hoffnung, nun wenigstens einen der Rädelsführer ge­fasst zu haben, ist trügerisch. Der Herrscher von Lepsonias transmittiert York vor ihren Augen davon. Und dann müssen die beiden Freunde auch schon flüchten, ehe der Stützpunkt in die Luft fliegt. Sie entkommen nur um Haaresbreite.

Zwischenzeitlich hat der Herrscher von Lepsonias allerdings den Erdpräsidenten ermordet, und ein Geschwader von Schiffen der Raummarine über Lepsonias ausgeschaltet. Allein an Mike Cole und Donnet prallt der Paraangriff ab, da die Keer’yav sie noch immunisieren.

Und dann … löst sich zu ihrem großen Unglauben der gesamte Planet Lepsonias auf und transmittiert sich fort, als wäre er selbst ein Raumschiff!

Mike Cole versucht danach, zumindest den einflussreichsten Rä­delsführer, den Medienmogul Victor Tyrell, dingfest zu machen. Aber ihm wird desillusionierend erklärt, dass es keine handfes­ten Beweise gegen Tyrell gibt.

Am Schluss stehen die Freunde also fast wieder am Anfang: der lebende Planet Lepsonias, eine Macht aus der uralten Vergan­genheit, die den Untergang des irdischen Sternenreichs wünscht, ist unbekannt verschwunden. Mit Tyrell, Douglas Fran­ces und General York sind drei der sechs Verschwörer gegen die Menschheit bekannt. Einer ist juristisch offenbar unangreifbar, die anderen beiden untergetaucht. Und von den restlichen drei Feinden weiß ohnehin noch keiner. Barbara Gryde ist verschol­len, alle Menschen auf Lepsonias tot. Und mit den Keer’yav ist eine weitere Alien-Macht aus der Urzeit aufgetaucht, die defini­tiv feindselig und so machtvoll wie der Herrscher ist.

Außerdem sind rätselhafte Fragen aufgetaucht.

Was ist das für ein Krieg vor Urzeiten gewesen, der in der Gala­xis getobt hat? Was für Kräfte, Völker und Personen waren daran noch beteiligt außer den lebenden Planeten a la Lepsonias und den Keer’yav? Was ist das für ein geheimnisvolles „Kosmos-Tor“, das die Keer’yav einst durchschritten und das ihnen ihre heuti­ge Macht verliehen hat?

Außerdem hat sich auch eine Facette der biografischen Vergan­genheit bei Jean Donnet gezeigt, die noch Konsequenzen zeiti­gen wird: Er ist vor Jahrzehnten, während des furchtbaren Ge­netischen Krieges zu einem Genetischen Krieger ausgebildet worden. Und er fürchtet, dass noch wesentlich mehr Personen aus jener Zeit – man könnte sie die Nazis des frühen 23. Jahr­hunderts nennen, nur dass sie massive Genoptimierung und die Perfektionierung genetischer Vernichtungswaffen betrieben – unerkannt in der menschlichen Gesellschaft leben.

Er sorgt sich mit Recht darum, dass diese Leute sich mit der Overkill-Verschwörung verbünden könnten, um eine neue Feind­front innerhalb des Imperiums aufzubauen. Jean Donnet wird bald erkennen müssen, dass diese Sorge alles andere als sub­stanzlos ist.

Ihr merkt: Es bleibt heftig abenteuerlich. In acht Wochen erfahrt ihr mehr. Nächste Woche erzähle ich euch von meiner Kreativausbeute des Monats Dezember 2025.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 574: Perfect Touch 3 – Ergeben

Posted August 19th, 2026 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

Milliardäre wachsen nicht auf Bäumen, soviel sollte uns allen klar sein. Serien, also, in denen reihenweise ledige Milliardäre auf humorvolle, originäre Weise unter die Haube gebracht wer­den, oftmals mit Partnerinnen, die scheinbar so überhaupt nicht passen, landen notwendigerweise darum in der Kategorie Ko­mödie. So ist das auch mit Jessica Clares Serie „Perfect Touch“, deren dritten Band ich euch heute vorstellen und ausdrücklich als Lektüre empfehlen möchte.

Wer diese Serie und ihren Vorgänger „Perfect Passion“ schon kennt, wird vermutlich kaum sehr überrascht sein, dass ich ihn mit viel Gekicher und großem Vergnügen in Rekordtempo weg­geschmökert habe. Diesmal vielleicht noch mehr, weil wir faszi­nierend bizarre Widersprüche darin finden können.

Auf der einen Seite eine Reality-TV-Parallelwelt, auf der anderen Seite eine zutiefst traumatisierte Frau mit jeder Menge Proble­men (die man ihr nicht ansieht). Und als dann eine Scheinehe arrangiert werden soll, tauchen noch mehr Probleme auf … aber schaut euch das lieber mal selbst genauer an.

Vorhang auf für:

Perfect Touch 3 – Ergeben

(OT: The Billionaire takes a Bride)

von Jessica Clare

Bastei 17578

336 Seiten, TB (2017)

Aus dem Amerikanischen von Kerstin Fricke

ISBN 978-3-404-17578-9

Wer Fan von Reality-TV-Shows sein sollte, für den ist diese Ge­schichte wohl eher nichts. Wer hingegen Familienshows wie die der Kardashians für eine recht absurde Entartung des modernen Fernseh-Entertainments ansieht, könnte sich hiermit sehr gut unterhalten. Da ich mich selbst eher zu letzterer Fraktion rech­ne, konnte ich mich mit dem vorliegenden Roman gut anfreun­den – umso mehr, als er ein paar wirklich sensible gesellschaftli­che Bereiche tangierte, wie das meist mit Jessica Clares Bü­chern der Serien „Perfect Passion“ und „Perfect Touch“ der Fall ist. Wer die bisher acht Bücher der Reihen gelesen hat, wird die­se Anspielung gewiss richtig einzuordnen wissen.

Worum also geht es im vorliegenden Buch? Natürlich um einen Milliardär und eine Frau, soviel steht von Anfang an fest. Aus­gangspunkt ist, wie schon in „Perfect Touch 1“, die in Planung befindliche Hochzeit von Gretchen Petty und ihrem Geliebten, dem narbigen Milliardär Hunter Buchanan. Wie erinnerlich hat sie dazu eine Reihe von Freundinnen als Brautjungfern auserko­ren und aus Hunters Bekanntschaft die passenden „Matches“ dazu gesucht. Auf diese Weise kam bereits Magnus Sullivan („Perfect Passion 2“) unter die Haube. Nun ist die Reihe am nächsten Kandidaten.

Der junge und sehr gut aussehende Sebastian Cabral ist eigent­lich eher unverhofft Milliardär geworden, ohne dafür ein erfolg­reiches eigenes Unternehmen zu besitzen. Er ergibt sich dem Müßiggang, ist Hunters Kletterkollege beim Climbing, und an­sonsten versucht er nach besten Kräften, seiner eigenen Familie aus dem Weg zu gehen, die ihn ohnehin nicht so akzeptiert, wie er ist. Infolgedessen macht er aus seinen wichtigsten Wesens-zügen ein Geheimnis und verschließt sie sorgfältig vor der Außenwelt, um nicht durch herablassende Kommentare verletzt werden zu können.

Sebastian hat guten Grund, so zu reagieren. Denn seine Familie, allen voran seine Mutter, ein ehemaliges Model namens Eliza­beth Cabral, ist inzwischen wieder eine Berühmtheit – auch das kam eher unerwartet. Nachdem ihr Stern im Anschluss an die Heirat und Familiengründung im Sinken begriffen war, sie dies aber nicht als unabwendbares Schicksal akzeptieren wollte, hat sie damit begonnen ihre eigene Reality-TV-Show zu realisieren, „The Cabral Empire“.

Selbst ihr Sohn Sebastian war völlig überrascht davon, dass die­ses TV-Format so einschlug. „The Cabral Empire“ ist ein un­glaublicher Quotenrenner, und quasi jede Minute ihres Lebens wird Elizabeth Cabral von Kameramännern und Mikrofonen be­gleitet. Privatsphäre? Unbekannt. Jeder, der sie besucht, wird in die Serie eingemeindet. Jeder, mit dem sie sich blicken lässt, wird in die Serie eingemeindet. Alles wird als Event zelebriert und gesendete.

Als „Mama Precious“ vermarktet sie so ihr ganzes Leben, ihre Schönheits-OPs, ihren alten und etwas hinfälligen Mann, den achtzigjährigen portugiesischen Milliardär, der in der Show „Daddy Money“ genannt wird, und auch den Rest der Familie. Sebastians Geschwister sind vollkommen eingemeindet, dito seine vormaligen Anwälte (!), und inzwischen versucht auch sei­ne frühere Freundin Lisa Pinder-Schloss, sich einen festen Platz in der Serie zu erobern.

Sebastian will mit alledem rein gar nichts zu tun haben!

Mit Lisa hat Sebastian schon vor zwei Jahren Schluss gemacht, weil er diese in absurde Schönheitsoperationen vernarrte Frau einfach nicht mehr ertragen konnte – jetzt aber macht ihn sein Anwalt darauf aufmerksam, dass die neue Storyline der Show darauf abzielt, Sebastian und Lisa wieder zusammenzubringen. Was das Allerletzte ist, was er will.

Er sucht einen Ausweg.

Der Zufall will es, dass dieser Ausweg geradewegs auf ihn war­tet, und zwar in Gestalt der bildhübschen Chelsea Hall, einer jungen und eher nicht so erfolgreichen Seifensiederin in New York, der er auf Gretchens Hochzeitsvorbereitungstreffen als Tischpartner zugeteilt wird. Sie scheint tatsächlich absolut per­fekt zu sein, weil sie sich von Anfang an sympathisch sind … aber Chelsea verhält sich in mancherlei Hinsicht sehr seltsam.

Sie trinkt niemals Alkohol.

Sie fühlt sich in Gruppen von fremden Menschen höchst unwohl und verkriecht sich in eine Ecke des Raumes.

Sie lässt Tag und Nacht jedes erdenkliche Licht in der Wohnung an.

Und sie hat beunruhigende blaue Flecken und andere Blessu­ren, die Sebastian bei der ersten Begegnung auf einen gewalt­tätigen Freund zurückführt.

Er liegt vollkommen falsch.

Allein um den Nachstellungen seiner penetranten Familie zu entgehen, schlägt Sebastian ihr kurze Zeit später spontan vor, sie könnten ja heiraten. Denn dann müsse Lisa ihre Versuche offenkundig aufgeben (worin er sich täuscht). Chelsea ist an­fangs verdattert und verstört, aber als sie sich darauf einigen, dass das eine Scheinehe mit einer Dauer von zwei Jahren sein soll und Sex explizit ausgeschlossen ist, beginnt ihr die Idee zu­zusagen.

Dass das erst recht sehr beunruhigend ist, fällt Sebastian erst später auf.

Dass sie primär deshalb darin einwilligt, weil ihr zuhause fast buchstäblich die Decke auf den Kopf fällt und sie Panikattacken erleidet, begreift Sebastian erst deutlich später. Dass sich ihr Wesen vollständig verändert, wenn es um sie herum dunkel wird und keine Lichtquelle in der Nähe ist, stellt er fest, als auf ihrer Hochzeitsreise in New Orleans das Licht ausfällt und er ei­nen ihrer Panikanfälle hautnah miterlebt.

Spätestens von dem Moment an ist ihm klar: seine süße Chel­sea, seine Ehefrau auf Zeit, hat ein dunkles, traumatisches Ge­heimnis, über das sie aber auch nicht reden will. Und ein weite­res Problem kommt schnellstens hinzu: die Scheinehe soll abso­lut platonisch sein, ja? Für Chelsea ist das in Ordnung. Aber Se­bastian entdeckt sehr rasch, dass er ein gottverdammter Heili­ger sein muss, wenn er Sex kategorisch ausklammert, wie er es versprochen hat. Wie zum Teufel soll das gehen, wenn sie sich jede Nacht warm an ihn kuschelt und um den Verstand bringt …?

Und warum empfindet sie selbst dabei rein gar nichts …??

Mit dem vorliegenden Roman streift die Autorin die unheimli­chen und verstörenden Tiefen posttraumatischer Störungen nach sexuellen Übergriffen – nicht erst seit den Zeiten der „#MeToo“-Debatte ist dieses Thema von enormer Bedeutung, und die hier vorhandenen Dunkelziffern dürften beträchtlich sein. Das liegt einfach nahe – ganz so wie in Chelseas Fall schä­men sich viele Opfer, über diese grässliche Erfahrung zu spre­chen, und die mitunter wirklich sexistischen Vorurteile meist männlicher Zuhörer in diesen Fällen („Sie hat es doch offen­sichtlich gewollt …“) machen die Aufarbeitung dieses Traumas nicht leichter.

In Chelseas Fall verbindet sich das – durchaus nicht unplausibel – letzten Endes mit einer Form von Fetischismus und zweiter Identität, die mich ein wenig an amerikanische Superheldenco­mics erinnerte. Man kennt solche Sujets etwa von Superman. Im zivilen Leben als biederer, schüchterner Clark Kent unterwegs, als Superman alias Kryptonier Kal-El hingegen furchtlos, uner­messlich stark und bereit, sich in jedwede Gefahr zu stürzen. Sehr ähnlich läuft das im Fall Chelsea, nur geht das bei ihr in den Sportbereich, und das auf eine sehr vergnügliche Weise.

Auch wenn mir die Lösung in diesem Fall ein wenig schematisch vorkam, fand ich die Art und Weise, in der die Autorin Chelseas Trauma feinfühlig ausformulierte, sehr passend. Dies dann noch mit der schrillen Reality-TV-Show zu kombinieren, das passte ir­gendwie sehr gut zusammen.

Ein äußerst kurzweiliger Roman, romantisch wie immer, und be­völkert von durchaus lebendigen und sympathischen Charak­teren. Es gibt eigentlich nur eine Schwierigkeit, die übrigens auch auf „Perfect Passion 2“ zutrifft: indem Clare dort immer wieder auf ein paar weitere Personen anspielt – namentlich auf Greer und Taylor und ihre männlichen „Matches“ – , greift sie der Handlung von „Perfect Passion 4“ und „Perfect Passion 5“ vor. Es gibt infolgedessen hier auch eine Inhaltsüberlappung mit Band 2 der Reihe.

So pfiffig es also auch für die Autorin ist, neue Milliardäre aus dem Hut zu zaubern (und neue Frauen), indem sie gewisserma­ßen Gretchens und Hunters Freundeskreis „plündert“, so wirkt das doch ein bisschen mehr gestellt als noch in „Perfect Passi­on“. Da es indes ebenso unterhaltsam ist, würde ich dies für ei­nen lässlichen Fehler halten, der beim stürmischen Lesen der Bücher kaum weiter auffällt.

Klare Leseempfehlung daher.

© 2019 by Uwe Lammers

In der kommenden Woche geht es zurück in kosmische Weiten. Ich bespreche einen schon etwas angestaubten Storyband eines weiteren phantastischen Literaten, der leider ebenfalls schon lange von uns gegangen ist. Seine Geschichten gehören aber meines Erachtens zum bleibenden und lesenswerten Kulturerbe der Menschheit.

Näheres in sieben Tagen an dieser Stelle.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Blogartikel 680: Close Up: Der OSM im Detail – Teil 77

Posted August 15th, 2026 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

wir nähern uns, wie ihr deutlich im Rahmen dieser Ereignisse der Close Up-Beiträge erkennen könnt, dem dramatischen Finale des KONFLIKTS 17 „Drohung aus dem All“. Genau genommen werde ich in Teil 78 dieser Artikelreihe den Schlussakkord dieser Serie darstellen, um dann im 79. Teil in ein neues Universum mit euch aufzubrechen, das ihr im Rahmen der Fehlerlese schon seit langem in kleinen Ausflügen kennen lernen konntet. Die Rede ist dann von KONFLIKT 18 „Kampf gegen TOTAMS Dämo­nen und Schergen“. Da geht es dann nicht mehr um Raum­schlachten und interstellare Abenteuer, sondern wird sehr viel bodenständiger werden … wie gesagt, das ist die nahe Zukunft dieser Artikelreihe. Der Startpunkt dafür wird der 1. November 2026 sein.

Heute kehren wir zurück in die Galaxis Milchstraße und die dor­tige chaotische Situation.

Kurzes Resümee: Die Dinge stehen außerordentlich schlecht für die überlebenden Terraner und alle Wesen, die mehr und mehr auf den finalen Waffengang mit der Macht TOTAM zutaumeln. Die Erde und das irdische Sternenreich sind, zunächst von den All-Hütern überrollt, schließlich von TOTAMS Streitkräften restlos untergepflügt worden. Inzwischen ist das solare System in den herandrängenden kosmischen eisigen Fluten der SCHWARZEN MAUER TOTAMS untergegangen.

Auch das Reich der Sylons – bekanntlich waren das von den All-Hütern evakuierte Terraner, die mit der neuen Identität als Va­sallen des Roboterreiches im Sylonak-System angesiedelt wur­den – ist dem Ansturm der Micaroii-Invasion erlegen. Z-NULL, die leitende Instanz der All-Hüter, hat sie im Stich gelassen.

Der Grund dafür lag in der Tatsache, dass das Zentrum des All-Hüter-Reiches, das Zhuor-System, von TOTAMS Invasionstrup­pen entdeckt wurde. Ursächlich verantwortlich dafür war die Leuchtende Flotte der Lichtmächte, die unter Leitung von Klivies Kleines dieses Versteck entdeckte und die Invasoren unabsichtlich anlockte.

Hier ist Kleines nun in die Gewalt des völlig gestörten ZYNEEGHARS NULL geraten, während Ekkon, der Ritter vom Goldkristall, auf dem Planeten Zhuor mit der Untergrundorganisation der Qoon konfrontiert wurde und bei dem Versuch, Kleines zu Hilfe zu eilen, auf einem Transmittertransit spurlos verschwunden ist.

Auch anderwärts sieht die Lage nicht rosig aus. Oki Stanwers Rontat-Schiff STAR ist in die Gefilde des Wahnsinns verschlagen worden und letzten Endes ein Wrack. Ihnen bleiben nur noch 190 Stunden Lebenszeit, wenn sie nicht rasch eine Rettungs­möglichkeit finden.

Und im Fünf-Planeten-Wall, der letzten Stufe des Dreier-Weges zum Versteck der letzten Rontat, geht die planetare Vernich­tungsautomatik gegen die schon vor Wochen hier gestrandeten Terraner vor.

Wahrlich, es sieht gar nicht gut aus. Und die SCHWARZE MAUER verschlingt gnadenlos immer weitere Teile der Galaxis und steht kurz vor dem Zhuor-System …

Episode 61: GREW!

(1986, digitalisiert 2011)

Vorbemerkung zum Titel: Hieran merkt man mein damals man­gelhaftes Englisch, denn ich konnte mir das Wort für „Grab“ (= Grave) einfach nicht gescheit merken und betitelte die Episode konsequent falsch. Sorry, folks. Der Fehler ist leider amtlich ze­mentiert.

Handlungsort: Fünf-Planeten-Wall

Die terranischen Erkundungsschiffe FOX und MÜNCHEN, die ei­gentlich unterwegs waren, um mit den überlebenden Hekaro­nern den Augenstern ausfindig zu machen und das Bündnis zwi­schen Hekaronern und Terranern zu festigen, sind auf der Fünf-Planeten-Anlage der Rontat gestrandet und am langsamen Ver­dursten. Dass sowohl das Reich der Hekaroner wie das irdische Sternenreich nicht mehr existieren, weil sie in den vergangenen zwei Monaten ausgelöscht wurden, wissen sie nicht.

Auf der Suche nach Wasser entdeckt ein Trupp der Gestrande­ten ein havariertes Raumschiff, und der Matrose Franklin O’Connel hört eine mentale Stimme, die ihn ruft. Sie finden in dem Wrack, eingeschlossen in eine gläserne Rettungskapsel, ein monströses Wesen, das sie befreien.

Der riesenhafte sechsarmige Alien hört auf den Namen Soffrol und bezeichnet sich als Rächer von Breeth-Fgahn!

Tja, das mag für euch mal wieder eine nette Überraschung sein, für mich war das 1986 noch mehr eine, zumal ich ja keine Ah­nung hatte, was Soffrols direkte Vorgeschichte im KONFLIKT 16 „Oki Stanwer – Der Mann aus dem Nichts“ war. Ich hatte zum damaligen Schreibzeitpunkt in dieser Serie erst etwa Band 10 erreicht. Dass Soffrol die Flucht aus dem KONFLIKT-Universum 16 gelang, konnte ich tatsächlich erst 1998 darstellen, also ge­schlagene 12 Jahre später. Ihr, die ihr im Rahmen der Close Up-Beiträge den OSM in der chronologischen Abfolge zu sehen be­kommt, seid da sehr viel schlauer und wisst natürlich, was Soffrol in KONFLIKT 16 sich so alles geleistet hat.

Nun ist der unheimliche Überlebenskünstler also wieder da.

Er kommt genau im richtigen Moment – die Robotgehirne der verwüsteten Rontatstädte machen mobil gegen die gelandeten Terraschiffe und schicken Panzerarmeen aus … Panzer, die aus dem nahezu unzerstörbaren Ultrasav gebaut wurden und gegen die terranische Waffen völlig nutzlos sind!

Um die Lage noch zu dramatisieren, unternehmen TOTAM-Schlachtschiffe einen weiteren Vorstoß in den Fünf-Planeten-Be­reich.

Der Tod klopft an die Tür …

Episode 62: Die Spur der Rontat

(1986, digitalisiert 2011)

Schauplatz: Gefilde des Wahnsinns

Obgleich ich in Band 61 „Ende des ersten Teils“ schrieb und man erwarten sollte, dass die Handlung dort nahtlos in dieser Episode weitergeht, ist dies nicht der Fall. Stattdessen wird um­geblendet zu Oki Stanwer und seinen Freunden, die im bizarren violetten Kosmos gestrandet sind und hier versuchen, eine Überlebensmöglichkeit zu finden.

Die Ghosts, also die Beiboote der STAR, sind noch einsetzbar, und bei Spähflügen in die Umgebung erreicht der TERAB-Agent Samed Kisan ein fremdes Rontat-Kastenschiff, in das sein Ghost einfliegt und sich dann kurzerhand abschaltet.

Terry Jones, der ebenfalls in einem Ghost unterwegs ist, stößt auf noch etwas Sonderbareres – auf einen surrealen Planeten, der zu seinem Unglauben Würfelform besitzt! Dies ist – realchro­nologisch – das erste Mal, dass die so genannte Würfelwelt in Erscheinung tritt. Ich verrate an dieser Stelle schon einmal so­viel: Ihr werdet davon in KONFLIKT 18 noch erheblich mehr hö­ren.

Der veränderte Weelon Meltrag, seines Zeichens – wie Terry Jo­nes – Helfer des Lichts – ist ebenfalls unterwegs und ermittelt mit Hilfe seines Ghost-SELAG, dass das Kontinuum, in dem sie sich befinden, eindeutig ein Kunstkosmos sein muss, das seinen Ursprung offenbar auf die Rontat zurückführt.

Auch Oki Stanwer, gleichfalls in einem Ghost auf Erkundungs­tour, trifft auf ein Rontat-Kastenschiff. Doch hier wird er von Rontat-Robotern attackiert und in die Enge getrieben.

Samed Kisan trifft zu seiner nicht eben geringen Verblüffung in der Zentrale des Rontat-Schiffes auf ein lebendes Wesen. Zur Überraschung vermutlich auch der Leserschaft handelt es sich um Ekkon, den verschollenen Ritter vom Goldkristall. Er befin­det sich – leider habe ich mir damals nicht die Zeit genommen, das hinreichend zu begründen – angeblich schon seit 20 Tagen an Bord des Rontat-Schiffes, das zu einer ganzen Armada glei­cher Raumer gehört, die hier offenbar „geparkt“ wurden. Er ist es dann auch, der Oki Stanwer vor dem sicheren Tod durch die Rontat-Roboter rettet und zu sich holt.

Terry Jones wird inzwischen beim Anflug auf die Würfelwelt davon informiert, dass sich sowohl der Violettraum als auch die Würfelwelt augenscheinlich im Innern der SCHWARZEN MAUER befinden – und sich das Kontinuum allmählich immer mehr zu­sammenzieht. Und dann zerbirst der Ghost des Commanders hoch über der Würfelwelt!

Oki Stanwer tauscht sich derweil mit Ekkon aus und wird auf eine glühende Kugel aufmerksam, die in der Zentrale des Ron­tat-Steuerschiffes zu sehen ist – sie enthält augenscheinlich ei­nen kleinen Teil der realen kosmischen weißen Matrix. Ein ge­heimnisvolles Wesen meldet sich stimmlich und gibt sich zwar nicht zu erkennen, aber es erklärt, der Lenker dieser giganti­schen Rontat-Schiffsflotte zu sein, die 250.000 Raumschiffe um­fasst.

Der Lenker rettet noch einen Großteil der STAR-Besatzung, ehe das Schiff sich selbst zerstört. Doch nun sind Oki Stanwer, Ek­kon und die überlebenden Freunde offensichtlich in der Gewalt eines weiteren rätselhaften Wesens.

Ekkon mutmaßt, dass das geheimnisvolle Wesen niemand ande­res sein kann als der LEUCHTENDE, der amtierende Matrixkoor­dinator … aber er irrt sich.

Der LEUCHTENDE ist inzwischen im Moloch-System aktiv gewor­den und hat die dortige Rontat-Station, die die STAR in die Gefil­de des Wahnsinns schleuderte, zerstört. Aber er ist mit den wir­ren Verhältnissen der Gegenwart vollständig überfordert und blickt nicht mehr durch.

Kurz darauf verlässt die gigantische Armada das violette Konti­nuum und materialisiert im letzten System des Rontat-Dreier-Weges: Unter dem Augenstern und damit direkt über dem Fünf-Planeten-Wall, wo laut der körperlosen Stimme der letzte Halt erfolgen soll … ehe die Flotte dann direkt Kurs auf den Plane­ten TOTAM nehmen wird!

Episode 63: Der Weelon-Killer

(1986, digitalisiert 2011)

Fortsetzung von Band 62, Handlungsort: Fünf-Planeten-Wall

250.000 Raumschiffe der Rontat fallen im System des Fünf-Pla­neten-Walls aus dem Überraum zurück und steuern das einstige Wohnsystem der Rontat an … ein System, in dem die planeta­ren Robothirne fehlgeschaltet sind und ihre Erschaffer ermordet haben. Sie entwickeln die bizarre Paranoia, die Rontat-Schiffe kämen, um sie für ihren mörderischen Verrat zu bestrafen, und so machen sie mobil gegen die anfliegende Flotte!

Währenddessen tobt auch auf der Oberfläche der Überlebens­kampf, doch dort vermag der frisch entdeckte Soffrol den in Bedrängnis geratenen Terranern und Hekaronern zu Hilfe zu ei­len.

Um das Chaos zu vervollständigen, greifen nun auch noch die eintreffenden TOTAM-Schiffe die Rontat-Flotte an.

Im Moment höchster Not schaltet sich jenes Wesen ein, das die Rontat-Flotte aus der Ferne leitet und noch immer einen direk­ten Kanal zu den Steuerungsmechanismen des Fünf-Planeten-Walls besitzt (warum dieser Einfluss vorher nicht genutzt wurde, bleibt, wie so vieles in der Serie, deren Ende sehr hektisch aus­fiel, leider ungeklärt). Fakt ist, dass die nun vom so genannten MEISTER aktivierte Schaltung wie ein Dolchstoß in den Rücken der paranoiden Robothirne funktioniert. Sie werden kurzge­schlossen, was zu einer Kette von Selbstzerstörungsprozessen führt. Auf diese Weise gehen die Ruinenstädte auf dem Fünf-Pla­neten-Wall unter, und der Angriff auf die Rontat-Flotte wird un­terbunden. Diese kämpft parallel dazu die angreifenden TOTAM-Schlachtschiffe nieder.

Und dann öffnet der MEISTER ein dimensionales Tor und erklärt Oki Stanwer, nun könne er die letzten Rontat besuchen – und ihn selbst auch!

Allerdings führt der Durchtritt in einen dimensionalen Kleinst­kosmos unter einer schwarzen Sonne zunächst in eine mörderi­sche Falle – denn hier gibt es einen WARNER, den Weelon-Killer, der die überlebenden Besatzungsmitglieder der STAR gnadenlos und unterschiedslos zu töten beginnt … allein Oki Stanwer und der veränderte Weelon Meltrag sowie Ekkon scheinen dagegen immun zu sein.

Episode 64: Oki und die sterbende Rasse

(1986, digitalisiert 2011)

Schauplatz: Fünf-Planeten-Wall und Kontinuum der letzten Ron­tat

Oki Stanwer gelingt es mit Hilfe seiner Parafähigkeiten, im letz­ten Moment den WARNER zu zerstören. In seinem Innern ver­barg sich ein durch schier ewige Existenz fast wahnsinniges Rontat-Gehirn, das seines Daseins längst überdrüssig geworden war, aber nicht sterben konnte.

Damit sind die restlichen STAR-Besatzungsmitglieder gerettet, aber zwei Weelon sind durch diese letzte Hürde umgekommen.

Nun kümmert sich Oki Stanwer mit Rontat-Robotern zunächst um die fast vollständig dehydrierten und ermatteten Terraner der FOX und der MÜNCHEN … und trifft nun überraschend auf Soffrol, was dann das nächste „Hallo“ auslöst.

Verständlicherweise ist Ekkon von Soffrols Auftauchen über­haupt nicht angetan. Inzwischen – nach der 1998 erfolgten Fer­tigstellung von KONFLIKT 16 – wird dieses Verhalten absolut ver­ständlich (schließlich sind Ekkon und der LEUCHTENDE damals von Soffrol und seinen Schergen der Neuen LIGA gefoltert und fast umgebracht worden, wie ihr euch erinnern mögt). Leider sind sie dennoch auf Kooperation mit dem riesenhaften Sechs­armigen angewiesen.

Da sie alle inzwischen auf den Planeten der schwarzen Sonne, ins Exil des MEISTERS, transferiert worden sind, machen sich Oki Stanwer und Meltrag in Ghosts auf den Weg, die Rontat zu suchen, die hier leben sollen. Derweil werden die 90 geretteten Terraner der beiden Expeditionsschiffe schnellstens medizinisch von den Robotern versorgt.

Oki und Meltrag finden völlig überwucherte Städte der Rontat, aber in einem Gebäude auch eine akustische Aufzeichnung ei­ner Unterhaltung, die die Rontat geführt haben, als Oki Stanwer im Wega-System isoliert wurde (vgl. Bd. 46). Schließlich treffen sie die 29 letzten Rontat unter ihrem Anführer Kraan’yor-tyi, müssen dafür aber eine Maske tragen, da der Anblick von Ron­tat Wahnsinn auslöst, wie allgemein bekannt ist.

Während sie die tragische Geschichte der letzten Rontat erfah­ren, versuchen Soffrol und Ekkon, die Identität des MEISTERS herauszufinden – was ihnen tatsächlich gelingt. Doch ehe sie dieses Wissen weitergeben können, werden sie vom MEISTER überwältigt.

Die Rontat stammen nach ihren Angaben aus einer Galaxis na­mens Uuhrconn, die 561 Millionen Lichtjahre von der Milchstra­ße entfernt ist. Sie flohen nach Vernichtung ihrer Heimat in ei­nem entropischen Feld mit überrelativistischen Werten in die Ferne und gelangten so in die Milchstraße. Doch der Transit im entropischen Feld verwandelte sie in Ungeheuer, obgleich er auch ihre Geistesfähigkeiten potenzierte. In der Milchstraße wurden sie zu Vasallen TOTAMS und unterjochten die Völker der Galaxis.

Das war der Fall, bis ein fremdes Volk in Erscheinung trat, das ihnen Widerstand leistete – die All-Hüter. Diese kämpften jedoch lange auf verlorenem Posten (und das ergänzt dann die Ge­schichte der Qoon, die Ekkon zuvor schon berichtet wurde), bis die All-Hüter sich ihrerseits eines beeinflussten Volkes bedien­ten, der Weelon, die dann die Machtbasis der Rontat mehr und mehr zurückdrängten.

Als die Rontat sich schlussendlich weigerten, TOTAM zu gehor­chen, wandte sich die Macht des Bösen von ihnen ab, ja, ver­folgte sie … und zwang die Rontat vor gut 4000 Jahren ins Exil. Hier bot ihnen der unheimliche MEISTER seine Hilfe gegen TO­TAM an und hielt seine schützende Hand über die sterbende Rasse.

Letzten Endes, sagen die letzten Rontat Oki Stanwer, haben sie damit aber einen schrecklichen Tausch gemacht – denn der MEISTER erweist sich nach ihren Worten als noch wahnsinniger als neurotische Rontat. Er möchte nach TOTAM vorstoßen und die Macht des Bösen unterwerfen … und nun hat er mit der Gi­gantflotte der Rontat auch ein Mittel, das tatsächlich zu errei­chen!

Episode 65: DIE SCHWARZE MAUER

(1986, digitalisiert 2011)

Schauplatz: Zhuor-System

Klivies Kleines wurde in Band 60 im Innern von Z-NULL von ei­nem gleißenden Leuchten verschlungen … doch handelt es sich dabei glücklicherweise nur um einen Transmitter, der ihn intern versetzte. Nun findet er sich an einem Ort wieder, wo Z-NULL über ihn richten will.

Das Gerichtsverfahren nimmt grotesk-wahnwitzige Konturen an, da Z-NULL immer noch von der Wahnidee besessen ist, alles biologische Leben im Universum geschaffen zu haben. Die Sie­ben Lichtmächte, denen Kleines bekanntlich dient, werden als Betrüger, ja, als „Verräterclan“ apostrophiert. Buchstäblich im allerletzten Moment gelingt es Kleines, den Wahn aufzuhellen und etwa rudimentäre Loyalität Z-NULLS gegenüber den Bau­meistern wieder zu reaktivieren.

Das geschieht gerade noch rechtzeitig – auf Zhuor hat der Bür­gerkrieg desaströse Ausmaße angenommen. Während die Lenk­zentralen der All-Hüter zunehmend ausfallen, weil die Wirkung der SCHWARZEN MAUER sie zerstört, werden auch die letzten Qoon-Rebellen von der Vernichtung bedroht.

Kleines kann einen kleinen Teil von ihnen um Haaresbreite nach Z-NULL per Transmitter evakuieren. Hier behauptet Z-NULL nun Kleines gegenüber, dass Oki Stanwers Primärenergieecho, das an Bord einer Rontat-Schiffsarmada registriert wurde, im Innern der SCHWARZEN MAUER erloschen sein soll.

Kleines ist schockstarr.

Oki tot? Dann ist der KONFLIKT verloren!

Das kann und will er nicht glauben. Er verlangt von Z-NULL, das Möglichste zu tun, um ihn an die letzte Position der Rontat-Ar­mada zu versetzen, damit er sich vergewissern kann.

Z-NULL besitzt (was allerdings ein ziemlich mühsamer und unrealistischer Kunstgriff ist, wie ich heute sagen muss) die Fähigkeit zumindest durch die SCHWARZE MAUER in die Nähe TO­TAMS zu gelangen. Ein direktes Erreichen der Welt des Bösen sei jedoch unmöglich.

Danach befragt, wo Ekkon geblieben ist, muss Z-NULL zugeben, dass sein Transmitterimpuls von einer automatischen Abschir­mungsfunktion Z-NULLS abgeprallt ist. Er ist – wenigstens für Z-NULL und Kleines – darum verschollen.

Und weit jenseits dieses Ortes befindet sich innerhalb der SCHWARZEN MAUER eine kleine, giftig grün schillernde Sonne mit drei Trabanten. Der innerste ist TOTAM, die Welt des Bösen. Die zweite ist eine Fallenwelt, die alsbald als TOTAMS Schein­welt bekannt werden wird. Und die dritte Welt ist die Würfel­welt, die Terry Jones schon gesichtet hat.

TOTAM wartet nun auf die Ankunft der Gegner für die letzte Schlacht.

Der finale Waffengang im KONFLIKT 17 steht unmittelbar bevor!

Und darum kümmere ich mich dann, wie einleitend schon ge­sagt, im nächsten Teil dieser Artikelserie.

Nächste Woche kehren wir in dem Mike Cole-Kosmos zurück zum Planeten Lepsonias … darauf habt ihr ja wirklich lange ge­nug gewartet, Freunde, und vielleicht an den Fingernägeln ge­kaut, weil ich an einer extremen Cliff-hanger-Stelle die Bericht­erstattung abbrechen musste.

Und ja, es bleibt auch in der kommenden Woche sehr drama­tisch, mein Wort drauf!

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Rezensions-Blog 573: Tödlicher Schwarm

Posted August 11th, 2026 by Uwe Lammers

Liebe Freunde des OSM,

alle Dinge enden einmal, das eben der Lauf der Welt. Und wäh­rend einige von euch vielleicht erleichtert aufseufzen mögen, könnte ich mir durchaus denken, dass andere diese Ankündi­gung möglicherweise mit langen Mienen und Enttäuschung auf­nehmen. Gleichwohl steht mein Entschluss fest: Dieser vorlie­gende Rezensions-Blog ist vorerst der letzte, der sich mit Clive Cussler-Romanen beschäftigt.

Ich weiß, dass damit eine – gelegentlich pausierende – Reihe von Blogartikeln zu diesem Autor endet, die, ungelogen, mit meinem Rezensions-Blog 8 am 20. Mai 2015 begonnen hat, vor gut 11 Realjahren also.

Ihr fragt euch sicherlich – und noch mehr wohl nach der Lektüre des vorliegenden Beitrags, der ja nun wirklich überhaupt nicht erschöpft oder enttäuscht ausgefallen ist – , weshalb ich jetzt hier wieder mal die Bremse ziehe. Das hat einen ganz simplen Grund: Ich habe nahezu alle mir vorliegenden Clive Cussler-Ro­mane gelesen und rezensiert.

Gewiss, es gibt noch mehr davon, aber nur noch eine Handvoll, und die meisten davon sind derzeit noch nicht übersetzt. Ich habe mich also dazu entschlossen, hier erst mal wieder eine kleine „Halde“ in den kommenden vielleicht zwei Jahren anzu­häufen, ehe ich hiermit fortfahren, etwa die frischen Abenteuer von Dirk Pitt, Kurt Austin, der OREGON-Crew, den Fargos oder dem Detektiv Isaac Bell vorzustellen.

Was ich stattdessen in Angriff nehme? Oh, das werdet ihr bald lesen können. Ich verweise dafür auf den Rezensions-Blog 579, der in sechs Wochen erscheinen wird. Damit beginnt die Aufarb­eitung einer alten Rezensionsserie, die ich früher im Fanzine „Baden-Württemberg Aktuell“ (BWA) unterbrachte.

Doch nun wenden wir uns der Geisterjagd zu, die Juan Cabrillo auf die Fährte des mörderischen und fanatischen „Vendor“ führt und beinahe in den Tod.

Vorhang auf für ein höllisches Abenteuer:

Tödlicher Schwarm

(OT: Ghost Soldier)

Von Clive Cussler & Mike Maden

Blanvalet 1352

2025, 12.00 Euro

560 Seiten, TB

Übersetzt von Wolfgang Thon

ISBN 978-3-7341-1452-6

Augenscheinlich ist die Schreibfrequenz der Mike Maden-Roma­ne für den relativ neuen Übersetzer zu flink gewesen, als dass er sie alle hätte bewältigen können. Deshalb musste jüngst ja ein anderer unbekannter Übersetzer einspringen beim Vorgän­gerband „Brennender Sand“ … hier ist Thon wieder an Bord und hat das 18. Abenteuer der OREGON-Crew unter Juan Cabrillo übersetzt. Und dieses Werk einen Pageturner zu nennen, wäre wirklich untertrieben. Ich hätte vermutlich am dritten Lesetag auch noch die Nacht durchlesen können, weil es so nervenauf­reibend spannend war. Ich zog dann doch etwas Erholungs­schlaf vor und hob mir das dramatische Finale für den heutigen Morgen auf. Gute Entscheidung!

Worum geht es dieses Mal? Nun, das ist ein wenig verzwickt. Im Grunde genommen ist es die Jagd auf einen Geist – während der Geist zugleich ein mörderischer Gegner ist, der ständig für hölli­sche Überraschungen gut ist.

Alles beginnt in den Endtagen des Zweiten Weltkriegs, als in der Mandschurei ein amerikanischer Flieger von einem japanischen Arzt gesund gepflegt wird. Der Grund dafür ist aber keine Men­schenfreundlichkeit, sondern gezielte Grausamkeit, und der arme Kerl stirbt bald darauf eines grässlichen Todes. Die Spur von Dr. Yoshio Mitomo verliert sich daraufhin im Zweiten Welt­krieg, den Japan bekanntlich verliert.

In der Gegenwart besucht die versierte U-Boot-Technikerin Callie Cosima die OREGON. In Übereinstimmung mit der CIA soll sie hier ihr neues Tiefseetauchboot, den „Ghost Fish“, im Einsatz testen. Später sollen sie noch sehr froh sein, dieses kleine tech­nische Wunderwerk an Bord zu haben, aber das ist in diesem Moment beim besten Willen nicht absehbar.

Schwenk nach Nordkorea: Die nordkoreanischen Militärs schlie­ßen ein Geschäft mit einem geheimnisumwitterten Waffenhänd­ler ab und beziehen von ihm Hyperschall-Torpedos, mit dem sie wenig später ein südkoreanisches Schlachtschiff versenken. Zeitgleich nehmen die chinesischen Provokationen gegenüber der Insel Guam immer dramatischere Züge an – es sieht ganz so aus, als drohe in Fernost eine militärische Eskalation, die die Amerikaner zunehmend alarmiert.

Langston Overholt IV., der inzwischen 80jährige CIA-Veteran, der aus dem Ruhestand immer noch die Fäden zieht und einen en­gen Draht zu Juan Cabrillo von der OREGON hat, hat noch ein weiteres Problem, mit dem er Cabrillo parallel gern betrauen möchte: Auf dem Schwarzmarkt tauchen ständig US-Waffen auf, die verheerende militärische Zwischenfälle verursachen. Er hat auch eine Vermutung, woher sie stammen: aus Afghanistan.

Vor dem Wiedererstarken der Taliban, erklärt er, hätten die dor­tigen Militärs jede Menge amerikanisches Waffenmaterial ange­fordert und natürlich auch erhalten. Aber die damit auszurüs­tenden Soldaten hätten nur auf dem Papier bestanden, seien quasi „Geistersoldaten“ gewesen. So gingen diese Waffenbe­stände, Hunderte von gepanzerten Fahrzeugen, Tausende von Waffen und unzählige Millionen Schuss Munition, direkt in die Hände der Taliban über. Und augenscheinlich werden sie über ein subversives Waffenhändlernetzwerk inzwischen weltweit verteilt.

Da Cabrillo und seine Leute das Netzwerk der „Pipeline“ im vor­letzten Band („Feuermeer“) wirkungsvoll ausgeschaltet haben, muss jemand anderes dafür verantwortlich sein. Aber jede ame­rikanische Intervention in Afghanistan ist definitiv ausgeschlos­sen. Der Chairman der „Corporation“ macht also Maske und be­gibt sich nach Afghanistan.

In der Tat kann er bald herausfinden, dass es geheime Waffenla­ger der Taliban mit überreichlich vorhandenen US-Waffen gibt. Und der Waffenhändler ist ein rätselhafter Unbekannter, der auf den Namen „Vendor“ hört. Leider nützt Cabrillo das wenig, der sich wenig später in einer automatischen Frachtmaschine wie­der findet, eingewickelt wie eine Mumie und obendrein gefes­selt, unterwegs an ein unbekanntes Ziel.

Es gelingt ihm zwar, sich zu befreien und aus dem Flugzeug zu entkommen, aber nun setzt eine Kette von abenteuerlichen Er­eignissen ein, die ihm und seiner Crew sehr schnell zeigen, dass sie es mit einem höllischen Gegner zu tun haben. Während sie noch dabei sind, mit Hilfe des „Ghost Fish“ den Flugschreiber des abgestürzten Flugzeugs aus der Tiefsee zu bergen, wird überraschend die OREGON wie aus dem Nichts heraus sowohl mit Hyperschallraketen als auch Torpedos attackiert und ent­geht nur knapp der Vernichtung. Der geborgene Flugschreiber selbst erweist sich als heimtückische Waffe, die beinahe die Computer der OREGON grillt.

Und so geht es immerzu – jeder Versuch, den geheimnisvollen „Vendor“ ausfindig zu machen, führt zu immer neuen Attacken, die von Mal zu Mal versierter und gemeiner werden. Schließlich wird zunehmend deutlich, dass jemand in der US-Geheimdienst­verwaltung als Maulwurf des „Vendor“ arbeiten muss und stän­dig Informationen über die OREGON-Manöver an den Feind wei­terreicht. Und der „Vendor“ selbst verfügt über einen messer­scharfen Verstand und eine hochgezüchtete Künstliche Intelli­genz, die eine atemberaubende Reaktionsgeschwindigkeit er­möglicht.

Als sich Juan Cabrillo und sein Kompagnon Franklin Lincoln schließlich inkognito auf „Island of Sorrows“ (Lage unbekannt) zusammen mit einer Söldnerschar in dem tödlichen Waffentest des „Vendors“ wieder finden, agieren sie plötzlich ohne Netz und doppelten Boden – und werden von den militarisierten Drohnenschwärmen des Waffenhändlers gnadenlos gejagt … aber auch das ist noch lange nicht das Ende vom Lied. In Wahr­heit strebt der Fanatiker einen Massenmord an, der zum Dritten Weltkrieg führen soll … und die Weltuntergangsuhr tickt immer schneller …

Zu sagen, der Roman sei spannend, wäre tatsächlich die Unter­treibung des Jahres. Man ist ja intuitiv geneigt zu sagen, dass Clive Cussler-Romane wesentlich nach einem klaren Strickmus­ter ablaufen, was grundsätzlich richtig ist. Aber es ist eine Sa­che, eine bewährte, quasi „unkaputtbare“ Crew gegen einen neuen Gegner einzusetzen – eine völlig andere dagegen entwickelt sich, wenn wir es mit einem mehr als respektablen Gegner zu tun haben. Denn die Dramatik steigert sich unvermeidlich, wenn unsere Helden nicht nur gegen Dumpfbacken antreten, sondern gegen wirklich kluge, gemeine und heimtückische Feinde.

Mit so etwas haben wir es hier zu tun. Der „Vendor“ ist ein wirk­lich genial zu nennender Waffenerfinder und Waffenhändler in einer Person, der mit massiver KI-Unterstützung und skrupello­sen Vasallen weit im Voraus plant und so mehrere fast vernich­tende Schläge gegen die OREGON ausführt, die ihm oft mit mehr Glück als Verstand entkommen kann. Er selbst und seine Zielrichtung bleiben lange ein völliges Rätsel. Und so etwas schätze ich sehr.

Man spürt deutlich, dass der Autor – enorm kenntnisreich und weltpolitisch eindeutig am Puls der Zeit, wie diverse Hinweise auf den Ukraine-, den Afganistan-Krieg und die Unruhen im Ko­sovo zeigen – seinen Villain sehr ernst nahm und ihn als schwer­gewichtigen Gegner zu Juan Cabrillo aufgebaut hat. Die Konse­quenz sind zahlreiche üble Blessuren, die nicht nur die OREGON davonträgt, sondern auch Cabrillo und seine Besatzung.

Das Titelbild des Roman ist zwar weitgehend frei erfunden, aber es stimmt durchaus gut auf die Geschichte an sich ein. Alles in allem ist das wirklich eine Geschichte, die jeden Action lieben­den Leser solide abholen kann. Macht euch auf einen wirklich wilden Ritt gefasst, Freunde, wenn ihr mit der Lektüre beginnt – klare Leseempfehlung meinerseits!

 

© 2026 by Uwe Lammers

Caramba, das war vielleicht ein Höllenritt! Ich stimme euch dar­in absolut zu. Aber vertraut mir, auf die Berg- und Talfahrt ist bei mir Verlass. In der kommenden Woche schlittern wir mit Jes­sica Clare in das nächste humorvolle romantische Abenteuer Ich glaube, das wird euch Spaß machen.

Bis dann, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.

Liebe Freunde des OSM,

es ist echt schon wieder dreizehn Wochen her, dass ich diese Rubrik mit einem neuen Beitrag bestückte. Very sorry, Freunde … es gab so vieles andere, was ich zwischenzeitlich dringend berücksichtigen musste: Langzeitprojekte, Fehlerlese-Beiträge, Artikel zu der Close Up-Reihe, ein weiterer Logbuch-Eintrag … früher ging es hier also wirklich nicht weiter.

Heute schauen wir uns im Verlauf des Jahres 2024 das dritte Quartal des Jahres an und scannen mal, was sich dort an Anna­len-Texten bewegt hat.

Schauen wir zunächst nach der rein numerischen Größe dieser drei Monate Juli, August und September 2024. Mit 29, 18 und 23 Werken sind das relativ starke Monate gewesen. Doch wirkt sich das auch auf die Annalen-Werke aus? Das sehen wir uns nun mal genauer an.

Der Monat Juli, eigentlich einer der Hitzemonate, in denen ich wenig kreativ bin, fällt naturgemäß durch eine Vielzahl von Blogartikeln auf. Aber er startet gleich mit der Neuformatierung der Annalen-Geschichte „Der Matrixschatten“, die ich dann in zwei Teilen ins Fanzine BWA brachte. Solche direkten Publika­tionen gerade aktualisierter Werke ist, wie ihr wisst, eher selten.

Dadurch angestachelt, versuchte ich natürlich, bei den Annalen-Projekten etwas voranzukommen. Ein erster Kandidat war die in KONFLIKT 2 spielende Story „Wandlungen“, die mich nicht wirklich vorwärts brachte.

Dann versuchte ich mein Glück bei einem Fragment, das „Die Crellys“ heißt und das mutmaßlich im KONFLIKT 11 spielen könnte. Auch hier versiegte der Schreibelan leider sehr schnell.

Dann entdeckte ich ein altes Fragment mit dem Titel „Ver­schwörer“ wieder und aktualisierte es etwas.

Etwas besser voran kam ich bei der Novelle „Ein zukunftswei­sendes Verbrechen“, aber das ist ebenfalls noch sehr weit von der Fertigstellung entfernt.

Ein weiteres, selten beachtetes Fragment ist „Rätsel von Arc“, das ich gleich im Anschluss aktualisierte.

Nach dem 10. des Monats kümmerte ich mich um ein kleines Fragment aus KONFLIKT 16, das den Titel „Beas Freund“ trägt. An dem denke ich tatsächlich jetzt im November 2025 wieder herum und tendiere dazu, es völlig anders aufzusetzen. Mut­maßlich sollte dies die Schreibarbeit daran wieder intensivieren. 2024 kam ich auch hier nicht mehr allzu weit voran.

Ebenfalls in diesem Monat ging ich weiter in dem Skript für „Die Matrixsoldatin“, das sich um eine gestorbene Protago­nistin aus KONFLIKT 16 kümmern wird. Aber da hier immer noch alles ziemlich nebelhaft ist, kann es nicht verwundern, dass ich da nicht sehr weit vorwärtskommen konnte.

Etwas besser ging es mit dem Roman „Rilaans Geschichte“ voran, von dem ich euch ja schon in der Rubrik „Langzeitprojek­te“ mehr näher gebracht habe. 2024 war auch dieses Projekt von der Fertigstellung weit entfernt.

Zum Monatsende kümmerte ich mich dann noch um „Die Tie­fenwächter“ … auch eine Geschichte, die mutmaßlich im ers­ten Netzuniversum spielt, also KONFLIKT 24. Aber vielleicht ist sie auch in KONFLIKT 25 lokalisiert, das ist nach wie vor nicht deutlich.

Ihr seht jedenfalls – es wurden eine Menge Annalen-Baustellen in diesem Monat angesteuert.

Im August ging das munter weiter: Der erste Kandidat, um den ich mich hier kümmerte, war das Fragment „Todesmission auf Tsaigur“, von dem ich inzwischen genau weiß, dass es sich hier um ein Abenteuer Oki Stanwers in KONFLIKT 24 „Oki Stanwer – Der Neutralkrieger“ handelt. Woher ich das inzwischen so genau sagen kann? Ich habe die Geschichte in der NK-Serie kursorisch erwähnt. Half mir das hier weiter? Nicht wirklich. Aber der            Ide­enkeim ist sehr lebendig, mutmaßlich wegen der Tatsache, dass ich sowieso im KONFLIKT 24 derzeit ziemlich aktiv bin.

Es ging weiter mit der Geschichte „Shonkashs Neugierde“, die in der Galaxis Feuerrad angesiedelt ist, mutmaßlich in einem Paralleluniversum zu KONFLIKT 20 „Oki und Cbalon – Das Ewig­keitsteam“. Dort handeln auch die Feuerspürer-Romane um den Xin Shorex’uss.

Dann machte ich eine Stippvisite in KONFLIKT 22 „Oki Stanwer – Der Schattenfürst“ in der monströsen Geschichte „Geister“ … allerdings nicht sehr lange.

Ich switchte um in KONFLIKT 12 und schaute mich hier um bei dem Fragment „Eine Frage des Glaubens“, das ebenfalls sehr reizvoll ist. Aber auch hier sprang der Funke leider nicht über.

Ein weiteres Projekt, das im weitesten Sinn dem Horizont der „Annalen“ zuzurechnen ist, nämlich die Buch-Umarbeitung der Serie „Kampf gegen TOTAMS Dämonen und Schergen“ in Form des Werkes „DER SIEGEL-KONFLIKT“ bildete dann in diesem Monat den nächsten Haltepunkt. Ebenfalls nur sehr kurzzeitig.

Danach ergänzte ich ein paar Angaben zu der Story „Pazifis­ten“ bzw. deren Überarbeitung, die sich seit langem dahin­schleppt. Ebenso arbeitete ich an dem Hintergrundtext „Der Alptraumpfad der Ordnung“ weiter, kam aber auch hier nicht zum Abschluss.

Fernerhin kümmerte ich mich etwas um „Die Reisenden von Beltracor“, wobei ich hier immer noch nicht entscheiden kann, ob das eine Story, ein Story-Mehrteiler oder aber eine Art von Subserie werden könnte. Also ließ ich auch diese Geschichte sinnvollerweise rasch wieder ruhen.

Ein weiteres Fragment aus KONFLIKT 16 ist „Der Orgasmus-Symbiont“, der ungeachtet seines schlüpfrigen Titels eigentlich inzwischen eine gründlich andere Ausrichtung erfahren hat, je­denfalls den angefügten Notizen nach, die ich hier ergänzte. Leider immer noch eine Baustelle.

Dann gab es da noch den Roman „Die Totenköpfe 2: Durch die Ruinenwelten“, der zwar schon ziemlich lang ist. Doch seine Szenenblenden sind nahezu noch völlig unverbunden, dass man von einer nahen Fertigstellung wirklich nicht ausge­hen sollte.

Damit schloss ich dann den Monat August 2024 ab. Also, Lange­weile sieht deutlich anders aus.

Im September 2024 fokussierte ich dann sehr stark auf die Digi­talisate, insbesondere auf den in diesem Sommer in Angriff ge­nommenen Korpus der Serie „Oki Stanwer – Der Dämonenjä­ger“. Hier kam ich bis Ende September immerhin schon bis Band 24. Das fand ich binnen weniger Monate schon sehr beachtlich …

Aber wir wollen ja unser Augenmerk auf die Annalen-Bände richten, an denen ich weiter geschrieben habe. Tja, und da herrscht hier vollständige Fehlanzeige. Der Fokus verschob sich in diesem Monat doch wirklich sehr stark auf die Digitalisate und die Blogartikel, unterbrochen von einigen Rezensionen und Storyabschriften.

In ein paar Wochen kümmern wir uns dann im nächsten Teil die­ser Artikelserie um das Schlussquartal des Jahres 2024, in dem es vielleicht besser ausschaut als im September. Nächste Wo­che reisen wir dann erst einmal zurück in den KONFLIKT 17 „Drohung aus dem All“, wo wir allmählich ins Serienfinale star­ten werden.

Bis dann, Freunde, mit

Oki Stanwers Gruß,

euer Uwe.